Wahrheit

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Wahrheit ist einer der zentralen Begriffe der Philosophie. Doch dieser Begriff ist in keiner Weise eindeutig.

Umgangssprachlich werden die Worte Wahrheit und wahr meist zur Abgrenzung von Irrtum und Lüge gebraucht. Im ersten Fall wird die Übereinstimmung einer Aussage mit der Wirklichkeit betont, im anderen Fall die moralische Haltung des Sprechers, seine Wahrhaftigkeit.[1])

Inhaltsverzeichnis

Wahrheit in der Literatur

In der Literatur wird Wahrheit oft als etwas angesehen, dem der Mensch nicht gewachen ist. So bei Lessing[2] und noch stärker bei Schiller, der in Das verschleierte Bildnis zu Sais Wahrheit sogar als eine bedrohliche Macht darstellt.[3])

Arthur Schopenhauer sieht die Wahrheit als seltenen Ausnahmefall im menschlichen Leben. Ihr sei immer nur ein "kurzes Siegesfest" beschieden "zwischen den beiden langen Zeiträumen, wo sie als paradox verdammt und als trivial geringgeschätzt wird".[4]

Zur Behandlung im Unterricht

Als Ausgangspunkt sollte man nicht Definitionen von Wahrheit verwenden, sondern konfliktträchtige Beispiele. Geeignet sind dafür besonders Bonhoeffers Beispiel, wo eine Aussage, die den Sachverhalt nicht korrekt wiedergibt, als angemessen bezeichnet wird, oder Kants Beispiel, wo er erklärt, man solle sogar dem Verbrecher angeben, wo sich eine Person, die sich vor ihm versteckt aufhält. Bei der Diskussion solcher Beispiele werden dann die Kriterien für Wahrheit erarbeitet werden können.

Anmerkungen

  1. Diese Position wird besonders von Dietrich Bonhoeffer vertreten, vgl. Was heißt: Die Wahrheit sagen?
  2. Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: Vater gib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein! ("Über die Wahrheit")
  3. Weh dem, der zu der Wahrheit kommt durch Schuld. Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein." (Das verschleierte Bildnis zu Sais)
  4. In seiner Vorrede zu "Die Welt als Wille und Vorstellung schreibt er: "Meine letzte Zuflucht ist jetzt, ihn zu erinnern, daß er ein Buch, auch ohne es gerade zu lesen, doch auf mancherlei Art zu benutzen weiß. Es kann, so gut wie viele andere, eine Lücke seiner Bibliothek ausfüllen, wo es sich, sauber gebunden, gewiß gut ausnehmen wird. Oder auch er kann es seiner gelehrten Freundin auf die Toilette, oder den Theetisch legen. Oder endlich er kann ja, was gewiß das Beste von Allem ist und ich besonders rathe, es recensiren. Und so, nachdem ich mir den Scherz erlaubt, welchem eine Stelle zu gönnen in diesem durchweg zweideutigen Leben kaum irgend ein Blatt zu ernsthaft seyn kann, gebe ich mit innigem Ernst das Buch hin, in der Zuversicht, daß es früh oder spät Diejenigen erreichen wird, an welche es allein gerichtet seyn kann, und übrigens gelassen darin ergeben, daß auch ihm in vollem Maaße das Schicksal werde, welches in jeder Erkenntniß, also um so mehr in der wichtigsten, allezeit der Wahrheit zu Theil ward, der nur ein kurzes Siegesfest beschieden ist, zwischen den beiden langen Zeiträumen, wo sie als paradox verdammt und als trivial geringgeschätzt wird. Auch pflegt das erstere Schicksal ihren Urheber mitzutreffen. – Aber das Leben ist kurz und die Wahrheit wirkt ferne und lebt lange: sagen wir die Wahrheit. (in Zeno)

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