Ut mine Festungstid

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Ut mine Festungstid war nach Ut de Franzosentid Fritz Reuters zweite größere plattdeutsche Arbeit und sein erster plattdeutscher Roman.

Inhaltsverzeichnis

Fritz Reuters Festungshaft 1833 - 1840

Fritz Reuter hat die sieben Jahre FestungshaftWikipedia-logo.png im Alter von 22 bis 30 Jahren, wo in einer Normalbiographie Ausbildung und eine gewisse Ungebundenheit zwischen der Bindung an die Herkunftsfamilie und der Gründung einer eigenen liegt, als traumatisierend erlebt. Die Begnadigung vom Todesurteil zu 30jähriger Festungshaft bedeutete für ihn das Ende aller bisherigen Lebenspläne. Was für eine Karriere kann sich ein angehender Jurist im Gefängnis versprechen?

Als er in der Freiheit nach einer Zeit als landwirtschaftlicher Volontär dann Lehrer wurde und sich an schriftstellerischen Arbeiten versuchte, hat er schon bald auch seine Festungszeit behandelt und bezeichnenderweise unter dem Titel "Eine heitere Episode aus trauriger Zeit" schon gleich humoristisch anzugehen versucht.

Doch die künstlerische Form, die ihm ermöglichte, zugleich den Gefährten und verständnisvollen Helfern dieser Jahre ein Denkmal zu setzen als auch die unbarmherzige Härte zu schildern, mit der der Staat die Mitgliedschaft in einer BurschenschaftWikipedia-logo.png bestrafte, die offen für Demokratie eintrat, fand er erst später: Als er sich die niederdeutscheWikipedia-logo.png Sprache als Literatursprache erarbeitet und mit Ut de Franzosentid ein Meisterwerk in dieser Sprache geschaffen hatte.

Ganz bewusst schildert er nicht die Festungshaft insgesamt, sondern greift Zeiten heraus, die ihm die doppelte Aufgabe ermöglichen, Dank abzustatten und die Entbehrungszeit ins Humoristische zu wenden.

Wer sich an die Lektüre dieses Werkes in mecklenburgischem PlattdeutschWikipedia-logo.png machen will (Reuter schrieb nicht im Dialekt seiner Vaterstadt, sondern in einer von ihm geschaffenen mecklenburger Allgemeinsprache), kann - wenn PlattdeutschWikipedia-logo.png ihm noch fremd ist -  mit kürzeren Texten anfangen, etwa mit dem Hochzeitsspiel Rieke un Dürth oder ein paar Abschnitten aus Ut mine Stromtid, denen Verständnishilfen beigegeben sind.

Textausschnitte

Reuter: Mit 26 Jahren zu 30 Jahren Festungshaft begnadigt

Äwer drei Johr hadd ick all seten; ick was taum Dod verurtelt; dat hadden sei mi schenkt, äwer dorför hadden sei mi dörtig Johr Festung schenkt. So'n Present kann keiner richtig taxieren, as einer, de all drei Johr un irst drei Johr seten hett. De Utsicht was slimm, de Insicht slimmer. Dortau kamm, dat sei mi von ein Festung nah 'ne anner versetzen deden. Wo ick west wir, hadd ick Kammeraden, gaude Frün'n un Bekannten, wo ick hen süll, was ick allein.

An einen bitterkollen Winterdag satt ick in en Planwagen, en Schandor satt neben mi. Drei Dag' lang durte de Fohrt, de Mann was fründlich tau mi, äwer ick frür. De Küll un de Ungewißheit, wat nu kamen künn, schüddelten mi dörch de Knaken. Wenn den Minschen en Schicksal bevörsteiht, wat hei nich wennen kann, denn drängt sick dat Blaud taum Harten, un denn frirt em. Den Soldaten in de heite Slacht, den Matrosen bi'n Schippbruch unner de gläugnige Sünn, den Verbreker up dat Blaudgerüst trett de Frost an.


Fritz Reuter: Ut mine Festungstid, Kapitel 1

Glück oder Elend?

Un as min Herr Unteroffzierer Altmann mi dat grad utführlich vertellen ded, wo Schnabel mal vördem 'ne Popp mit sine Kledaschen utstoppt un up sine Britsch leggt hadd, [...] grad dunn gungen uns en por Damen vörbi, un de ein kek mi merkwürdig an, un as ick mi ümsach, was sei still stahn blewen un kek sick ok nah mi üm.

