Fontane: Effi Briest

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Kurzinfo

(von Aline und Janina)

Theodor Fontane: EFFI BRIEST'

  1. Theodor Fontane

Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 in Neuruppin geboren und verbrachte seine Kindheit in Neuruppin und Swinemünde (was er in Effi Briest unter dem Namen „Kessin“ beschreibt). Während seiner Ausbildung zum Apotheker beschäftigte er sich gleichzeitig mit dem Schreiben. Da sein Leben stark von den politischen Umwälzungen des 19. Jhd. geprägt war schließt er sich literarischen Klubs an, die sich engagiert mit der politischen Lage auseinandersetzen. Für T. Fontane ist 1848 ein entscheidendes Jahr, da er nun versucht seinen Lebensunterhalt ausschließlich durch das Schreiben zu verdienen. Erst ab 1876, mit 57 Jahren fängt er an gesellschaftskritische Romane zu schreiben. Damit möchte er den Lesern ein kritisches Bild des 1871 gegründeten Kaiserreichs mit vorwiegend an wirtschaftlichem Erfolg orientierten Ausrichtung vermitteln und die durch die verstärkte Staatsmacht verschärften Konflikte zwischen Individuum und Gesellschaft verdeutlichen. Als er 1892 an einer schweren Gehirnischämie erkrankte rät ihm der Arzt, seine Kindheitserinnerungen niederzuschreiben, um sich von der Krankheit abzulenken. Er folgte dem Rat und erholte sich wieder so gut, dass er Effi Briest und zwei weitere Romane sowie seine Autobiografie vollenden konnte. Am 20. September 1898 stirbt T. Fontane in Berlin.

  1. Poetischer Realismus
  • Im Realismus werden mit Hilfe von Kunst alle Elemente des wirklichen Lebens wiedergespiegelt
  • Er will das Wahre und nicht nur die Sinnwelt und das Materielle
  • Im Gegensatz zu anderen Epochen schließt er Lüge und das Abgestoßene aus
  • Stilistisch betrachtet steht er für eine Methode, mit der die äußeren Umstände, menschlichen Charaktere und Beziehungen wirklichkeitsnah dargestellt werden

→ Nachahmung der Wirklichkeit

  • Gegenposition zu den Strömungen des Expressionismus', Naturalismus' und Surrealismus'
  • Aus diesen Auseinandersetzungen ging der so genannte sozialistische Realismus hervor, mit ihm verband sich die Abgrenzung vom bürgerlichen Realismus des 19. Jahrhunderts und vom kritischen Realismus des 20. Jahrhunderts
  • Als Epochenbegriff kennzeichnet der Realismus den Roman des 19. Jahrhunderts
  • Beispielhaft sind Romane von Charles Dickens oder Theodor Fontane
  • Diese Werke vermitteln kritisches Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse; künstlerische Devise: Das menschliche Leben möglichst wirklichkeitsgetreu darzustellen durch präzise Beschreibungen, psychologisch ausgearbeitete Charaktere, Milieuschilderungen
  • In Deutschland wurde der literarische Realismus erst nach 1848 zur bestimmenden Stilrichtung → bald dominierte der poetische Realismus
  • Kennzeichnend: distanzierender Humor, Subjektivität der Erzählperspektive, keine verherrlichende Darstellung der Wahrheit
  • Fontane: „Realismus ist die künstlerische Wiedergabe (nicht das bloße Abschreiben) des Lebens“
  1. Inhalt

