EduCamp in Hattingen 2016, #echat16

Armut und Reichtum

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kurzinfo
Unterrichtsideen
Diese Seite enthält Unterrichtsideen, die du ausprobieren oder hier diskutieren kannst.
Links
Diese Seite beinhaltet eine Linksammlung für den Unterricht.

Das Vermeiden und die Bekämpfung von Armut sowie eine gerechte Verteilung von Reichtum sind erklärte gesellschaftliche Ziele. Offensichtlich wächst jedoch die Armut zahlreicher Menschen, während gleichzeitig der Reichtum weniger zunimmt. Deshalb wird die Auseinandersetzung mit Armut und Reichtum auch im Unterricht an Bedeutung gewinnen.

Inhaltsverzeichnis

Unterrichtsideen

Deutsch

  1. Bertolt Brecht
    Reicher Mann und armer Mann // standen da und sahn sich an.
    Und der Arme sagte bleich: // »wär ich nicht arm, wärst du nicht reich«.
  2. Erich Kästner (Text + Melodie: Weihnachtslied, chemisch gereinigt; Legende, nicht ganz stubenrein)
  3. Hans Christian Andersen (Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern)
  4. Kurt Tucholsky (Die Leibesfrucht spricht)
  5. Jonathan Swift (Ein bescheidener Vorschlag, wie man verhindern kann, dass die Kinder der Armen ihren Eltern oder dem Lande zur Last fallen, und wie sie vielmehr eine Wohltat für die Öffentlichkeit werden können.) (BR-Online/Schulfernsehen online, 14.9.2007) - Satire
  1. "Sankt Martin"Wikipedia-logo.png (Uwe Lyko alias Herbert Knebel: Video)
  2. "Kinder und Prestige-Objekte" (Erziehung / sozialdarwinistischeWikipedia-logo.png Gesellschaft) (Rüdiger Hoffmann: Video)

Musik

  1. "In the Ghetto" (Lisa Marie & Elvis Presley: Video / Text)
  2. "Ich will euer Leben nicht" (BasisWikipedia-logo.png: Video / Text)
  3. "Wenn sie diesen Tango hört" (PurWikipedia-logo.png (Band): Video / Text)

Politik und Sozialwissenschaften

"Diskussionen über "die neue Unterschicht" und "das abgehängte Prekariat" bestimmen die Debatten zum Thema Armut in Deutschland. Die folgenden Basistexte dienen der Bearbeitung des Themas im Unterricht. Zudem wird in einem beispielhaften Schulprojekt dargestellt, wie das Thema gewinnbringend in den Unterricht integriert werden kann."
Noia 64 apps kontour.png   Meinung

Die Arm-Reich-Schere klafft auseinander. Einige Monate vor der Bundestagswahl 2013 hat dies zu einer breiten Diskussion geführt. Parteien schlagen Maßnahmen vor. Welche Konzepte und Positionen es zu dieser gesellschaftlichen Herausforderung gibt soll in einem Wikiversity Projekt herausgearbeitet werden: ökonomische Ungleichheit im Wahlkampf 2013 Projekt:Ökonomische Ungleichheit in der Bundestagswahl 2013Wikiversity-logo-Snorky.png (link: siehe meine Vorstellungsseite) Wer Lust hat kann gerne mitmachen. Es soll im übrigen mit der gleichen Thematik und mit hinblick auf die Europawahl 2014 ausgeweitet werden.--Jamali 17:03, 22. Aug. 2013 (CEST)


Bitte ändere den Inhalt dieses Beitrags nicht. Denn er gibt eine persönliche Meinung wieder.