Wat was dat för en fründliches, hübsches Gesicht! Wo trurig un wo leiw segen de schönen Ogen ut! Un dese schönen Ogen hadden mi nahkeken! Wat is nu schöner, en Frühjohrsdag oder en Por schöne Ogen? – Denn von minen Herrn Unteroffzierer un von Schnabeln will ick wider nicks nich seggen. – Ach, ick mein doch en Por Ogen! In so'n Frühjohrsdag kann einer rinne seihn wid weg – ja wid weg –, schön is't; äwer je wider hei süht, desto trüwer un dunstiger ward dat; in so'n Mätens-Og kann einer rinne seihn – deip un ümmer deiper –, un je wider hei süht, je klorer ward dat, un ganz unnen in'n Grun'n, dor liggt de Hewen, un den sine blagen Wunner hett noch kein Minschen-Og dörch seihn. »Wer was dat?« frog ick. »Kennen Sei de Dam'?« – »Gewiß!« säd de Herr Unteroffzierer Altmann un läd de Hand an den Schacko, as wull hei sine Honnürs maken, »'t is de einzigste Dochter von den zweiten Kummandanten, Obersten B., un annere Kinner hett hei äwerall nich. – Schnabel hett twei Kinner, de...« »Dauhn S' mi den einzigen Gefallen«, segg ick, »un laten S' Schnabeln nu ganz ruhig sitten.« [...] »Na, will'n man nah Hus gahn«, säd ick un folgte dat schöne Mäten ut de Firn nah; äwer in ehre Ogen sach ick meindag' nich wedder, un dat was gaud. Wenn einer lang' in den Schatten seten hett un hei kickt denn mit einmal in de leiwe Gottessünn, denn kann hei blind warden, un wenn einer sinen Dag äwer in den Keller rümmer hantiert hett un kümmt rut un kickt in den blagen Hewen, denn flirrt em dat vör de Ogen, un hei kann düsig warden un kann't bliwen sin Lewen lang. Dat grötste Elend, wat mines Wissens noch kein von de Herrn Romanschriwers utführlich beschrewen hett, is, wenn sick so'n arm, jung', inspunnte Student in 'ne Kummandantendochter verleiwt. Dat weit keiner, wo dat deiht; äwer wi weiten Bescheid, wi hewwen dat dörchmakt.


Ut mine Festungstid, Kapitel 2

Freuden eines Gefangenen

»Sie haben sich um die Erlaubnis, spazieren gehen zu dürfen, an die Kommandantur gewandt«, säd hei, »es ist Ihnen dies gestattet worden. Sie können sich auf dem Festungswalle unter Aufsicht eines Unteroffiziers, den ich bestimmen werde, Bewegung machen.« – Dat fung schön an, un en Strahl von de Frühjohrssünn was all in min Hart follen. »Und hier«, säd hei un langte in de Tasch, »ist auch ein Brief von Ihrem Vater, er schreibt sehr freundlich an Sie und sendet Ihnen Geld, welches ich Ihnen nach Bedürfnis zukommen lassen werde.« – Ick grep nah minen Breiw; dat let sick hüt würklich wonah an.

De Oberst gung an de Dör un röp: »Ordonnanz!« Sin Ordonnanz kamm, hei namm ehr en Paket af, läd dat up den Disch: »Bücher für Sie.« Hei namm den Soldaten noch en Paket af: »Und hier ein paar anständige Leuchter. Werfen Sie den Drahtleuchter zum Fenster hinaus! – Gute Nacht! – Kähler, der Herr hat jetzt täglich einen halben Taler zu verzehren!« Dat was en Abend! Ein Breiw von minen Ollen, Geld in Hüll un in Füll; morgen spazieren gahn in Frühjohrsluft, all de lütten Mätens ganz in de Neg' seihn; nu dat ein Paket up! Goethe – Faust – Egmont – Wilhelm Meister ...


Ut mine Festungstid, Kapitel 2

Von minen Herrgott un minen Snider sin Makwark. - Das Werk meines Gottes und das meines Schneiders

Wi führten tau'n PlatzmajurWikipedia-logo.png, de up de ZitadellWikipedia-logo.png wahnen ded [wohnte]. Hei was vör mine Tiden Platzmajur tau S. west, von wo ick eigentlich herkamm, ick müßt em denn vertellen, woans dat dor utseg, un dorbi kek ick ut dat Finster, woans dat hir woll utseg. As hei dit sach, schüddelte hei den Kopp un säd: »Hier bleiben Sie nicht, Sie kommen in das InquisitoriatWikipedia-logo.png

Dat was bös! 'ne FestungWikipedia-logo.png mag so slimm sin as sei will, einer hett doch Rum in de ollen KasemattenWikipedia-logo.png, wo doch notdürftige Bewegung mäglich is, einer kriggt doch af un an en Minschen tau seihn, un dat Ganze is doch nich utdrücklich dortau bugt, üm en Gefangenen nah alle Kanten tau schurigeln; äwer so'n apartig ingericht't Gefangenhus nimmt einen ok noch dat beten Luft un Licht un Bewegung un Ogenweid', wat einen von Rechts wegen taukümmt. Wi wiren tau Festungsstraf verurtelt; äwer wat kihrte sick de preußische Staat doran, wenn't in sinen Kram paßte, uns in en Zellengefängnis unnertaubringen.

Wi gungen nah dat Inquisitoriat un dor dörch mihrere Häw' bet nah den letzten Flügel, de mit sine Finstern grad nah Nurden lagg; hei was dreistöckig un hadd gegen twintig Zellen un drei lange Korridurs, de langs dat ganze Gebüd' lepen, un up jeden 'ne Schildwach.