Die 17-jährige Effi Briest lebt mit ihrer wohlhabenden Familie in Hohen-Cremmen. Die Hochzeit mit dem erheblich älteren Baron von Innstetten, der in seiner Jugend ein Verehrer von Effi's Mutter war, ist eine Standesehe, und keine Liebesehe. Nach der Hochzeitsreise lebt Effi mit ihrem Mann im hinterpommersche Kessin, wo sie sich fremd fühlt, da der Landadel sie als Eindringling ansieht und sie Angst plagt, weil es in ihrem Haus spukt. Zwei Jahre später bekommt Effi ein Mädchen namens Annie. Sie lernt Major von Crampas kennen, der sie umwirbt, und fühlt sich zu ihm hingezogen. Auf der Schlittenfahrt von Oberförster Ring nach Hause kommt es zum ersten Kuss zwischen Crampas und Effi. Dies ist der Anfang einer im Buch nur angedeuteten Beziehung. Als Innstetten eine neue Stelle in Berlin bekommt und mit Effi umzieht, ist diese sehr erfreut, da sie so von Crampas weg kommt. In Berlin blüht sie auf und um die Chance auf die Geburt eines Sohnes zu erhöhen fährt sie auf Anraten des Arztes in Kur. Währendessen findet Innstetten zufällig die Liebesbriefe von Crampas an Effi im Nähkästchen. Daraufhin fordert er Crampas zum Duell, wie es für die Zeit üblich war, um seine Ehre wiederherzustellen. Crampas stirbt bei dem Duell und Innstetten verstößt Effi und lebt mit Annie weiter in Berlin. Effi hingegen wird von allen verstoßen und lebt mit Roswita, dem alten Kindermädchen, in Berlin. Als Effi schwer krank wird rät ihr Arzt Effi's Eltern sie wieder aufzunehmen. Zurück in Hohen-Cremmen geht es ihr zunächst besser, doch dann ändert sich ihr Zustand und sie stirbt und wird unter dem Rondell begraben.

  1. Hauptcharaktere und Verbindung !∆!

Effi Briest ' 17 Jahre (beim ersten Auftreten) → kindlich, verspielt, naiv unbeschwerte Kindheit in Hohen-Cremmen naturverbunden übermütig, leichtsinnig Neigung zum Fantastischen, Besonderen, Aparten „Tochter der Luft“→ träumerisch, abenteuerlustig ehrgeizig→ Heirat mit Innstetten Lebensfreude, Natürlichkeit → fühlt sich nicht wohl in adliger Gesellschaft; wird nicht akzeptiert/respektiert (Sidonie v. Grasenabb, …) Im Laufe des Romans: zunehmende Reife In Kessin: gelangweilt, wird von Innstetten dominiert Angst vor „Mann von Grundsätzen“ leidenschaftlich→ Affäre mit Crampas nachdem sie verstoßen wurde: verliert Lebensmut/- freude und Kraft→ Krankheit→ Tod Geert von Innstetten' 38 Jahre Landrat von Kessin Typischer Vertreter der Adelsschicht → Pflichtbewusstsein, Ehre Hört mehr auf Verstand als auf Gefühle Angepasst an Gesellschaft → neigt sich gesellschaftlichen Zwängen (→ Duell mit Crampas) „Mann von Prinzipien“ „schmückt“ sich mit Effi will Effi erziehen/einschüchtern (Spuk), autoritär gegenüber Effi: eher kühl, zeigt keine Gefühle/Leidenschaft Karrieremann Familie an 2. Stelle Kaum Freizeit, viel auf Reisen → Effi fühlt sich vernachlässigt + fehlende Leidenschaft →Effis Affäre mit Crampas

Major von Crampas' Verheiratet + 2 Kinder Ruf als Frauenheld, Damenmann Äußerlich gekennzeichnet als Ehebrecher Gegenteil von Innstetten: Kavalier, Charmeur Spontan, unterhaltsam Einfühlsam → erkennt Effis Schwäche und nutzt diese aus → verwickelt sie in die Affäre → Er spielt mit Effi gibt Effi das Gefühl begehrenswert zu sein → Effi‘ s Fluchtweg aus tristem Alltagsleben nachdem die Affäre aufgedeckt wird: übernimmt Verantwortung für sein Handeln; ruhig, gefasst

  1. Entwicklung Effi’s
  2. Kindheit und Jugend: lebendig, sorglos, verspielt, unbefangen, Leidenschaft für schaukeln und

klettern (S. 3-11) → Lust an der Gefahr

  1. Verlobung, Hochzeit, Flitterwochen: nervös, Realitätsflucht, anerzogenes Verhalten, Angst,

Überanstrengung, Heimweh (S. 14-40)

