Schreibfertigkeitsstrategien

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Inhaltsverzeichnis

Phasen beim Schreiben

Schreiben” und “Schreibfertigkeit” können falsch verstanden werden. Wenn ich eine Adresse notiere, die mir jemand diktiert, und wenn ich eine schriftliche Grammatik-Lückenübung ausfülle, schreibe ich, und ich verfüge über eine gewisse „Schreibfertigkeit“, wenn es mir gelingt. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich im Stande wäre, z. B. einen Brief, eine E-Mail oder einen Wiki-Artikel über Schreibstrategien zu schreiben. „Schreiben“ im engeren Sinne heißt Sprachlaute in Schriftzeichen umsetzen. „Schreiben“ im hier gemeinten Sinne heißt „einen geschriebenen Text produzieren“.

Um das zu können, muss ich:

  • Inhalte erfinden (oder zumindest finden)
  • Inhalte selektieren und ordnen
  • Inhalte formulieren

Als erfahrener Verfasser von Texten weiß ich, dass ein von mir formulierter Text oft Fehler und Unzulänglichkeiten enthält, die ich oft erst im Nachhinein entdecke. Ich füge also einen wesentlichen Punkt hinzu:

  • den Text revidieren

Das sind Phasen im Schreibprozess, die nicht immer von allen Schreibern realisiert oder sauber getrennt werden. Viele fangen gleich, ohne Planung, mit dem Formulieren an und revidieren nicht. Das reicht vielleicht für eine schnelle, kurze und informelle E-Mail, nicht jedoch für anspruchsvollere Textsorten. Es lohnt sich, SchülerInnen dazu anzuhalten, einigermaßen systematisch die genannten Schreibphasen zu durchlaufen. In der Praxis sind oft die Phasen nicht scharf voneinander getrennt; es geht aber darum, dass sich der Lernende bewusst macht, welche Arten von Handlungen im Schreibprozess möglich sind, sodass er lernt, strategisch vorzugehen, um zu vermeiden, dass der Prozess stockt, um zu einem besseren Schreibprodukt zu kommen usw.

Hilfsstrategien

Analysieren

Texte gibt es in Sorten: ein Wiki-Artikel, eine Reportage in einer Zeitschrift, ein formeller oder informeller Brief, eine E-Mail, ein Kommentar in einer Zeitung, eine Rezension usw. unterscheiden sich im Inhalt, im Aufbau, im Stil. Bevor ich anfange, einen Text zu schreiben, muss ich Kenntnisse über die Textsorte haben oder erwerben. Die natürlichste und immer noch beste Methode, solche Kenntnisse zu erwerben, ist, dass ich Texte der gleichen Sorte lese und analysiere. Schreiben fängt beim Lesen an. Wie sieht (in der Zielsprache) ein Wiki-Artikel, ein formeller Brief, ein informeller Brief usw. aus?

Nachschlagen

Beim Formulieren brauche ich Wörter und Ausdrücke. Ein (papierenes oder digitales) Wörterbuch kann mir dabei behilflich sein. Siehe Wörterbuchgebrauch.

Umformulieren

Oft brauche ich das Wörterbuch aber nicht, wenn ich versuche das, was ich schreiben will, anders zu formulieren mit dem Wortmaterial, über das ich verfüge.

Übungstypen

Analyseübungen
(können sich auf einzelne Aspekte wie Inhalte, Aufbau, Stil, Wortgebrauch usw. beziehen).
Planungsübungen
(vorgegebene oder selbst erfundene, stichwortartig angedeutete Inhalte auswählen und ordnen, Gliederung entwerfen)
Nachschlageübungen
(siehe Wörterbuchgebrauch).
Umformulierungsübungen
(vorgegebene, weniger gelungene Sätze bzw. Textfragmente umformulieren)
gelenkte Schreibaufträge
(nicht nur Briefe, sondern auch andere Textsorten wie Rezension, Kommentar usw. können geschrieben werden auf der Grundlage von stichwortartigen Inhaltspunkten, die eventuell auch vom Lernenden ausgewählt bzw. geordnet werden müssen]
offene Schreibaufträge
(dazu kann der Lernende eine Gliederung bzw. einen Logbuch-ähnlichen Entstehungsbericht abgeben, zur Schärfung des schreibstrategischen Bewusstseins).

Schreibfertigkeitsstrategien im Deutschunterricht in den Niederlanden

Weitere Ausführungen (auf Niederländisch) zu Schreibstrategien im Unterricht finden sich unter 2.2 Schreibstrategien und 3.2 Oefeningstypes im Kapitel C3 Schrijfvaardigheid vom Handbuch Vreemdetalendidactiek auf der Webseite der Kennisbank Duits.

Siehe auch