As mi nu de Platzmajur in min niges [neues] Quartier afliwert hadd un gahn was, stunn ick in den Inspekter sine Stuw', un dese Herr un sin Handlanger, de Slüter [Schließer] D....mann, stunnen vör mi un keken mi an, un wil dat nich verbaden was, kek ick sei wedder an. – »Jetzt müßte ich Sie aber bitten...«, säd de Inspekter un höll in [hielt inne]. – »Wat?« frog ick. – »Es ist Vorschrift vom Kommandanten...«, stamerte hei wider. – Ick wüßt nich, wat hei von mi wull, un kek em un D....mannen an. – »Daß Sie sich nackt ausziehen«, säd de Slüter, un as ick em dorup ankek, wil dat noch nahrends [nirgends], sülwst in den Unnersäukungs-Arrest nich, von mi verlangt was, blänkerte den Kirl von sin dummdristes Gesicht so'n sures, fettes Grifflachen [Grinsen], as wir em dat Mul mit sur Gaus'smolt [Gänseschmalz] insmeert. – Wat Fettiges hett des' Ort äwerall un ok wat Sures; des' hadd ok noch wat Freches, wil hei wüßt, dat hei vördem bi den Herrn General Grafen H., den irsten Kummandanten, Uneformen putzt hadd un dat »allgemeine Ehrenzeichen« in't Knoplock drog, wat hei mal wegen sine Verdeinste üm den preuß'schen Staat un üm de Stäwel von den irsten Kummandanten kregen hadd.

Wat hülp dat all? – Ick müßt ehr wisen, woans ick erschaffen wir, un as sei minen Herrgott sin Makwark besichtigt hadden, fisentierten [visitierten] sei ok minen Snider sin, indem dat sei all mine Taschen in de Kledaschen [Kleidung] ümkihrten un de Näd unnersochten, ob ick dor nich Pistolen un Metzers un Dinger oder gor Geld in hadd.

As dit besorgt was, kunn ick mi wedder antrecken, un nu föllen sei äwer minen Kuffert [Koffer, Gepäck]  los. – 'ne olle eingehüsige, sülwerne Taschenklock, de all so lang' still stahn hadd, as ich satt, wil ick meindag' nich dat Geld taum Reparieren hadd upbringen kunnt, mi ok an de Tid up Stun'ns [bis jetzt] gor nicks gelegen was, würd tauirst [zuerst] mit Beslag beleggt. Dorup kamm en ollen Pipendeckel, so'n ollen Klemmdeckel, taum Vörschin. – »Ist das Silber?« frog de Inspekter. – »Ja«, säd ick, denn mi fohrte dat so dörch den Sinn, dat dese sülwerne Pipenbeslag en Glanz von Wollhabenheit up mi smiten [werfen, schmeißen]  kunn, un leigen [lügen] ded ick dorbi ok nich, denn hei was würklich von Sülwer, äwer man von NisülwerWikipedia-logo.png. Un as sei mi nu noch 'ne lütte goldne Dauknadel afnamen hadden, de ick von min Swester taum Wihnachten kregen hadd, un min Schriw- un Teikengeschirr, un as sei dit allens sauber tau mine Personalakten leggt hadden, kunn ick jo nu mit den Slüter nah mine Nummer gahn.


Fritz Reuter: Ut mine Festungstid, Kapitel 7

Wie ein Pfund Tabak die Gefängnisordnung verändert

Ein Schließer ist mit seinem Vorgesetzten, dem Inspektor, verfeindet. Der würde gern die Gefangenen menschlicher behandeln, doch er muss befürchten, dass der Schließer ihn bei dem scharfen Festungskommandanten anschwärzt, bei dem er mal als Bursche gearbeitet hat. Doch Fritz Reuter findet eine Methode, den Schließer zu bestechen.

Min Toback stek em in de Näs': »Woll schönen Toback?« frog hei. – »Ih ja«, säd ick. »Will'n Sei em mal probieren?« – »Ne«, meinte hei, »wo denken Sei hen? Ick süll mi in so'ne Dörchstekerien inlaten?« – »Schön«, säd ick, »denn laten S't sin.«

Herr D....mann kamm wedder, hei hadd nicks bi mi tau dauhn: »Na, wo geiht't?« – »Oh, recht gaud.« – »De Toback smeckt Sei woll?« – »Ja, sihr gaud.« – »Na, wil Sei doch so fründlich wiren..., probieren will ick em doch mal.« – Herr D....mann stoppte sick 'ne Pip: »Schön! Würklich schön!« – »Na, denn nemen S' sick en Pund mit«, säd ick. – Ne, dat künn hei nich. 'ne Pip Toback, dat güng woll; äwer en Pund! Dat wir gegen sine Schülligkeit, dat künn hei nich dauhn. Wat ick von em denken ded? – Äwer as Herr D....mann ut mine Dör gung, hadd hei min Pund Toback in de Hand, un ick dacht wat von em.


