Wiki in Projekten und MU

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
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Online-Fassung des Vortrags auf der MNU-Bundesfachleitertagung Mathematik ausgerichtet gemeinsam mit T3
24.9.2009, Fuldatal
Infos zur Tagung


Inhaltsverzeichnis

Abstract

Social Media im Seminar und Mathematikunterricht -Erfahrungen aus der Arbeit im Wiki von ZUM.de und anderen Plattformen

Das Wiki von ZUM.de ist eine offene Plattform für Lerninhalte und Lernprozesse für Lehrkräfte aller Schularten im gesamten deutschsprachigen Raum. Insbesondere die Öffentlichkeit jeglichen Tuns in einem Wiki oder auch anderen sogenannten Social Media stellt für viele Nutzer eine Hemmschwelle dar, selbst Beiträge einzustellen. Leider verzichtet man damit auch auf die Chancen, die sich aus der gemeinsamen Arbeit an einem Thema ergeben. Der Vortrag möchte Mut machen, sich auf die Möglichkeiten dieser neuen Technologie einzulassen. Hierzu wird von den eigenen Erfahrungen und Beobachtungen von rund zwei Jahren Arbeit mit Wikis und anderen Social Media berichtet.


Vortrag

Was sind Social MediaWikipedia-logo.png?

Wikis zählen zu den typischen Web 2.0Wikipedia-logo.png Anwendungen. Der Begriff Web 2.0 umschreibt weniger eine Technologie als solche, sondern das veränderte Verhalten der Nutzer. Diese erstellen, bearbeiten und verteilen Inhalte selbst oder zu mehreren gemeinsam. Da es bei den typischen Web 2.0 Anwendungen um den Austausch mit anderen geht, spricht man sehr häufig von Social Media, wobei weder der eine noch der andere Begriff wirklich sauber definiert ist.

Klassische Internetseiten, bei denen die Inhalte von einer zentralen Instanz aus gepflegt werden und der Nutzer in erster Linie nur ein Leser ist, zählen zu den Web 1.0 Anwendungen. Während man beim Web 1.0 bis zum Erscheinen leistungsfähiger Editoren typischerweise gute HTML-Kenntnisse benötigte, um brauchbare Ergebnisse zu erzielen, kann man bei den meisten Web 2.0 Anwendungen nach den zumeist verlangten Anmeldung regelmäßig sofort Inhalte erstellen. Der Begriff "Inhalt" ist dabei sehr weit aufgefasst und insbesondere losgelöst von einer Bewertung hinsichtlich der Qualität zu verstehen.

Die Art und Weise wie man mit Social Media arbeiten kann, wird sehr gut umschrieben durch die Neuronenmetapher oder auch durch die Maschendrahtmetapher. Jeder Leser wird eingebettet in ein Netz von Co-Autoren zum Autor, man ist Produzent und Konsument in einem ("Prosumer"). Durch seine Beiträge schafft man neue Anknüpfungspunkte für andere, wodurch sich der Prozess immer weiter fortsetzt.

Die Social Media lassen sich grob in drei Bereiche kategorisieren:

Merkmal: viele arbeiten gemeinsam, Wissen wird kollektiv konstruiert
Merkmal: Blog: einer schreibt alleine, die anderen können kommentieren, sich darauf beziehen, ...; Twitter: Wie eine Party, bei der sich verschiedene Gruppen zu verschiedenen Themen und man sich spontan in interessierende Gespräche einklinkt.
Merkmal: gemeinsames klassifizieren, bewerten und kommentieren z.B. von Bildern

Merkmale und Vorteile eines Wikis

Ein WikiWikipedia-logo.png (Wiki = hawaiisch für "schnell") ist ein einfach zu editierendes Hypertextsystem, dessen Inhalte von den Nutzern nicht nur gelesen, sondern auch verändert werden können, ja geradezu sollen. Wikis wurden entwickelt, um das gemeinsame Erstellen von Inhalten zu erleichtern. Das wohl bekannteste Wiki ist die Online-Enzyklopädie WikipediaWikipedia-logo.png. Speziell an Lehrkräfte aller Schularten im deutschsprachigen Raum richtet sich das Wiki von ZUM.de.

