Evolution und Glaube

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Inhaltsverzeichnis

Übersicht der Fragestellungen

Evolution Kontexte.JPG

  • Zunächst ist zu fragen, was Evolution in Geologie und Biologie bedeutet, welche Leistung Charles Darwin erbracht hat, und wie die Forschung weitergegangen ist. Die Zusammenfassung soll sich mit der Definition der Begriffe "Leben" und "Evolution" befassen.
  • Darwin ist von Karl Marx begeistert gefeiert worden als Überwinder der Teleologie. Denn die "Physikotheologie" war in der Aufklärungszeit das stärkste Argument gegen den Atheismus. Als fortschrittlich galt dabei allerdings ein Deismus, der die Möglichkeit von Offenbarung und Wunder ausschloss. Es spricht wenig dafür, dass Charles Darwin atheistisch dachte, und die Argumente der Teleologie, die von Immanuel Kant reformuliert wurden, passen mit der Evolutionsauffassung zusammen.
  • Evolution ist zu einem Paradigma geworden. Man spricht von der "Evolution des Universums", von "gesellschaftlicher Evolution"; dadurch stellen sich dem Glauben Herausforderungen, die untersucht werden sollen.

Charles Darwin und der Begriff der Evolution

Die Erde hatte viel Zeit Leben zu entwickeln

Die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert brachte einen völlig neuen Zugang zum Begriff der Zeit

  • Im MittelalterWikipedia-logo.png und in der frühen Neuzeit betrachtete man die Geschichte der Welt und die Geschichte des Menschen auf dieser Erde selbstverständlich als identisch. Quelle zum Studium dieser Geschichte waren alte Bücher. Zwar hatte die Bibel ihre Monopolstellung in der frühen Neuzeit verloren: Die Kosmografen, zum Beispiel Matthäus MerianWikipedia-logo.png (1593-1650) verglichen die Bibel mit den Schriften anderer antiker Autoren, etwa HerodotWikipedia-logo.png +424 v.C. Daten der Weltentstehung wurden verschieden angegeben, in Darwins Schiffsbibel fand sich als Randnotiz ein Datum für die Zündung des Lichtes: 4004 v.Chr. 10 Uhr morgens.
  • Das Zeitverhältnis änderte sich grundlegend, als James HuttonWikipedia-logo.png (1726-1797)- karikiert und belacht - mit seinem Hämmerchen durch seine schottische Heimat wanderte und Kalkablagerungen untersuchte. Jetzt war eine naturwissenschaftliche Klärung der Frage nach dem Alter der Welt möglich geworden, das James Hutton seiner deistischen Überzeugung entsprechend für unendlich hielt.

Die Geologie lieferte Charles Darwin den Zeitrahmen, in dem eine natürliche Verwandschaft der Tier- und Pflanzenarten und ihre Entwicklung aus einem gemeinsamen Ursprung vorstellbar wurde. Eine Reihe von räumlichen Problemen der Evolutionstheorie hätte Charles Darwin leicht lösen können, wenn er bereits von der KontinentalverschiebungWikipedia-logo.png gewusst hätt, die erst Alfred WegenerWikipedia-logo.png (1880-1930) entdeckte.

Artenwandel nach Analogie der Veränderung von Rassen ist möglich

Die Biochemie macht Darwins Evolutionsprinzipien erklärbar

Großabschnitte der Evolution des Lebens

Definitionsvorschläge

Fließgleichgewicht

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Autopoiese

Das Wesen des Lebens ist Wiederholung, nicht als Kopie, sondern als stetige Veränderung charakteristischer Prozesse in Reaktion auf die Umwelt.


Leben beruht auf chemischen Reaktionen, also quantenphysikalischen Vorgängen. Daher gibt es immer nur den typischen Prozess, nicht den immer exakt gleich ablaufenden. Es gibt im Leben keine Serienfertigung.

Die DNA ist nicht eine Verkleinerung des dreidimensionalen Plastikmodells, das im Biologiesaal gezeigt wird; sie ist dynamisch, reagiert mit dem Licht und der sie umgebenden, sehr komplex zusammengesetzten Matrix. Die Strukturformeln der Proteine, Fette und Zucker sagen etwas über die Moleküle aus, die sie bezeichnen; aber Moleküle sind Objekte der Quantenphysik, und es ist völlig jenseits unserer Vorstellungen, die Makromoleküle der Zelle physikalisch exakt zu beschreiben. Auf der Quantennatur der elementaren Lebensvorgänge beruht aber die Tatsache, dass es niemals zwei exakt gleiche biologische Strukturen gibt, nicht zwei exakt gleiche Blätter oder Haare oder gar Pflanzen oder Tiere, die wir gleichwohl einem Typus (z.B. Eichenblatt, Buchenblatt, Wolfshaar) fehlerfrei zuordnen können.

Evolution

Charles DarwinWikipedia-logo.png (1809-1882) hat in seinem Hauptwerk On the origin of species by means of natural selection, or the preservation of favoured races in the struggle for life London 1859 das Hauptwort "Evolution" gar nicht und das Partizip "evolved" (dt. "entwickelt") nur ein einziges Mal benutzt, nämlich in der Schlussbemerkung des Buches:

Faszination geht aus von diesem Blick auf das Leben mit all seinen Kräften, ursprünglich eingehaucht wenigen Formen oder nur einer einzigen, welches sich auf diesem nach dem Gesetz der Schwerkraft kreisenden Planeten in endloser Reihe immer schönerer und vollkommenerer Wesen entwickelt hat und noch entwickelt.


