Die abgegangene Sichelmühle zwischen Bieg und Frommetsfelden

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Die abgegangene Sichelmühle

Im ältesten Salbuch der Burggrafen zu Nürnberg (zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts) heißt es unter den Abgaben von Colmberg: „Di Sigelmul ein pfunt und ein hun“.

Claus Broser zitiert in seiner Chronik von Colmberg eine Urkunde vom 13.3.1453.

"Albrecht (Achilles), Markraf zu Brandenburg etcc. Verleiht seinem lieben Getreuen Mercklein Sigelmülner (Sichelmüller) in der Sigelmühl ( Sigmühle zwischen Bieg und Frommetsfelden) und allen seinen Erben den Mühlgraben von der Bieg bis auf das Mühlrad in der Sigelmül mit allen seinen Einflüssen." (StaN 499/90)



Diese Mühle existiert schon im „Clavis des Burggraffthums Nürnberg unterhalb des Gebürgs“ aus dem Jahr 1735 nicht mehr.[1]



Wo stand wohl die Mühle genau?

Betrachtet man die historische Karte aus dem 19. Jahrhundert, so vereinigen sich der Kreuthbach und der Ödenbach oberhalb von Bieg. Deutlich erkennt man zwei Teilumleitungen dieser Bäche nördlich von Bieg, die wohl eher dem Hochwasserschutz dienten, der vor allem in der Gruppenflurbereinigung Obere Altmühl angegangen wurde. Andererseits könnte man meinen es handle sich um einen Mühlkanal. Unterhalb von Bieg erkennt man mehrere knotenartige Weitung dieses Baches, die der Wasserspeicherung hätten dienen könen. Westlich und östlich des Zusammenflusses von Altmühl und Ödenbach/Kreuthbaches befinden findet man die Flurbezeichnungen „Mühlwiesen“, „Mühläcker“ und „Mühlfeld“, so dass man meinen könnte, dass die Mühle eher hier gestanden sei. Gestützt wird diese Annahme noch durch die Bezeichnung „Kehrwiesen“ da oft der Müller zum Freischneiden des Flusses von Schilf etc. verpflichtet war (….) s. a. P-Seminar: Mühlen auf der Frankenhöhe/Die_Problematik_der_Mühlen_im_18._und_19._Jahrhundert






Inwiefern die abgegangene Mühle in Verbindung stand mit der Wüstung Ullenhofen ist mehr wie unklar: Jehle (2009, S. 609 f) beschreibt den bei der "Errichtung der Pfarrei Stettberg (1351) wurde der später abgegangene Ort Ullenhofen oder Wellenhofen noch als bewohnt bezeichnet wird... Die eigenartige Formulierung cum loco olim curiarum (mit dem Platz der einstigen Höfe) Ullenhofen könnte aber bedeuten, dass die Höfe von Ullenhofen nicht mehr in ihrer Ursprünglichen Rechts- und Wirtschaftsform existierten. Die Siedlung lag, seiner Meinung nach, wohl am Ort des heutigen Flurnamens Wellhofhöhe oder unterhalb davon, nur ca. einen Kilometer westlich von Oberfelden ". Er vermutet gar, dass Ullenhofen /Wellenhofen in Oberfelden aufgegeangen ist.

Codex Durlach 2 Portrait
Es mag sein, dass die Zerstörung der Mühle im Bauernkrieg (1525) stattfand, denn nach dem Aufsatz „Der Bauernkrieg im fränkischen Reichskreis“ ,


sowie zwei weiteren Dokumenten wurden die Dörfer Bieg und Frommetsfelden auf dem Rückzug Markgrafs Kasimir niedergebrannt.[2], [3]
Nach einer anderen Quelle (zitiert in 800 Jahre Geslau, Gemeinde Geslau) geriet 1524-1525 gauch Geslau zwischen die Fronten: „Dadurch zwang er den Markgrafen, der jetzt, was früher hätte geschehen sollen, seine linke Seite und seine Hauptstadt in Gefahr sah, zum schnellen Rückzug nach Leutershausen: im flüchtigen Rückzug brannten seine Reisigen noch Stettberg, Binswang, Windelsbach und Geslau an.“

Natürlich kann die Mühle auch im 30-jährigen Krieg 1618 – 1648 abgängig geworden sein, entweder durch direkte Einwirkungen des Krieges oder durch Seuchen wie die Pest. So verzeichnet Beispielsweise Geslau für das Jahr 1634 209 Tote.

