Weltbilder und Weltordnung

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Das Buch mit dem Titel Weltbilder und Weltordung - Einführung in die Theorie der internationalen Beziehungen von Gert Krell aus dem Jahr 2004, beschäftigt sich intensiv mit den bedeutsamsten Theorien der internationalen Beziehungen (IB). Eine Rezension von Weltbilder und Weltordnung nach Gert Krell gibt einen ersten inhaltlichen Einblick.

Der Autor Dr. Gert Krell hat mit seiner dritten Auflage des Werkes Weltbilder und Weltordung - Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehungen eine übersichtliche und gut verständliche Einführung erstellt, die die sieben Weltbilder bzw. Groß-Theorien in den Internationalen Beziehungen vorstellt und diskutiert. Das Werk richtet sich besonders an Politikwissenschafts- oder Sozialwissenschaftsstudenten der ersten Semester sowie an ein interessiertes Fachpublikum. Aufgrund der persönlichen Schreibweise des Autors und der Ich-Form ist es nicht nur recht verständlich, sondern auch interessant zu lesen. Das Niveau der Wissenschaftlichkeit ist dennoch gegeben. Eine detaillierte inhaltliche Kapitelübersicht über Krells Weltbilder und Weltordnung lässt sich hier unten einsehen.

Inhaltsverzeichnis

Rezension

Noia 64 apps kontour.png   Meinung
Regierungsgebäude in Berlin

Der Autor Dr. Gert Krell hat mit seiner dritten Auflage des Werkes Weltbilder und Weltordung - Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehungen einen übersichtlichen und gut verständlichen Band erstellt, der die sieben Weltbilder bzw. Groß-Theorien in den Internationalen Beziehungen vorstellt und diskutiert. Er richtet sich besonders an Politikwissenschafts- oder Sozialwissenschaftsstudenten der ersten Semester sowie an interessiertes Fachpublikum. Aufgrund der persönlichen Schreibweise des Autors durch die gewählte Ich-Form ist er nicht nur recht verständlich, sondern auch interessant zu lesen. Das Niveau der Wissenschaftlichkeit ist dennoch gegeben. Eine detaillierte inhaltliche Kapitelübersicht über Krells Weltbilder und Weltordnung lässt sich hier einsehen. --Xaring (Diskussion) 09:46, 23. Mai 2008 (CEST)


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Kapitelübersicht

Das Werk besteht aus einem 1. Teil, der politikwissenschaftliche Grundlagen sowie Definitionen und historische Entwicklungen aufzeigt, und aus einem 2. Teil, in dem die Theorie der internationalen Beziehungen sowie die sieben Weltbilder ausführlich behandelt werden. Jedes Kapitel beginnt mit einer Lesehilfe, die den Einstieg in das jeweilige Thema enorm erleichtert. Nach den thematischen Inhalten folgt eine Kurzzusammenfassung unter der Bezeichnung Was man weiß bzw. wissen sollte und worüber es sich zu diskutieren lohnt. Diese eignet sich besonders dazu, die Inhalte in reduzierter und zeitsparender Form aufzufrischen. Die jeweiligen Kapitel enden mit aktuellen und umfangreichen Literaturtipps zu dem jeweils behandelten Stoff. Im Großen und Ganzen wird deutlich, dass die vorliegende Lektüre sehr strukturiert und ansprechend dargestellt wird. Dieses erleichtert die Auseinandersetzung und Bearbeitung der Texte um ein Vielfaches. Einzelne ausgewählte Kapitel sollen nun im folgendem näher erläutert werden:

Kapitel 1 befasst sich mit dem Begriff Politikwissenschaft, dessen Definition und den historischen Entwicklungen der Internationalen Beziehungen. Es geht in erster Linie um Grundlagenklärung, die in ausführlicher Form dargestellt wird. Vorab ist festzuhalten, dass es eine einheitliche Bezeichnung für das Fachgebiet der Politikwissenschaften nicht gibt. Die Bezeichnungen reichen von politische Wissenschaft bzw. wissenschaftliche Politik bis hin zur Wissenschaft von der Politik oder schlicht Politologie. Durchgesetzt hat sich der Begriff Politikwissenschaft am ehesten. Grell stellt die drei wesentlichen Hauptdimensionen der Politik in sehr anschaulicher Weise dar: Bei der polity handelt es sich um die Normen und Gesetze, in denen und aus denen Politik gemacht wird, z.B. die Rechtsordnung. Mit policy sind die Inhalte, Aufgaben und Ziele gemeint, die durch die Politik verwirklicht werden, z.B. bestimmte Entscheidungen. Unter politics versteht sich der politische Prozess, der sich auf Konflikte und Kompromisse politischer Inhalte bezieht.

