De Reis' nah Konstantinopel

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De meckelnbörgschen Montecchi un Capuletti oder De Reis' nah Konstantinopel ist Fritz Reuters letzter Roman. Der Titel spielt auf William Shakespeares Trauerspiel Romeo und JuliaWikipedia-logo.png an, doch Reuter hat die Konstellation der Liebenden aus verfeindeten Familien hier ins Heitere gewendet. Das Personal hat er ähnlich gestaltet wie in seinem Lustspiel Der 1. April 1856, oder Onkel Jakob und Onkel Jochen, doch hat er die Rolle des Geldmenschen Jakob hier auf zwei Personen aufgeteilt, den gutmütigen, aber schwachen Anton Groterjahn und seine Frau Jeanette, die sich seit einer Erbschaft für etwas Besseres hält.

Reuter hatte selbst 1864 eine Reise nach Konstantinopel gemacht und von Anfang an daran gedacht, sie literarisch zu verwerten. Das Personal des Romans besteht freilich zum geringsten Teil aus Personen, die er während der Reise kennen gelernt hat. Vielmehr sind es erfundene Gestalten, meist Typen, keine individuellen Charaktere, und Figuren, die seinen Bekannten aus Mecklenburg und Eisenach nachgebildet sind. Die Arbeit am Roman begann Reuter erst Ende 1866, es erschien im Herbst 1868.

Gegen Ende des Romans ließ Reuters Kreativität nach, so dass der Schluss mehr zuende erzählt als gestaltet wirkt. Deshalb hat er danach auch keinen Roman mehr begonnen.

Inhaltsverzeichnis

Textausschnitte

Rostock

Je, Rostock! – Jeden Meckelnbörger geiht dat Hart up un männigmal ok de Geldbüdel, wenn von Rostock de Red' is. Wat in ollen Tiden Tyrus un Sidon was för de Welt wegen den Handel, wat vördem Athen was för de Welt wegen Kunst un Wissenschaft, dat is up Stunns (zur Stunde, jetzt) Rostock för den Meckelnbörger, un Warnemünn' is sin Piräus, un 't Spill (Am Rostocker Hafendamm vor Warnemünde steht eine große Winde (Gangspill). Nach dieser Winde wird auch der ganze Hafendamm Spill genannt.) müßt eigentlich Sunium döfft warden, un dor, wo 't nah Papendörp 'rute geiht, müßt de Akropolis stahn, un unner de Swibbagens von dat Rathhus müßt Aristoteles mit sine Schäulers ümmer up un dal, up un dal gahn, ahn dat em en Krewt (Polizist) wat tau befehlen hadd. [...]