Materialien

  1. (zum Download; zip) "Reiches Land - arme Kinder" • Kinder- und Jugendarmut in Deutschland (2004)
  2. (zum Download; zip) "Ohne Moos nix los" • Kinder- und Jugendarmut in Deutschland (2003)
"Insgesamt gut 10 Millionen Menschen dürften einen gesetzlichen Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld haben.Tatsächlich erhalten derzeit 7,4 Millionen Menschen Hartz-IV-Leistungen. Fast 2 Millionen Erwerbstätige leben in verdeckter Armut."
  • Kapitel Globalisierung:
    • Modul "Produktionsprozesse und -bedingungen" - am Beispiel der Jeanshose werden die (ungerechten) Arbeitsbedingungen auf der Welt betrachtet
    • Modul "Fairer Handel" - als eine Möglichkeit die Lebensbedingungen von Kleinproduzenten zu verbessern
    • Modul "Soziale Bewegungen" - als Folge von Armut und Möglichkeit zur Veränderung
  • Kapitel Arbeit/Ausbildung/Erwerbslosigkeit
    • Modul "Arbeit und (Jugend-)Arbeitslosigkeit
    • Modul "Hartz IV und die Folgen"
  • Kapitel Ausbildung, Mitbestimmung und Mindestlohn
    • Modul "Ausbildung, und dann? - Arm trotz Arbeit" - eine Unterrichtseinheit zum Mindestlohn
Die Unterrichtseinheit setzt den Fokus auf Armut im Allgemeinen und Kinderarmut im Besonderen.

Radioberichte


Definitionen

Definition: Armut

Armut bezeichnet den Mangel an Chancen, ein Leben zu führen, das gewissen Minimalstandards entspricht. Die Maßstäbe für diese Standards und die Vorstellungen über die Ursachen von Armut sind örtlich und zeitlich sehr verschieden. Die WHO definiert Armut nach dem Einkommen. Danach ist arm, wer monatlich weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens seines Landes zur Verfügung hat. In Deutschland sind das etwa 600 Euro.

Im theoretischen Grundverständnis unterscheiden sich ökonomische Konzepte, die Armut als Mangelversorgung mit materiellen Gütern und Dienstleistungen verstehen, von soziokulturellen Konzepten, die auch nichtmaterielle Bedürfnisse thematisieren (z.B. das Fehlen ausreichender Bildungsmöglichkeiten – insbesondere Knappheit.


W-Logo.gif Armut, Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, 20.01.2006 - Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Siehe die Nutzungsbedingungen für Einzelheiten. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Arm, bettelarm, bildungsarm: Die neue Unterschicht wächst. Notwendig ist eine konzertierte Aktion von Bildungs- und Sozialpolitik. Kindergarten und Schulen müssen Schicksalskorrektoren für alle Kinder werden, die bei der Lotterie der Chancen im reichen Deutschland die Nieten gezogen haben.
→ Soziale Frage als politische FrageSoziale Frage im 21. Jahrhundert
[...] Armut - bezogen auf das Spätmittelalter - wird definiert als "Ausgeliefertsein an jeglichen Wechselschlag des Lebens, die völlige Abhängigkeit von Ernteausgang und Wirtschaftslage, das Von-der-Hand-in-den-Mund-leben". Sie traf "auf mindestens 50% der städtischen Bevölkerung" zu. Der Lebensstandard dieser unteren Hälfte der Bevölkerung stand dem Niveau der "Spitals- und Almosenversorgung" näher als einer bürgerlichen Lebenshaltung (vgl. W. Fischer, 1982, S. 19). [...]

→ Industrielle Revolution#Digitale Revolution (Dritte industrielle Revolution)

Definition: Reichtum

Das Wort Reichtum bezieht sich auf die Verfügbarkeit von Gütern, welche das Leben bereichern, die neuerdings eher quantitativ bezogen wird auf Geld und Eigentum. Es bezeichnet von daher inzwischen eher den Überfluss an Wertsachen, aber auch die Tatsache des Besitzes von materiellen Gegenständen. Gesellschaftlich gesehen erfordert Reichtum die allgemein akzeptierte Übereinkunft, dass Dinge, Land oder Geld jemandem gehören und dass dieses Eigentum geschützt wird. Der Begriff des Reichtums unterscheidet sich in verschiedenen Gesellschaften.

W-Logo.gif Reichtum, Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, 20.01.2006 - Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Siehe die Nutzungsbedingungen für Einzelheiten. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Armut - Häufigkeitsangaben und Begriffsdefinitionen

Würde der Staat nicht mit Sozialleistungen eingreifen, wäre fast jeder vierte in Deutschland "armutsgefährdet".
Rund 7,6 Millionen Menschen in Deutschland konnten zum Endes des vergangenen Jahres aus eigener Kraft nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten. Damit war jeder Elfte auf finanzielle Hilfe des Staates angewiesen. [...]"
Fragezeichen.gif   Frage

Wie sind die im nachstehenden Zitat zum Stichwort "Armut" genannten Zahlen zu bewerten?
Ist Armut ein eher seltenes Phänomen oder tritt Armut - gerade auch heutzutage - sehr häufig auf?

