Reformation

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1500

Die Epoche der Gotik (1250 - 1500) war durch folgende Merkmale bestimmt:

  • Die Operationen Westeuropas im heiligen Land verlieren sich in der Erfolglosigkeit. Zugleich führt der Austausch mit Islam und Judentum zur ersten industriellen Revolution: Die Kraft der Tiere, des Wassers und des Windes wird besser ausgenutzt; die Baukunst wird revolutioniert.
  • Neben das Mönchtum nach der Regel Benedikts tritt im 13. Jahrhundert eine Vielfalt weiterer Orden und Stiftungen. Die Sorge um die Armen und Leidenden wird ein wichtiges Thema der Kirche; auch die Armut und das Leiden Jesu wird viel stärker in das Gebetsleben der Menschen einbezogen.
  • Kulturträger ist die Kirche durch ihren inzwischen auf den Zölibat verpflichteten Welt- und Ordensklerus. In Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geht nichts ohne den Klerus, der in einigen Städten bis zu zwei Fünftel der Bevölkerung ausmacht.
  • Im 14. Jahrhundert residieren die Päpste in Avignon; es gibt Papst und Gegenpapst, Korruption und Ämterkauf sind weit verbreitet; die Glaubwürdigkeit der Hierarchie leidet. 1429 konnte auf dem Konzil von Konstanz zwar die Kirchenspaltung überwunden werden, aber die Reform der Kirchenorganisation und der kirchlichen Lehre wurde nicht einmal in Angriff genommen. Das Reformkonzil, das in Basel, Ferrara und Lausanne 1431-1449 ausgetragen wurde, endete im Streit zwischen Papst, Fürsten und auseinanderstrebenden Konzilsfraktionen ohne Einigung.

Werlebte1500.pdf

Als Weiterentwicklung der Stempelkunst wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts der Holzschnitt zur Verbreitung von Bild und Text genutzt. Johannes Gutenberg entwickelte in der Mitte des Jahrhunderts den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern und schuf damit die erste Technik der Massenfertigung. Alsbald wurde durch die Kombination der Drucktechnik mit Holzschnitten - und später Kupferstichen - die Verbreitung illustrierter Schriften möglich. 1453 endete das oströmische Reicht, Zahlreiche gelehrte Flüchtlinge strömten in den Westen. Viele Menschen fordern eine Erneuerung, die dann auf vielen Gebieten auch tatsächlich stattfindet:

  • Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon erobern die letzte maurische Festung und vereinen ganz Spanien unter ihrer Herrschaft. Cristopher Kolumbus erweitert das spanische Reich um große überseeische Gebiete. Das Interesse verlagert sich vom östlichen Mittelmeerraum in den Westen. Sichtbarer Ausdruck ist der Aufstieg des spanischen Königs zum Kaiser Karl V, in dessen Reich die Sonne nicht untergeht.
  • Von Rom ausgehend wird die Kunst revolutioniert: Bramante, Leonardo, Rafael und Michelangelo stehen an der Spitze der Renaissance-Bewegung, auch deutsche Künstler wie Grünewald und Dürer lernen an italienischen Vorbildern.
  • Nikolaus Kopernikus entwickelt das heliozentrische Weltbild. Der Streit um die Astronomie wird dazu führen, dass die Kirche ihre beherrschende Position in den Universitäten allmählich verliert. Bereits um 1500 verlagert sich das Interesse; auch weltliche Druckschriften kommen heraus, zum Beispiel die Weltchronik des Hartmann Schedel (1493).
  • Die Päpste Julius II und Leo X beriefen zwar ein Konzil im Lateran ein (1511-1517). Dies schaffte es aber eher, Reformen zu verhindern als einzuleiten. Das Bestreben der Päpste ging dahin, die päpstliche Macht abzusichern und ihr durch Werke der größten Künstler ihrer Zeit einen prächtigen Ausdruck zu veschaffen - insbesondere durch den Neubau der Peterskirche, der wiederum mit dem Ablass finanziert werden sollte, der Luthers Anstoß erregte.

Martin Luther (10.11.1483 - 18.2.1546)

Die Entscheidung des Seelsorgers (31.10.1517)

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Martin Luther hatte sich als Magister der Rechtswissenschaften dazu entschlossen, in das Kloster der Augustinereremiten einzutreten. Schon im Jahr nach seinem Eintritt ins Kloster wurde er zum Priester geweiht und drei Jahre später mit einer wichtigen Gesandtschaft an den Heiligen Stuhl in Rom betraut. Nichtz einmaql sieben Jahre nach seinem Klostereintritt wurde er zum Doktor der Theologie promoviert und hielt an der jungen Universität Wittenberg Vorlesungen über das Neue Testament.

