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Computernutzung und Pisastudie 2003

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Inhaltsverzeichnis

PISA 2003: Vertrautheit mit dem Computer

Untersuchungsansatz

"Eine zentrale Aufgabe der Schule ist es, Chancengleichheit im Zugang zu Wissen und Bildung zu gewährleisten. In Bezug auf neue Medien bedeutet dieses für Schulen, neben der Bereitstellung technischer Zugangsmöglichkeiten auch Kompetenzen für eine verantwortliche und partizipative Nutzung der neuen Medien zu vermitteln." (PISA-Konsortium Deutschland (Hrsg.): PISA 2003, Waxmann Verlag 2004 S. 177)

PISA 2003 analysiert den Stellenwert der Schule als primärer Vermittlungsinstanz computerbezogener Kenntnisse für fünfzehnjährige Jugendliche. Wichtig ist zu unterscheiden, inwieweit die Kenntnisse innerhalb oder außerhalb der Schule erworben werden.

PISA 2003 untersucht auch, inwieweit es potentiell benachteiligte Nutzergruppen gibt, Personengruppen, denen auf Grund des sozioökonomischen Status oder ethnischer Zugehörigkeit angemessene Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten in Bezug auf Computer fehlen.

Die Untersuchungen wurden in 25 Ländern durchgeführt.

Aufgabenbeispiele

BEISPIELAUFGABEN UND LÖSUNGEN AUS DEM NATIONALEN WISSENSTEST ZU COMPUTERBEZOGENEN KENNTNISSEN

1. Du hast Änderungen an einem Textdokument vorgenommen und möchtest sowohl die geänderte Datei speichern als auch die ursprüngliche Version des Textes behalten. Was tust du?

a) Ich wähle in der Textverarbeitung den Menüpunkt "Änderungen in einer neuen Datei speichern. .... !
b) Ich rufe in der Textverarbeitung den Menüpunkt "Versionsvergleich“ auf. .. !
c) Ich speichere die geänderte Datei unter einem neuen Namen. ................... !
d) Ich verschiebe die Datei vor dem Speichern in ein anderes Verzeichnis. ... !

2. Du suchst eine Datei, hast aber vergessen, wo du diese abgelegt hast. Was tust du?

3. Du musst unter Windows ein neu installiertes Programm häufig aufrufen und möchtest einen schnelleren Weg zur Verfügung haben als über das „Start-Menü“. Was unternimmst du?

Genaueres siehe Beispielaufgaben (pdf) (pisa.ipn.uni-kiel.de)

Ergebnisse

Computereuphorie

Deutsche Schüler zeigen im internationalen Vergleich ein besonders hohes Interesse am Computer. Nur in wenigen Staaten ist ein noch höheres Interesse vorhanden. (178)

Deutsche Fünfzehnjährige schätzen ihre Kenntnisse im Umgang mit Computer und Internet etwas höher ein als der durchschnittliche OECD-Schüler.

Der prozentuale Anteil, der neue Medien bereits seit mehr als 5 Jahren benutzt, entspricht mit 33 Prozent allerdings dem internationalen Durchschnittswert (34%).

Zum Vergleich: In den englischsprachigen und skandinavischen Ländern verfügen die Schüler über eine sehr hohe schulische und häusliche Computernutzung, die Schüler haben "die mit Abstand längste Erfahrung im Umgang mit neuen Medien". Das Computerinteresse ist demgegenüber "vergleichsweise gering ausgeprägt" (179). Die PISA-Verfasser ziehen daraus den Schluss, "dass eine anfängliche Computereuphorie mit zunehmender Nutzung abnimmt und einer realistischeren Einschätzung der Nutzungsmöglichkeiten des Computers weicht." (180)

Deutsche Schüler befinden sich demnach noch in der anfänglichen Phase der Computereuphorie.

Computer in der Schule

International hat die häusliche Nutzung des Computers seit PISA 2000 stärker zugenommen als die schulische Nutzung:

  • Schulische Nutzung (d.h. mehrmals wöchentlich) von 36 auf 39 Prozent.
  • Häusliche Nutzung von 59 auf 73 Prozent.
  • In Deutschland: schulische Nutzung steigt von 16 auf 21 Prozent, die häusliche Nutzung dagegen von 63 auf 78 Prozent.

Das bedeutet auch, dass in keinem anderen OECD-Staat der Computer so selten als Lernwerkzeug in der Schule eingesetzt wird.

Die Stellenwert der Schule als primäre Vermittlungsinstanz computerbezogener Kenntnisse ist international gering: 21 Prozent der Schüler im OECD-Durchschnitt lernen Computer durch die Schule nutzen, es dominiert eindeutig der "autodidaktische Zugang zu neuen Medien" (181).

Für Deutschland ist das Ergebnis noch ernüchternder: Zehn Prozent der Schülerschaft geben die Schule hier als wichtigste Vermittlungsinstanz an.

Für alle untersuchten Länder gilt, dass diejenigen Schüler, die sich ihre Computernutzung selbst erworben haben, ihre Fähigkeiten sehr hoch einschätzen, während diejenige Schülergruppe, deren Computerkenntnisse über die Schule vermittelt wurden, ihre Kompetenzen niedriger einstuft. Dieses Defizit fällt für Deutschland am größten aus. (182)

Die Zugangsmöglichkeiten zum Computer spielen dabei "nur eine geringe Rolle". (183).

