Ergebnissicherung im Informatikunterricht

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Diese Seite wurde von Studierenden der PH Heidelberg erstellt.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Ein wichtiger Bestandteil des Lernens an der Schule ist die Ergebnissicherung. Hierbei werden die erarbeiteten Ergebnisse festgehalten. Diese Ergebnissicherung dient dann als Erinnerungsstütze, wenn der Stoff wieder abgerufen werden soll, zum Beispiel vor Klausuren.

Die klassische Ergebnissicherung besteht aus Tafelanschrieb, daraus resultierendem Heftaufschrieb und Arbeitsblättern. Gerade im Informatikunterricht bietet es sich aber an, vom reichen Angebot anderer Ergebnissicherungsarten und -medien Gebrauch zu machen. In diesem Artikel werden die verschiedenen Ergebnissicherungsmedien mit Vor- und Nachteilen vorgestellt. Die illustrierenden Beispielthemen dazu orientieren sich am Bildungsplan des Informatikunterrichts an allgemeinbildenden Gymnasien.

Zunächst wird ein Medium vorgestellt, das für eine Unterrichtszentrierte Ergebnissicherung genutzt werden kann.
Dabei wird aufgezeigt, wie man das Interaktive Whiteboard (IAW) als Ergebnissicherungsmedium verwenden kann.

Danach wird sich den Schülerzentrierten Ergebnissicherungsmethoden zugewendet.
Diesbezüglich werden Plakate, das Lerntagebuch, die Dokumentation eines Softwareprojekts und das Wiki mit Anwendungsbeispielen aufgezeigt.

Unterrichtszentrierte Ergebnissicherungsmedium

Interaktives Whiteboard (IWB)

Aus Unwissenheit darüber, welche Möglichkeiten ein IWB überhaupt bietet, verwenden viele Lehrkräfte es wie eine Tafel (Schnier, 2010). Dadurch bleiben viele Funktionen des Mediums ungenutzt. Aus diesem Grund werden die Features eines IWBs im Folgenden vorgestellt.
Anschriebe können bereits zu Hause vorbereitet und im Unterricht geöffnet werden (Schlieszeit, 2011). Jedoch sollte die Lehrkraft nicht den ganzen Aufschrieb, sondern immer nur ein ‚Gerüst‘ anfertigen (wie z.B. in Abbildung 1). Andernfalls käme es zu keinen Interaktionen mit den Schülerinnen und Schülern und sie arbeiten nicht mit. Somit ist es notwendig, einen Teil des IWB-Bildes mit der Klasse zu erarbeiten.
Der Aufschrieb liegt in digitaler Form vor, dadurch kann er gespeichert werden. Folgende Pluspunkte sieht Irion (2010) in der Möglichkeit die Anschriebe digital zu sichern:
Dadurch, dass die Aufschriebe gespeichert werden können, können sie in Folgestunden wieder geöffnet werden. Folglich können Zusammenhänge zwischen den Unterrichtsstunden hergestellt werden. Des Weiteren können somit IWB-Bilder bei einer Wiederholungsstunde vor einer Klassenarbeit wieder aufgerufen werden. Darüber hinaus können durch das Speichern der Abschriebe Lehrende unkompliziert Unterrichtsmaterialien mit Kolleginnen und Kollegen austauschen.
Außerdem bietet ein IWB beliebig viel Platz für einen Aufschrieb, da unendlich viele Tafelseiten erstellt werden können. Jedoch sollte die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler nicht mit zu vielen Informationen überfordern (Müller, 2011) und nicht zu viel anschreiben.
Nach Müller (2011) kann das IWB für Lehrkräfte, die eine schwer lesbare Schrift haben, eine große Hilfe sein. Denn das Medium kann so eingestellt werden, dass es die Handschrift des Schreibenden in Printbuchstaben umwandelt. Dabei sind die Schriftart, die Schriftfarbe und die Schriftgröße frei wählbar. Allerdings sollte der Lehrende darauf achten, dass die Schriftgröße groß genug ist, so dass die Schülerinnen und Schüler, die ganz hinten sitzen, auch alles lesen können. Die Lehrperson kann ebenfalls Texte markieren und unterstreichen (Müller, 2011).
Überdies lässt sich mit einem IWB der auditive und der visuelle Kanal der Schülerinnen und Schüler ansprechen, denn mit Hilfe des Mediums können sowohl Filme/Videos/Animationen und Musik abgespielt, als auch Bilder gezeigt werden (Cordes, 2010). Gerade bei Bildern ist es wichtig, sie verkleinern bzw. vergrößern zu können, diese Funktionen ist auch vorhanden (Müller, 2011). Jedoch sollte die Lehrkraft immer darauf achten, dass das gewählte Medium auch zur Stunde passt und nicht alle in einer nutzen. Ansonsten könnten die Schülerinnen und Schüler überlastet werden (Schnier, 2010).
Für den Informatikunterricht ist die Zirkel- und Linealfunktion besonders vorteilhaft (Müller, 2011). Denn durch diese lassen sich präzise Kreise und gerade Linien zeichnen.

