Mo Yan

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Mo Yan in Hamburg (2008)

Mo Yan (*17. Februar 1955 in Gaomi in der Provinz Shandong) ist ein chinesischer Schriftsteller. 2012 wurde ihm als erstem chinesischem Staatsbürger der Nobelpreis für Literatur zuerkannt.[1]

Selbstzeugnis

"Meine Bücher spielen alle vor dem Hintergrund der chinesischen Geschichte der letzten hundert Jahre, und die bestanden vor allem aus Krieg und Elend. Das ist auch meine persönliche Lebenserfahrung. Ich bin 1955 in einem armen Bauerndorf geboren und in der Zeit des Klassenkampfes aufgewachsen. Wegen der Kulturrevolution konnte ich nur fünf Jahre lang die Schule besuchen, danach musste ich in die Welt der Erwachsenen. Die Menschen haben sich damals pausenlos niedergemacht, mal mit Worten, mal mit körperlicher Gewalt. Wie sollte John Updike mit seinem gepflegten amerikanischen Mittelstandshintergrund das verstehen? Chinas Wahrheit ist eben nicht so elegant." (Interview vom 10.7.2009)

Wertungen

Wer bei ihm Eindeutigkeiten, Gut oder Böse sucht, hat keinen Erfolg. Noch im letzten Moment seines großen Romans Die Knoblauchrevolte stürzt der Held zu Boden auf den Schnee. Vielleicht ist er nur ausgerutscht, vielleicht hat ihn gerade der Wächter des Arbeitslagers erschossen. Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass die Hauptfigur bis zum Schluss auf Rache sinnt.

Zur Ruhe kommen Mo Yans Helden nie. Sie sind auch keine Identifikationsfiguren. Es sind Leute, die keine andere Wahl haben: Sie müssen China ertragen. Dabei verlieren sie meist die Sinne.

In dem Roman Schnapsstadt flüchten sie in den Alkohol, der zur Chiffre für die Gedanken- und Besinnungslosigkeit der modernen chinesischen Gesellschaft wird. Lieber als über Mos fatale Orgien zu lesen, geht man gut chinesisch essen. Aber je länger man Mo liest, desto mehr ahnt man, wie sehr die Chinesen kämpfen müssen, um anständige Menschen zu bleiben. Das liegt laut Mo nicht nur an der brutalen konfuzianisch-kommunistischen Obrigkeit, die in seinen Romanen foltert und mordet, sondern immer auch an der Fehlerhaftigkeit seiner Helden.


Georg Blume: Helden, die nicht zur Ruhe kommen, ZEIT online 11.10.12

Man sollte mal bedenken, dass in China bis heute Schrifsteller in Haft sitzen, weil sie regierungskritische Schriften verfasst haben.In diesem Land herrscht eine allgemeine Zensur, viele mutige Schriftsteller werden für ihr Gewissen bestraft. Es gibt genug Vertreter der chinesischen Literatur, die noch weitaus repräsentativer für die chinesische Literatur sind als Mo Yan. Bei Dao zum Beispiel.

Diese Verleihung setzt ein fatales Zeichen und führt den Chinesen in aller Klarheit noch mal vor Augen, wie ignorant die westliche Gellschaften gegenüber den Menschenrechten in China sind. Professor Cui Weiping aus China kommentiert zu der Verleihung: "Dies ist eine Welt, die Tyrannen bei ihrer Tyrannei unterstützt. Dies ist ein schwerer Schlag gegen alle Schriftsteller in Haft und alle Menschen, die unter der Verfolgung der Zensur leiden müssen."


reven: Kommentar 8 zu: Helden, die nicht zur Ruhe kommen am 12.10.12

Anmerkungen

  1. Livestream via nobelprize.org (abgerufen am 11. Oktober 2012).