Fetthammel

Ok för Rostock sünd annere Tiden kamen, ick will hoffen: betere; denn in Rostock is sörredeß (inzwischen) 'ne Inwanderung gescheihn, de vel in den Munn' führt, wat grad' nich nödig wir, æwer sei führt ok vel in de Tasch, un dat is ümmer nödig. Dat is de Inwanderung von de Fetthamel, de uns eben so vel tau raden upgiwwt, as de Inwanderung von de Hyksos in Aegypten, de Herakliden in den Peloponnes, de Ziguner un Juden in Europa. – As ick in Rostock in den Anfang von de dörtiger Johren noch begäng' was, kemen sei all vör, æwer man sprangwis (ab und zu) so tau Termins- un Pingstmarks-Tiden. Ehre Hauptinwanderung möt so, nah minen dummen Verstand un Aewerslag (Überschlagsrechnung), in de virtiger Johren fallen un hett sörredeß ümmer taunamen. – Nu willen æwer anner Lüd' ok woll girn weiten, wat dit för 'ne besondere Ort is, un wil dat sick nu de Ansicht in 'n Allgemeinen fast sett't hett, dat de plattdütsche Sprak sick nich tau gelihrte Saken paßt, so will ick de Beschriwung von den richtigem Fetthamel ut 'ne hochdütsche Naturgeschicht afschriwen un hir her setten. – »Der gemeine Fetthammel (caper ovinus pinguis, genuis: homo, Linné) weicht im Aeußern nur wenig von seinen stammverwandten Arten ab, so daß viele Naturforscher keine besondere Species in ihm erblicken wollen, dem wir jedoch nicht beistimmen können, weil er sich durch Lebensweise und Gewohnheiten hinlänglich unterscheidet. Wenn er geht, geht er auf zwei Beinen, seine Bewegungen sind langsam und bedächtig, die Hände legt er in den Schoß; im ungereizten Zustande ist er ganz ungefährlich, im gereizten kann er bösartig werden. Die Nackenmuskeln sind bei ihm sehr ausgebildet, weswegen er denn auch gezwungen ist, Kopf und Nase sehr hoch zu halten. Er ist im Ganzen von langweiligem und verdrießlichem Naturell, nur zur Futterstunde wird er aufgeweckt. Er lebt in Herden in der Societé und am Markt in der Sonne bald über und bald unter der Erde, im Tunnel. Kunstsinn ist ihm nicht ganz abzusprechen, er läßt sich an seinen Wohnplätzen des Abends im Zwielichten Walzer und Schottische vorspielen, liebt auch Bilder, wenn sie bunt und in Kartenformat sind (Spielkarten). Von den Wissenschaften hält er nichts, es sei denn die Rechnenkunst; der Metallreiz verfehlt nie seinen Eindruck auf ihn zu üben; schneidet auch coupons.« Dit seggt de hochdütsche Naturforscher; de Hauptsak æwer vergett hei, hei seggt nicks von de swore Last, de dese armen Minschen tau dragen hewwen, nicks von de grote Arbeit un de velen Geschäften, de up ehr liggen. – So as de Fetthamel des Morgens sin ›blühendes Lager‹ verlett (as de oll Homer seggt), denn geiht sine Noth an. Irst möt hei Koffe drinken, un sine leiwe Fru fängt sick mit em an tau schellen, dat hei sick mit Koffebohnen hett anführen laten; denn möt hei Winters un Sommers 'rute un möt de Häuner faudern, sin Nahwer faudert denn sine Kuhnen, un de drüdde Nahwer sine Ahnten un Gäus', un de virte sine Duwen; en beten Veih möten sei æwerall üm sick hewwen. Wenn dit tau Schick is, geiht hei ut, geiht nah 'n nigen Mark un fröggt, wat de Botter gelt, wat de Tüften gellen, wat dat Bund Peiterßill gelt. Dit deiht hei nich tau sinen, dit deiht hei tau 'm besten von de ganze Welt, dat Handel un Wandel nich stockt; hei köfft des Morgens noch nich glik, indem dat gegen Middag, wenn de ollen Wiwer sick mör seten hewwen, wollfeiler warden möt. Hei geiht de Blaudstratdal nah den Hoppenmark un fröggt nah de Kurnpris', dat heitquantswis; hei ward jo doch kein Narr sin un Kurn köpen, hei kriggt jo naug Kurn von sinen Herrn Sæhn Krischan, de nu dat Gaud bewirthschaft't. Hei geiht wedder t'rügg un föllt in den Tunnel un möt nu dor abslutemang wat vertehren; hei mag nich recht, æwer dennoch: hei is sinen Stand dat schüllig, hei is fruges comsumere natus un so ett hei Frühstück. Jochen Bohm seggt tau em: »Kumm mit nah Kopmann Berkholzen, dor is Ohm un Sohm un Drohm ok, will'n uns dor en beten vertellen«; un hei geiht mit, un dor sitten sei nu bet Middag den armen Kopmann, de ok sine Geschäften hett, up de Wracksid,hollen den Mann von de Arbeit af un fragen nah Geld un Kurnkurs. – Wenn hei denn æwer den nigen Mark nah Hus geiht un de Botter wollfeil köpen will, denn is sei weg – de ßackermentschen Upköpers! Dor künn de Polizei doch ok woll wat gegen dauhn: »Warum keine Prügelbank für die Kerls einrichten?« – Nu geiht hei in Sorgen, wat sine leiwe Fru seggen ward, tau Hus. Ja hei hett sine swore Last! – Sine Fru seggt hüt nicks, denn sei is sihr in Angst, dat hei mit Botter andragen kümmt, un dat künn ehr nich passen, Herr Sæhn Krischan hett weck von dat Gaud schickt.


Vorkapitel

Familie Groterjahn

Tau Rostock in de Alexandrinenstrat (Alexandrinenstraße in der Steintorvorstadt) satt an desen Abend in 'ne schöne, warme Stuw' Fru Jeannette Groterjahn – sei heit eigentlich ›Hanne‹, un so was sei ok von lütt up annäumt, æwer sei hadd sick ümdöfft un schrew sick nu ›Jeannette‹ – un bi ehr satt ehre einzige Dochter Helene, de sei ok ümdöfft hadd, denn sei näumte sei bald ›Hella‹, bald ›Ellen‹, wat sick wegen de Afwesselung in 'n Ganzen sihr gaud utnemen ded. Achter 'n Abenkek noch 'ne lütte, stuwe Näs 'rute, de hürte Fru Groterjahnen ehren drütteihnjöhrigen Herrn Sæhn Paul tau, den Fru Groterjahnen ut jichtenseinen vernünftigen Grund ›Poll‹ näumen ded; Herr Groterjahn säd ›Paulus‹, wil dat dordörch up em sick en lichten Schin von sogenannte klassische Bildung smiten künn. –