Daneben schlägt Groll eine einleuchtende Definition der IB vor: Als Internationale Beziehungen kann man Beziehungen zwischen politisch organisierten Gruppen bezeichnen, die klar abgegrenzte Territorien besiedeln und bis zu einem gewissen Grad unabhängig voneinander sind. Es geht hier allerdings nicht um Beziehungen zwischen Nationen, so Grell, sondern um zwischenstaatliche Beziehungen. Mit Hilfe verschiedener moderner wie auch klassischer Theoretiker stellt Grell sieben konkurrierende Weltbilder, Großtheorien oder Denkweisen in den IB dar. Zuvor sei aber an dieser Stelle kurz auf den altgriechischen Historiker Thukydides eingegangen, der für die Theorie der internationalen Beziehungen von besonderer Bedeutung ist und auf den sich nach wie vor viele moderne Autoren berufen. Grell beschreibt dabei in spannender Weise den Melier-Dialog Thykydides', der in vielen Textsammlungen für die IB noch heute zitiert wird. Es geht dabei um die vier Kriterien Macht versus Recht; das Kosten-Nutzen-Kalkül und das Risikokalkül sowie das Prestige, die für die IB eine besondere Rolle spielen. Dabei hält Grell treffend fest, dass Macht die entscheidende Münze der internationalen Politik ist, dass die internationalen Beziehungen das sind, was die Akteure daraus machen und dass anhand der Argumentationsfiguren des klassischen Textes grundlegende Interpretationsmuster in den IB aufzuzeigen sind.

In Kapitel 6 befasst sich Kroll mit dem Realismus als dominierendes Weltbild der IB. Er unterscheidet für die politische Praxis vier Formen von Realismus. Die wichtigste Unterteilung des Realismus in der heutigen IB-Theorie ist nach Kroll jedoch die zwischen dem klassischen Realismus und dem strukturellen Realismus bzw. Neorealismus. Bei der Erläuterung des strukturellen Realismus, dessen zentrale Kategorie das Machtinteresse der Staaten ist, stützt sich Kroll auf die beiden Hauptvertreter Edward Hallett Carr und Hans J. Morgenthau und deren bekanntesten Werke, The Twenty Years Chrisis 1919-1939 und Politics Among Nations: The Struggle for Power and Peace. Darüber hinaus diskutiert Kroll untermauert mit Beispielen den Autor John Herz als Vertreter des Realliberalismus und das Sicherheitsdilemma, welches nach ihm das Kernproblem der internationalen Beziehungen ist. Den Neorealismus als eine Theorie der internationalen Beziehungen erklärt Kroll nach dem Begründer Kenneth Waltz. Zentrale Eigenschaft des Neorealismus ist die sog. Anarchie, wodurch Staaten um Sicherheit und Macht konkurrieren. Mit Originalzitaten aus einem bedeutsamen Werk von Waltz gelingt es Kroll in interessanter Weise, eine prägnante Differenz zum klassischen Realismus deutlich zu machen. Abschließend fasst Kroll sehr ausführlich die wichtigsten Stärken und Schwächen des klassischen, sowie des strukturellen Realismus zusammen.

Eine der wichtigen politischen Theorien der internationalen Beziehungen stellt Grell in Kapitel 7 ausführlich vor: Den Liberalismus bzw. die Bereichstheorie neue liberale Theorie der IB, dessen Schwerpunkt die Theorie des demokratischen Friedens darstellt. Dabei grenzt er gleich zu Beginn den Liberalismus klar von Realismus. ab und macht deutlich, dass dieser ein klares Interesse an der Demokratisierung besitzt und für ihn das Individuum, die Freiheit und der Wohlstand der Menschen im Zentrum stehen. Der Autor unterscheidet zwischen vier historischen Varianten liberaler Theoriebildung, die er anhand verschiedener Vertreter eindrucksvoll und verständlich erörtert. In seinen weiteren Ausführungen geht er auf die neue liberale Theorie der IB näher ein, die sich seiner Meinung nach etablieren und als eine Großtheorie neben dem Realismus behaupten konnte. Herrschaft und Frieden spielen eine große Rolle in dieser Theorie und es lässt sich festhalten, dass Demokratien weniger gewalthaltig sind als Nicht-Demokratien. Zur Untermauerung dieser Aussage geht Grell intensiv auf verschiedene Kriegsursachenforschungen und Theoretiker ein. Als eine zentrale Grundannahme der liberalen Friedenstheorie lässt sich festhalten: Je höher der Partizipationsgrad in einer Gesellschaft, desto geringer die Gewalt. Insgesamt schildert Grell sehr ausführlich und einleuchtend, die verschiedenen Facetten des Liberalismus.

