Tallhover

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Tallhover ist ein Roman von Hans Joachim Schädlich, der 1986 veröffentlicht wurde.

Der Protagonist Tallhover ist eine anscheinend unsterbliche Figur. Zunächst hat er in Preußen für die politische Polizei gearbeitet und im Prozess gegen die Neue Rheinische Zeitung Zeugen gegen Karl Marx zu finden gesucht. In der DDR ist er dann bei der Stasi. Dass dieser Schwenk von Antikommunist zu Kommunist aus seiner Sicht konsequent ist, zeigt sich darin, dass er einem Mann, der für Karl Marx war und deshalb im damaligen Prozess keine Aussage machen wollte, mit Strafe bedroht, weil er gegen das etablierte System war, denn Tallhover ist immer auf der Seite der Macht.

Den Hauptteil des Buches bilden Tallhovers Beobachtungen Lenins, während dieser sich in Deutschland aufhält. Tallhover ist ein Gegner des Plans der deutschen Obersten Heeresleitung, Lenin über Deutschland in Russland einzuschleusen, damit er dort die Revolution vorantreiben und damit Deutschland von einem Gegner im Ersten Weltkrieg befreien könne. Tallhover verurteilt die Entscheidung, weil die Revolutionäre Gelegenheit bekamen, die Revolution auch in Deutschland voranzutreiben. Davon zeugt auch sein Bericht über Karl Radek, seine Verhaftung und seine Kontakte. Wichtig sind auch die Berichte über Tallhovers Tätigkeit unter dem NS-Regime. Immer dient er der Obrigkeit: dem preußischen König, der NS-Diktatur und der SED. Dass er sich dafür nicht zu verändern braucht, ist die verdeckte Kritik, die Schädlich SED und DDR übt.

In der Gestalt des Hoftaller, eines Stasimitarbeiters, der noch nach 1990 unheimliche Macht ausübt, tritt Tallhover in dem Roman Ein weites Feld von Günter Grass wieder auf.

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Inhaltsangabe und Wertung