Vom Grundgedanken her ist ein Wiki, insbesondere das ZUM Wiki, eine offene Plattform, zugänglich und zu bearbeiten von jedermann. Zwar können Wikis auch für fremde Nutzer gesperrt werden, doch sind sie nach gängiger Einschätzung zunächste offen für alle. Moodle oder lo-net2Wikipedia-logo.png im Gegensatz dazu zielen eher auf geschlossene Nutzergruppen ab, auch wenn sie für Externe geöffnet werden können.

Wikis eignen sich besonders für das gemeinsame Erstellen von Inhalten v.a. Texten, z.B. in Arbeits- oder Projektgruppen oder mit seiner Schulklasse. Die ersten Schritte in einem Wiki sind denkbar einfach. Text schreiben - Vorschau betrachten - abspeichern: schon stehen die Inhalte anderen Nutzern zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung. Folgt man den Konventionen des jeweiligen Wikis, dann kann man in recht kurzer Zeit eine Fülle von Material entwickeln und verteilen. Mittels verschiedenartiger, vorbereiteter Bausteine lassen sich Seiten ansprechend gestalten. Tabellen erstellen, Graphiken oder Dateien hochladen und einbinden, wird schon etwas aufwändiger. Am besten schaut man sich den Quellcode von gefälligen Seiten an und spielt dann mit den Parametern. Das beste ist: man kann nichts kaputt machen. Da die Versionsgeschichte eines jeden Artikels aufgezeichnet wird, kann man jede Änderung auch wieder rückgängig machen.

Damit bietet sich die Arbeit mit Wikis insbesondere für Einsteiger an:

  • Das standardisierte Format erlaubt es, sich auf die Inhalte zu konzentrieren und in kurzer Zeit ansprechende Inhalte zu schaffen.
  • Durch das Wiederherstellen der vorherigen Version, kann man nichts versehentlich zerstören.

Aber auch für Fortgeschrittene:

  • Es stehen viele Routinen bereit mit denen sich z.B. Videos oder Präsentationen einbetten lassen.
  • Oder man nutzt HTML, um seine Seiten nach eigenem Ermessen weitergehend zu gestalten.


Was ist das Besondere am ZUM-Wiki?

Das Selbstverständnis des ZUM-Wiki

Das ZUM-Wiki (wiki.zum.de) ist eine offene Plattform für Lehrinhalte und Lernprozesse. Es dient dem Austausch von Informationen, Erfahrungen und Ideen rund um Unterricht und Schule.

Das ZUM-Wiki ist:

  • eine Plattform für Lehrkräfte aller Schularten und Länder im deutschsprachigen Raum
  • eine Plattform auch für den deutschsprachigen Fremdsprachenunterricht
  • eine Plattform, auf der schulische Arbeitsgruppen verantwortungsbewusste Schreib- und Kommunikationskultur trainieren können.
  • ein Ort der Auseinandersetzung um alle Fragen, die mit Schule zusammenhängen
  • eine Sammlung von Erfahrungen, Ideen und Vorschlägen
  • eine Sammlung von Unterrichtskonzepten, -methoden und -materialien
  • ein Ort, an dem über Konzepte, Methoden und Materialien gestritten werden kann
  • auch eine Sammlung der sinnvollsten und wichtigsten Internetadressen, Software-, Buch- und Zeitschriftentitel für den Unterricht und andere schulische Themen

Das ZUM-Wiki ermöglicht eine umfangreiche Sammlung und Nutzung von Informationen, Ideen und Materialien für den Unterricht. Im Gegensatz zu vielen anderen Internet-Angeboten können hier sämtliche Informationen von den BenutzerInnen ständig aktuell gehalten werden. Außerdem ist hier genügend Raum für den Erfahrungsaustausch und Diskussionen.

Es ist ein Teil des Angebots der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (ZUM Internet e.V.).

Das ZUM Wiki kann auf eine mehrjährige Erfahrung verweisen. Die sogenannten Administratoren sind selbst Lehrer, die einem Einsteiger unterstützend zur Seite stehen.