Ut mine Festungstid, Kapitel 7

Einige Dag' drup, so gegen Abend, hürte ick, dat bi minen Nahwer Gr. upslaten würd – dat geschach bi uns allen ümmer üm dese Tid, denn denn würd rein makt un frisch Water halt. Ick kloppte an mine Dör, un D....mann slot up, obschonst de Gefängnisknecht bi minen Fründ Gr. noch nich farig was; ick kamm rute un gung up Gr. tau un kunn doch en por Würd' mit em reden. As de Stuw' rein was, röp D....mann: »Herr Gr.!« un Gr. gung in sin Lock herin; äwer ick ok un set'te mi ahn wideres up dat Bedd. D....mann röp mi, ick süll rute kamen; ick äwer regte mi nich un meinte, hei künn mi jo bet Klock nägen bi minen Kammeraden sitten laten, denn kem hei jo doch noch mal wedder taum Tausluten för de Nacht. – Ne, dat künn hei nich, dat wir gegen de Husordnung, de Inspekter paßte em ümmer up den Deinst. – Ick säd, de Inspekter würd gewiß nich kamen, un säd, ick ded em ok mal wedder en Gefallen, indem ick nich ahn Absicht so'n beten stark mit den Tunpal up dat Pund Toback henwinkte. Un wat was dat En'n? – Herr D....mann slot uns beid tausamen in.

Dor seten wi nu un vertellten uns von ollen un nigen Tiden. Gr. gaww mi en Metz un allerlei Kleinigkeiten, de hei missen kunn, un't würd afmakt, ick süll bi de Kummandanten inkamen, dat wi tausamen wahnen wullen. Binah all de annern wahnten tau twei in ehr Stuwen, un't müggt uns jo ok woll glücken.

Äwer worüm vertell ick so'ne Kleinigkeiten? – Dorüm, wil ick nahwisen kann, dat min Pund Toback de ganze schöne, nah allen Kanten so faste Husordnung ümsmiten ded. – De Gefängnisknecht K. hadd seihn, dat D....mann sick arg gegen de Bestimmungen von den Grafen H. versünnigt hadd; hei würd jo dit glik an den Inspekter vertellen; de hadd nu den Slüter schön in de Fingern, dat hei em nich mihr hinnerrüggs bi den Kummandanten anpetzen kunn. Kort, de ganze, up gegensidige Furcht un Niderträchtigkeit von de Beamten gründte Uprechthollung von den Grafen H. sine scharpe Husordnung föll för ein Pund Toback. Un dat fratt mit de Wil so wid üm sick, dat ick, as noch lang' kein Johr vergahn was, de Slätel ut den Inspekter sine Stuw' herute halte un all de Gefängnissen upslot. – Doch dorüm geschach nicks Unrechts von uns – as denn äwerall in vir Johren äwer twintig bet dörtig junge Lüd' keine Klag' bi de Kummandantur vörkamen is, taum groten Arger von den irsten Kummandanten, de up öffentliche Parad' wütend tau den Inspekter seggt hewwen sall: »Wieder nichts zu melden? – Melden Sie was, und ich werde den Leuten zeigen, wie man mit Hochverrätern umgehen muß!« – Un all de erbärmlichen Quälerien, mit de wi schurigelt würden, wiren nich mal en Pund Toback wirt!


Ut mine Festungstid, Kapitel 8

Ihr Haar ist goldener noch als der Sonnenstrahl

Die Not, aus dem Leben gerissen zu sein, den Gedanken, eine Partnerin finden zu können, abschreiben zu müssen, die Sehnsucht nach ein bisschen Glück. Diese Gefühle betrachtet Reuter von außen, als ob sie nicht seine wären, und macht aus dem Mitgefangenen einen lyrischen Troubadour.

»Charles«, frog hei, un sine Ogen lücht'ten ordentlich, »hast du die junge Dame gesehn?« – »Ja«, säd ick, un't wir en rank un slank Mäten west. – »Hast du ihr Haar gesehen?« – »Ja«, säd ick, 't wir rod west. – »Rot? – Das nennst du rot? – Ich sage blond! – Ich will auch zugeben: hochblond! Und das ist eine Farbe, die zu allen Zeiten von Dichtern und Malern gepriesen ist. Nicht der Sonnenstrahl vergoldet das Haar, das Haar vergoldet den Sonnenstrahl.« – »Wat Dausend! Wat heit dit?« – »Hast du den Teint der Dame gesehn?« – »Ja«, säd ick, »sovel as dat in'n Vörbigahn un dörch en gräunen Sleuer mäglich wir.« – »Weiß wie Alabaster!« röp hei ut. – »Ja«, säd ick, »äwer sei hadd Sommersprutten.« – De Kapteihn kek mi an, tog mit de Schullern un gung up un dal, äwer nah en beten stellte hei sick vör mi hen: »Charles, willst du mich ärgern?« – »Ne«, säd ick, »doran hadd ick nich dacht.« – »Warum führst du denn gerade den Umstand gegen mich an, der sonst allgemein für den Beweis eines zarten Teints gilt?« – »Gegen em«, frog ick, »wo so? – Ick hadd jo nicks nich gegen em seggt; ick hadd ok nicks wider gegen dat Mäten, as dat sei in't Gesicht so bunt utseg as en Kuhnenei.« – »Solche Vergleiche verbitte ich mir«, säd hei un lep wedder hastig up un dal. – Dit würd ümmer schöner, un nahgradens markt ick, wo dat fuchten was; ick säd also, hei süll dat man sin laten, un't wir jo doch ümmer 'n hübsch Mäten. Dat geföll em, un hei würd mit einmal wedder de oll Kapteihn vull Füer un Fett, wenn't sine Inbillung angahn ded: »Charles«, röp hei, »hast du ihre Augen gesehn?« – »Ja«, säd ick, »sei hadd blag'.« – Dat was em nu äwer nich naug: blag' Ogen hadden vele, sei müßt nu doch noch wat vörut hewwen. – »Blau?« röp bei; »ja blau; aber was für ein Blau? Ein Blau, so warm, daß es ordentlich einen grünlichen Schein annimmt. Der klare, blaue Himmel nicht allein; auch das traute Grün der Erde spiegelt sich in diesem Auge!« – Nu müßt ick äwer lachen, gegen minen Willen lachen, un ick säd, dat hadd ick meindag' noch nicht hürt, dat gräune Ogen schön wiren, un't wir woll von den gräunen Sleuer herkamen, dat hei sei för gräun anseihn hadd. – Nu was äwer dat Kalw ganz un gor in't Og slagen; hei hadd ümmer ungeheuern Respekt vör de Frugenslüd' ehr Ogen, grad es de nimodschen Dichters, de reden ok man ümmer blot von de Ogen, un dat äwrige von den menschlichen Liw', dat bammelt man blot so dorbi.