Vorteile

  • die Lehrkraft hat unendlich viel Platz für Tafelanschriebe, da immer weitere Tafelseiten erstellt werden können (Cordes, 2010)
  • der IWB-Anschrieb kann digital gesichert werden, somit kann die Lehrkraft Zusammenhänge zwischen mehreren Tafelanschrieben aus unterschiedlichen Stunden herstellen (Irion, 2010)
  • die Lehrperson muss sich keinen Fernsehwagen, CD-Player oder Tageslichtprojektor organisieren, da mit Hilfe des IWBs Videos und Musik abgespielt und Bilder gezeigt werden können (Cordes, 2010)

Nachteile

  • es gibt kaum Studien zu messbaren Lernerfolgen durch die Nutzung von IWBs, somit ist es nicht bewiesen, ob es sich überhaupt lohnt dieses Medium zu nutzen (Irion, 2010)
  • Lehrkräfte müssen den Umgang mit IWBs erst erlernen und benötigen aus diesem Grund Zeit für Fortbildungen
  • das Schreiben auf dem IWB ist oftmals schwierig, da IWBs häufig ungenau sind und dann das, was anzeigt wird nicht dem entspricht, was geschrieben wurde (Cordes, 2010)

Beispiele

  • Bei Übungen zu UML-Diagrammen kann ein IWB vorteilhaft sein, da die Lehrkraft das Gerüst für ein UML-Diagramm, wie in Abbildung 1, bereits zu Hause vorbereiten kann.

Gegeben sei folgende Aufgabe:
Ein Freund von Ihnen möchte einen Onlineshop eröffnen. Da er weiß, dass Sie ein Computergenie sind, bittet er Sie dabei um Hilfe. Er hat bereits ein UML-Diagramm entworfen, jedoch ist es unvollständig. Ergänzen Sie die fehlenden Datentypen und kennzeichnen Sie, dass die Klassen Hose und Shirt von Kleidung erben.
Bei der Besprechung der Aufgabe muss das unvollständige UML-Diagramm nicht erst mühselig an das IWB geschrieben werden, sondern man kann das zu Hause vorbereitete Gerüst einfach öffnen und ergänzen:

Tanja T UMLDiagrammGeruest.jpg
Abbildung 1: Beispiel für ein UML-Diagramm-Gerüst

Durch das im IWB enthaltende Lineal, lassen sich einfach und präzise die Vererbungs-Pfeile, wie in Abbildung 2, einzeichnen: Tanja T VererbungUMLDiagramm.jpg
Abbildung 2: Beispiel für ein UML-Diagramm-Gerüst mit eigezeichneter Vererbung

  • Bei Sortieralgorithmen können IWBs ebenfalls hilfreich sein, indem die Lehrkraft z.B. bei der Einführung des Bubblesort-Algorithmus' eine Animation, wie in Abbildung 3, zeigt. Mit Hilfe derer sollen die Lernenden dann selbst erarbeiten, wie das Sortierverfahren funktioniert:

Tanja T Bubblesort.gif
Abbildung 3: Animation, die zeigt, wie der Bubblesort-Algorithmus funktioniert

Schülerzentrierte Ergebnissicherungsmethoden

Plakate und Wandzeitungen

In aller Kürze sind Plakate eine ES, die für alle sichtbar ist.

Täglich werden wir mit Werbeplakaten konfrontiert, die um unsere Aufmerksamkeit wetteifern. Plakate mit Informationen im Unterricht herzustellen, ist weder eine neue Idee, noch spezifische für den Informatik-Unterricht zugeschnitten. Die ES für alle ist deswegen aber nicht weniger attraktiv.

