49 (Quellen)

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Lied aus konservativ/reaktionären Kreisen um die Armee von 1848

(nach Otto von Bismarck: Gedanken und Erinnerungen, Zweites Kapitel Abschnitt 2)

 1.

 Das waren Preußen, schwarz und weiß die Farben,
 So schwebt' die Fahne einmal noch voran,
 Als für den König seine Treuen starben.
 Für ihren König, jubelnd Mann für Mann.
 Wir sahen ohne Zagen
 Fort die Gefall'nen tragen,
 Da schnitt ein Ruf in's treue Herz hinein:
 »Ihr sollt nicht Preußen mehr, sollt Deutsche sein,«

 2.

 Doch wir mit Liebe nahten uns dem Throne,
 Fest noch im Glauben und voll Zuversicht,
 Da zeigt er uns, wie man die Treue lohne,
 Uns, seine Preußen, hört ihr König nicht.
 Da lösten sich die Bande,
 Weh' meinem Vaterlande!
 Seit er verstoßen seine Vielgetreu'n,
 Brach unser Herz und seine Stütze ein.

 3.

 Da, wie der Sturm sein theures Haupt umbrauset,
 Verwünscht, verlästert von des Pöbels Wuth,
 Der jetzt auf unsrem Siegesfelde hauset.
 Das, was Ihn schützte, war der Truppen Muth.
 Sie standen ohne Beben
 Und setzten Blut und Leben
 Für ihren Herrn, für ihren König ein,
 Ihr Tod war süß, und ihre Ehre rein.

 4.

 Und wo sie fielen, Deine Tapfern, Treuen,
 Vernimm die Schandthat, heil'ges Vaterland,
 Sieht man des Pöbels schmutz'ge Schlächterreihen
 Um jenen König stehen Hand in Hand.
 Da schwören sie auf's Neue
 Sich Liebe ha! und Treue.
 Trug ist ihr Schwur
 Und ihre Freiheit Schein,
 Heil uns, sie wollen nicht mehr Preußen sein,

 5.

 Schwarz, Roth und Gold glüht nun im Sonnenlichte,
 Der schwarze Adler sinkt herab entweiht;
 Hier endet, Zollern, Deines Ruhms Geschichte,
 Hier fiel ein König, aber nicht im Streit.
 Wir sehen nicht mehr gerne
 Nach dem gefall'nen Sterne.
 Was Du hier thatest, Fürst, wird Dich gereu'n,
 So treu wird Keiner, wie die Preußen, sein.

Bismarcks Bericht über die Haltung der preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. nach dem 18.3.1848

Auf meine Vorstellungen, daß er Herr im Lande sei und die Macht besitze, die bedrohte Ordnung überall herzustellen, sagte er, er müsse sich hüten, den Weg des formellen Rechtes zu verlassen; wenn er mit der Berliner Versammlung, dem Tagelöhnerparlamente, wie man sie damals in gewissen Kreisen nannte, brechen wolle, so müsse er dazu das formelle Recht auf seiner Seite haben, sonst stehe seine Sache auf schwachen Füßen, und die ganze Monarchie laufe Gefahr, nicht blos von innern Bewegungen, sondern auch von außen her. [...]

Aus den zahlreichen Gesprächen, die auf jenes erste folgten, ist mir das Wort des Königs erinnerlich: »Ich will den Kampf gegen die Tendenzen der Nationalversammlung durchführen, aber wie die Sache heut liegt, so mag ich zwar von meinem Rechte vollständig überzeugt sein, es ist aber nicht gewiß, daß Andre, und daß schließlich die großen Massen es auch sein werden; damit ich dessen gewiß werde, muß die Versammlung sich noch mehr und in solchen Fragen in's Unrecht setzen, in denen mein Recht, mich mit Gewalt zu wehren, nicht nur für mich, sondern allgemein einleuchtend ist.«

Meine Ueberzeugung, daß die Zweifel des Königs an seiner Macht unbegründet seien, und daß es deshalb nur darauf ankomme, ob er an sein Recht glaube, wenn er sich gegen die Uebergriffe der Versammlung wehren wolle, konnte ich bei ihm nicht zur Anerkennung bringen. Daß sie richtig war, ist demnächst dadurch bestätigt worden, daß den großen und kleinen Aufständen gegenüber jede militärische Anordnung unbedenklich und mit Eifer durchgeführt wurde, und zwar unter Umständen, wo die Bethätigung des militärischen Gehorsams schon von Hause aus mit dem Niederwerfen bereits vorhandnen bewaffneten Widerstandes verbunden war, während eine Auflösung der Versammlung, sobald man ihre Wirksamkeit als staatsgefährlich erkannte, in den Reihen der Truppen die Frage des Gehorsams gegen militärische Befehle nicht berührt haben würde. Auch das Einrücken größrer Truppenmassen in Berlin nach dem Zeughaussturme und ähnlichen Vorgängen würde nicht blos von den Soldaten, sondern auch von der Mehrheit der Bevölkerung als dankenswerthe Ausübung eines zweifellosen königlichen Rechts aufgefaßt worden sein, wenn auch nicht von der Minderheit, welche die Leitung übte; und auch wenn die Bürgerwehr sich hätte widersetzen wollen, so würde sie bei den Truppen nur den berechtigten Kampfeszorn gesteigert haben. Ich kann mir kaum denken, daß der König im Sommer an seiner materiellen Macht, der Revolution in Berlin ein Ende zu machen, Zweifel gehabt haben sollte, [...]


Otto von Bismarck: Gedanken und Erinnerungen, Zweites Kapitel Abschnitt 3