Buten got (draußen goss) de Regen in Gæten dal, de Wind kloppte an de Finsterladen, as wull hei Jeden vermahnen, sick vör em in Acht tau nemen, un Helene schudderte tausam un slog ehren warmem Daukfaster üm de Schullern. – Dat kunn nu æwer ok en annern Grund hewwen, denn ehr leiw' Mutting hadd ehr eben en langes, frostiges Kapittel von Vörlesung æwer de Frag' hollen (gehalten):woans sick en jung' Mäten in Herren-Gesellschaften tau verhollen hadd, wenn sei tau 'm Klavirspill upföddert würd, un sei slot ehre Reden mit de Würd': »Früher, mein Kind, als Du noch Kind warst, mußtest Du Dir verschiedene Bücher auf den Stuhl legen, um anzukommen; jetzt thut das nicht mehr nöthig, Du setzest Dich auf einen gewöhnlichen Rohrstuhl und läßt Dir die Noten von den Herrn umschlagen. – Aber, Gott im Himmel! – Nein. – Diese Rücksichtslosigkeit von Vater! läßt uns hier in dem Wetter allein sitzen!« – Helene kek von ehr Stickarbeit tau Höchten, as wull sei wat seggen,sweg æwer still, un Paul kreihte achter 'n Aben 'rute: »»Oh, Mutting, wi sitten jo ganz warm.«« [...]


1. Kapitel

Der alte Jahn denkt darüber nach, wie nach dem Tod seiner Frau das Verhältnis zu den Nachbarn kaputt ging.

Un em kemen allerlei Gedanken; hei kek stiw up einFlag, un ut de ollen, grisen Stuwendelenstegen allerlei Biller tau Höchten,tauirst wunnerschöne Biller, all' in den goldenen Rahmen von Glück un Taufredenheit, all' in dat helle Licht von fröhliche Hoffnung up sekere Taukunft, up en gesegnetes Öller. Hei sach gräune Feller un goldne Saaten, hei hadd 'ne schöne junge Fru an den Arm, un en por gesunne Kinner spelten üm em 'rümmer; hei gung mit de junge Fru dörch de Saaten un wis'te ehr, wat hei tau Gottes Ihr un sine eigene Ihr as Mann dortau dahn hadd, un de Meihers kemen un streken de Seißen vör sine Fru, un de Binners kemen un bünnen em mit den Kurnband, un bedten ehren Spruch un wünschten Gottes Segen up sine Fru un up em, un up sin ganzes Hus; un denn gaww hei ehr wat, dat sei sick freuen süllen an den sülwigen Dag. – Des Sünndags gung hei denn tau sinen Fründ Groterjahn, den hei mal as jungen Minschen beraden hadd un mit sine eigenen knappen Middel up 'ne Pachtung insetten hulpen, un sin Nahwer was dankbor gegen em, un sine Fru was fründlich gegen em un sin leiwes Wiw. – Un Johr up Johr steg ut de ollen Stuwendelen (Stubendielen) tau Höchten; de golden Rahmen von de Biller würd düster, as wenn en swores Swark sick üm den Sünnenschin leggt; hei was krank worden un was 't Johre lang; de Dokters hadden von Hypochondri redt. – Dunn treckte dat Swark ganz æwer de Sünn, sine Fru was storben, dat Letzte wat hei sach, was en Sark un en Graww; dunn was 't Nacht üm em worden, hei kunn in den Düstern sine Kinner nich mihr seihn. – Sei hadden em in 'ne Anstalt bringen müßt, dor hadd hei bald towt, denn de Minschen wullen em an 't Lewen, bald hadd hei för sick henseten. Dat hadd Johre lang wohrt, tauletzt un tauletzt was hei upwakt ut den sworen Drom, un hei was up sine Pachtung taurügg gahn. Aewer as hei tau Hus kamm, dunn was dat ganz anners, as vördem. Sin Hus was em so grot, in sine Stuwen stunnen so vele Stäul, un kein Minsch satt dorup. Hei gung tau Frühjohrstid in den Goren, hei horkte an de Lilg', hei horkte an den Rosenbusch, sei hadden em süs so schön wat vertellt, sei säden em nicks, sei säden em gor nicks. – Hei gung up sin Feld, dor arbeit'ten sine Daglöhners – hei hadd gaude Lüd' – sei arbeit'ten flitig; æwer as hei kamm, dunn stütt'ten sei sick up ehre Schüppen, un Jeder kek em mit en still Gesicht an. Hei gung vöræwer un grüßte sei. – »Schön Dank ok, Herr, schön Dank ok!« so säden sei all ut einen Munn'; æwer as hei üm de Heck gung, dunn hürte hei, dat de ein' tau den annern säd: »Ja, Vadder, 't is en Leiden, seggt Lemk, vördem so un nu so!« – Hei gung tau Hus; sine beiden Jungs wiren ankamen, 't wiren en por Prachtjungs, de Öllst was all bi de Landwirthschaft; sei föllen em üm den Hals, hei schow sei taurügg, hei müggt sine eigenen Kinner nich liden. – »»Vadding,«« säd de Öllst, »»ick heww Di en por Windhunn' mitbröcht, de Dokter seggt, Du sallst Di vele Bewegung maken . . . .«« – »Swig mi still von de Dokters! – Ick heww naug mit de Dokters tau dauhn hatt.« – Den Nahmiddag kamm Groterjahn mit sine Fru un sine Kinner, in 'ne grote Staatskutsch; süs wiren s' den Fautstig entlang in ehr däglich Huskled kamen. De beiden Ollen kemen em frömd vör, un sei hadden sick ok verännert: Groterjahn was en riken Mann worden – æwer Nacht – hei hadd 'ne grote Arwschaft dahn, un dat Gaud, wat hei em sülwst mit Hängen un Wörgen as 'ne Pachtung verschafft hadd, dat hürte em nu in Scheiden un Grenzen tau eigen tau, un dat vertellte hei em mit en beten Prahlen un vel Behagen. – Sei vertellte von ehre vornehmen Bekanntschaften mit de Herrn von so un so, un hadd 't mit de Bildung kregen – ok æwer Nacht – un munsterte an dat Bedragen von ehre Kinner 'rümmer, un redte von de Bäuker, un hei verstunn nicks dorvon. – Dat Einzigste, wat hei von de ganze Gesellschaft verstunn, dat was, as Helene sachten an em heran kamm, em up de Stirn küßte, un hei 'ne warme Thran up sin Gesicht fäuhlte. – Hei kek sick üm, sei sett'te sick an en Finster dal un kek wid in de Firn'.