Beim Erstellen von Plakaten werden SuS selbst zu Autoren und Designern eines öffentlichen Mediums. Das Plakat kann nicht nur als Resultat eines Arbeitsprozesses alle Ergebnisse darstellen; bei einer "Wandzeitung" wird ein Plakat immer weiter mit Inhalt angereichert und somit zusätzlich der Lernprozess dokumentiert.

Plakate am Computer zu entwerfen und auf einem Plotter (oder an einem normalen Drucker) zu "materialisieren" bringt ganz nebenbei weitere Erfahrungen mit sich. Es bietet die Möglichkeit Themen wie Urheberrecht, Serifen-Schrift oder ganz schlicht Textverarbeitung anzusprechen. Die Freinet-PädagogikWikipedia-logo.png setzt sich differenziert mit einer Schuldruckerei auseinander, die durch Computer und Drucker ersetzt werden kann. Bei Freinet wird die Wandzeitung auch als Medium des öffentlichen Feedbacks behandelt.

Vorteile

  • öffentliches Ergebnis
  • leicht zu Erstellen
  • schwer zu verlieren
  • Erstellen an sich kann Unterrichtsinhalt sein

Nachteile

  • Nur eine begrenzte Anzahl von Plakaten passen in ein Zimmer

Wikis

Dieser Abschnitt stützt sich auf Moskaliuks (2010) Buch über Wikis.
Ein Wiki ist eine Online-Enzyklopädie, bei der jeder, der einen internetfähigen Computer verwendet, einen Artikel erstellen und andere Artikel editieren kann.
Diese schülerzentrierte Ergebnissicherungsmethode kann einfach umgesetzt werden, da der Informatikunterricht sowieso in einem Computerraum stattfindet.
Wenn man ein Wiki im Unterricht verwenden möchte, sollte man den Schülerinnen und Schülern zunächst einmal erläutern, wie man einen Wiki-Artikel verfasst, wie man ihn formatiert und gegebenenfalls auch, wie man Videos und Bilder einbindet.
Es gibt zahlreiche Methoden, wie ein Wiki als Ergebnissicherung verwenden werden kann. In diesem Abschnitt wurde sich darauf beschränkt, die Erstellung von Wiki-Artikeln als Projektarbeit zu nutzen.
Dabei kann man als Lehrkraft ein Oberthema vorgeben zu dem jede Schülerin und jeder Schüler sich ein passendes Unterthema aussuchen kann oder ihm eines zugeteilt wird. Die Lernenden erarbeiten ihr Thema dann eigenständig. Dabei recherchieren sie selbst nach Informationen zu ihrem Thema, werten diese aus und halten sie in einem Wiki-Artikel fest. Somit lernen die Schülerinnen und Schüler durch das Verfassen eines Beitrages selbstständig zu arbeiten.
Die Kursteilnehmen können sich gegenseitig helfen, da sie die Möglichkeit haben den Artikel des jeweils anderen zu editieren und damit zu verbessern. Folglich werden ebenfalls die sozialen Interaktionen der Schülerinnen und Schüler untereinander gefördert.
Des Weiteren wird durch die Speicherung des Artikels in einem Wiki der Beitrag für jeden problemlos zugänglich gemacht. So können die Lernenden auch von zu Hause aus auf das Material zugreifen. Jedoch muss dabei bedacht werden, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler einen Internetanschluss zu Hause haben. Sollte dies der Fall sein, können z.B. Computer in der Schule bereitgestellt werden.
Darüber hinaus können Wiki-Artikel miteinander verlinkt und dadurch strukturiert werden. Demzufolge lassen sich alle Artikel zu einem bestimmten Oberthema miteinander verknüpfen.

Vorteile

  • Wikis sind softwareunabhängig, dies erspart Organisationsarbeit
  • Wiki-Artikel sind simpel zu editieren, somit kann jede Schülerin und jeder Schüler den Artikel des jeweils anderen verbessern bzw. an anderen mitarbeiten, dadurch werden soziale Interaktionen bzw. Gruppeninteraktionen unterstützt
  • Seiten können miteinander verlinkt und somit strukturiert werden, dadurch können die Lernenden Zusammenhänge leichter erkennen

Nachteile

  • die Bedienung könnte für Schülerinnen und Schüler zu kompliziert sein
  • jede Schülerin und jeder Schüler kann jeden Artikel manipulieren oder sogar komplett löschen
  • Lernende, die keinen Internetanschluss haben, können von zu Hause aus nicht auf das Wiki zugreifen