Ut mine Festungstid, Kapitel 15

Wie der Kapitän auf seine Geliebte verzichtet, weil sein Nebenbuhler verspricht, sie in 25 Jahren zu heiraten

Reuter versteht sich darauf, Szenen humoristisch zuzuspitzen. Was genau passiert ist, lässt sich heute nicht mehr konstruieren. Aber Reuter versteht es, glaubhaft zu machen, dass sein Zellengenosse in der Festungshaft tatsächlich auf seine Geliebte verzichtet, weil sein Nebenbuhler verspricht, sie in 25 Jahren zu heiraten. Wie das?

Es geht ihm um die Ernsthaftigkeit der Liebe des anderen, und die kann der andere in der vorgegebenen Situation in der Tat nur dadurch nachweisen, dass er verspricht, die Geliebte seines Rivalen in 25 Jahren zu heiraten. Bemerkenswert ist dabei auch, dass in diesem Text das Hochdeutsche auch dem Leser, der mit dem Platt Schwierigkeiten hat, seltsam merkwürdig und unangemessen erscheint.

Äwer as wi uns' Middageten (Mittagessen) vertehrt (verzehrt) hadden, treckte hei sick den Blagen (Blauen) an, rückte de Vatermürder en beten vör den Speigel taurecht un säd: »Charles, ich habe einen schweren Gang vor mir, willst du mich begleiten?« – Ja, säd ick, wohen hei ok ümmer gahn wull, ick wull em ümmer tau Hand stahn; äwer nu wir de Dör unnen noch tauslaten. – »Wir gehen bloß runter zum Kopernikus«, säd hei un gung. – Leiwer Gott, dacht ick, wat dit woll ward! un folgt em.

As wi unnen dal kemen, was dat Krät grad dorbi un makte sick Koffe; de Kapteihn gung strack un stramm up em los, höll em de Hand hen un säd: »Kopernikus, wir sind sechs Jahre lang ehrliche Freunde gewesen, sind wir das noch?« – »Ja«, säd dat Ding un gaww em verlegen de Hand un stickte sick gräun dorbi an (färbte sich grün dabei). – »Kopernikus«, säd de Kapteihn wider un schüddelte em so recht truhartig (treuherzig) de Hand, »hast du etwas dagegen, daß Charles Zeuge unserer Unterredung wird? Ohne daß wir weitläufig darüber gesprochen hätten, weiß er, worum es sich handelt; er soll Richter sein zwischen mir und dir.« – Dor hest du en gauden Posten kregen! dacht ick bi mi, wo dit woll warden deiht? Un ick denk: Täuw'! denk ick, sallst dat Krät en beten weikmäudig (weichmütig) maken, de Kapteihn is't all, un tüschen weikmäudig Lüd' geiht allens glatter. Un ick gew em ok min Hand hen un kik em mit alle mägliche Weihleidigkeit in dat gräune Gesicht; dunn ritt sick dat Ding los un springt nah sinen Koffepott hen un röppt: de kakte em äwer! Un hei wull noch frischen Koffe upschüdden, un denn wullen wi hüt nahmiddag recht schön Koffe tausam drinken, un de Kapteihn süll ut 'ne lange irdne Pip Toback dortau roken.