Kapitel 8 beinhaltet die Erläuterung des Institutionalismus. Kroll unterscheidet dabei zwischen der Regimetheorie (utilitaristischer Institutionalismus) und The Anarchical Society (normativer Institutionalismus). Er befasst sich zunächst sehr detailliert mit der Bedeutung der Interdependenzanalyse, als Grund für die Entstehung der Regimetheorie. Bei der Regimetheorie so Kroll, kooperieren die Akteure auf der Grundlage von Nutzenkalkülen. Kroll verweist auf Internationale Regime, die als Instrumente zur Überwindung von Kooperationsproblemen bezeichnet werden. In diesem Zusammenhang führt Kroll die vier hierarchisch miteinander verbundenen Mechanismen auf; durch die Regime Kooperation institutionalisieren. Dabei handelt es sich um Prinzipien, Normen, Regeln und Verfahren. Die Probleme, die mit einer Kooperation zwischen Staaten einhergehen, schildert Kroll sehr anschaulich anhand spieltheoretischer Modelle wie der Hirschjagd und dem Gefangenendilemma.

Bei dem 2. Ansatz, The Anarchical Society sozialisieren und regulieren sich Staatensysteme zugleich als eine Art Staatengesellschaft durch sog. Makroinstitutionen. Kroll bezieht sich bei der Erläuterung auf den Autor und Mitbegründer dieses Ansatzes, Hedley Bull. Er legt dabei den Fokus auf wichtige Makroinstitutionen wie das Völkerrecht, die Diplomatie und die Balance of Power, dessen Bedeutungen Kroll sehr ausführlich behandelt. Zum Ende führt er eine Gegenüberstellung des Realismus und des Institutionalismus durch, bei dieser wichtige Gemeinsamkeiten und Unterschiede seitens des Autors hervorgehoben werden.

Der Konstruktivismus als eine neue Form des Idealismus wird von Kroll in Kapitel 11 diskutiert. Kroll betont, dass der Konstruktivismus davon ausgeht, dass die Welt den Akteuren nur durch Wahrnehmung und Deutung zugänglich ist und dass sie diese Welt auf Grundlage von Ideen und Interpretationen gestalten. Ideen haben nach Kroll einen besonderen Stellenwert im Konstruktivismus, was er in seinen Darstellungen sehr deutlich macht. Der Autor verweist in detaillierter Form auf drei programmatische Tendenzen des Konstruktivismus:

  • Die Re-Sozialisierung der Natur bzw. De-Naturalisierung des Sozialen
  • Die Re-Idealisierung der Welt
  • Die Aufwertung von Kultur und Normen in den Internationalen Beziehungen

Im weiteren Verlauf schildert Kroll anhand eines Gedankenexperimentes sowie des Ost-West-Konfliktes und der kubanischen Raketenkrise von 1962 die konstruktivistische Kritik an zwei zentralen Kategorien des Realismus, der Anarchie und dem nationalen Interesse. Abschließend behandelt Kroll die zentralen Probleme des Konstruktivismus, wie das Fehlen einer politischen Theorie und den damit verbundenen Konsequenzen.

Im letzten Kapitel des Buches widmet sich Kroll den politisch-psychologischen Theorien. Nach Kroll geht es dabei um die Subjektivität von Individuen und Gruppen, um psychologische und psychoanalytische Dimensionen von Informationsverarbeitung, Wahrnehmung und Fehlwahrnehmung, um Fehlkalkulationen und deren Auswirkungen auf politisches Handeln. Die Bedeutung dieser Merkmale macht der Autor an verschiedenen Beispielen, wie der Juli-Krise und der berühmten Rede von Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast 1943 deutlich.

Auch hierbei unterscheidet Kroll zwischen zwei Varianten, der kognitiven Psychologie, die sich mit Strategien der Informationsverarbeitung und der Bedeutung von persönlichen Überzeugungssystemen beschäftigt und der Psychoanalyse, die sich mit unbewussten Prozessen beschäftigt, die durch innerpsychische Konflikte verursacht werden. Anhand wichtiger Psychologen und Psychoanalytiker, wie Aaron Beck, dem Begründer der kognitiven Psychologie, Stavros Mentzos und Paul Watzlawick erläutert Kroll die zentralen Phänomene dieser Varianten.

Am Ende dieses Kapitels geht der Autor in sehr ausführlicher Weise auf die Ursache und Entstehung des Golf-Krieges ein. Dabei sucht er seine Erklärungen in den Merkmalen der kognitiven Psychologie und der Psychoanalyse.

Bibliographische Angaben

Gert Krell: Weltbilder und Weltordnung. Studienkurs Politikwissenschaft. Einführung in die Theorie der internationalen Beziehungen. ISBN 3-8329-0966-4. EAN 9783832909666. Erschienen: Oktober 2004

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