  1. Leben in Kessin: leidet unter Innstettens reserviertem Verhalten, Langeweile, Angst, gesellschaftliche Überforderung, frustriert, deprimiert (S. 40-104)
  2. Annies Geburt und Taufe, Aufenthalt in Hohen-Cremmen: keine Angst mehr, Unbeschwertheit in H-C , Abstand zur Ehe, Aufwertung, mehr Selbstbewusstsein, neue Fraulichkeit (S. 108-127)
  3. Affäre mit Crampas: Drang nach Abwechslung und Abenteuer, Hunger nach Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit, emotionale Befriedigung, Leichtsinn, leidet unter Heimlichkeit und Lüge, wird erwachsen (S. 127-206)
  4. Berliner Jahre: Schuldgefühle, Angst vor der Entdeckung (S. 206-258)
  5. Leben allein, Begegnung mit Annie: Ohnmacht, Auflehnung gegen Innstetten, Wut und Verzweiflung, Hass auf bürgerliche Konventionen (S. 258- 283)
  6. Zurück in Hohen-Cremmen: Resignation, Sterben nach Versöhnung und Harmonie (S. 283-Ende)
  7. Chinesenspuk
  • Strukturelement, Motiv: kann keine Entscheidungen treffen → Fantasie, Traumwelt
  • Erzeugt Spannung, Angst, jagt Schrecken ein
  • Bedroht Effi während der Vereinsamung
  • Mittel der Kontrolle& Beherrschung durch Instetten, macht sich interessant dadurch (→ Selbstcharakeristik)
  • Gleichnis der Beziehung mit Crampas → Rettung durch Umzug nach Berlin, trotzdem keine komplette Lösung vom Spuk
  • Entwicklung Effis → Angst vor Spuk wird zu Angst vor realen Erlebnissen
  • Dient Erfüllung romatischer Sehnsüchte Effis (Abwechslung)
  1. Symbole
SYMBOLE BEDEUTUNG
Abgeschlossenheit Geborgenheit im Elternhaus
Größe, Weitläufigkeit Gefühl der Weite
Herrenhaus (seit Kurfürst Georg Wilhelm bewohnt) Herrschaftliche Wohnverhältnisse, adliger Familiensitz, wohlhabende Familie
Idylle Keine „Verschmutzung“, pittoresk, märchenhaft, (unwirklich?)
Symmetrie (Hufeisenform, Rechtwinkligkeit,...) Ordnung, keine Abweichung erwünscht
Schönes Wetter/Sonnenschein typisch für Hohen-Cremmen, gute Stimmung
Teich (früher wurden angeblich untreue Frauen versenkt) Gefahr und Bedrohung für Effi → Vorausdeutung auf späteres Geschehen und die Folgen für Effi
Schaukel Hang zum Abenteuer mit Reiz der Gefahr
wilder Wein Zerstörung der Fassade, unbeschwerte Kindheit und Freiheit
gymnastische Übungen statt stricken freie, lebendige Bewegungen satt Langeweile und Starrheit
„Instetten sagtest du? Und Geert? So heißt doch hier kein Mensch." Name passt nicht zu Effis Umgebung, Verweis auf späteren Konflikt
Rondell mit Sonnenuhr Sonnenuhr zählt nur heitere Stunden, zeigt aber auch die Vergänglichkeit des Lebens (Effis früher Tod) / Rondell ist später Effis Grab, jedoch ohne Sonnenuhr
  1. Erzähltechnik
  2. Auktoriale Erzählsituation
  • Bei Beschreibung des Wohnsitzes in Hohen- Cremmen
  • Legt Wert auf exakte, detaillierte Beschreibung
  • Überschaut Tradition, Architektur, Pflanzen etc.
  • Leser wird geleitet von Erzähler, der das Geschehene mit Übersicht, zeitlicher Orientierung und Kenntnisreichtum ordnet
  • Zeigt Präsenz immer wieder im Laufe des Romans
  • Greift wenig ergänzend der wertend ein
  • Bemüht sich um Neutralität und Sachlichkeit
  1. Personale Erzählweise
  • Erzähler tritt über einige Strecken des Romans hinter seinen Figuren zurück
  • Gestaltet Geschehen entweder aus Effi’s Sicht oder nutzt unterschiedliche Formen des Personengesprächs → Vor allem bei Schilderung von Effi’s Gefühlen, Ängsten
  • Instettens Innenleben bleibt weitgehend verborgen
  1. Erlebte Rede, innerer Monolog
  • Bei Darstellung innerer Vorgänge
  • z.B. Bei Wiedergabe des Sprachverhaltens Effis
  • Gedankenkette endet oft im Monolog