Weblogs im Ethikunterricht

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Die Grundstruktur des Artikels mit den Ideen, Regeln und Anmerkungen stammen aus den Web2.0 im Ethikunterricht-Seminaren der TU-Dresden von 2009 und 2013/14.

Inhaltsverzeichnis

Probleme, die im Vorfeld des Weblog-Einsatzes bedacht werden sollten

  • Über welche Kompetenzen verfüge ich als Lehrer?
  • Über welche Kompetenzen verfügen die Schüler?
  • Ist das zu bearbeitende Thema für ein Weblog geeignet?
  • Soll das Blog für Außenstehende lesbar/ kommentierbar sein?
  • Soll das Blog im Unterricht geschrieben werden (Computer vorhanden? Internetanschluss?) oder zu Hause (Computer, Internet?)

Beispiele für Weblogs im Philosophie- und Ethikunterricht

Checkliste – So sollte ein unterrichtsbegleitendes Weblog gestaltet sein

Wesentliche Inhalte und Elemente
  • Impressum mit Angabe von Kontaktmöglichkeiten (Schule, Mailadresse) und Lizenz der entstandenen Texte
  • Info-Rubrik, die über Ziele und die Seite im Allgemeinen informiert (in welchem Kontext entstanden …)
  • Hinweise zum Thema Urheberrecht
  • Regelkatalog (s. u.)
  • Nutzung verschiedener Möglichkeiten der Indexierung (Labels/ Kategorien und Tags)
  • separater Sideteaser für Aktuelles (Termine, neueste Kommentare)
  • Liste der Mitwirkenden (Nicknames)
  • Kommentierungsmöglichkeit
  • keine Werbung
  • bei häufiger Einbindung von Audio-Dateien (z.B. bei Podcasts) bei der Auswahl des Bloganbieters auf sinnvolle Einbindung achten (besser blog.de als wordpress.com)
Optische Gestaltung
  • übersichtliches Design
  • deutliche Schrift-Hintergrund-Kontraste (dunkel vs. hell oder hell vs. dunkel)
  • einheitlicher Schriftstil (nicht mehr als 2 Schriftarten)
  • Einbindung von Bildern, Filmen und Audiotracks (Urheberrecht beachten!)
  • klare optische Trennung der einzelnen Posts
  • Variation mit gestalterischen Mitteln (Farben, Schriftgrößen …)
Aufgabengestaltung
  • regelmäßig kleinere Aufgaben statt komplexe langfristige Aufgaben
  • klare Terminsetzung
  • klare Benennung der Bewertungskriterien und deren Wichtung
  • Einbeziehung der Kommentarfunktion (in Aufgabenstellung verankern!)
  • Verlinkung von Hilfsmaterialien u. Ä.
  • mögliche Aufgaben: Definitionen, Recherchen, Positionierungen, kreative Schreibaufträge, Protokolle, Pro-Contra-Debatte, …
Regeln
  • evtl. von Schülern selbst gestaltet
  • korrekte Rechtschreibung, angemessener Ausdruck (vollständige Sätze …)
  • keine Beleidigungen
  • Gewährleistung von Anonymität
  • Quellenangabe notwendig
  • Pünktlichkeit
Anregungen – So kann man ein unterrichtsbegleitendes Weblog auch gestalten
  • Schülerbezug durch individuelle Logos, speziellen Titel o.ä.
  • Statistik (wie viele Beiträge, Besucher, etc.)
  • Möglichkeit der Nutzung von Emoticons
  • Möglichkeit zum Upload von Dateien anbieten
  • Hilfe- und Suchfunktion (evtl. auch Hilfe zu Text- und Bildverarbeitung)
  • Auflistung von anderen Kinderseiten (evtl. auch Lese- und Filmtipps zu bestimmten Themen)
  • Downloadbereich für Unterrichtsmaterial
  • Organisatorischer Teil: wichtige Termine (z. B. Klausuren, Leistungskontrollen …), Schuljahresüberblick …
  • Einrichtung eines Forums, in dem direkte Diskussionen zu den Themen stattfinden und deren Ergebnisse in Posts zusammen gefasst werden können
  • Links zu Freeware, Lernplattformen, Nachschlagewerken, Lernspielen usw.
Mögliche Bewertungskriterien für Schülerbeiträge (Posts und Kommentare)
  • Vollständigkeit
  • Themenbezug
  • Richtigkeit des Inhalts
  • Strukturiertheit (auch Logik und Schlüssigkeit von Argumenten)
  • Verständlichkeit/ Nachvollziehbarkeit
  • Einhaltung der Regeln
  • Pünktlichkeit
  • Qualität und Quantität der Kommentare
  • sprachlicher Ausdruck
  • formale Gestaltung
  • Quellennachweis