Dadurch, dass nur angemeldete Nutzer die Artikel im ZUM Wiki bearbeiten können, ist eine missbräuchliche Nutzung fast ausgeschlossen. Die Kontrolle durch die Admins tut ein übriges. Damit läßt sich trotz der prinzipiellen Öffentlichkeit geschützt mit seiner Klasse arbeiten. Wenn sich eine Schule als Ganzes für die Einrichtung eines Schulwikis interessiert, so kann dies im Rahmen der ZUM-Wiki-Family geschehen. Ein Beispiel ist das Regio-Montanus-Gymnasium Haßfurt.


Wikis im Unterricht

Zum lerntheoretischen Hintergrund der Einbindung von Social Media im Unterricht sei an dieser Stelle auf die Lerntheorie des KonnektivismusWikipedia-logo.png verwiesen. Diese Theorie besagt im Wesentlichen, dass eine Gruppe als Ganzes mehr weiß als die Summe des Wissens seiner Mitglieder.

allgemeine Lebensvorbereitung

Schule soll auf das Leben vorbereiten. Eine Gefahrenquelle, die vor einigen Jahren noch unbekannt war, erwächst aus dem sorglosen Umgang mit dem Internet. Schule hat daher die Pflicht, zu einem sachgerechten Umgang mit diesem Medium anzuleiten.

Im Internet ist es weniger leicht, seine Privatsphäre und sein öffentliches Bild zu schützen und zu kontrollieren. Über neue Gefahren wie Cybermobbing berichtet die Presse regelmäßig. Stellenbewerber werden heute regelmäßig "gegoogelt": ein wenig schmeichelhaftes Rechercheergebnis hinterlässt dabei mitunter einen ebenso schlechten Eindruck wie eine völlige Internetabstinenz.

Sinnvoll ist es daher, unter Anleitung und Aufsicht Verhaltensweisen zu erlernen, die einen im Zweifelsfall vor sich selbst schützen. Durch die Öffentlichkeit, in der die Arbeit stattfindet, werden insbesondere unerfahrene Schüler daran gewöhnt, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist, man jederzeit nachvollziehbare Spuren, einen digitalen Fingerabdruck hinterlässt. Eine Arbeit im Wiki schafft daher Bewusstsein und erzieht zu verantwortungsvollen Handeln.

Statt über Urheberrecht, Raubkopieren oder das Zusammenkopieren von Referaten oder anderem oberlehrerhaft zu dozieren, werden all diese Fragen während der gemeinsamen Arbeit an einem Thema völlig natürlich und nebenbei behandelt.

Siehe auch:


Im Fachunterricht Was im Allgemeinen gilt, gilt natürlich auch im Besonderen; d.h. Wikis eignen sich auch im Mathematikunterricht zum gemeinsamen zeitlich und örtlich unabhängigen Erarbeiten und Austauschen von Arbeitsergebnissen und Präsentieren derselben.

Siehe auch

Erfahrungen und Beobachtungen

Erfahrungen aus der eigenen Arbeit

In den rund zwei Jahren meiner Arbeit mit Social Media werde ich regelmäßig darauf angesprochen, was mir diese Medien bringen und ob dies nicht eine immense Zeitvernichtung sei. Für verschiedene Zwecke nutze ich verschiedene Medien unterschiedlich intensiv:

  • Um beruflich mit anderen in Kontakt zu bleiben, nutze ich Xing und LinkedIn, für private Kontakte Facebook, aber auch klassische eMail.
  • Eigene Inhalte entwickle ich gelegentlich in Wikipedia und häufiger im ZUM-Wiki.
  • Zugang zu Ideen und Gedanken, die bislang unzugänglich waren, erhalte ich über Twitter.
  • Delicious nutze ich, weil ich gute Erfahrungen mit der Qualität der Seiten hinter den dort eingestellten Bookmarks gemacht habe.

