Theaterterminologie

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Bei der Behandlung von Theaterstücken und dramatischen Texten im Unterricht sind einige terminologische Vorverständigungen und Definitionen unerlässlich. Im Folgenden werden einige Begriffe, die sich im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Hogeschool Utrecht als für die Arbeit mit Theatertexten relevant erwiesen haben, von den Teilnehmern erläuternd vorgestellt.

Inhaltsverzeichnis

Begriff Bedeutung

3 Einheiten

Die drei Einheiten sind eine dramentheoretische Vorschrift, die auf die Poetik des Aristoteles zurückgeht. Sie besagt, dass jedes Drama eine einheitliche, geschlossene Handlung mit Anfang, Mitte und Ende besitzen muss (Einheit der Handlung), an einem einzigen überschaubaren Ort spielen soll (Einheit des Ortes) und eine angemessene zeitliche Ausdehnung nicht überschreiten darf (Einheit der Zeit).

Die Anwendung des Prinzips der drei Einheiten ist streng mit der Vorstellung vom 'geschlossenen Drama' verbunden.

Aktion

Positionswechsel; rhythmischer, impulsiver, gleichmäßiger Bewegungsablauf von Darstellern; inszenierte Choreographie oder Improvisation.

Allgemein ein Handeln (von lat. actio – Handlung, Tätigkeit)

Handlung bezeichnet den ursächlichen Zusammenhang eines vorgestellten Ereignisverlaufs in Literatur, Theater, Film oder Computerspiel zu einem bestimmten Ende. Indem die Geschehnisse eines Verlaufs nicht isoliert, sondern in ihrer wechselseitigen Bedingtheit dargestellt werden, ist dieser kausale Bezug die Handlung oder der Plot einer Erzählung.

Aufführung

Die szenische Bühnenrealisierung eines dramatischen Textes.

Der Ausdruck Aufführung bezeichnet in der darstellenden Kunst die Darbietung eines Bühnenwerkes oder Konzerts vor einem Publikum. Anders als eine Darstellung, die in der Regel ein Werk der bildenden Kunst gleichsam statisch für eine bestimmte Zeitdauer präsentiert, bildet die Aufführung ein momentanes, dynamisches künstlerisches Geschehen, das allein in unmittelbarer Präsenz (bzw. als Aufzeichnung) erfahren werden kann.

Botenbericht

Dramentechnisches Mittel, mit denen Handlungen, die sich außerhalb der Bühne abgespielt haben oder auf dieser kaum oder gar nicht realisierbar waren (z. Bsp. Schlachten, Naturkatastrophen etc.) werden durch eine dramatische Figur mittels eines fiktionsinternen epischen Berichtes in die Handlung eingebracht.

Der Botenbericht ist ein technisches Stilmittel in Theaterstücken. Er dient dazu, das Publikum in Kenntnis von Ereignissen zu setzen, die für die Handlung wichtig sind, die aber nicht direkt auf der Bühne dargestellt werden können (beispielsweise eine Hinrichtung) oder sollen (beispielsweise gewalttätige oder auch pornografische Ereignisse). Eine Person auf der Bühne gibt einer anderen einen Bericht über diese Ereignisse; durch diese Rede erhält das Publikum dann die Kenntnis, die es zum Verständnis des Handlungsfortgangs benötigt.

Bühnenfassung

Ein fertig ausgearbeiteter dramatischer Text, der zur szenischen Realisierung auf der Bühne verwendet werden kann

Dialog

→ Dialog

Drama

→ Drama

Dramenrezeption (textintern/textextern)

Die verstehende Aufnahme eines Textes.
Textintern
den Leser des jeweiligen Dramatextes betreffend; der Leser nimmt den Text in sich auf durch zu Lesen.
Textextern
den Zuschauer der jeweiligen Aufführung betreffend; der Zuschauer empfängt den Text und die Handlung durch Schauen.

Dramentext (Haupttext/Nebentext)

Haupttext
dramatische Rede als Textschicht des dramatischen Textes, die bei der Inszenierung gesprochen wird, Haupttext enthält die gesprochene dramatische Rede .
Nebentext
Textschicht des dramatischen Textes, die bei der Inszenierung eines dramatischen Textes nicht gesprochen wird: Dramentitel, Epigraphe, Widmungsschriften, Vorwörter, Personenverzeichnis, Akt- und Szenenmarkierungen, Bühnenanweisungen zur Szenerie und zum Verhalten einer Figur; Abgrenzung vom Haupttext.

Wie die Dramenfiguren miteinander und mit dem Publikum reden. Hierbei muss der Dramentext zunächst einmal in den Haupttext und den Nebentext untergliedert werden.