Inzwischen gibt es mehrere Beispiele zur Bewertung von Weblog-Beiträgen:

Einsatzszenarien

Ein Weblog lässt sich einerseits für einen gesamten Kurs einrichten, andererseits kann jeder Schüler ein eigenes starten. Je nach Ziel des Einsatzes kann man dadurch unterschiedliche Ergebnisse erreichen.


Klassenstufe Thema Link Bemerkungen
8 Islam http://epickur.wordpress.com/2013/11/01/die-dritte-woche-2/ von Epickur
7 Manipulation durch Medien http://didas-blogged-mind.blogspot.de/2013/11/arbeitsauftrag.html von Dida
6 Vorurteile zwischen Jungen und Mädchen 1 und 2 von Alex
8 Auf der Suche nach Sinn und Orientierung http://hdrnine.wordpress.com/2013/11/02/eine-beispielaufgabe-fur-einen-ethikblog/ von Arismiles
8 Auf der Suche nach Sinn und Orientierung http://socialmedia-ethik-tf.blogspot.de/2013/11/3woche-hausaufgabe.html von Tino Furchner
8 Auf der Suche nach Sinn und Orientierung http://elektronischefuszspuren.blogspot.de/2013/11/meine-erste-idee.html von Fabian Gerlach
11/12 Anthropologie http://jansandow.wordpress.com/2013/11/02/konkretes-szenario-anthropologie-des-menschen/ von Jan Sandow
10 Organspende http://myfirstblog489.wordpress.com/2013/10/28/unterrichtsszenario/ von ninchen489
11/12 Recht und Gerechtigkeit http://dancethought.wordpress.com/2013/11/03/erster-arbeitsauftrag/ von Christine Müller
11 Wissenschaft, Technik, Verantwortung (Shitstorm) http://onmywayphilosophie.wordpress.com/2013/11/03/unterrichtseinheit-ein-versuch/ von Sopieellis
9 Reflexionen über den Tod http://fraunicolettasphilosophie.blogspot.de/2013/11/wow-lisa-rosa-hat-ja-ordentlich.html von Nicoletta
10 Wissenschaft, Technik, Verantwortung http://philogruppe1.wordpress.com/2009/04/18/ideen-zu-den-anderen-teilaufgaben/
7 Manipulation durch Medien http://gruppe2imweb20.blogspot.com/2009/04/3-aufgabe-losung.html
10 Gewissen und Verantwortung http://seminargruppe3.blogspot.com/2009/04/diskussion-weblogeinsatz-im.html
3 Freundschaft http://seminargruppe5.blogspot.com/2009/04/aufgabe-3-unterrichtsblog-punkt-3.html