„[...] 100 Millionen von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen in Europa und den USA und 3 Milliarden Arme, die zusammen ein geringeres Einkommen haben als die 400 reichsten Familien der Erde, klagen an: [...]“

Heiner Geissler: »Wo bleibt Euer Aufschrei?« - In der globalen Wirtschaft herrscht die pure Anarchie. Die Gier zerfrisst den Herrschern ihre Gehirne. Ein Wutanfall, in: DIE ZEIT 11.11.2004 Nr.47

Gebrauchsinformationen für ArzneimittelWikipedia-logo.png verwenden i. d. R. folgende - wissenschaftliche - Begriffsdefinitionen
Nebenwirkungen - Wie alle Arzneimittel kann auch [BEZEICHNUNG] Nebenwirkungen haben.

Bei der Bewertung von NebenwirkungenWikipedia-logo.png werden folgende Häufigkeitsangaben zugrunde gelegt:

sehr häufig mehr als 1 von 10 Behandelten
häufig weniger als 1 von 10, aber mehr als 1 von 100 Behandelten
gelegentlich weniger als 1 von 100, aber mehr als 1 von 1000 Behandelten
selten weniger als 1 von 1000, aber mehr als 1 von 10.000 Behandelten
sehr selten weniger als 1 von 10.000 Behandelten, einschließlich Einzelfälle

Soziale Schichten

→ Milieu
→ #Die_Mathematik_der_Ungerechtigkeit
Aktuelle Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen: Die Mittelschicht schrumpft weiter. [...] Zur Mittelschicht zählt das Institut, wer über 70 bis 150 Prozent des mittleren Nettoeinkommens verfügt. 2008 waren dies für Singles 1.070 bis 2.350 Euro netto im Monat, bei einem Ehepaar mit zwei kleinen Kindern 2.250 bis 4.935 Euro. [...]
→ Familie#Höhe des Existenzminimums als "dekadent" kritisiert → (Tabelle) Horizontaler Vergleich / frei verfügbare Einkommen
Trotz Leistungsbereitschaft müssen die meisten Deutschen erleben, dass ihre ReallöhneWikipedia-logo.png sinken. Die Konservativen nehmen das nur ungern zur Kenntnis. [...] So ist es für diese Redakteure unfassbar, dass nach den DIW-Zahlen bereits ein Studienrat zur Oberschicht gehört, wenn er keine Kinder zu versorgen hat. Ein Gymnasiallehrer muss doch einfach Mittelschicht sein. [...]
Die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft wird in weiten Bereichen der Wissenschaft als soziale Schichtung dargestellt. Personen mit gemeinsamen sozialstrukturellen Merkmalen bilden danach eine Schicht (SozialstrukturWikipedia-logo.png der Gesellschaft). [...] In der Schichtungssoziologie gibt es die verschiedensten Ordnungsmerkmale, nach denen soziale Schichten gebildet werden können. Beispiele sind Beruf, Bildungsstand, politische Meinung, Einkommen, Macht etc. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen objektiven und subjektiven Schichtungskriterien. Im Folgenden zwei aktuelle Beispiele:
  • I. Schichten der Gesellschaft nach Einkommen

[...]

  • II. Gesellschaftliche Struktur in Deutschland ("Politische Typen")
  1. Abgehängtes Prekariat (8 %)
  2. Autoritätsorientierte Geringqualifizierte (7 %)
  3. Selbstgenügsame Traditionalisten (11 %)
  4. Bedrohte Arbeitnehmermitte (16 %)
  5. Zufriedene Aufsteiger (13 %)
  6. Engagiertes Bürgertum (10 %)
  7. Kritische Bildungselite (9 %)
  8. Etablierte Leistungsträger (15 %)
  9. Leistungsindividualisten (11 %)

Quelle: Friedrich-Ebert-Stiftung/TNS Infratest Sozialforschung: Gesellschaft im Reformprozess[1], Juli 2006
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich Deutschland als Drei-Drittel-Gesellschaft darstellen lässt. Die Menschen im oberen Drittel haben gesicherte Chancen und Lebensperspektiven. In der "Mitte" der Gesellschaft macht sich Verunsicherung breit. Im "unteren" Drittel wachsen die Unzufriedenheit mit den politischen Realitäten und der Politik sowie das Risiko der sozialen und politischen Abkoppelung.