Unter dem Haupttext versteht man die Figurenrede, also den Text, den die Schauspieler während der Aufführung auf der Bühne sprechen sollen. Dieser besteht überwiegend aus

  • Dialogen (Gesprächen von zwei oder mehr Figuren) und seltener aus

Unter dem Nebentext versteht man zusätzliche Angaben des Autors zur Ausstattung der Bühne, zum Äußeren und zum Verhalten der Schauspieler (Regieanweisungen). Hierzu gehören auch die Kennzeichnung oder Nummerierung der Handlungsteile, gegebenenfalls ein Personenverzeichnis und anderes. Bei der Analyse einer dramatischen Szene sollte der Nebentext ebenso beachtet werden wie der Sprechtext.

Epische Instanz

Erzählendes Theater

Der Verfremdungseffekt (V-Effekt) ist ein literarisches Stilmittel und Hauptbestandteil des Epischen Theaters nach Bertolt Brecht. Eine Handlung wird durch Kommentare oder Lieder so unterbrochen, dass beim Zuschauer jegliche Illusionen zerstört werden. So kann er der Theorie zufolge eine kritische Distanz zum Dargestellten einnehmen.

Der Verfremdungseffekt besteht im Kern darin, dem Betrachter vertraute Dinge in einem neuen Licht erscheinen zu lassen und so die Widersprüche der Realität sichtbar zu machen.

Figur

Guckkastenbühne

Die seit der italienischen Renaissance eingeführte, im Barock technisch vervollkommnete, im 18. Jahrhundert allgemein verbreitete und im Wesentlichen noch heute bestehende, illusionsfördernde Bühnenform.

An eine Schmalseite des Zuschauerraumes, von diesem durch Bühnenportal und Vorhang abgeteilt und sich ihm wie durch eine vierte Wand öffnend, mit auswechselbarem Schlussprospekt und seitlich abschließenden, perspektivischen Kulissen.

Der Ausdruck Guckkastenbühne wird (eher spöttisch) für einen Typus der Theaterbühne beziehungsweise des Bühnenbilds gebraucht, der vor allem im 19. Jahrhundert verbreitet war und bis heute die wichtigste Bauform darstellt.

Die Guckkastenbühne markiert durch ihren Portalrahmen eine klare Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum. Sie hat drei Wände, nur die Vierte Wand zum Publikum hin ist offen. Der Name stammt von der Jahrmarktsattraktion des Guckkastens her.

Illusionismus

Unter Illusionismus versteht man einen Spielstil, der auf Railroading basiert. Die Spieler haben im Rahmen eines fest vorgegebenen Plots keine Handlungsalternativen, merken dies aber nicht, da der Spielleiter ihnen geschickt Handlungsfreiheit vorspiegelt, sie aber letztendlich in die gewünschte Richtung lenkt.

Im Gegensatz zum Partizipationismus wissen die Spieler nicht, dass sie gelenkt werden.

Inszenierung

Die gesamten vorbereitenden Maßnahmen zur Aufführung eines Bühnenwerks unter Leitung des Regisseurs: Bühnenbearbeitung durch Dramaturg oder Regisseur, Rollenbesetzung, Entwurf und Herstellung der Dekoration durch Bühnenbilder oder –maler, der Kostüme durch den Kostümbildner und der technischen Hilfsmittel durch den Bühnentechniker, Einstudierung (Proben) des Regisseurs mit den Schauspielern, evtl. Arrangement von Bühnenmusik u.a. m., das der theatralischen Verwirklichung einer dramatischen Dichtung vorausgeht.

Kommunikationsstruktur (dramatisch / theatralisch / lebensweltlich)

Komödie

→ Komödie

Konfiguration

Die Anordnung, das wechselseitige Aufeinanderbezogensein der Einzelteile, etwa der Figuren und ihrer Konflikte im Drama als dichterischer Struktur

Konstellation

Figurengruppierung

Die Figuren eines Dramas sind durch vielfältige Beziehungen miteinander verbunden. Sie verfolgen gemeinsame Interessen oder tragen Konflikte aus; sie stehen sich gleichberechtigt gegenüber oder sind voneinander abhängig. Diese Figurenkonstellation kann sich im Verlauf der Handlung ändern.

Mauerschau

Mauerschau oder Teichoskopie ist ursprünglich die Bezeichnung einer Szene vom Homers Ilias 3, 145ff., in den Helena dem Priamus und anderen trojanischen Greisen die griechischen Helden schildert.