2. Kapitel

Herr Groterjah versucht sich in Opposition.

»Anton,« fung sine leiwe Fru an, as Helene 'rute gahn was, un ehre Nerven sett'ten sick hellschen in Positur, »ich habe mit Dir zu reden.« – »»Hm,«« säd Herr Groterjahn, wat so vel heiten süll, as: Dit wir jo extra, ehre gesetzliche Tid wir eigentlich jo blot 's Abends nah den Taubeddgahn, un dit brukte hei sick nich gefallen tau laten; dortau kamm nu noch Helene ehr Blick, de em so as 'ne stumme Bed' vörkamen was, un so was em denn binah as 'ne Opposition tau Maud'. – »Anton,« säd Fru Groterjahn, »Du weißt, ich mische mich nie in Deine Angelegenheiten, Du hast die Erziehung von Paul übernommen und Du sollst sie auch behalten; für mich ist Paul kein Object der Erziehung – wie sagte der Professor doch noch? – kein Substrat, ihm fehlt das Höhere, er huldigt dem Gemeinen, Jochen Klähnen und Andern, darum kannst Du ihn erziehen, so viel Du willst; aber Helene ist mein Kind, ich sorge für ihre Erziehung, ich leite ihren Bildungsgang, wie ich ihn schon immer geleitet habe. Oder habe ich das nicht?« – »»Ja, aber . . . .«« dat wir doch hoffentlich ok sin Kind, wull hei wider seggen; æwer sei led nich, dat sine obsternatschen Inwendungen tau 'm Utbruch kemen. – »Schweig still, Anton; Helene ist jetzt in das Stadium getreten, wo über die Zukunft des Weibes der Würfel geworfen wird, wo sie entweder an der Seite eines gebildeten Mannes die Palme aller menschlichen Erziehung erlangt, oder an der Seite eines ungebildeten in den Schmutz und den Staub des gemeinen Lebens zurückgeschleudert wird. – Ich weiß, wie weh das thut!« – »»Hm,«« säd Vater Groterjahn, wat so vel heiten süll, as: Du geihst mi doch en beten tau wid – ungebildten Mann? – ick heww Di nich taurügg sleudert. – »Jetzt ist bei Helenen periculum in mores,« redte sei wider: »was so viel heißen will, als: es ist die höchste Zeit, daß der Umgang und jegliche Beziehung mit dem Sohne von dem da,« hir wis'te sei æwer de Schuller, »abgebrochen wird, daß mein Kind mit andern hochgebildeten, jungen Männern in Berührung kommt – ach, der Baron von Unkenstein! – aber Du warst nicht zuvorkommend genug gegen den liebenswürdigen, jungen Mann.« – »»Aewer,«« brok nu de Opposition los, »»wat süll ick dorbi dauhn? – Ick weit den Deuwel . . . .«« – »Sprich hochdeutsch, Anton! Ich meine, die Sache ist von solcher Wichtigkeit, daß sie wohl hochdeutsch verhandelt werden könnte.« – »»Meinentwegent,«« säd Herr Groterjahn, un sine Opposition slog den Mittelweg in, indem dat sei sick missingsch vernemen let. – »Darum bin ich so sehr für diese Reise nach Konstantinopel, weil sie uns und Helene mit gebildeten Leuten zusammen führen wird. – Die gehörige Vorbildung zu einer solchen Reise besitzt Helene, sie versteht Englisch, Französisch und Musik; das Einzige, was ich bedauere, ist, daß ich ihr nicht noch Privatstunden in der Baukunst habe geben lassen, damit ihr ein innerstes, seelisches Verständniß für die erhabenen Tempel und Moscheen des Alterthums aufginge; aber auch die beste mütterliche Erziehung kann nicht an Alles denken, und mein Kind ist leider zu indolent, um selbst an so etwas zu denken. – Hier aber muß sie fort, wenigstens eine Zeitlang, denn ich sehe Alles, ich durchschaue das Ganze, der da,« sei wis'te æwer de Schuller, »hat sich zum Zwischenträger dieser kindischen, sogenannten Liebe aufgeworfen.