Nu bidd ick einen üm Gottes willen! Um 'ne Pip Toback was doch de Kapteihn nich herkamen, un üm 'ne Tass' Koffe giwwt doch keiner 'ne Aurelia up! – De Kapteihn säd also ok sihr kolt: »Laß das! Ich will dich bloß fragen: Liebst du Aurelien?« – Süh so, nu satt dat Krätending dor un süll Hals gewen, un nu wull hei nich. – Äwer de Kapteihn was up den richtigen Weg, un hei let nich locker: »Ick frage dich«, säd hei, »liebst du Aurelien?« – »Ja«, säd endlich de Kopernikus. – Dat was äwer den Kapteihn nich naug, kunn em ok nich naug sin, denn wenn hei sick dormit begnäugt hadd, wir de Sak ut de Welt west, un up so'ne Wis' 'ne Sak ut de Welt tau bringen, dat is jo binah, as wenn't Kind in de Weig' ümbröcht ward; hei frog also noch indringlicher: »Liebst du Aurelien mit all der Innigkeit, mit der ich sie geliebt habe?« – Dat was nu 'ne dämliche Frag' von den Kapteihn, wo kunn de Kopernikus weiten, wo deip sei em satt; ick säd also ok as Richter in de Sak: De Frag' dürwt hei nich stellen, denn dordörch set'te hei den Kopernikus blot in Verlegenheit. Un ick denk noch so bi mi: na, dor hest du dinen Posten mal gaud verwacht! – Je ja, je ja! Dunn springt dat Ding von Kopernikus up mi los un fröggt, wat ick dormang tau reden hadd? Sei wullen ehr Sak allein utmaken; un de Kapteihn seggt, dorüm hadd hei mi nich mitnamen, dat ick sei utenanner bringen süll. – Na, dat treckt mi denn nu ok eklich an, un ick frog denn, wat sei sick stats mi nich leiwer den Erzbischoff raupen wullen, de wüßt jo allens taum Gauden tau kihren, oder ok Don Juannen, de wüßt jo mit Leiwsangelegenheiten am besten Bescheid. – Dat wullen sei äwer all beid' nich, un ich würd nu ok steinpöttig un set't mi dal un drunk Koffe un rokte Toback un denk: lat't Ding sinen Lop.

De Kapteihn hadd nu äwer in de drei Dag', de hei allein seten hadd, sick einen in allen Kanten fasten Plan utdacht, un hei was en tau gauden Militör, as dat hei sinen Find slippen laten süll, un wenn de Kopernikus Sprüng' nah rechtsch un linksch maken ded, gung hei em ümmer wedder drist tau Liw' mit de Frag': »Liebst du sie mit all der Innigkeit, mit der ich sie geliebt habe?« – Nu kunn de Kopernikus nich wider retürieren, hei müßte sick stellen: Dat wüßt hei nich, säd hei, wo wid de Kapteihn in de Leiw' herinne geraden wir, bet an den Hacken oder bet an dat Hart; hei wüßt blot, dat hei sülwen dat Mäten liden müggt un dat hei eben so gaud wir as jeder anner. – Dunn let de Kapteihn den Hall'schen Flügelmann von't tweite Glid los un let em schappieren un gung mit groten Schritten up un dal un säd: »Das war dein Glück! Die Antwort rettet dich! Hättest du diese Frage mit einem einfachen ›Ja‹ beantwortet; ich hätte dich für einen Lügner ansehen müssen, denn so wie ich sie geliebt habe, kannst du sie nicht lieben.« – »Nicht?« röp de Kopernikus un set'te so'n verwogen Gesicht up, as wull hei wedder mit fleigende Fahnen un Standarten in de Slacht rücken. »Herre Gott!« röp ick dormang, »nu makt äwer Freden! De Sak is jo nu vörbi, nu kamt her un drinkt Koffe!« – »Schweig, Charles!« röp de Kopernikus; »was hast du darin zu reden?« – »Ja, schweig Charles!« röp ok de Kapteihn, »nun kommt erst die Hauptfrage.« – Na, dachte ick, ditmal un nich wedder! Wo gahn sei mit ehren Richter in Leiwssaken üm! – »Kopernikus«, frog äwer mit einmal ruhig un kolt de Kapteihn un richtete sick steidel vör em in de Höcht, »willst du Aurelien heiraten?« – As nu äwer dit swore Geschütz von Frag' unverseihens achter'n Barg rute kamm un em in de Flanken fot, treckte de Kopernikus Fahnen un Standarten in un wull sick heimlich ut den Stohm maken, äwer de Kapteihn schot ümmer wedder mit de Frag' up em los: »Willst du sie heiraten?« – Na, ick was woll verdreitlich wegen de Behandlung, de sei mi as Richter hadden taukamen laten; äwer bi dese Frag' müßt ick doch nu ludhals' lachen: »Kapteihn«, säd ick, »dat is jo mines Wissens de allerletzte Frag', un de leggt einen jo irst de Preister an'n Altor vör.« – »So?« säd de Kapteihn un kek mi von baben dal an, »so? – Nu, dann laß dir sagen, ich stehe hier auch gleichsam als Priester, denn bevor ich an dies ernste Werk gegangen bin, habe ich mein Teuerstes als Opfer dargebracht. – Und dann laß dir sagen, daß diese Frage wohl am rechten Orte ist, denn der Kopernikus kann sie zu jeder Zeit beantworten; er ist homo sui juris, er ist majorenn, seine Eltern sind tot, er hat Vermögen und hat sein Auskultatorenexamen gemacht.« – »Un sall noch fiwuntwintig Johr sitten«, säd ick. – »Das geht dich nichts an«, säd de Kopernikus, »sorge du für dich selbst! Du hast selbst noch fünfundzwanzig Jahr.« – »Ja«, säd de Kapteihn, »du kannst nicht heiraten, denn du hast ja noch nicht das Auskultatorenexamen gemacht. Jeder Auskultator im preußischen Staat kann heiraten, das heißt, wenn er Vermögen hat; ich hab's nicht, aber Kopernikus hat es, und darum soll er heiraten – ich sage: er soll heiraten, und wär's auch erst nach fünfundzwanzig Jahren.« – Un hir fung taum irstenmal bi den ganzen Handel sick in den Kopernikus sine Bost wat von Begeisterung an tau regen un ganz gräun gaww hei den Kapteihn de Hand un röp: »Und ich will heiraten!« – Un de Kapteihn slot em in de Arm un küßt em baben up den Kopp, denn an den Mund kunn hei wegen den Kopernikus sine korte Verstiperung un wegen sine krumme Näs' nich gaud ankamen, un reckte den einen Arm in de ganze Welt un röp: »Und hiermit entsag' ich allen meinen Rechten!«[1] In desen Ogenblick müßt dat nu grad passieren, dat Aurelia an unse Kasematt vörbi gung, an'n Sünndagnahmiddag en beten spazieren. Snubbs wendte sick de Kapteihn af un gung hinnen nah de Kasematt rin; hei was en Mann von Ihr (Ehre) un von Wurd; de Kopernikus stellte sick an't Finster un kek sin niges (neues) Eigendaum nah, un ick satt dor as't föwt (fünftes) Rad an'n Wagen un hülp mi mit Koffedrinken ut de slimme Lag'; denn alle beid' hadden sei en Haß up mi smeten, as wir ick schuld an all de Qual; äwer so mag dat woll all de Richters gahn. – Ick wull nu doch äwer ok nich so von minen Posten afgahn, ahn dat ick mi wat marken laten ded, ick säd also: »Ja«, säd ick, »wir dat nu woll nich gaud, dat wi ehr« – un ick wis'te so äwer de Schuller ut dat Finster rute –, »dat wi ehr, minentwegen dörch de lütt Iding, tau weiten kamen leten, wat wi hüt hir äwer ehr utmakt hewwen, denn ji mägt nu seggen, wat ji willt, mit in de Geschicht rinne hüren deiht sei doch.« – Dunn fohrte de Kapteihn hinnen ut de Kasematt herute un säd, dorvon verstünn ick nicks, tau Kinnerkram un Aposteldräger wir de Sak nich anleggt, de Kopernikus müßte den negsten Sünndag en swarten Kledrock un witte Hanschen antrecken un müßte bi den Papa mit paßliche Würden üm de Dochter anhollen.