Mittel der Dramentechnik zur Einbeziehung von auf der Bühne nicht oder schwer darstellbaren Ereignissen (Schlachten, Seeschlachten, Schiffsuntergängen, u.ä.) in das Bühnengeschehen, indem einer auf erhöhter Warte im Bühnenraum (Turm, Mauer, Hügel) stehender Beobachter den Spielern und damit dem Publikum die außerhalb ihrer Sichtweite - für die Phantasie im Hintergrund - sich abspielenden Vorgänge berichtet und damit zu innerer Anschauung und Wirkung bringt. Während die Teichoskopie gleichzeitige Geschehnisse synchron in wirksamer Spannung in die Bühnenstimmung hereinholt, dient der Botenbericht zur Einbeziehung bereits vergangener Geschehnisse. Nach Vorgang des antiken Dramas und besonders nach Vorbild von Shakespeares Julius Cäsar findet sich Teichoskopie häufig im klassischen deutschen Drama: z.B. bei Schiller, Wilhelm Tell, und Kleist, Prinz von Homburg.

Monolog

Der Monolog (gr. μόνος mónos „allein“ und -log; lat. Soliloquium) ist im Gegensatz zum Dialog ein Selbstgespräch und findet vor allem im Drama Verwendung. Er richtet sich nicht direkt an einen Zuhörer, sondern an eine imaginäre Person. Faktisch ist das Publikum Adressat des Monologisierenden. Eine Sonderform des Monologs ist der innere Monolog in der Erzählprosa.

Der Ausdruck Monolog bezeichnet auch eine Rede, die so formuliert ist, als sei sie nicht an einen Zuhörer oder Gesprächspartner gerichtet.

Pantomime

Begriff aus der Theatersprache, der sowohl für einen Künstler verwendet wird, der eine bestimmte Form der mimischen Darstellung betreibt, als auch für die Art der Darstellung selbst

Produktion

Die gesamte Organisation der Theaterinszenierung

Raumkonzeption

Die Gestaltung (Raumeinteilung, Raumtiefe etc.) und Nutzung (z. B. Belichtung) des genutzten Bühnen- und Inszenierungsraums (auch der Zuschauersaal kann als „Bühne“ genutzt werden).

Regisseur

der; -s, -e [.. ʒißọ̈r] 〈franz.〉 Künstler, der für die einheitliche künstlerische Gestaltung eines Bühnenwerks, Films, einer Fernseh-, Rundfunksendung verantwortlich ist und die Proben leitet, Spielleiter …

Ein Regisseur (von frz. régisseur, régir „leiten“), auch Spielleiter genannt, führt Regie und ist damit traditionell neben dem Schauspieler die entscheidende Person bei der Aufführung von Werken der darstellenden Kunst. Als Alternative zur Zentralgewalt des Regisseurs wurden verschiedene Ansätze von (mehr oder weniger) gleichberechtigten Regieteams entwickelt.

Es gibt den Bühnenregisseur für Theater, Musical, Oper, Operette und andere Bühnen-Werke, den Filmregisseur für die Filmkunst, den Hörspielregisseur für Hörspiel und künstlerisches Feature und den Fernsehregisseur für Fernsehsendungen.

Das gemeinsame dieser verschiedenen Regietätigkeiten ist die Verantwortung für die künstlerische Gestaltung eines Projekts, das in der Regel auf einer schriftlichen Vorlage basiert.

Replik

eine Antwort oder Gegenrede. Drama besteht aus Repliken, die in einen Dialog eingehen – es ist das einzelne Textstück, das eine Person im Dialog mit anderen Personen spricht.

Rezeption

Die Aufnahme, das Erfahren (individuelle oder in der Gruppe) zum Beispiel einer Theaterinszenierung

Spiel im Spiel

In die umfassende Bühnenhandlung eingebettete theatrale Einlage, die als Theaterspiel nicht nur dem Publikum, sondern auch einigen Bühnenfiguren präsentiert wird, wobei andere Bühnenfiguren als Schauspieler agieren.

Sprache

→ Sprache

Stimme

Ist der durch die Stimmlippen eines Menschen erzeugte und in den Mund-, Rachen- und Nasenhöhlen modulierte Schall. Die Stimme wird vom Menschen zur Übermittlung von Informationen in Form von z. B. Sprache eingesetzt.

Stück

Ein Bühnenwerk, Theaterstück, Aufführung eines dramatischen Textes

Szene (optisch/akustisch)

Theatercode

Die verschiedenen sprachlichen und außersprachlichen Zeichensysteme des Theaters. (Seite 86 Nünning, Einführung in die Dramenanalyse)

Tragödie

→ Tragödie

Zuschauer

Bei einer Theateraufführung fungiert das Theaterpublikum als kollektive Empfänger. Die Aufführung und die Zuschauer haben eine enge Beziehung und bedingen sich wechselseitig.