« – »»Ne,«« säd Anton, sprok plattdütsch un sprung up, wat en düdlich Teiken was, dat hei sick up de Achterbeinen setten wull, »»dat deiht hei nich, dortau is hei vel tau stolz. – Wenn hei dat nich wir, denn hadd hei sick unner Dine vörnehmere Bildung woll bögt, un denn wir 't woll noch Allens so, as 't west is. – Ne, dortau is hei tau stolz un sin Korl ok.«« – »Anton!« rep Fru Groterjahn un ehre Nerven sprungen pil von den Sopha in Enn' un makten vör Wuth Antonen en ganz blages Gesicht tau, dat de olle gaudmäudige Fetthamel an Slag un Unglück denken müßt; un wat süll 't oll Worm denn woll in de Welt anfangen, noch dortau mit so 'n Gewissen up de Seel? Hei stek also fix de Pip in den Sack un fung an, sine Fru tau begäuschen un säd: hei hadd man so meint, æwer sine Meinung wir dat nich, un wat sei mit ehr Kind upstellen wull, dat künn sei jo, un hei künn sick jo ok nich besweren, dat hei in 't Achtergeleg' schawen wir, hei hadd jo sin vullup Deil mit sin Kind tau dauhn, mit Paulen. Un dunn kumpelmentirte hei ehre Nerven wedder up den weiken Sopha dal un föll bi ehr up de Knei, nich wegen Afgötteri un Leiwsanbedung, denn de Tiden hadd hei hatt un sei ok, un sei verlangte dat ok nich mihr, denn sei was mitdewil ut 'ne sihr schöne 'ne sihr verstännige Fru worden, un hei stek den Kopp unner den Sopha, nich ut Feigheit, as de Vagel Strauß deiht, dat hei sick vör sine Fru unsichtbor maken wull, ne! dit was All wegen de Rutsch. Un hei halte de Rutsch unner den Sopha 'rute un stellte sine leiwe Fru ehre leiwen Beinen dorup, recht sacht, denn hei kennte dat, indem dat all' ehre lütten Scharmützels dormit en Enn' nemen, dat hei de Rutsch halen müßt. Un as dit beschafft was, dunn beruhigten sick de Nerven von de Beinen an upwarts, un sei was ganz blassing worden un lagg smachtig in de Sophaeck, un nu was hei ganz blag von 't Bücken un puste as 'ne Adder, un sei säd sihr sachtmäudig: »Anton, Du bist der Vater meiner Kinder, beruhige Dich; aber verlaß mich jetzt, ich bin sehr abgespannt, ich muß mich erst geistig wieder anregen.« – Un Herr Groterjahn puste 'rute, nich von wegen sine Boshaftigkeit, blot von wegen dat Bücken: ja, dat wull hei, un hei wull sick hensetten un wull en Breif schriwen an den Paster tau Grote-Barkow wegen dat Meß-Kurn, un denn wull hei tauglik en Breid mit inleggen an den Herrn Nemlich wegen de Reis' nah Konstantinopel, wat hei de Erklärung æwer sick nemen wull un biher ok Paulen sinen Unnerricht, »»denn,«« säd hei, »»wie Du heute Morgen so schön sagtest, sein Bildungsgang darf nicht unterbrochen werden.«« – Un dit kettelte ehr, dat Anton ditmal ehre Redensort so schön behollen hadd, wat süs sin Sak velmals nich was, un sei winkte em gnedig 'rute ut de Dör un säd: »Thu das! Poll gehört Dir, Hella mir als Erziehungs-Substrat.« – Un hei gung 'rute, un as hei de Trepp nah sine Stuw 'ruppe gung, säd hei bi jede Stuf' »»Substrat! – Substrat!«« – Hei wull sick dat Wurt marken, dat hei ehr dor 'ne Freud' mit maken wull. – Un sei lagg up den Sopha un regte sick geistig wedder an. – –

2. Kapitel

Auf der Reise

Frau Groterjahn und Napoleon III.