Später hat er den Begriff "Evolution" für das Ganze seiner Theorie über die Entstehung der Arten wohl akzeptiert. Darwin war allerdings ein pedantischer Mann, der nicht gerne Definitionen formulierte, wenn es um Prozesse geht, die in all ihrer Komplexität nicht zu erfassen sind. Das trifft auf die Geschichte des Lebens auf diesem Planeten mit 10 Millionen lebenden und noch viel mehr ausgestorbenen Tier- und Pflanzenarten jedenfalls zu. Trotzdem kann ganz im Sinne des berühmten Darwin Zitats etwas definitionsähnlicher formulieren:

"Evolution" benennt einen Prozess, durch welchen die Potentiale, die in einem Anfangszustand unerkennbar enthalten waren, nach und nach in zunehmender Mannigfaltigkeit realisiert werden.


Die Vierbindigkeit des vergleichsweise leichten Elementes Kohlenstoff, die Dreibindigkeit des Stickstoffs, die Fähigkeiten der Metalle zur Komplexbindung und die Eigenschaften der anderen Lebenselemente bieten das Potential kurzer und langer Kettenmoleküle, die unter geeigneten Bedingungen spontan gebildet werden und überdauern. Nicht aus der Natur der Elemente ableitbar sind die katalytischen Fähigkeiten, die Fähigkeiten der Energieanreicherung und die Fähigkeit zur Informationsspeicherung, die Kohlenstoffketten im Laufe der biochemischen Evolution entwickelt haben.

Lässt man die Kettenmoleküle gegeben sein, dann bleibt es doch unableitbar, dass Katalyse, Energie- und Informationsspeicher sich zu zirkulären Prozessketten entwickeln, die die Autopoiese des Lebens irgendwann angefangen und beibehalten haben. Vielleicht war die Zellhülle sekundär und schon auf biologische Evolution zurückzuführen, jedenfalls ist aus biochemischen Prozessketten die abgegrenzte Zelle noch nicht ableitbar. Völlig unableitbar ist ferner die Entwicklung der Fähigkeit, durch Nutzung des Sonnenlichtes Wasser zu spalten und energiereiche Kohlenstoffverbindungen wie Zucker und Fett mithilfe des Luftsauerstoffes zu oxidieren und daraus Energie zu gewinnen, zwei Fähigkeiten, die einander bedingen.

Zellen entwickelten offenbar Fähigkeiten der Zusammenarbeit durch Informations- und Energieaustausch. Durch Endosymbiose entstand die höhere Zelle mit ihren Zellorganen. Informationstragende Moleküle ließen sich - isoliert im Zellkern - komplexer organisieren, und im Zuge sexueller Vermehrung wurde die Erzeugung von Variationen innerhalb einer Art zum Motor weiterer Evolution. Sowohl Bakterien als auch höhere Zellen lagerten sich in Kolonien zusammen und entwickelten Formen der Arbeitsteilung, etwa zwischen den Außengrenzen der Kolonie und ihrem Zentrum.

Vielzellige Pflanzen und Tiere entwickelten Baupläne, darunter ließen die Baupläne der Blütenpflanzen, Weichtiere, Gliedertiere und Chordatiere die größten Quantitäten zu, sowohl hinsichtlich der Typenvielfalt, als auch hinsichtlich der Individuenzahlen. Der Bauplan der Insekten hat beispielsweise das Potential eine Fliege hervorzubringen, die an der Decke eines Zimmers landen kann. Der Bauplan der Wirbeltiere hat das Potential, einen Wal hervorzubringen, der 30 Meter lang ist und 200 Tonnen wiegt. Das kann niemand aus dem Bauplan ableiten, sondern man muss es in der Natur finden.

Die Theorie der Evolution ist der Geschichtswissenschaft ähnlicher als der Physik oder Chemie.


Physik und Chemie entwickeln im Kerngeschäft Experimente, und die Theorie sagt zuverlässig voraus, was bei dem Experiment herauskommt. Die Erkenntnis der Evolution hingegen ist darauf angewiesen, die lückenhafte fossile Dokumentation vergangenen Lebens auszuwerten, um die bereits abgelaufene Geschichte des Lebens zu erschließen, und sie ist kaum in der Lage, die zukünftige Geschichte des Lebens vorherzusagen. Damit wird nicht bestritten, dass man Zuchterfolge erzielen kann, oder dass Aussagen über die ökologischen Folgen bestimmter Eingriffe in die Natur völlig haltlos wären; aber man muss immer mit Überraschungen rechnen. Wie es mit großen Ökosystemen oder gar dem Gesamtsystem des Globus weitergeht, welche Arten durch menschliche Eingriffe in die Natur aussterben, welche anderen als Kulturfolger vom Menschen geschaffene ökologische Nischen besetzen, ist weitgehend offen.

Teleologie: Die Relevanz der Evolutionstheorie für die Religion

Die Verwendung des Evolutionsbegriffs über die Biologie hinaus

Physik und Kosmologie

Gesellschaftstheorie