Bei Hahn (1989, S. 54) heißt es:

„Geßlaw: 1630: 23 Mannschaften, 4 Häuser und 10 Stadel sind durch die schwedischen Soldaten am ´grünen Donnerstag´ anno 1634 abgebrannt worden. 10 Mannschaften sind teils weggezogen, teils abgestorben und halten sich ´ahn Ort und endt´ auf, die man ´jetzt nit wissen kann´; die anderen sind noch ´bei Haus´. 9 haben Winterbau eingebracht.“ Es folgen die Namen „Hans Ebner, Hans Dengel, Conz Cothen, Conz Leidenberger, Linhart Hohe, Hans Schmidt, Christoph Böckler, Hans Eckart, der Herr Pfarrer“ sowie Angaben über die bebaute Fläche von 29 ¾ Morgen und die Viehbestände: „6 Pferde, 4 Schubochsen, 5 Kühe.“

In den anderen Dörfern sah es nicht anders aus. Fast die Hälfte der ursprünglichen Bevölkerung gab es nicht mehr.

So war es nicht verwunderlich, dass die im Zuge der Gegen-reformation aus Österreich und Bayern (wegen ihrer Weigerung den evangelischen Glauben aufzugeben) ausgewanderten „Exulanten“ willkommene Neubürger in Teilen Mittel- und Oberfrankens waren. Insgesamt schätzt man diese auf ca. 100 000 Menschen. Alleine im Dekanat Leutershausen waren es nach Krauß (2006) 1370 namentlich in den Kirchenbüchern verzeichnete Personen, darunter für Binzwangen-Stettberg 25 und für Geslau (mit den heutigen Ortsteilen) 70.

Warum die Mühle in nicht wieder errichtete mag unterschiedliche Gründe haben, z. B. die Hochwassergefährdung im Bereich der Altmühl oder einfach dass man keinen Nachfolger fand.

Letztendlich ist man nur auf Vermutungen angewiesen, Belege liegen dafür nicht vor.


Die Lindachmühle (Lindleinsee)

Eine weitere abgegangene Mühle befindet sich im Vorland der Frankenhöhe auf ehemals reichsstädtischem Gebiet. „1376 erfolgte der Verkauf des Lindachsees um 1000 Pfund Heller von den Küchenmeistern an Rothenburger Bürger. Dort befand sich eine Mühle“ (Huggenberger, F, 2016, S. 206).



Diese muss vor (lange) vor 1735, denn im o.g. Clavis ist weder am kleinen, noch am großen Lindleinsee eine Mühle Die Seen liegen zwar im Gebiet der Reichsstadt Rothenburg, doch sind im Clavis auch Seen und Mühlen fremder Herrschaftsgebiete engezeichnet. So findet man im Clavis oberhalb des kleinen und großen Lindleinsees zwei weitere kleinere Seen, die als Wasserspeicher fungiert haben könnten.[4]. In der Karte der Uraufnahme aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert ist der obere überhaupt nicht mehr zu finden und der untere scheint verlandet.

Mühle zwischen Dornhausen und Hürbel?



Noch spärlicher ist die Datenlage für eine mögliche Mühle nördlich Hürbel (Geslau) am Zusammenflusses von Sulzach und Kreuthbach. Weder in der historischen Karte des 19. Jahrhunderts findet man außer der Flurbezeichnung "Mühlwiese" noch im Clavis des Burggrafthums von 1635 findet man keinen Hinweis auf eine Mühle. Wenn es eine gegeben hat, so mögen die Ausführungen unter der Sichelmühle gelten.

Die abgegangene Mühle von Hilpertshof


"Item Ulr. Dapifer de Habelsheim recepit et cum eo H. frater suus unam curiam, molendinum et decimam in Herbrehtzhouen..." (in: Das älteste Lehenbuch des Hochstifts Würzburg 1303-1345, genauer: 1335 - 1345)

  • Uraufnahme 19. Jhd. nur noch Mühlkanal erkennbar
  • Clavis des Burgrafthums (1735) nicht eingetragen