Beispiel

Wenn eine Lehrkraft ein Wiki als Projektarbeit heranzieht, sollte er eine Einführungsstunde einplanen. In dieser sollte in die Arbeit mit einem Wiki eingeführt werden. Dabei könnte der Lehrende den Spickzettel zeigen, diesen den Schülerinnen und Schülern erläutern und einige Befehle vorführen.
So bald die Lehrkraft präsentiert, wie Videos und Bilder in einem Artikel eingebunden werden, sollte er auf das Urheberrecht und bezüglich dessen auf Lizenzbestimmungen eingehen.
Die Unterrichtseinheit „Informatik und Gesellschaft“, die als 5. Leitidee im Bildungsplan steht, eignet sich für eine Wiki-Projektarbeit. Die Themen, die darunter fallen, sind bezüglich des Umfangs äquivalent ergiebig, so dass alle Lernenden gleich viel zu tun haben.
Jeder Wiki-Artikel sollte ein Quiz beinhalten. Deshalb sollte die Lehrkraft in der Einführungsstunde ebenfalls zeigen, wie man Quizzes entwirft. Damit die Lernenden ihre Beiträge auch tatsächlich gegenseitig ansehen, könnte man in der letzten Stunde der Einheit den Kurs die Texte, an denen sie nicht mitgearbeitet haben, durchlesen und die Quizzes lösen lassen.

Dokumentation eines Softwareprojekts

In aller Kürze…
  • Praxisnah
  • Problemorientiert
  • Hilfmittel: doxygen

Jeder Programmierer hat sich schon in Programme einlesen müssen. Dokumentationen helfen dabei nicht nur, einen Überblick zu bekommen, sondern sind auch während der Entwicklung ein besseres Nachschlagewerk als der Code selbst. Wenn sie gut geschreiben sind. Eine gute Dokumentation zu schreiben, ist sicher nicht etwas, das nebenher gelehrt werden kann. Da der Informatik-Unterricht auch ganz andere Schwerpunkte setzen sollte, ist die Dokumentation eines Projektes hier nicht im rein klassischen Sinn zu verstehen.

Das eigene Projekt zu dokumentieren hat neben der praxisnahen Erfahrung aber auch den Effekt, die Gedanken der Schüler für den Lehrer transparent zu machen. Im Sinne der Ergebnissicherung hat der Schüler mit der eigenen Dokumentation auch gleich eine schriftliche Zusammenfassung seines Codes vorliegen. Die Dokumentation entsteht also nicht als Selbstzweck, sondern als hilfreiche Stütze, um über einen längeren Zeitraum an einem Projekts zu arbeiten.

Doxygen

Da Dokumentationen von Programmieren eher als notwendiges Übel angesehen werden, haben sich effektive Werkzeuge entwickelt, welche die Arbeit erleichtern. Eines der attraktivesten Werkzeuge ist doxygen. Es unterstützt neben vielen anderen Sprachen Java, PHP, Python und C++, eignet sich also insbesondere für das Programmieren und Dokumentieren im Unterricht. Die Dokumentation kann u.a. als HTML und PDF exportiert werden. Mit der grafischen Benutzeroberfläche "Doxywizard" lässt sich Doxygen bequem konfigurieren, so dass die Ausgabe zum Beispiel auf deutsch erfolgt. Dokumentiert wird direkt im Code:

Beispiel: (Python - Quelle: doxygen.org)

## @package pyexample
#  Documentation for this module.
#
#  More details.

## Documentation for a function.
#
#  More details.
def func():
    pass

## Documentation for a class.
#
#  More details.
class PyClass:
   
    ## The constructor.
    def __init__(self):
        self._memVar = 0;
   
    ## Documentation for a method.
    #  @param self The object pointer.
    def PyMethod(self):
        pass
        
    ## A class variable.
    classVar = 0;

    ## @var _memVar
    #  a member variable

daraus entstehende HTML-Dokumentation

Nachteile

  • Muss extra eingerichtet werden allerdings nur einmal
  • Nur für große Softwareprojekte sinnvoll

Vorteile

  • flexibel (Programmiersprache/Software/Hardware)
  • Dokumentation direkt im Code sorgt für aktuelle Dokumentation
  • Einheitliche Ausgabe ohne zuätzliche Software für SuS
  • Praxisnah
  • Sinn erschließt sich für SuS mehr als bei anderen S-zentrierten ES-Arten