Computernutzungstypen

Anhand nationaler Ergänzungs-Untersuchungen wurden für Deutschland vier Nutzungstypen ermittelt:

  1. Die Enthusiasten (54%) interessieren sich sehr für die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und nutzen neue Medien entsprechend intensiv.
  2. Die Pragmatiker (25%) sind in hohem Maße an den Nutzungsmöglichkeiten des Computers interessiert, nutzen diesen jedoch selten und fühlen sich dabei eher unsicher.
  3. Die Freizeitnutzer (15%) sind vielseitig am Computer interessiert, schätzen ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet hoch ein, nutzen den Computer jedoch "fast ausschließlich freizeit- und spielebezogen."(185)
  4. Die unerfahrenen Computernutzer (9%) nehmen die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Computers nur in sehr geringem Maße wahr, setzen den Rechner aber "etwas häufiger für schul- und programmbezogene Anwendungen ein ... als die Freizeitnutzer."(185)

Freizeitnutzer und unerfahrene Computernutzer gelten im Hinblick auf die Anforderungen des zukünftigen Berufslebens als potentielle Risikogruppen.

Die PISA-Autoren bewerten dies dahingehend, dass in Deutschland "mehr als 20 Prozent der Fünfzehnjährigen so gut wie keine Idee darüber entwickelt haben, für welche Zwecke der Computer ein geeignetes Hilfsmittel darstellen ... bzw. wie man ihn angemessen nutzen kann."(189)

Noia 64 apps kontour.png   Meinung

Warum die Summe der Prozentangaben mehr als 100 ergibt, ist ein Rätsel, das wahrscheinlich nur die Statistiker lösen können. K.D.


Bitte ändere den Inhalt dieses Beitrags nicht. Denn er gibt eine persönliche Meinung wieder.

Jungen und Mädchen

Die Verteilung der Geschlechter auf die oben genannten Nutzungsgruppen zeigt, dass Jungen und Mädchen die neuen Medien unterschiedlich nutzen. Jungen gehören zu 61 Prozent, Mädchen zu 48 Prozent dem Typus der Enthusiasten an. Darüber hinaus verfügen die Jungen über deutlich höhere Basiskenntnisse. (186/7)

Bedeutsamer erscheint den Autoren der Umstand, dass in der potentiellen Risikogruppe der Freizeitnutzer Jungen nahezu dreimal so häufig anzutreffen sind als Mädchen. Gleichzeitig gehören doppelt so viele Mädchen wie Jungen der Gruppe der Pragmatiker an, die bei geringer Kompetenzzuschreibung dennoch hoch motiviert sind und häufiger anspruchsvolle Anwendungen einsetzen. (187)

So ergibt sich das paradoxe Bild, dass - bei gleichzeitiger höherer Computerkompetenz - wesentlich mehr Jungen (24 Prozent) zur potentiellen Risikogruppe gehören als Mädchen (16 Prozent).

Fazit

Noia 64 apps kontour.png   Meinung
  • Die Schule hat in Deutschland einen zu geringen Stellenwert bei der Vermittlung computerbezogener Kenntnisse
  • Außerhalb der Schule erworbene Computerkompetenzen sind umfangreicher als solche, die in der Schule erworben wurden.
  • Die potentielle Risikogruppe beträgt über 20 Prozent der Fünfzehnjährigen.
  • Die Zugangsmöglichkeiten (d.i. häusliche und schulische Medienausstattung) spielen bei allen Befunden "eine untergeordnete Rolle" (185).
  • Nach Schularten differenzierte Ergebnisse liegen nicht (noch nicht?) vor.

Noch kürzer:

"In den Schulen müssten den Jugendlichen also in sehr viel stärkerem Umfang als bisher sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten neuer Medien nahe gebracht und die entsprechenden computerbezogenen Kenntnisse und Lernstrategien vermittelt werden."(189)

Klaus Dautel 15:37, 17. Dez 2004 (CET)


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  • Auf der Pressekonferenz der "Bildungsoffensive 2006" am 7.11. 2005 hat Dr. Martin Senkbeil, Mitarbeiter am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) an der Universität Kiel, neue Zahlen zu diesem Thema vorgestellt. Hier seine Präsentation.
"Schüler mit viel PC-Erfahrung gewinnen Vorsprung in Mathematik / Internationale Vergleichsstudie der OECD In Deutschland haben viel weniger Schulen Computer als in vergleichbaren Industrieländern. Dafür ist die Ausstattung in den Privathaushalten relativ hoch. 15-jährige Schüler sind im Umgang mit Elektronik recht erfahren, während ihre Lehrer den Rechnern nicht so einen hohen Stellenwert beimessen. Das zeigt eine neue Studie der OECD." (Aus: Frankfurter Rundschau, 25. 1. 2006, www.fr-online.de)

Weblinks

"Nach zahlreichen Modellversuchen auf Bundes- wie auf Landesebene startet jetzt mit Mobile Learning / Mobiles Lernen eine Bildungskampagne für Unterricht mit Laptops, die portable Lösungen als langfristigen Standard bundesweit etabliert. Mobile Learning / Mobiles Lernen erlaubt es Schulen und Hochschulen im Bundesgebiet, einheitlich die modernen gesellschaftlichen Anforderungen an Mobilität und Flexibilität zu erfüllen." (www.mobileslernen.info, c/o P:P Die Bildungsagentur GmbH, Mainzer Landstraße 51 60329 Frankfurt am Main)


Siehe auch