Soziale Klassen
Im Gegensatz zur Theorie der sozialen Schichtung steht das Modell der sozialen Klassen. Nach Karl MarxWikipedia-logo.png (1818-1883) definiert sich eine soziale KlasseWikipedia-logo.png über die Stellung ihrer Angehörigen im Produktionsprozess ("Lohnarbeit" und "Kapital").


Dr. Jürgen Glaubitz (11/2006): Soziale Schichten

Studienbegleitende Hausarbeit (Uni Bielefeld, Fakultät für Soziologie), Sommersemester 2004.

Angst vor dem sozialen Abstieg

[...] "Die Jugendlichen in Deutschland sehen heute ihre Zukunftsperspektive deutlich pessimistischer als ihre Altersgenossen in allen anderen Industrieländern." Laut der Studie erwarten knapp 25 Prozent der Heranwachsenden, "dass sie nach Beendigung der Schule und der Ausbildung nur Arbeiten mit niedriger Qualifikation ausüben werden". Damit liegt Deutschland auf dem 21. und letzten Platz der untersuchten Staaten. [...]


Stift.gif   Aufgabe

1. Wie beurteilst Du die Leistungsfähigkeit eines Schülers, der Sorgen hat? Positioniere Dich bitte und begründe Deine Meinung.

  • a) Weit unterhalb seines Leistungsvermögens;
  • b) die Leistungsfähigkeit wird durch Sorgen kaum beinträchtigt.
[...] Dieses "Schickedanz-Syndrom" hat nun das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) näher untersucht. Als reich wurde dabei eingestuft, wer mehr als das Doppelte des mittleren Nettoeinkommens verdient. Im vergangenen Jahr waren dies 2.600 Euro monatlich für einen Single; bei Familien steigt das notwendige Einkommen natürlich, um noch als reich zu gelten. Nach dieser Definition zählen inzwischen 7 Prozent der Deutschen als reich - doch nur 1 Prozent sei "sorgenfrei reich". [...]

Ulrike Herrmann (taz vom 27.08.2009): Reiche sorgen sich um Materielles • Das Schickedanz-Syndrom

2. Wie beurteilst Du die Leistungsfähigkeit von Menschen, die in unsicheren bzw. prekärenWikipedia-logo.png finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnissen leben?
3. Recherchiere: Welcher Einkommensschicht ist der politische Typ "Leistungsträger" zuzuordnen.

4. Wie bewertest Du das politische Schlagwort "Leistungsträger" im gesellschaftlichen Kontext? Bitte positioniere Dich.

Soziale Exklusion

Wie geht unsere Gesellschaft mit Armut um? Welche Rolle spielen dabei die "Tafeln"Wikipedia-logo.png als private Institutionen der Armenspeisung? Und in welcher Richtung lägen notwendige Alternativen beim Umgang mit Armut?
Die soziale Frage im 21. Jahrhundert hat einen neuen Namen: ExklusionWikipedia-logo.png. Allgegenwärtig werden Ursachen und Folgen von prekärer Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Armut in Begriffen von sozialer Ausgrenzung diskutiert. Soziale Exklusion oder social exclusion ist eine der bekanntesten Folgen, die derzeit diskutiert werden. Exklusion verweist hierbei auf tief greifende Veränderungen in der Erwerbsarbeit, den sozialen Beziehungen und den politischen Regelungsformen. Wie der Begriff „Exklusion“ zu verstehen ist, ist allerdings häufig eben so unklar, wie es bei anderen inflationär benutzten Begriffen wie Nachhaltigkeit und Globalisierung der Fall ist. Was ist an der Arbeitslosigkeit und Armut heute anders, dass es rechtfertigen würde, einen neuen Begriff einzuführen? [...]

