Schlagfertigkeit

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Definition

Schlagfertigkeit ist das schnelle, unerwartete sprachliche Reagieren auf unvorhergesehene Situationen.

Matthias Pöhm, "Nicht auf den Mund gefallen", S. 12

Schlagfertigkeit

Die Schlagfertigkeit ist ein relativ neues Spezialgebiet der Rhetorik. Sie überschneidet sich zum Teil mit der Dialektik und der Debattierkunst, geht aber auch weit darüber hinaus. Sie schliesst die schematischen Grundlagen von Humor, Witz und Nonsens mit ein aber auch die Fähigkeit einen verbalen Angreifer mit einer eleganten Retourkutsche in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen.

Das Gesamtphänomen der Schlagfertigkeit lässt sich in drei unterschiedliche Bereiche unterteilen:

  1. Erwiderungsfertigkeit,
  2. Witzfertigkeit und
  3. Diskussionsfertigkeit.

Erwiderungsfertigkeit

Den Begriff Schlagfertigkeit wird benutzt, wenn jemand beleidigt wird, dieser jemand aber eine geistreiche Erwiderung gibt, die den Angreifer selbst wieder in schlechtem Licht erscheinen lässt. Bei der Erwiderungsfertigkeit erfolgt auf einen Verbalangriff ein versteckter Gegenangriff.

Beispiel: Winston Churchill wurde während einer Abendgesellschaft von einer Lady Astor angegriffen. Die Dame sagte: „Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift geben.“ Darauf antwortete Churchill: „Wenn ich Ihr Mann wäre, würde ich es nehmen.“

Witzfertigkeit

Wir bezeichnen es als schlagfertig, wenn ein Mensch in der Lage ist, in egal welcher Situation spontan eine witzige Bemerkung zu machen. Thomas Gottschalk, Harald Schmidt oder Helge Schneider sind fast ausschließlich Repräsentanten dieser Art der Schlagfertigkeit.

Beispiel

Katharina Witt die Eiskunstläuferin, kam mit einem Gipsfuss als Talk-Gast in die Harald Schmidt Show. Harald Schmidt fragte, wie denn das mit dem Gips passiert sei. Katharina Witt erklärte den Unfallhergang und besonders detailliert den Fall auf den Boden. Als sie fertig war fragte Harald Schmidt: "Denkst du da gleich an die Wertung?"

Bei der Witzfertigkeit machen wir spontane witzige Bemerkungen zu Aussagen oder in Situationen.


Diskussionsfertigkeit

Wenn es einem Menschen gelingt, sich in einer Verhandlung, einem Meeting oder einer Diskussion souverän zu verkaufen, dann empfinden wir diesen Menschen ebenfalls als schlagfertig. Dies ist eine subtilere, strategischere Art der Schlagfertigkeit und hat die grössten Berührpunkte mit der Dialektik oder Debattierkunst. Vor allem im Geschäftsleben, bei Politikern und Wirtschaftsführern ist diese Art der Schlagfertigkeit wichtig.

Beispiel

Während der Ausführungen eines Redners in einem Meeting fällt plötzlich ein Zwischenruf: "Da fehlt doch völlig der Bezug zur Praxis!" Der Redner kontert: "Sie täuschen sich Herr Kollege, das IST absolute Praxis. Ich frage mich, warum Sie den Bezug zur Praxis nicht herstellen können?"

Techniken der Schlagfertigkeit (Übungen)

Die Schlagfertigkeit beinhaltet Techniken, die von schlagfertigen Menschen unterbewusst eingehalten werden, die ihnen aber nicht als Technik im wachen Verstand präsent sind. Ähnlich wie die Grammatikregeln der deutschen Sprache, die jeder korrekt anwendet, aber nicht bewusst kennt, gibt es auch für die Schlagfertigkeit Regeln, die schlagfertige Menschen nicht bewusst kennen, jedoch anwenden. (siehe Literaturangaben) Diese Techniken sind lernbar. Hier 2-3 kleine Übungen für "Einsteiger".

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Geschichte der Schlagfertigkeit

Bis Mitte der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts gab es keine Werke, die sich analytisch mit dem Phänomen der Schlagfertigkeit im deutschsprachigen Raum auseinander setzten. Es gab zwar Sammlungen von schlagfertigen Erwiderungen berühmter Zeitgenossen (wie Z.B. Maximilian Weller "Die schlagfertige Antwort." 3. Aufl.1978), aber eine Analyse von zugrunde liegenden Schemen wurde darin nicht gegeben.

1995 kam das erste Buch der Brüder Christoph und Matthias Dahms heraus, das eine Analyse schlagfertiger Antworten bot. "Die Magie der Schlagfertigkeit". Darin wurden zum ersten mal Methoden vorgestellt, wie Schlagfertigkeit durch sichtbar machen von Techniken lernbar ist. Ein Jahr später folgte Karsten Bredemeier mit seinem Buch "Provokative Rhetorik. Schlagfertigkeit". 1998 folgte das Buch "Nicht auf den Mund gefallen" von Matthias Pöhm. Schlagfertigkeit ist heute ein Thema geworden, über das eine Vielzahl von Büchern geschrieben wurde und das bei Weiterbildungsinstituten und Seminaranbietern ständig steigende Verbreitung findet.

Das Wort Schlagfertigkeit im deutschen Sprachgebrauch

Die deutschen Sprachnationen sind fast die Einzigen, die in ihrer Sprache ein präzises, treffendes Wort für das Phänomen Schlagfertigkeit in dieser vielschichtigen Bedeutung haben. Es lässt sich in dieser Wortbedeutung in kaum eine andere Sprache übersetzen. Weder im Englischen, noch im Französischen noch im Italienischen gibt es ein analoges präzises Wort, das die selbe Gebräuchlichkeit und dasselbe Bedeutungsfeld wie das deutsche Wort Schlagfertigkeit umfasst.

Literatur

  • Pöhm Matthias: "Nicht auf den Mund gefallen." MVG Verlag ISBN 3-478-72960-2
  • Pöhm Matthias: "Das NonPlusUltra der Schlagfertigkeit" MVG Verlag ISBN 3-636-06107-0
  • Pöhm Matthias: "Frauen kontern besser" MVG ISBN 3-636-06268-9
  • Dahms Christoph/Dahms Matthias: "Die Magie der Schlagfertigkeit." Dahms ISBN 3-98044548-0-0
  • Dahms Matthias/Dahms Christoph: "Schlagfertig sein in Rede und Verhandlung". Dahms, ISBN 3-98044548-1-9
  • Bredemeier Karsten: "Provokative Rhetorik? Schlagfertigkeit!" Orell Füssli ISBN 3-280-02369-9
  • Bredemeier Karsten: "Nie wieder sprachlos" Orell Füssli ISBN 3-280-02628-8
  • Bredemeier Karsten: "Schlagfertigkeit" Orell Füssli ISBN 3-280-05065-0
  • Berckhan Barbara: "Die etwas intelligentere Art, sich gegen dumme Sprüche zu wehren". Kösel-Verlag,
  • Latour Bernd: "Um keine Antwort verlegen". Kreuz Verlag.
  • Lay Rupert: "Dialektik für Manager". Econ.
  • Weller Maximilian: "Die schlagfertige Antwort" Gustav Lübbe Verlag (vergriffen)
  • Schächtle Petra "Schlagfertigkeit live" Haufe Verlag

Siehe auch

Weblinks