Anders als viele der damaligen Priester beschäftigte Luther keinen LeutpriesterWikipedia-logo.png, sondern betreute die Menschen in seiner Pfarrei selbst. Dadurch bekam er hautnah mit, was die Leute bewegte.

Der AblassWikipedia-logo.png war gleichsam das FundraisingWikipedia-logo.png - System des Mittelalters. Da die Kirche Wirtschaft und Politik dominierte, konnte man nicht an der Kirche vorbei Spenden einsammeln. Durch den Buchdruck war es möglich geworden, AblassbriefeWikipedia-logo.png in großer Stückzahl billig herzustellen. Zugleich war 1506 dem Grundstein zum neuen PetersdomWikipedia-logo.png in Rom gelegt worden und dadurch ein gewaltiger Finanzierungsbedarf entstanden, den der Papst durch eine weltweite Sammelaktion decken wollte. Als Gegenleistung gegen eine Spende für den Bau der Peterskirche wurde den Gläubigen ein Nachlass auf die zeitlichen Strafen für ihre Sünden versprochen.

Martin Luther war sich sicher, dass die Menschen betrogen wurden. Der Kauf von Ablässen gab ihnen eine trügerische Sicherheit, von Gottes Strafen verschont zu bleiben. Dafür wurde das wirkliche Heil verfehlt, welches nur durch Glauben und Vertrauen in Jesus Christus zu den Menschen kommt. Weil er diesem Betrug nicht tatenlos zusehen wollte, formulierte Luther 95 Thesen, in denen einerseits die theologischen Fehler und inneren Widersprüche der Ablasspredigten entlarvt wurden - anderseits der Papst und die zuständigen Bischöfe dafür kritisiert wurden, dass sie diese in den Augen Luthers betrügerische Predigt zuließen.

Die Entscheidung des Kirchenmannes (10.12.1520)

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Martin Luther hatte wohl nicht erwartet, dass seine Thesen schnell ins Deutsche übersetzt wurden und ihn rasch bekannt machten. Er war auch sicher nicht der erste, der die Ablasspraxis der Kirche kritisierte; aber bei ihm kam vieles zusammen:

  • Eine stimmige Theologie, die den Glauben an Gott und das Vertrauen auf seine Barmherzigkeit in den Mittelpunkt stellte
  • Die Fähigkeit ein allgemeines latentes Unbehagen an der Zuständen der Zeit in brillanter Form zum Ausdruck zu bringen
  • Die Unterstützung seines Landesherrn Friedrich III. (Sachsen)Wikipedia-logo.png, der zugleich als Gegengewicht gegen die Dynastie der HabsburgerWikipedia-logo.png vom Papst politisch umworben wurde

Mit dem Fall Luther waren hohe Würdenträger des Papstes befasst:

  • Kardinal Thomas CajetanWikipedia-logo.png, der Luther 1518 in Augsburg verhörte und die Sache gütlich aus der Welt schaffen wollte
  • Die päpstlichen Legaten Hieronymus AleanderWikipedia-logo.png und Karl von MiltitzWikipedia-logo.png, die nach Sachsen gesandt wurden, um ein Stillhalteabkommen mit Luther auszuhandeln, an das sich Luther auch bis 1519 hielt
  • Johannes EckWikipedia-logo.png, der Rektor der Universität Regensburg, der 1519 in LeipzigWikipedia-logo.png gegen Luther zur Disputation antrat; da Luther in Leipzig die unbedingte Autorität der Päpste und Konzilien bestritt, eilte Eck nach Rom, um den Papst zu Maßnahmen gegen Luther zu bewegen; nach vielem hin und her drohte Papst Leo XWikipedia-logo.png Luther in einer BulleWikipedia-logo.png den BannWikipedia-logo.png an, also den Rauswurf auf der Kirche, der normalerweise auch eine Bestrafung seitens der weltlichen Gerichtsbarkeit zur Folge hatte.

Martin Luther verbrannte diese Bulle und kündigte damit dem Papst den Gehorsam auf.

Die Entscheidung des Reichsbürgers (18.4.1521)

Luther in Worms auf dem Reichstag

Inzwischen war Karl VWikipedia-logo.png anstelle von MaximilianWikipedia-logo.png von den deutschen Fürsten zum König und Kaiser desd Heiligen römischen Reiches gewählt worden. Der Papst verlangte von ihm, über den gebannten Mönch Martin Luther die ReichsachtWikipedia-logo.png zu verhängen. Luthers Landesherr, Friedrich von Sachsen, konnte aber erreichen, dass der Kaiser Luther auf dem Reichstag zu Worms noch einmal anhörte und ihm unabhängig vom Ausgang des Verfahrens freies Geleit zusicherte.