Im Mittel wende ich für die Nutzung der verschiedenen Medien einschließlich privater eMail pro Tag effektiv eine halbe bis dreiviertel Stunde auf. Diese Zeit schließt das Lesen der Informationen, das Antworten und selbst schreiben bereits ein. Dies mag für den ein oder anderen viel erscheinen. Die Menge und Qualität der Informationen rechtfertigt für mich diesen Aufwand.

Beobachtungen

  • persönliche Arbeit im ZUM Wiki
Ich habe innerhalb eines Jahres circa zwei Dutzend Artikel neu erstellt. Sie werden regelmäßig aufgerufen und gelesen, allerdings nur ganz gering weiterentwickelt. Der gefühlte Eindruck ist, dass 99% der Nutzer die Beiträge lediglich lesen, 0,99% selbst etwas aktiv beitragen und 0,01% das Wiki am Laufen und in Ordnung halten. Vergleichsweise intensiv gearbeitet wird in den Kurs- und Klassenseiten. (siehe auch Lotkas GesetzWikipedia-logo.png)
  • Didaktik-Seminar an der Uni Bielefeld
Dr. Andreas Pallack hat mit seinem Didaktik-Seminar im SS09 unter anderem das ZUM-Wiki genutzt (Materialien_aus_Seminaren). Das ZUM-Wiki diente primär als Publikations-Plattform für die Seminararbeit. Damit war die Erwartung verbunden, dass die Studierenden motivierter an ihre Ausarbeitungen herangehen würden, da sie nicht für die Ablage arbeiten, sondern zum Nutzen anderer. Die Ergebnisse der Evaluation des Seminars haben die Erwartungen nur teilweise erfüllt:
  • Die Annahme, dass junge Menschen Wikis gerne und selbstverständlich nutzen, traf so nicht zu. Quasi alle Studierende bewegten sich regelmäßig in sozialen Netzwerken, jedoch fast ausschließlich zum Zweck der Kommunikation und nicht der Kollaboration.
  • Die Wiki-Umgebung wurde als bessere Schreibmaschine genutzt. Von den Möglichkeiten der Kollaboration wurde nur wenig Gebrauch gemacht.
  • Online-publizieren bezieht einen großen Teil seiner Mächtigkeit durch das intensive Nutzen von Querverweisen (Hyperlinks). Dieses Potential wurde kaum ausgeschöpft.
  • Dennoch bestätigte die Mehrzahl der Studierenden, dass der Einsatz des Wikis lohnenswert war und dass sie es selbst zukünftig häufiger nutzen wollen.
  • Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt
Die Mathematiklehrer aber auch Kollegen anderer Fächer arbeiten sehr intensiv mit Wikis im Unterricht. Dabei nutzen Schüler und Lehrer gleichermaßen das Wiki. Es dient der Erarbeitung von Lerninhalten durch die Verwendung sogenannter "Lernpfade" ebenso wie das "Austeilen" und "Einsammeln" der Hausaufgaben.
Unterrichten mit Wikis Lehrer und Schüler des Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt berichten von ihrem Mathematikunterricht mit Wikis

Empfehlungen

  • Sei mutig - Mach mit! - Probieren geht über studieren. Keine Angst vor Fehlern. Wir alle sind Lernende.
  • Klein einsteigen, Erfahrungen sammeln, dann den nächsten Schritt gehen, z.B.
    • vorhandene Artikel ergänzen
    • eigene Artikel schreiben
    • in einem Projekt mit Referendaren eine Serie von aufeinander aufbauenden Artikeln entwickeln (lassen)
  • Motivierend wirkt für die Teilnehmer,
    • dass man nicht für die Ablage arbeitet, sondern im Sinne einer "Weltverbesserung". Das was man tut, hat Wirkung und Bestand, wird gelesen und hilft anderen.
    • Einbetten in authentische Kontexte schafft Lebensbezug
  • Hilfreich ist, wenn die Lehrkraft eine gewisse Grundvernetzung mitbringt, z.B. sein Netzwerk einlädt, an diesem Projekt teilzunehmen.

siehe auch / Weblinks


Did you know? - Oder: Warum wir Schule anders denken müssen!

Zwar nicht die letzte Fassung des Videos, aber immer noch brand aktuell.

Link: YouTube: Did you know?