Affektiver Filter

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Ein relativ unbekannter Begriff für die meisten Fremdsprachendozenten, und unter Fremdsprachenlerner (überall wo Lerner steht kann man auch „Erwerber“ lesen) kennt wahrscheinlich niemand diesen Begriff. Obwohl es einer der wichtigen Voraussetzungen beim Lernen einer Fremdsprache ist, ist kaum ein Fremdsprachendozent sich dessen bewusst. Ein affektiver Filter ist am besten bekannt als Teil der „Language acquisation Hypothesis“ von Stephen Krashen, und wird seit dem Jahre 1982 als ein Teil dieser Theorie beschrieben. Hauptsächlich als eine Erklärung wieso Menschen, trotz vergleichbaren Input und Bedingungen, eine Sprache mit nennenswerten Erfolgsunterschiede lernen bzw. erwerben. In den letzten dreißig Jahren hat sich dies allerdings nur minimal geändert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Seit einer Veröffentlichung des Sprachwissenschaftlers Naom Chomsky in den siebziger Jahre wird schon nach Ursachen und Auswirkungen eines affektiven Filters geforscht. Chomsky beschäftigte sich zwar hauptsächlich mit grammatischen Beschreibungen und Metasprache, hat sich aber auch auseinandergesetzt mit der Frage, wie man eine Sprache lernt bzw. erwirbt. Hier bemerkte er einen unerklärbaren Unterschied beim Spracherwerb zwischen alten und jungen Menschen, aber auch bei Altersgenossen gab es trotz vergleichbaren Input unerklärbare Unterschiede. Chomskys Hypothese war, dass Menschen ein angeborenes Talent haben müssten. Gegner dieser Hypothese behaupteten allerdings, dass das soziale Umfeld eines Spracherwerbers eine bessere Erklärung sei, weil der Input immer von diesem Umfeld, der niemals exakt vergleichbar ist, bestimmt wird, und so einen großen Einfluss auf einen Spracherwerber hat. Talent sei ihnen zufolge irrelevant.

In den darauf folgenden Jahren wurden die Sprachwissenschaftler sich nicht einig. Im Jahre 1976 waren die Sprachwissenschaftler Heidie Dulay und Marina Burt die Ersten die eine neue Erklärung publizierten. [1] . Ihnen zufolge sei ein affektiver Filter eine Erklärung. Dulay und Burt waren somit die ersten Sprachwissenschaftler die diesen Begriff verwendet haben um bisher unerklärbare Unterschiede beim Spracherwerb zu erklären. Ihnen zufolge war dies eine Erklärung dafür, wieso Menschen trotz ähnlichem Input und vergleichbarer Bedingungen unterschiedlich schnell und akkurat eine neue Sprache erwerben oder lernen.

In den siebziger Jahren war der Sprachwissenschaftler Stephen Krashen dabei seine „Language acquisition Hypothesis“ zu vervollständigen. Krashen brauchte damals noch eine Erklärung dafür, wieso Menschen trotz vergleichbaren Input und Bedingungen unterschiedlich schnell eine Sprache lernen bzw. erbwerben. Diese Hypothese ist eingeteilt in fünf Teilen: der Unterschied zwischen lernen und erwerben, natürliche Reihenfolge, Monitor Hypothese, Input Hypothese und der affektiver Filter. Die ersten Vier Thesen sind auf vielen Ebenen mit der Theorie des affektiven Filters verbunden, was der affektive Filter meistens zu einer Ergänzung der anderen Teile der Hypothese macht.

Die Theorie

Wie in der Beschreibung der Geschichte schon erwähnt, ist der affektiver Filter ein Teil der „Language acquisition Hypothesis“ von Stephen Krashen. Der affektive Filter ist allerdings nicht „ein“ Teil. Es ist eine Sammlung von mehreren Phänomenen die in den Jahrzehnten davor von anderen Sprachwissenschaftlern wahrgenommen wurden. Dies ist auch der Grund dafür, dass empirische Studien die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigen eine Rarität sind, da, wie erwähnt in einem Buch von Gerhard Helbig, „affektive und emotionale Phänomene empirisch nur schwer fassbar sind“ [2]. Der Filter kann eine mentale Blockade verursachen, die von verschiedenen Komponenten hervorgerufen wird:

Motivation

Motivation ist ein wichtiger Bestandteil des Filters. [3] Motivation beinhaltet unter anderem auch Aspekte wie negative Erfahrung mit einer Kultur, Vorurteile und Stereotypen. Man unterscheidet noch zwischen integrative und instrumentelle Motivation, was allerdings nicht heißt, dass Motivation ausschließlich integrativ oder instrumentell sein muss.


