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Unterrichtsforschung

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Unter Unterrichtsforschung versteht man die Erforschung des Unterrichts mit verschiedenen wissenschaftlichen Methoden. Grundsätzlich kann man zwischen qualitativen und quantitativen Methoden unterscheiden. Besonders bei der qualitativen Unterrichtsforschung ist der Forschende oft nur schwer vom erforschten Objekt zu trennen ("selbstevaluative Forschung"). Bei der Unterrichtsforschung geht es um Datengewinnung und Darstellung von verschiedenen Aspekten von Unterricht.

Inhaltsverzeichnis

Methodologisches

Letztlich hat die Beschreibung und Erforschung von Unterricht eine lange Tradition, allerdings haben sich sowohl Begriffe als auch Methoden in dieser Tradtion sehr verändert.

hermeneutische Tradition

Die hermeneutische Tradition der Unterrichtsbeschreibung und Unterrichtsforschung reicht am weitesten zurück. In ihr werden besonders die schriftlichen Dokumente des Unterrichts einer genauen Analyse unterzogen.

"empirische" Unterrichtsforschung

Im 20 Jahrhundert begann auch in Deutschland die "empirische Unterrichtsforschung" immer stärker in den Vordergrund zu treten, wobei der Begriff der "Empirie" im höchsten Maße strittig war (und immer noch ist). Qualitative Forschungsmethoden, d.h. statische Methoden oder Messungen allein wurden als empirisch bezeichnet, wobei der Datengewinnung ein besonderes Gewicht zukommt. Durch Photographien, besonders jedoch Audio- und Videoaufzeichnungen wurde es mehr und mehr möglich den Unterricht genauer abzubilden, indem man z.B. die Redezeit einzelner Personen misst.

Da "Empirie" (alt-)griechisch Erfahrungswissen bedeutet, reklamierten auch qualitativ Forschenden den Begriff "empirisch" für sich. Unter qualitativer Forschung versteht man Unterrichtsforschungen, die versuchen, das ganze Unterrichtsgeschehen in den Blick zu bekommen. Hier spielen schriftliche Aufzeichungen, wie Unterrichtstagebücher (von Lehrenden, aber auch von Lernenden), Evaluationen, schriftliche Prüfungen usw. eine Rolle, aber auch mündliche Äußerungen, wie Interviews oder Gespräche während des Unterrichts.

Forschungsziele

Wissenschaftliche Forschung hat in der Regel die Aufgabe, durch die genaue Abbildung und Beschreibung zu einer Erkenntnis eines Ausschnitts der Realität zu gelangen. Auch ein quasi "technologisches" Interesse von Forschung, d.h. eine Forschung, die durch Erkenntnisse zu einer Veränderung der Wirklichkeit gelangen soll, ist eine Grundlage von Wissenschaft. Dies sind sicher auch die Forschungsziele von Unterrichtsforschung. Aber es handelt sich bei den "beforschten Objekten" um Menschen, wie allgemein bei sozialwissenschaftlichen Forschungen. Im Unterricht finden darüber hinaus immer Interaktionen statt, die es zu beschreiben gilt. Wenn zu den Forschungszielen nicht nur die Beschreibungen, sondern die Veränderung von sozialen Gegebenheiten gehört, wird die Forschung besonders komplex. Dies ist bei Unterrichtsforschung immer der Fall. Selbst bei quantitativer, besonders aber bei qualitativer Forschung findet eine Beeinflußung und damit eine Veränderung der Unterrichtsrealität statt. Dies ist aber besonders dann unproblematisch, wenn die Forschung mit dem Ziel einer bewussten Veränderung, ja Verbesserung des Unterrichts einhergeht. Besonders bei der Methode der Aktionsforschung ist es geradezu das Unterrichtsziel, die soziale Realität einer Gruppe zu verändern. Da es bei der Aktionsforschung auch oft um kleinere, überschaubare Realitätsbeschreibungen geht, ist diese Methode gut geeignet für Lehrende, ihren eigenen Unterricht zu erforschen und durch die Erforschung auch zu verändern.

Beispielprojekt

Schlüsselkompetenzen für den Referenzrahmen (GER). Ein translokales Curriculum. Erste Evaluation 2010

Projektbeschreibung

In diesem Projekt wird der Deutschunterricht des ersten und zweiten Studienjahres an der Chukyo-Universität in Nagoya einer Evaluation unterzogen. Die grundlegende Beschreibung des Unterrichts findet sich in dem Text ausgehend von A0, der im November 2010 erschienen ist. Dieser Text ist hier in einer gekürzten Version einsehbar (es fehlen lediglich die englischen und japanischen Teile des Textes). Darüber hinaus wird mittels Links und weiterer Texte eine dichtere Beschreibung des Unterrichts und der Evalution möglich. Eine Besonderheit ist, dass der Unterricht nicht nur an der Chukyo-Univerität in Nagoya, sondern auch in Deutschland, im Studienkolleg Mittelhessen der Universität Marburg stattfindet.

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weitere Links

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Literatur

  • Schocker - v. Ditfurth, Marita (2001), Forschendes Lernen in der fremdsprachlichen Lehrerbildung, Grundlagen, Erfahrungen, Perspektiven, Tüebingen (Narr)
  • Koring, Bernhard (1989), Eine Theorie pädagogischen Handelns: theoretische und empirisch-hermeneutische Untersuchungen zur Professionalisierung der Pädagogik, Weinheim (Deutscher Studien Verlag), ISBN: 3-89271-155-0

Linkliste