Nu smet sick äwer de Kopernikus up min Sid un säd: hei hadd äwer keinen swarten Kledrock. – Denn müßt hei sick einen von den Erzbischoff borgen, de hadd einen. – Ne, säd de Kopernikus, dorför bedankt hei sick, denn dorin würd hei utseihn as de Hiring in'n Rockluhr. »Ja«, säd ick, »un wat würd de General dortau seggen?« Dit verblüffte den Kapteihn, hei wüßt ogenschinlich keinen Rat wider! »Oh!« röp hei, »wenn ihr ahntet, was mir diese Tat gekostet hat, und sie soll an einem Leibrock und an einem General scheitern!« Dormit gung hei wedder in dat hindelst En'n von de Kasematt un ümmer up un dal (hin und her). – Nah'ne Wil kamm hei still nah uns ranner: »Charles«, säd hei, »komm!« un dorbi wischte hei sick de kollen Sweitdruppen von dat blasse Gesicht; ich klappte min Pip ut, un wi gungen nah baben (oben).


Ut mine Festungstid, 18. Kapitel

Anmerkungen

  1. Entsagung ist in der Rechtssprache der Schuldenerlass, den der Gläubiger dem Schuldner gewährt. In der Religion wird sie meist als Verzicht auf weltliche Freuden verstanden (vgl. MönchsgelübdeWikipedia-logo.png). In der deutschen Literatur findet sich sich an zentralen Stellen bei Schiller in der Apfelschussszene in Wilhelm Tell (III, 4) als Rudenz darauf verweist, dass er mit dem Dienst für den Kaiser 'allen Blutsverwandten entsagt' und 'alle Bande der Natur zerrissen' habe, und bei Goethe als Untertitel zu seinem Alterswerk Wilhelm Meisters Wanderjahre. - Die Rechte, auf die der "Kapitän" verzichtet, bestehen allein darin, dass er schon früher als sein Mitgefangener ein Mädchen aus der Ferne angeschmachtet hat. - Mit dieser überhöhten Sprache will Reuter hervorheben, wie lächerlich der Verzicht auf das Anschmachten eines Mädchens ist, doch wie viel er in diesem Augenblick für den Kapitän bedeutet. - Übrigens findet der Kapitän kurz darauf eine neue Liebe, die zu neuen komischen Verwicklungen führt.