  • Protokoll führen: In einem Kursweblog werden die einzelnen Stunden zusammengefasst. Außerdem lassen sich Thesen zur Weiterarbeit oder offene Fragestellungen formulieren. Spätestens vor Beginn der jeweiligen Stunde wird festgelegt, welcher Schüler diese Aufgabe übernimmt Es ist jedoch eine langfristige Planung vorzuziehen. Die anderen Schüler können die Kommentarfunktion des Weblogs nutzen, um zu ergänzen oder ihrerseits offene Fragen zu thematisieren. Weiterhin sollte das Weblog genutzt werden, um andere, thematisch passende Medien (Bilder, Zitate, Interviews z. B. mit Philosophen, etc.) einzubinden, die den Unterricht bereichern und den Denkhorizont erweitern können.
  • Philosophisches Tagebuch: Das Führen eines philosophischen Tagebuchs wird durch das Weblogschreiben qualitativ verändert: Der einzelne Schüler schreibt nicht mehr nur für sich, sondern erhält von seinen Mitschülern wertvolle Anregungen zum Weiterdenken. Auch sind philosophische Diskussionen durchaus erwünscht.
Anregungen für die Arbeit mit philosophischen Tagebüchern finden sich bei Lutz von Werder (Philosophieren durch Schreiben, ZDPE, 2/2202). Selbstverständlich sollte man das Weblogschreiben nicht zum Selbstzweck anregen, sondern den Unterricht thematisch begleiten. Neben eigenen Thesen oder kurzen argumentativen Abhandlungen kann man Zitate von Philosophen oder andere Medien (Bilder, Übersichten, MindMap, Links) einbinden, sollte aber unbedingt darauf achten, dass die Schüler sich nicht im Sammeln verlieren, sondern jede fremde Quelle selbst kommentieren.
Eine mögliche Aufgabenstellung, die das Thema Sterben und Tod begleitet, könnte lauten: „Schreiben Sie auf, was Ihnen spontan zum Thema einfällt. Es ist Ihr philosophisches Tagebuch – notieren Sie Gedanken, Einfälle, Überlegungen.
Keine Angst vor dem Schreiben – beginnen Sie am besten mit folgenden Aufgaben: Beantworten Sie mindestens fünf Fragen, die Max Frisch stellt , ausführlich in Ihrem Weblog. Kommentieren Sie bei mindestens fünf Mitschülern einen Beitrag umfangreich und verlinken Sie diesen in Ihrem Weblog. Fügen Sie weitere Quellen (Bilder, Podcats, Links, etc. – Urheberrecht beachten!) zum Thema ein und begründen Sie deren Verwendung.“
Die Verlinkung im eigenen Weblog dient der Lehrperson den Überblick zu behalten. Bei vorangegangener Aufgabenstellung ist eine, sofern gewünscht, prozessorientierte Bewertung einer Ergebnisnote unbedingt vorzuziehen.
  • Medienethik: passend zum Thema schreiben die Schüler kurze Essays zu verschiedenen Medien oder fassen die Darstellung derselben Nachricht in unterschiedlichen Medien zusammen. Als Grundlage informieren sich (und kommentieren) die Schüler in sogenannten Watchblogs, also Weblogs, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, bekannte Medien zu beobachten und zu kritisieren oder Fehler aufzudecken. Beispiele für Watchblogs sind:


Beobachtetes Medium Internetadresse
Bildzeitung http://www.bildblog.de
Spiegel http://www.spiegelkritik.de
diverse http://www.stefan-niggemeier.de/blog
diverse (Österreich) http://www.medienschelte.at
diverse http://www.watchblog.de
  • Schuljahresbegleitend: Im Sächsischem Lehrplan (Klasse 7) stehen vor dem Thema Medien - Spiegel der Wirklichkeit noch Verstehen und Verständigung und Christentum. So ist die Idee zum Einsatz nun, ein Weblog bereits zu Beginn des Schuljahres einzurichten. Jeweils ein Schüler bekommt nach einer Ethik-Stunde die Aufgabe, eine kurze Zusammenfassung der Stunde zu schreiben. Alle anderen Schüler können kommentieren, aber auch eigene Beiträge schreiben, die mit dem Thema im Unterricht zu tun haben, z.B. echte Fragen, Diskussionsfragen, Zitate, Aphorismen, Links. User, die zufällig auf das Weblog kommen, können ebenso kommentieren.
Im Zuge der Thematisierung der Medien im Unterricht können dann folgende Fragen diskutiert werden:
  • Wie hat das Weblog den Unterricht beeinflußt?
  • Hat das Schreiben Spaß gemacht?
  • Haben sich durch das Schreiben und die Interaktion außerhalb des Klassenraums andere Möglichkeiten ergeben?
  • Wie reagierten Außenstehende auf das Weblog? (im Internet, außerhalb, z.B. die Eltern)
  • Wie haben Außenstehende das Unterrichtsgeschehen beeinflusst?