Fru Jeannette un Ludwig Napoleon. – Fru Jeannette studirt 'ne Frag' un brött 'ne Aewerraschung ut. – Helene geiht ut un finnt up de Strat en stuwnäsigen Schutz. – De Baron von Unkenstein trett up, æwer för 't irst blot von achter. – Helene un Paul fallen in 't Water un sünd 'ne Tid lang verdrunken. – Jahn un Jochen gabeln sei up, un Paul bedröggt sick gegen sinen Fründ frech. – Worüm Herr Nemlich in de Barg', un Groterjahn mit en halfbalbirten Bort in de Straten herummerlöppt. un worüm hei tau 'm irsten Mal in apenbore Weddersetzlichkeit gegen sine Fru utbreckt. – Hei will sick den Hals afsniden. – Mutter kümmt mit ehre Aewerraschung tau Rum',sleiht æwer man halfweg' dormit dörch. – Herr Nemlich in Nöthen. – Twei slagen up den Sack un meinen den Esel.

Fru Jeannette Groterjahnen was von de Natur tau groten Dingen bestimmt, sei was mit 'ne Glückshuw' up de Welt kamen. All in ehre irsten Kinnerjohren hadden alle Lüd', Unkel Bors an de Spitz, prophenzeiht, sei lewte nich lang', denn sei wir tau klauk, un wenn de Prophenzeihung ok nich indrapen (eingetroffen) was, de Grund, weswegen sei nich lang' lewen süll, was dennoch en richtigen Grund, denn sei was würklich sihr klauk, hadd von Jugend up en hellschen Drang tau 't Regiren, un fung dorbi mit ehren leiwen Vatting un Mutting tauirst an, indem dat sei sick doran tauirst inäuwte (einübte), dormit dat sei in späderen Tiden en forsches Regiment uprichten künn. – Sei hadd 'ne grote Aehnlichkeit mit Ludwig Napoleonnen; sei hadd 'ne hellsche Phantasie, æwersten ut den blagen Dunst, de in ehr tauwilen tau Höchten steg, kristallisirte sick tauletzt 'ne ordentliche Frag' tausam, un dese Fragen studirte sei denn mit allen Flit (Fleiß); sei hadd ebenso gaud, as de französche Kaiser, ehre orientalische un mexikanische Frag', ok ehre dütsche un Luxembörger, un läd ok dormit, as hei, tauwilen in den Nettel; æwersten dat schadete nich, sei was nu einmal, as hei, 'ne Fründin von Aewerraschungen, un dat prestige wull sei absolutemang uprecht erhollen. Ehr leiw' Anton was, so tau seggen, ehre tweite Kammer, de ümmer dat man von ehre studirten Fragen tau weiten kreg, wat sei weiten süll. Vördem hadd dese Kammer dat Recht hatt, bescheidene Adressen an ehr tau richten, æwer dit Recht was mit Recht wegen Tidersporniß afkamen, as dunn tau malen de roden Strümp; ehr was blot dat Recht blewen, mit beschränkte Interpellationen sick tau behelpen, dat heit, sei hadd Antonen, as wir hei en ollen Hahn, de nicks as Undäg' anrichtete, de ein' Flücht afsneden, un wenn hei sick nu up den Wim (Hühnerstiege)von ›authentischen Thatsachen‹ 'ruppe swingen wull, denn kreg hei in de Luft dat Torkeln un föll unsacht up sinen Meß (Mist) wedder taurügg. – Sei hadd ok ebenso as Ludwig Napoleon ehre Weltutstellung för Kunst un Kunstflit un Gewarw', de sei in de sæbenteihn Kisten un Kasten un Schachteln mit sick führte, un de Lüd' dormit in ›besonderen Abtheilungen‹ unner de Ogen gung.


7. Kapitel

Helene und Paul sind früh aufgestanden und bei schönem Wetter zum Hafen gegangen. Als Frau Groterjahn endlich aufwacht und sie nicht sieht, klagt sie, sie wären ertrunken. Auf dieses Gerücht hin, macht sich der alte Jahn auf und sucht und findet sie. Dann trifft bei seiner Suche auch Herr Groterjahn die Gruppe.