Lerntagebücher

Gerade in einem Kurs in dem die Diversität unter den Lernenden groß ist, wie das im Informatikunterricht oftmals der Fall ist, eignet sich der Einsatz eines Lerntagebuchs. Denn durch dieses können sich die Schülerinnen und Schüler das sogenannte selbstregulierende Lernen aneignen (Gläser-Zikuda, Rohde & Schlomske, 2010), und es werden individuelle Lernprozesse gefördert. Schließlich ist ein Lerntagebuch ein eigens angefertigtes Schrifterzeugnis einer Schülerin bzw. eines Schülers.
Ein Lerntagebuch wird über einen bestimmten Zeitraum hinweg angefertigt. Nach Gläser-Zikuda, Rohde und Schlomske (2010) notieren die Schülerinnen und Schüler in diesem Ergebnissicherungsmedium eigenständig, was sie gelernt haben, wie sie den Stoff gelernt haben (d.h., sie notieren u.a. welche Lernstrategie sie verwendet haben) und warum sie auf ihre gewählte Art und Weise gelernt haben. Darüber hinaus halten die Schülerinnen und Schüler ebenfalls fest, ob sie das Gelernte verstanden haben.
Als selbstregulierendes Lernen wird der Vorgang, dass die Lernenden oben angeführte Aspekte eigenständig festhalten und ihre Lernaktivitäten überwachen, bezeichnet (Nückles et al., 2010).
Des Weiteren werden durch die Dokumentation, der im ersten Abschnitt genannten Punkte, individuelle Lernprozesse gefördert. Da individuelle Denk- und Lernprozesse schriftlich fixiert und von den Lernenden kritisch reflektiert und beurteilt werden (Gläser-Zikuda, Rohde & Schlomske, 2010).
Überdies werden die Schülerinnen und Schüler durch das Führen eines Lerntagebuchs ebenfalls dazu gebracht, den Unterricht nachzubereiten. Schließlich setzen sie sich bei einem Lerntagebuch mit dem Lernstoff erneut detailliert auseinander (Nückles et al., 2010).
Es ist wichtig folgende von Nückles et al. (2010) vorgeschlagene Punkte bei der Einführung einer Lerntagebucheinheit zu beachten:
Die Lehrkraft sollte immer den Sinn und den Zweck eines Lerntagebuchs erläutern, da viele Lernenden ihn selbst nicht sehen.
Darüber hinaus sollte der Lehrende den Schülerinnen und Schülern ein Beispiel eines Lerntagebuchs zeigen, um somit die Qualität der Tagebucheinträge sicherzustellen.
Es gibt verschiedene Arten eines Lerntagebuchs. Nückles et al. (2010) stellen zwei verschiedene vor: Bei dem einen orientieren sich die Lernenden an Prompts, die die Lehrkraft vorgibt und bei dem anderen schreiben die Schülerinnen und Schüler frei. Die Lerntagebücher, die bei erstem entstehen, nennt man Self-Monitoring-Tagebücher. Bei diesen gibt die Lehrkraft Prompts vor, die die Lernenden beantworten sollen. Somit wird sichergestellt, dass die Schülerinnen und Schüler es schaffen, ein Lerntagebucheintrag zu verfassen, der seinen Zweck erfüllt. Die Prompts bringen die Lernenden dazu, Strategien des selbstregulierenden Lernens zu verwenden. Ein Prompt könnte z.B. sein, dass die Schülerinnen und Schüler das neu Erlernte mit ihrem Vorwissen verbinden.
Bei der als zweites erwähnten Art des Lerntagebuchs gibt die Lehrkraft nur wenige, eher offene Leitfragen vor. Diese sollen die Schülerinnen und Schüler dazu verleiten, Strategien des selbstregulierenden Lernens beim Dokumentieren zu verwenden. Beispielsweise schreiben die Lernenden nach einer Woche auf, was sie von dem Gelernten als essentiell erachten, was sie verstanden haben und was noch nicht und welches Fazit sie aus dem Gelernten ziehen können.
Die Self-Monitoring-Tagebücher eignen sich gerade bei Klassen, die noch keine Erfahrungen mit Lerntagebüchern gemacht haben und die 'freien' Tagebücher eher bei 'Fortgeschritteneren', die bereits wissen, wie man einen qualitativen Eintrag verfasst.