Christian Huesmann: social exclusion • Wer ist drinnen und wer ist draußen? (Seite 3 ff. von 24 der PDF-Datei), in: Zeitschrift „GEWerkschaft“ (WS 2008/09), Herausgeber: Gewerkschaftliche Studierendengruppe Osnabrück

[...] Demokratie, so sagte es F. D. RooseveltWikipedia-logo.png nach Krise und Krieg, "kann nicht sein, wenn ein Teil des Volkes, ob nun ein Drittel oder ein Zehntel, schlecht ernährt, schlecht gekleidet, schlecht behaust und unsicher leben muss. (...) Bedürftige Menschen sind nicht frei." [...]

Mathias Greffrath (taz vom 17.11.2009): Feudalismus im Feuilleton

[...] „Die Betroffenen sind sehr zurückhaltend und reagieren mit Resignation. Es ändere sich sowieso nichts, ist die Auffassung vieler. Das haben wir so noch nicht erlebt“, sagt Dr. Lothar Stempin. Der Direktor des Diakonischen Werkes sieht darin ein tiefgreifendes gesellschaftliches Problem. [...]

Martina Jurk (neue-braunschweiger.de vom 02.12.2009): „Es ändert sich sowieso nichts“ • Befragung zur Sozialstudie des Diakonischen Werkes zeigt beunruhigende Entwicklung

Armut als Gefahr für die Demokratie

Stift.gif   Aufgabe
[...] Armut als Gefahr für die Demokratie [...] Vielmehr bildet Armut sozialen Sprengstoff und eine Gefahr für die Demokratie, weil diese mehr beinhaltet, als dass Bürger/innen alle vier oder fünf Jahre zur Wahlurne gerufen werden, nämlich auch einschließt, dass sie gleichberechtigt an den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen teilnehmen. Hierzu müssen sie über die materiellen Mittel verfügen, um auch in ferner gelegenen Orten stattfindende politische und Bildungsveranstaltungen sowie Aktionen, Kundgebungen und Demonstrationen zu besuchen. Eine alleinerziehende Mutter, die nicht weiß, wie sie eine bevorstehende Klassenfahrt oder teure Schulmaterialien für ihre Kinder bezahlen soll, wird sich kaum an den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen beteiligen können. [...]

Prof. Christoph Butterwegge: Die Armut ist gewollt • Es muss eine Umverteilung von oben nach unten stattfinden

Recherchiere:

1. Welcher Geldbetrag steht armen bzw. bedüftigen Mitbürgern zur Verfügung für
die Teilnahme am kulturellen Leben und Beziehungen zur Umwelt?

  • Warenkorb 1985 (Ulrich Tiburcy in NDV 1986, Seite 47-50)

2. Ist im RegelsatzWikipedia-logo.png ("Hartz IV") der Mitgliedsbeitrag für eine politische Partei enthalten?

3. Wie verhalten sich politische Parteien gegenüber Armut: Welche Partei hat in ihrer SatzungWikipedia-logo.png eine Regelung, durch die in Armut lebende Mitbürger von der Zahlung eines Mitgliedsbeitrages freigestellt werden?


In Zeiten, in denen ich als Bürger nachhaltig gedrängt werde, nach vorn zu sehen, blicke ich als Privatmann gern zurück. Gern auch sehr weit. Im Vierten vorchristlichen Jahrhundert stoße ich auf den Satz: Man muss dafür sorgen, dass der Gegensatz der Reichen und Armen sich möglichst ausgleicht oder dass der Mittelstand wächst.

Die Forderung stammt aus der Staatslehre des Aristoteles von Stageira, einem Werk, dessen anhaltende Aktualität mich immer wieder fasziniert. Ihm zufolge kommt es in der Demokratie auf zwei wesentliche Elemente an: Freiheit und Gleichheit, wobei erstere auch Unabhängigkeit meint und letztere sowohl Rechtsgleichheit als auch Gleichberechtigung. Beide Grundelemente erst erlaubten dem Menschen, sein Leben so zu führen, wie es ihm angenehm ist.
[...]
Nehme ich abschließend zusammen: den Übermut der Ämter mit dem Zynismus der Funktionäre; den Verlust von Vorbildlichkeit in der Politik mit der Schwäche der demokratischen Institutionen; die Bildungsmisere mit dem Chancenmangel der jungen Generation – dann kann ich nicht anders: ich muss daraus Alarmzeichen lesen und sie auch so benennen. Nicht aus Neid auf die Milliardäre. Nicht aus Nostalgie für die Revolte meiner Jugendzeit. Sondern aus Sorge. [...] Ich bin nicht bereit, für ein paar Spitzenegoisten und die Laufruhe ihrer Zwölfzylinder das Feuer an meiner Haustür zu riskieren. Ich bin ein spießiger Demokrat. Nicht neidisch. Aber an Frieden interessiert.