Un Herr Groterjahn kamm denn nu ganz uter Athen 'ranne un rep: »»Um Gotteswillen, was macht Ihr? was macht Ihr? Mutter ist in Verzweiflung!«« – »Ach, Vater, wir können nicht dafür, wir wollten nur den Morgen genießen,« rep Helene un föll den Vader üm den Hals. – »»Ih, Vatting, wo Ji Jug hewwt,«« kreihte Paul dormang, »»wi sünd jo blot man nah dat Schipp henwest, wo de Kanonen schoten, un oll Unkel Jahn un Jochen hewwen uns jo all funnen.«« – Herr Groterjahn kek sick üm; dor stunn sin oll Fründ Jahn, un dat de wegen sine Kinner hir up den Damm was, kunn hei sick licht tausam rimen; sin Haß, de æwerall nich von Bedüden was, un as en lack Fatt ümmer frisch wedder upfüllt warden müßte, tred as en lütt bescheiden Kind en Schritt rüggwarts, un de olle Gaudmäudigkeit makte sick as en stämmigen Kirl mit beide Ellbagen Platz nah vör; hei gung up Jahnen tau un säd: »ich danke Dir auch vielmal, Jahn, daß Du . . . .« stamerte hei achterher, »daß Du meine Kinder gefunden hast,« æwer de Hand reckte hei nich nah em ut. – »»Oh, dorför nich, Groterjahn, dat was en Taufall. – Adjüs Helening! – Kumm Jochen!«« säd de Oll kolt, de sick woll en annern Sluß von de Red' vermauden west was, un gung mit Jochen af.

'T is en jämmerlichen Kram mit den Minschen; wenn sine gaude Natur em den richtigsten Weg wis't hett, up den hei för sick un för annere Lüd' tau en glücklich Enn' kamen kann, denn stahn ›Rücksichten un Verhältnisse‹ as Grabens un Slagböm em in 'n Weg', un hei lenkt von de richtige Strat af. – Dit sünd nu æwer – bilöpig seggt – de beiden niederträchtigsten un liederlichsten Würd', de de hochdütsche Sprak utfünnig makt hett, un de plattdütsche ok all munter tau bruken anfängt. Jeder Hallunk, de tau wat kamen will, hett ›Rücksichten‹ tau nemen, un jeder Lump sitt in ›Verhältnissen‹, ut de hei sick nich 'rutewickeln kann. – Herr Groterjahn keken in den Ogenblick, as hei warm würd un den ollen Fründ danken wull, de ›Rücksichten‹ von wegen sine Gemahlin æwer de Schuller, un de Hänn', de hei utrecken wull, wiren von de ›Fomilienverhältnissen‹ umtüdert. – Hei was hellschen falsch up sick sülwst, dat hei nich warm blewen was, un dat hei sick as 'ne slichte Tass' vull Kamellenthee hadd afkäuhlen laten, so dat kein Düwel sei dalwörgen kunn. Hei was hellschen falsch up sine Gemahlin, dat sei mit ehr Jammern un Jautern em unnödiger Wis' in 'ne ›scheiwe Stellung‹ bröcht hadd – ok en gaud Wurt! – un wenn hei ok minschliches Vadergefäuhl naug in sick hadd, dat hei sick in 'n Ganzen sihr æwer dat Lewen von sine beiden Kinner freuen ded, so was hei doch tau sihr uter Pust un uter Rauh kamen, as dat hei nich tau den fasten Entsluß kamen wir, ditmal sine Fru ehren Unverstand irnstlich tau verwisen.


7. Kapitel


Kurzes Tagebuch von Paulen.

Triest, den ersten Osterdag: Diese Stadt ist voll von viel Volk, auch voll Snurrers, welche aus kleine Kinder und alte Weiber bestehen. Diese haben den Herrn Studenten Bauer for einen vornehmen Fürsten estimirt, indem er eine bunte Mütze und einen bunten Rock anhatte, dieses hat er mich nemlich erzählt. Den Mittag hat Vating wieder Fische gegessen, sie haben aber so gesmeckt, as wenn die Dirn die Oellamp in die Sauß gegossen hat. Wir Andern aßen Rinderbraten. Wir haben auch ein Kriegsschipp besehen, die alte Dam' hat uns das angeschünnt, und Helening hat viel Schelt von Mutting gekriegt; ich aber auch. Vating un Jochen un der alte Jahn haben sich aber sehr gefreut; Vating sollte eine Buddel Schipander zum Besten geben. –