  • Integrative Motivation. Diese Form von Motivation geht eigentlich immer von einer Bewegung aus dem Inneren einer Person aus. Dies kann ein Ziel haben, muss aber nicht unbedingt sein. Jemand der eine Sprache lernt und eine hohe integrative Motivation hat, hat meistens ein großes Interesse an einer Sprache oder Kultur, ohne dass es dafür einen direkten Grund gibt. Ein Teil dieses Interesses ist oft auch, dass die Person in Frage sich identifiziert mit dieser Kultur und man Teil dieser Kultur sein möchte. Die Umgebung spielt also auch eine sehr große Rolle.
  • Instrumentelle Motivation. Diese Form von Motivation entsteht meistens wenn eine Person von jemanden oder von der Umgebung gezwungen wird, etwas zu machen. Diese Form von Motivation ist normalerweise immer an ein konkretes Ziel verbunden. Ein Beispiel: ein Mann immigriert in ein neues Land und möchte hier ein Restaurant öffnen. Er muss dann unter anderem eine neue Sprache lernen, um Geld verdienen zu können. Er wird dann motiviert eine Sprache zu lernen, weil er sonst kein Geld verdienen kann. Er wird von dem sozialen Umfeld quasi gezwungen eine neue Sprache zu lernen.


Emotionaler Zustand

Obwohl Motivation wahrscheinlich der wichtigste Teil ist, sollte man den emotionalen Zustand des Erbwerbers oder Lerners nicht unterschätzen. Dieser emotionale Zustand besteht unter Anderem daraus, wie entspannt der Erwerber oder Lerner ist, und wie selbstsicher er/sie ist. Demnach spielt also auch der Charakter einer Person beim Spracherwerb eine Rolle. Zum Beispiel: ein Schüler der ein großes Selbstvertrauen hat wird sich eher trauen eine neue Sprache anzuwenden. Er wird dabei wahrscheinlich Fehler machen, aber hierdurch merkt er welche Fehler er macht und kann daran, dank seines Monitors, arbeiten.

Mentale Blockade

Die Theorie des affektiven Filters zufolge können die verschiedenen Teile des Filters zu einer mentalen Blockade führen. Das Ausmaß dieser Blockade ist bei jedem Individuum anders. Auch woraus dieser Blockade besteht ist bei jeder Person anders. Dies wird immer von unter anderem dem Charakter, der Umgebung, der Erziehung und persönliche Erfahrung vorgegeben. Dies ist auch der Grund, wieso es sehr schwer ist eine mentale Blockade festzustellen. Es ist nahezu unmöglich alle Elemente zu addieren und so eine Schlussfolgerung ziehen, dass eine Person eine mentale Blockade hat.

Wie sehr eine Blockade den Spracherwerb beeinflusst ist noch nicht klar. Es gab in der Vergangenheit zwar einige empirische Untersuchungen nach der Anwesenheit einer Blockade, aber nicht, ob man diese auch beeinflussen kann. Die meisten Forschungen haben sich bis jetzt auf die Frage beschränkt welche Form von Motivation für den Spracherwerb günstiger ist. Da dies auch wieder vom Charakter abhängig ist, konnte man bis jetzt keine unwiderlegbaren Schlussfolgerungen ziehen.

Quellen

  1. Dulay,H Burt M, Krashen S (1982). Language two, Oxford university press. New York
  2. http://www.tu-dresden.de/sulifg/daf/motivation/material/affektive_variable.pdf am 27.10.2010
  3. Krashen, S (2003) Explorations in Language acquisition and use. Heinemann, Portsmouth NH.