Gert Heidenreich: Nährstoff des Neides, (Kanzelrede, 7. März 2004; PDF-Datei; 64 KB)

Armenbestattung und Menschenwürde

Die Folgen der Wirtschaftskrise zeigen sich auch auf der letzten Reise: Immer mehr Angehörige können die Beisetzung nicht mehr bezahlen, die Zahl der Sozialbestattungen steigt. Bestatter sprechen mittlerweile von "preiswerter Entsorgung".

Verteilungskonflikte

Wer arm ist, wird komplett durchleuchtet, wer Geld hat, bleibt unerfasst. Der Datenmangel ist kein Zufall, er ist politisch gewollt. [...] Diese statistischen Lücken sind kein Zufall. Die deutschen Eliten wissen genau, dass eine Verteilungsdiskussion nur aufkommen kann, wenn bekannt ist, wie der Wohlstand verteilt ist. Also bleibt dies ein Geheimnis. [...]
[...] müssen wir den Sozialetat aufschlüsseln. Wir müssen wissen, wie er sich zusammensetzt und wie er zustande kommt. Der Gesamtetat beläuft sich im Jahr 2010 laut Bundesregierung auf rund 142 Milliarden Euro. Davon besetzen die Renten mit rund 80 Milliarden Euro den Löwenanteil. Dazu kommen rund 24 Milliarden Euro an Empfänger von ALG I und rund 19 Milliarden Euro an Empfänger von ALG II (Hartz IV). Hinzu kommen Leistungen wie Kindergeld, Elterngeld und weitere, die vergleichsweise gering ausfallen.
Es ist schon peinlich für den sowieso gebeutelten FDP-Außenminister Westerwelle, dass er nun entweder nicht rechnen kann oder falsch informiert war. Er wollte doch nur einmal die Wahrheit sagen, als die FDP immer weiter absackte und er nicht nur von "anstrengungslosem Wohlstand" mit Hartz-IV-Bezügen sprach, sondern auch die Jagd auf Steuersünder durch den Verweis zu relativieren suchte, dass kaum einer sich aufrege, wenn Bürger, die arbeiten, weniger Geld erhalten können als Hartz-IV-Bezieher.
[...] Die Botschaft der Sendung ist plump, unmissverständlich und realitätsfern [...] Keinen einzigen Gast hatte die Redaktion eingeladen, der Mitgefühl mit einer sozialen Notlage hätte erwecken können oder der Schwarz-Weiß-Zeichnung wenigstens einige Grautöne hinzufügte. [...] Man braucht sich über die Stimmung im Land nicht zu wundern. Sie wird geschürt.

Bettina Gaus (taz Nr. 7758 vom 2.9.2005, Seite 14): "Schämst du dich nicht?"

→ Rassismus#Sozialrassismus
Kaum hat das Jahr 2010 für die neue Arbeitsministerin begonnen, wird schon erneut nach härteren Sanktionen für Arbeitssuchende gerufen / bei dem Problem der Arbeitslosigkeit erwartungsgemäß keinerlei Bereitschaft, grundlegende gesellschaftliche Fragen zu stellen.

Polemik gegen die Sozialstaatlichkeit

Aggressive und abwertende Äußerungen über die SozialstaatlichkeitWikipedia-logo.png häufen sich. Sie kommen vornehmlich von jenen, die sich wie die Professoren Sloterdiyk und Sinn zur Oberschicht beziehungsweise zu den Meinungsführern zählen. „Der Sozialstaat ist an allem schuld“ - das ist offensichtlich die Botschaft, die unten ankommen soll. Immer wieder wird versucht, dem Sozialstaat die hohe Arbeitslosigkeit und das „Entstehen der Unterschicht“ anzuhängen. [...]