Rückblick auf die Festungshaft

Gedenkstein für Fritz Reuter in Neu Kaliß in Mecklenburg-Vorpommern

Reuter ist aus der FestungshaftWikipedia-logo.png entlassen worden und fühlt die Last der verlorenen Jahre. Die Welt war ruhig ihren Weg weiter gegangen und er hatte es nicht miterlebt, er fühlte sich fremd in ihr. Nun sagt er sich:

Äwer du büst fri! du kannst gahn, wohen du willst! De Welt steiht di apen! – Ja, äwer wecker Weg is de rechte?

Welche Möglichkeiten hat er noch nach seinem durch die Festungshaft abgebrochnen Jurastudium mit 30 Jahren?

Er verzichtet auf angesehenere Berufe, ungern auf den des Bauern, aber dazu fehlt ihm das Geld. Er wird Lehrer und dann - sehr widerstrebend, weil ihm keine andere Wahl mehr bleibt - Schriftsteller.

So! Säben Johr legen achter mi, säben swore Johr, un wenn ick ok up Stun'ns [jetzt] in'n ganzen lustig dorvon vertellt heww, sei legen mi dunn swor as Zentnerstein up't Hart; in dese Johren was nicks gescheihn, mi vörwarts tau helpen in de Welt, un wat sei mi mäglich nützt hewwen, dat lagg deip unnen in'n Harten begrawen unner Haß un Fluch un Grugel; ick müggt nich doran regen; 't was, as süll ick Gräwer upriten un süll minen Spaß mit Dodenknaken [Totenknochen] bedriwen. – Un wat lagg vör mi? – 'ne Haid mit Sand un Dannenbusch. – Weg'? – Oh, vele Weg' führten dor dörch, äwer gah man einer so'n Weg, hei sall woll mäud' warden. – Un wecker was de rechte? – Ick bün rechtsch gahn – nicks as Sand un Dannenbusch; ick bün linksch gahn – datsülwige. – Wo ick henkamm – keine Utsicht! Ok de Minschen wiren anners worden. – Männigein hett mi 'ne fründliche Hand henreckt; äwer in'n ganzen stimmte ick nich mihr mit ehr tausam. Mi was tau Maud', as wir ick en Bom, de kröppt [beschnitten] wir, un üm mi rümmer stunnen de annern un gräunten un bläuhten un nemen mi Licht un Luft weg.

Dat Kröppen hadd ick mi woll noch gefallen laten, denn ick fäuhlte in mi noch 'ne düchtige Lust taum Driwen un Utslagen; äwer in de Tid wiren mi ok de Wörteln [Wurzeln] afsneden. – Min oll Vader was nah DämsWikipedia-logo.png henkamen und hadd mi besöcht; hei was desülwige olle gaude Vader von vördem; äwer in de säben Johr wiren mit mine Hoffnungen ok sine verdrögt; hei hadd sick gewennt, mi so antauseihn, as ick mi sülwst ansach – as en Unglück; hei hadd sick för de Taukunft en annern Tausnitt makt, un ick stunn nich mihr vöran in sin Rekenexempel. Wi wiren uns frömd worden; de Schuld lagg mihr an mi as an em; de Hauptschuld äwer lagg dor, wo mine säben Johr legen.

Ach, wat wiren dat för Gedanken! – Wat was ick? Wat wüßt ick? Wat kunn ick? – Nicks. – Wat hadd ick mit de Welt tau dauhn? – Rein gor nicks. – De Welt was ehren ollen scheiwen Gang ruhig wider gahn, ahn dat ick ehr fehlt hadd; üm ehrentwillen kunn ick noch ümmer furt sitten un – as ick so unner den Dannenbusch satt – för minentwegen ok. – Äwer du büst fri! du kannst gahn, wohen du willst! De Welt steiht di apen! – Ja, äwer wecker Weg is de rechte?


Ut mine Festungstid, 26. Kapitel

Ansätze für den Unterricht

Nuvola apps edu miscellaneous.png   Unterrichtsidee
  1. Geben Sie einen Textabschnitt inhaltlich wieder und versuchen Sie, drei Sätze in heutiges Hochdeutsch zu übersetzen. Wo liegen die Schwierigkeiten?
  2. Weshalb wird die Festungshaft aus so unterschiedlichen Perspektiven gezeigt? (Aussageabsicht)
  3. Wie erklärt sich, dass Reuter in Festungshaft genommen wurde, statt hingerichtet oder in einem normalen Gefängnis untergebracht zu werden? (zeitgeschichtlicher Hintergrund)
  4. Wie wird der Kapitän charakterisiert?
  5. Was könnte Aurelie in ihr Tagebuch eingetragen haben, als sie feststellte, dass der Kapitän sich nicht mehr um sie kümmerte?
  6. Inwieweit bestätigen die vorliegenden Textausschnitte die Charakterisierung des Romans im Wikipediaartikel?
  7. Inwiefern und weshalb wohl wird Reuter auf dem Gedenkstein nicht korrekt zitiert?

Literatur

  • G. Schab: Fritz Reuters Festungstid und ihre hochdeutsche Urgestalt. Dissertation. Halle 1923
  • Kindlers neues Literatur-Lexikon Bd. 14. Kindler, München 1988

Links

Textgrundlage

Siehe auch