Wikis und Weblogs im Ethikunterricht

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Der folgende Beitrag basiert auf einem Artikel von Mandy Schütze in der ZDPE, 2/2008. 
Sei mutig und ergänze ihn!

Inhaltsverzeichnis

Vorüberlegungen

Weblogs und Wikis im Ethikunterricht zu nutzen, setzt den Zugang zu Computern voraus. Diese banale Feststellung bedeutet meist das Ende der Internetnutzung in der Schule, da die nötigen Ressourcen oft nur bedingt vorhanden sind. Die folgenden Vorschläge orientieren sich daher hauptsächlich daran, Wikis und Weblogs begleitend zu nutzen. Da man davon ausgehen darf, dass die meisten Schüler ab Klasse 8 Zugang zu einem Computer haben, sei es zu Hause oder in der schuleigenen Bibliothek, wird die Arbeit außerhalb der regulären Unterrichtszeit ausgeführt. Der Ethik- und/oder Philosophieunterricht gibt Anregungen zur eigenständigen Beschäftigung und zum Weiterdenken. Die Schüler haben dadurch die Möglichkeit, länger über die diskutierten Fragestellungen zu reflektieren. Da die Lehrperson die Schüler auch außerhalb der festgelegten, in der Regel für philosophische Gedanken zu kurzen Unterrichtszeit auf diesem Weg begleitet (und kontrolliert!), kann der Unterricht nachhaltiger wirken. Die sinnvolle Arbeit mit dem Computer trägt außerdem dem veränderten Freizeitverhalten der Jugendlichen Rechnung. Da sie dieses Medium und besonders die Vielfalt des Web 2.0 ganz selbstverständlich nutzen, kann sich diese Motivation auf die Arbeit an philosophischen oder ethischen Inhalten übertragen.

Zur Didaktik des Einsatzes

Wichtig: Förderung der kritische Urteilskraft (Quellenbewertung und -kritik, Beurteilung und Selektion der Informationen) -> Informationen in Wissen umwandeln

Gründe für den Einsatz im Ethikunterricht
  • Traditionelle Lehr- und Lernkultur ist in Bewegung (Pfeifer 2009, S. 160ff)
  • Alltäglicher Umgang der Schüler mit neueren Medien
  • Verkürzung der Kommunikation durch Chat-Sprache ->Schüler zu argumentativen Äußerungen auch im Rahmen der neuen Medien hinführen/anleiten
  • Gemeinsame Wissenskonstruktion/ Konsensfindung
Vorzüge computerbasierter Medien (Eckwerte zur Medienerziehung, Comenius-Institut, 2004)
  • Rascher Zugriff auf Texte, Tondokumente, Grafiken, Bilder, Filme und Programme in digitaler Form
  • Schnelle Rückmeldemöglichkeiten beim Lernen durch Kommentarfunktion
  • Vereinfachung von Dokumentationen
  • Möglichkeiten der kreativen digitalen Umgestaltung vorhandener analoger Materialien
  • Erleichterung von Kooperationen mit außerschulischen Partnern
Funktionen
Visualisierung, Informationsmedium, Informationsverarbeitung, Kommunikation, Reflexion, 
Dokumentation und Präsentation von Arbeitsergebnissen, Kontinuität der Arbeit, 
Kooperation mit außerschulischen Partnern, Erweiterung von Ausdrucksmöglichkeiten und -fähigkeiten der Schüler
Regeln

Vor der eigentlichen Arbeit im Internet sollten die Schüler jedoch wichtige Regeln kennenlernen. Zum Beispiel :

  • Kopiere keine Informationen (Text, Grafiken, Bilder, etc.) von anderen Webseiten oder aus Büchern, es sei denn du hast sie selbst verfasst. Verlinke die Medien lieber und erkläre, warum du das Material gut findest.
  • Sei nett! Am anderen Bildschirm sitzt auch ein Mensch, keine Maschine.
  • Auch im Internet gelten die Regeln der deutschen Rechtschreibung. Halte dich daran.
Spezielle Regeln für Weblogs
  • Sag deine Meinung. Nur ein klarer Standpunkt regt zur Diskussion an.
  • Beantworte Kommentare. Sie sind das Feedback deiner Leser. Nimm es ernst!
  • Lösche keine (negativen) Kommentare, sondern diskutiere.
Spezielle Regeln für Wikis
  • Ein Wiki ist kein Chat! Alle angelegten Seiten und sämtliche Änderungen werden gespeichert und können jederzeit abgerufen werden.

Weblogs im Ethikunterricht

Ein Weblog lässt sich einerseits für einen gesamten Kurs einrichten, andererseits kann jeder Schüler ein eigenes starten. Je nach Ziel des Einsatzes kann man dadurch unterschiedliche Ergebnisse erreichen.

  • Protokoll führen: In einem Kursweblog werden die einzelnen Stunden zusammengefasst. Außerdem lassen sich Thesen zur Weiterarbeit oder offene Fragestellungen formulieren. Spätestens vor Beginn der jeweiligen Stunde wird festgelegt, welcher Schüler diese Aufgabe übernimmt Es ist jedoch eine langfristige Planung vorzuziehen. Die anderen Schüler können die Kommentarfunktion des Weblogs nutzen, um zu ergänzen oder ihrerseits offene Fragen zu thematisieren. Weiterhin sollte das Weblog genutzt werden, um andere, thematisch passende Medien (Bilder, Zitate, Interviews z. B. mit Philosophen, etc.) einzubinden, die den Unterricht bereichern und den Denkhorizont erweitern können.
  • Philosophisches Tagebuch: Das Führen eines philosophischen Tagebuchs wird durch das Weblogschreiben qualitativ verändert: Der einzelne Schüler schreibt nicht mehr nur für sich, sondern erhält von seinen Mitschülern wertvolle Anregungen zum Weiterdenken. Auch sind philosophische Diskussionen durchaus erwünscht.
Anregungen für die Arbeit mit philosophischen Tagebüchern finden sich bei Lutz von Werder (Philosophieren durch Schreiben, ZDPE, 2/2202). Selbstverständlich sollte man das Weblogschreiben nicht zum Selbstzweck anregen, sondern den Unterricht thematisch begleiten. Neben eigenen Thesen oder kurzen argumentativen Abhandlungen kann man Zitate von Philosophen oder andere Medien (Bilder, Übersichten, MindMap, Links) einbinden, sollte aber unbedingt darauf achten, dass die Schüler sich nicht im Sammeln verlieren, sondern jede fremde Quelle selbst kommentieren.
Eine mögliche Aufgabenstellung, die das Thema Sterben und Tod begleitet, könnte lauten: „Schreiben Sie auf, was Ihnen spontan zum Thema einfällt. Es ist Ihr philosophisches Tagebuch – notieren Sie Gedanken, Einfälle, Überlegungen.
Keine Angst vor dem Schreiben – beginnen Sie am besten mit folgenden Aufgaben: Beantworten Sie mindestens fünf Fragen, die Max Frisch stellt , ausführlich in Ihrem Weblog. Kommentieren Sie bei mindestens fünf Mitschülern einen Beitrag umfangreich und verlinken Sie diesen in Ihrem Weblog. Fügen Sie weitere Quellen (Bilder, Podcats, Links, etc. – Urheberrecht beachten!) zum Thema ein und begründen Sie deren Verwendung.“
Die Verlinkung im eigenen Weblog dient der Lehrperson den Überblick zu behalten. Bei vorangegangener Aufgabenstellung ist eine, sofern gewünscht, prozessorientierte Bewertung einer Ergebnisnote unbedingt vorzuziehen.
  • Medienethik: passend zum Thema schreiben die Schüler kurze Essays zu verschiedenen Medien oder fassen die Darstellung derselben Nachricht in unterschiedlichen Medien zusammen. Als Grundlage informieren sich (und kommentieren) die Schüler in sogenannten Watchblogs, also Weblogs, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, bekannte Medien zu beobachten und zu kritisieren oder Fehler aufzudecken. Beispiele für Watchblogs sind:


Beobachtetes Medium Internetadresse
Bildzeitung http://www.bildblog.de
Spiegel http://www.spiegelkritik.de
diverse http://www.stefan-niggemeier.de/blog
diverse (Österreich) http://www.medienschelte.at
diverse http://www.watchblog.de
  • Schuljahresbegleitend: Im Sächsischem Lehrplan (Klasse 7) stehen vor dem Thema Medien - Spiegel der Wirklichkeit noch Verstehen und Verständigung und Christentum. So ist die Idee zum Einsatz nun, ein Weblog bereits zu Beginn des Schuljahres einzurichten. Jeweils ein Schüler bekommt nach einer Ethik-Stunde die Aufgabe, eine kurze Zusammenfassung der Stunde zu schreiben. Alle anderen Schüler können kommentieren, aber auch eigene Beiträge schreiben, die mit dem Thema im Unterricht zu tun haben, z.B. echte Fragen, Diskussionsfragen, Zitate, Aphorismen, Links. User, die zufällig auf das Weblog kommen, können ebenso kommentieren.
Im Zuge der Thematisierung der Medien im Unterricht können dann folgende Fragen diskutiert werden:
  • Wie hat das Weblog den Unterricht beeinflußt?
  • Hat das Schreiben Spaß gemacht?
  • Haben sich durch das Schreiben und die Interaktion außerhalb des Klassenraums andere Möglichkeiten ergeben?
  • Wie reagierten Außenstehende auf das Weblog? (im Internet, außerhalb, z.B. die Eltern)
  • Wie haben Außenstehende das Unterrichtsgeschehen beeinflußt?

Wikis im Ethikunterricht

Siehe: Wikis im Ethikunterricht

Evaluation

Wichtig für die Arbeit ist die abschließende Evaluation, die mit zunehmendem Alter der Schüler komplexer ausfallen kann. Dabei sollte man unter anderem folgende Fragen diskutieren:

  • Wie hilfreich war die Arbeit mit dem Computer?
  • Hat die zusätzliche Zeit zur Reflexion zum besseren Verständnis beigetragen?
  • Sind die Erkenntnisse präsenter als bei „normalem“ Unterricht, der beispielsweise nur eine Wochenstunde zulässt?


Weblinks

  • Ethik 7 b&c: Ein Weblog, das der Dokumentation des Unterrichts dient. Die Schüler schreiben Unterrichtsprotokolle und verlinken (hoffentlich) zahlreiches weitres Material passend zum Unterrichtsthema.
  • Ethik-Grundkurs, Klassenstufe 11: Das Weblog wird von der Lehrperson geschrieben und bietet zusätzliches Material zum Unterrichtsgegenstand an.

Siehe auch