Albrecht Müller (3. November 2009): Der Sozialstaat als Fußabstreifer

[...] Dafür gab es den wirklich unsäglichsten Beitrag aller Zeiten vom Medienwissenschaftler Norbert Bolz, der verkündete “zu viel Gleichheit macht unmündig”. Und “schlimmer als asozial ist zu sozial”. [...] Ist ja wurst, dass die Gleichheit in Artikel 1 der MenschenrechtserklärungWikipedia-logo.png festgelegt ist, Bolz glaubt, dass Gleichheit die Freiheitsrechte der Menschen beschneidet. Denn, so verkündet er salbungsvoll, die Gesundheit sei schließlich ein Markt, das dürfe man nicht vergessen. Und das Gesundheitsproblem sei nirgends auf der Welt gelöst.

Wie zynisch ist das angesichts der Mütter- und Kindersterblichkeitsraten in Krisengebieten etwa, der weltweiten Aids-Epedemie, ohne Worte. Die Milleniumsziele?[2] “Every child matters”? Nicht für Bolz, der hält ein gerechtes Gesundheitswesen für unbezahlbar und will – sehr pragmatisch – es auch gar nicht mehr anstreben. Norbert Bolz ist die Karikatur eines Intellektuellen im dreiteiligen Anzug, wie ihn der hirnloseste Marktliberalismus nur erschaffen kann.


nachdenkseiten.de (4. November 2009): TV-Kritik “Anne Will”: Schlimmer als asozial

Denkanstöße

Armut in Deutschland

[...] das Forschungsinstitut der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit, das IAB, hat ermittelt, dass bei einer derartigen Erhöhung der Anteil derer an der Bevölkerung, die an oder unter der Schwelle zum Armutsrisiko leben müssen, um immerhin zwei Prozent sinken könnte – von 14,8 auf 12,8 Prozent. Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden mit einem Kind würde von 22,5 auf 15 Prozent zurückgehen. Wenigstens das. „Der Preis für diese Veränderungen“, schreibt das IAB, „wäre jedoch hoch.“ Nun gibt es keine Wissenschaft, die uns darüber aufklärt, was ein hoher Preis für die Beseitigung von Kinderarmut ist. Das ist vielmehr eine politische und ethische Entscheidung [...]. Noch pikanter wird so ein Satz angesichts der Abermilliarden Euro, die seit Beginn der Finanzkrise zur Stützung von Banken geflossen sind. [...]

Rudolf Stumberger (der Freitag vom 01.01.2010): Hartz IV • Jenseits der Schmerzgrenze

[...] Würde die Regelleistung der Grundsicherung für Arbeitsuchende von derzeit 351 EUR auf 420 EUR monatlich erhöht, müsste mit Kosten in Höhe von 10 Mrd. EUR gerechnet werden. Und die Zahl der „Hartz-IV-Empfänger“ würde um bis zu 2 Mio. steigen. [...]

Die fiskalischen Auswirkungen einer Anhebung des ALG-II-Regelsatzes auf 420 EUR sind in Tabelle 2b zusammengefasst. Die Ausgaben für die höhere Regelleistung selbst (ALG II) steigen um etwa 3,8 Mrd. EUR auf gut 14 Mrd. EUR. Daneben sind ca. 3 Mrd. EUR zusätzlich für die Übernahme von Mieten und Heizkosten (KdU) aufzubringen. Den Ausgaben stehen Einsparungen beim Wohngeld (800 Mio. EUR) und beim Kinderzuschlag (86 Mio. EUR) gegenüber. Zusätzlich belastend wirkt das niedrigere Einkommensteueraufkommen (minus 3 Mrd. EUR), das aus der notwendigen Erhöhung des Grundfreibetrags im Zuge des gestiegenen Existenzminimums resultiert. Insgesamt ergibt sich eine Belastung aller öffentlichen Haushalte von ca. 10 Mrd. EUR. [...]


Die einen setzen sich mit 50 als Millionäre zur Ruhe und sorgen sich nur noch darum, ob ihr Pool auch schön sauber ist. Die anderen wären froh, in dem Alter noch einen Job zu finden. Die einen kennen Billig-Essen nur als Party-Gag gegen aufkeimende Langeweile (‘Lachs ist auf Dauer ja dröge’). Die anderen wissen nicht, wie sie ihre Familien ernähren sollen – und das häufig trotz Arbeit. Deutschland 2010 – kein Sommermärchen.

Armut in der Welt

  • Alle 3 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen extremer Armut.
  • Täglich sterben allein an den Folgen von Hunger und Unterernährung 24.000 Menschen weltweit.
  • Jährlich sterben elf Millionen Kinder an vermeidbaren Krankheiten.
  • In den ärmsten Ländern ist eine Schwangerschaft lebensgefährlich: Eine von 48 Frauen stirbt bei der Entbindung.
  • Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
  • Mehr als 860 Millionen Menschen können nicht lesen und schreiben.

Quelle: Deine Stimme gegen Armut

"Deine Stimme gegen Armut" ist die deutsche Plattform des "Global Call to Action Against Poverty" (GCAP), eine internationale Kampagne, in der sich Organisationen, Vereine, Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften, Prominente und Millionen Menschen wie Du und ich in mehr als 100 Ländern für ein Ende der Armut engagieren.


Roter Teppich, exquisites Essen, viele Stars - nebenbei wird für einen guten Zweck gesammelt. Selbst Befürworter von Benefizgalas finden ihre Extravaganz bedenklich.
  1. Bitter Sweet SymphonyW-Logo.gif (The Verve: (Video / Text)

- - -

We feed the world (Filmausschnitt: Sequenzen mit Prof. Jean ZieglerWikipedia-logo.png, Sonderberichterstatter der UN-Menschenrechtskommission)
[...] Zum Auftakt der Konferenz in Rom machte der Leiter der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), Jaques Diouf, noch einmal die Fakten klar: "Eine Milliarde Hungernder, das ist weltweit ein Mensch von sechs. 105 Millionen mehr Hungrige als 2008. Alle 30 Sekunden sterben fünf Kinder wegen Unterernährung. [...]

Tagesschau (16.11.2009): Welternährungsgipfel in Rom • Der halbherzige Kampf gegen den Hunger

Unter anderem mit Link zur Interaktiven "Welthungerkarte" der FAO
→ Imperialismus_und_Kolonialismus#Unterrichtsmaterialien

"Träume" und deren skrupellose Ausnutzung

→ Creeps
Mit Fußball aus der Armut: Davon träumen viele Jugendliche in Afrika. Skrupellose Agenten nutzen dies aus und locken die jungen Männer mit Versprechungen nach Europa. In den meisten Fällen zerplatzt der Traum dann schnell. Und vielen bleibt als letzte Hoffnung nur der Verein "Foot Solidaire".


Hintergrundinformationen

Hunger

→ Hunger

Kinderarmut

Jedes zweite Kind lebt unterhalb der Armutsgrenze - die Rede ist nicht von Bangladesch oder Togo, sondern vom Wohngebiet Schelmengraben in Hessens Landeshauptstadt.
Vier von zehn Berliner Kindern leben in einer Familie, die Sozialleistungen bezieht. Als Konsequenz fordert der KinderschutzbundWikipedia-logo.png einen besseren Zugang zu Bildung.

Die Mathematik der Ungerechtigkeit

Ungleichverteilungskoeffizienten lassen sich sowohl für Einkommensverteilungen als auch für Vermögensverteilungen berechnen.

Einzelnachweise

  1. „Gesellschaft im Reformprozess“ (PDF-Datei; 2 Seiten) - Studie der TNS Infratest Sozialforschung Berlin im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung
  2. Referenzfehler: Es ist ein ungültiger <ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namens Millenniumsziele wurde kein Text angegeben.

Linkliste

Enthält eine kompakte/knappe Darstellung der diversen Armutsdefinitionen und -konzepte.
Die Frage, wem die EU gehört, kann und muss auf verschiedenen Ebenen beantwortet werden. Zunächst einmal [...] geht es um die Frage der Vermögenskonzentrationen, seit der europäische Integrationsprozess so richtig in Gang gekommen ist. [...]
  • Reinhard Jellen: Gespräch mit dem Soziologen Hans Jürgen Krysmanski über globale und nationale Macht- und Funktionseliten.
  1. Teil 1 (tp vom 29.12.2009): Wer die Fäden zieht
  2. Teil 2 (tp vom 30.12.2009): "Über die Identität der Gläubiger des Schuldners Staat wird nie gesprochen"

Siehe auch