Vorteile

  • es gibt Forschungen, die belegen, dass ein Lerntagebuch die Lernleistung verbessert (Gläser-Zikuda, Rohde & Schlomske, 2010)
  • Schülerinnen und Schüler eignen sich die Fähigkeit selbstregulierend zu lernen an und werden somit auf das Studium vorbereitet (Gläser-Zikuda, Rohde & Schlomske, 2010)
  • es können keine „Verstehensillusionen“ entstehen, da die Lernenden genauestens notieren, was sie verstanden haben und was noch nicht (Nückles et al., 2010)

Nachteile

  • vielen Schülerinnen und Schülern fehlt die Motivation für ein Lerntagebuch und sie gehen nachlässig damit um
  • viele Lernende reflektieren ihren Wissenstand nicht genau
  • viele Schülerinnen und Schüler schöpfen das Potenzial eines Lerntagebuchs nicht völlig aus und machen lediglich kurze Einträge, weil sie den Sinn eines Lerntagebuchs nicht nachvollziehen

Beispiel

Ein Lerntagebuch eignet sich bei der 2. Leitidee „Algorithmen und Daten" des Bildungsplans. Schließlich ist es in der Programmierung wichtig den gesamten Lernstoff zu verstehen und zu beherrschen, da all ihre Unterthemen miteinander verknüpft sind.
Somit könnte die Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern die Leitfragen, die in Abbildung 4 zu sehen sind, austeilen.
Tanja T LerntagebuchBsp.jpg
Abbildung 4: Mögliche Leitfragen für die Erstellung eines Lerntagebuchs

Bei dem Beispiel aus Abbildung 4 machen die Schülerinnen und Schüler jedes Mal, wenn sie die Unterrichtsstunde nachbereiten, einen Tagebucheintrag. Die Lehrkraft stellt die Regel auf, dass das immer nachdem sie Informatik hatten geschehen soll.
In der ersten Spalte schreiben die Lernenden das Datum auf, wann die Nachbereitung stattfand. In die nächste Spalte notieren sie den Stoff. Des Weiteren vermerken die Schülerinnen und Schüler, wie und warum sie auf ihre gewählte Art und Weise gelernt haben. Zum Schluss schreiben sie auf, was sie noch nicht verstanden haben.
Die Lehrkraft sollte zu Beginn jeder Stunde die Tagebucheinträge überprüfen. Dabei sollte er besonders auf die letzte Spalte achten. Denn in dieser kann er sehen, was noch nicht beherrscht wird und noch einmal darauf eingehen.

Literaturverzeichnis

Zu IAWs:

  • Cordes, C. (2010). Erste Schritte in der Arbeit mit dem Whiteboard. In: Computer + Unterricht: Lernen und Lehren mit digitalen Medien (S.23–25). Seelze: Friedrich.
  • Irion, T. (2010). Interaktive Whiteboards: Was sollen Lehrkräfte wissen und können? In Computer + Unterricht: Lernen und Lehren mit digitalen Medien (S.16–18). Seelze: Friedrich.
  • Müller, S. (2011). Das interaktive Whiteboard im Klassenzimmer - und jetzt? Informationen und Einsatzmöglichkeiten [für alle Schulstufen]. Müllheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr.
  • Schlieszeit, J. (2011). Mit Whiteboards unterrichten. Das neue Medium sinnvoll nutzen. Weinheim: Beltz.
  • Schnier, J. (2010). Lehren und Lernen mit Whiteboards. In: Computer + Unterricht: Lernen und Lehren mit digitalen Medien (S.26–28). Seelze: Friedrich.

Zu Wiki:

  • Moskaliuk, Johannes: Individuelles Lernen und kollaborative Wissenskonstruktion mit Wikis. Ko-Evolution zwischen kognitiven und sozialen Systemen. München: M-Press, 2010.

Zu Lerntagebuch:

  • Gläser-Zikuda, M., Rohde J. & Schlomske, N. (2010). Empirische Studien zum Lerntagebucheinsatz- und Portfolio-Ansatz im Bildungskontext – ein Überblick. In M. Gläser-Zikuda (Hrsg.), Lerntagebuch und Portfolie aus empirischer Sicht (S. 3–21). Landau: Empirische Pädagogik, 2010.
  • Nückles, M., Hübner, S., Glogger, N. Holzäpfel, L, Schwonke, R. & Renkl, A. (2010). Selbstreguliert lernen durch Schreiben von Lerntagebüchern. In M. Gläser-Zikuda (Hrsg.), Lerntagebuch und Portfolie aus empirischer Sicht (S. 35–55). Landau: Empirische Pädagogik, 2010.

Der Bildungsplan des allgemeinbildenden Gymnasiums: