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Wanderjahre

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Wanderjahre waren früher die Jahre, in denen der Handwerksgeselle von Meister zu Meister herumwanderte, um von allen Neues zu lernen. Diese Phase ist bei den Handwerkern - bis auf einige Reste bei den Zimmerleuten - ausgestorben. In den letzten Jahrzehnten hat sich aber eine Phase der Lebenssinn- und Jobsuche herausgebildet, die man auf Englisch mit Odyssey years bezeichnet.

Es ist eine Phase des Hin- und Herziehens auf einer Weltreise als RucksacktouristWikipedia-logo.png oder eines berufsbedingten Stellungswechsels, wo man von seiner Firma hin und her geschickt wird oder wo man auf der Suche nach einer Vollzeitstelle viele PraktikantentätigkeitenWikipedia-logo.png, Arbeiten bei LeiharbeitsfirmenWikipedia-logo.png zur Überbrückung annehmen muss.

Inhaltsverzeichnis

Wanderjahre in der Literatur

Goethe hat in seinem Roman Wilhelm Meisters WanderjahreWikipedia-logo.png bereits die Bedeutung der Selbst- und Berufsfindung, das heißt die BildungWikipedia-logo.png seines HeldenWikipedia-logo.png, in den Mittelpunkt gestellt.

Wandern in der Literaturgeschichte

Der Germanist Heinz Schlaffer schreibt in "Die kurze Geschichte der deutschen Literatur" (Hanser 2002) folgende interessanten Ausführungen zur "Erfindung" des Wanderns:

"Fast bis in die Gegenwart dauert eine Erfindung der Studenten vom Ende des I8. Jahrhunderts, die für die deutsche Poesie und Lebensweise folgenreich war: das Wandern. In anderen Ländern war es nie üblich; in Deutschland stirbt es zur Zeit aus. Studien Heinrich Bosses haben auf die merkwürdige Erscheinung aufmerksam gemacht, daß um I770 das traditionelle Wandern der Handwerksgesellen durch Polizeiverordnungen unterdrückt wurde, dafür aber bei den Intellektuellen in Mode kam. Der praktische Zweck der einen wandelt sich zum ästhetischen Vergnügen der anderen. Der Wanderer erschließt sich eine neue Landschaftserfahrung, die in der augenblicklichen Wahrnehmung - in Regen und Sturm auf dem »Schlammpfad« - wie im Ganzen - der gottgleichen Natur - die literarischen Konventionen der idyllischen und der heroischen Topographie hinter sich läßt. Von den wandernden Handwerkern übernehmen ihre Imitatoren, die Studenten, den Brauch, Lieder zu singen oder Lieder zu dichten, als wären sie beim Wandern entstanden. Goethe erinnert sich seiner jugendlichen Gewaltmärsche: »Mehr als jemals war ich gegen offene Welt und freie Natur gerichtet. Unterwegs sang ich mir seltsame Hymnen und Dithyramben, wovon noch eine, unter dem Titel >Wanderers Sturmlied<, übrig ist.« Viele deutsche Gedichte, von denen einige populäre Lieder geworden sind, bekunden bereits in der Uberschrift oder in der ersten Zeile das Wandern als Anlaß und Hintergrund. [...]
Schon Werther dehnte konventionelle Spaziergänge von überschaubarem Ausmaß zu spontanen Wanderungen mit unvorhersehbaren Erlebnissen aus. [...] Deutsche Romanhelden ... weichen vor der Schicksalhaftigkeit oder Albernheit gesellschaftlicher Verhältnisse in die einsame Zwiesprache mit der Natur aus. Wer sich durch den Anblick der Landschaft seiner Ubereinstimmung mit der großen, göttlichen Natur versichern kann, braucht sich um die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse und zu einem bestimmten Ort nicht zu kümmern." (S. 67ff)

In der Wikipedia

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Siehe auch