Triest, den zweiten Osterdag. Herr Nemlich hat viel Schelt gekriegt, weil daß er noch nicht gepackt hätte. Ich habe auch wieder Schelt gekriegt, weil daß ich auf den Fischmark gelaufen war, daß ich da die erbärmlichen wilden Seethiere besehen wollte. Des Mittags haben wir nichts gegessen, indem daß wir schon Vormittags auf das Schipp mußten; es nennt sich ›Bumbi‹. Vating ist aber still weggegangen und hat uns stehen gelassen und hat heimlich in ein Wirthshaus Frühstück mit warme Bratkartoffeln gegessen, un Mutting hat ihn auch dafor orndlich ausgescholten. Auf das Schipp haben wir getroffen 1) Jochen Klæhnen, 2) Unkel Borßen, 3) Unkel Jahnen, 4) den Herrn Studenten Bayer, 5) einen Herrn Avkaten, 6) den Herrn Baron von Unkenstein, den Mutting ganz allein leiden mag, und 7) einen kleinen Komerzionsrath aus Thüringen, der Vating immer den alten und mir den jungen ›Grobian‹ benennt, indem daß er ›Groterjahn‹ in seine Sprache nicht sagen kann. Die Nacht hat sich ein grauwelliger Sturm erhebt, und die Bülgen haben man immer so über das Schipp geslagen. Vating und der kleine Komerzionsrath haben jämmerlich gestæhnt, denn das ist die Seekrankheit, und ich habe man knapp die Stiebel angekrigt. Unkel Jahn und Jochen haben Mutting oben 'rauf getragen, und Vating hat heute Schelt gekrigt, daß er das gelitten hat. Die alte Dam' sah mal putzlistig aus in Unkel Jahnen seinen Pelz.

Ragusa, den Dag nach Ostern. Nu sind wir hier. – –


10. Kapitel

Kapittel 12.

Ithaka. – Weck seihn vel, un weck seihn nicks. – De oll Dam' vertellt 'ne Geschicht. – Jochen arretirt Paulen, un Herr Nemlich höllt en Vordrag, den kein Minsch glöwen will. – Wat de meckelnbörgische Insel Poel dat ›Land der Phäaken‹ is. – Anton schämt sick nich, sine Fru vör Ogen tau kamen, nimmt dat Bitt mang de Tähnen un ward stüerlos. – De Herr Baron ward drister un redt sogor von sinen erbärmlichen Harten. – Jochen Klæhn stift't Paulen tau wat Slichtes an, weswegen denn Paul ok tau Bedd bröcht ward. – Tanten Line un de oll Jahn, un dat irnsthaft. – Kap Matapan.

Den annern Dag führten sei an 'ne Insel vörbi, de utsach as en groten, riesigen Reis'kuffert, de unverseihns in de See follen was, mit en hogen Deckel, von den all de Hor afschürt wiren, un unsere beiden meckelnbörgschen Landlüd', Groterjahn un Jahn, kemen stillswigend in Gedanken mit ehren Ansichten æwerein: wo dat mæglich wir, dat so 'n Land in de Welt afsistiren künn, wo sick nich mal Buck un nich mal Snuck dorup ernähren künn; æwer in de Schippsgesellschaft gung de Red' hen un her: »Ithaka, das ist Ithaka, Ithaka.« – Allens was niglich, Allens drängte sick an de linke Burt un kek henæwer nah de olle, nakte Insel, as wir dor gräune Wald un gräune Wisch tau seihn, un Gorens un Feller un frische Borns un Beken, de von de Höh' as Sülwerfaden, Fall up Fall, herunnerstrudelten bet in de blage See. [...]

As sei vörn ankemen, begegnete ehr Jochen Klæhn, de Paulen an den Kragen fat't hadd un mit em furt slepte: »»Dat helpt Di nu All nich! Din Vater hett dat nu einmal seggt, ick sall Di bringen, un süh, dor kümmt nu ok Din Helene.«« – »Was soll er, Jochen?« frog Helene. – »»Je, nu seihn S' mal! Franz Nemlich sall Herr Groterjahnen dat hir von dese olle, verwunschene Insel erklären, un dat sall hei mit anhüren, dat hei dor nahsten Bescheid von weit, un dat will hei nich.«« – »Nein!« rep Paul un wennte sick an Helene, »was Herr Nemlich da sagen kann, das weiß ich schon, das haben wir All schon beim Herrn Subrektor gehabt, von Odysseussen und Telemachen und all die Andern, und da brauch ich nicht hinzugehen.« – »»Na,«« säd Jochen un nickte Helene tau, »»süh dor! Nu hüren Sei 't! – 'T is einen gottlosen Slüngel. – Sin Vater . . . .«« – »Ja, Paul,« föll Helene irnsthaft in, »Vater hat's nun einmal gesagt, und Du gehst gleich auf der Stelle.« – »»Oh, Lening . . . .«« – »Nein, auf der Stelle!« dormit gung sei af. – »»Sett Di in kein Unverlegenheit,«« säd Jochen un fot em wedder in den Kragen, »»pariren möst Du. – Ick wull blot, Du wirst ein acht Dag' bi min Mutter, de würd Di 't bibringen. – Wenn ick mi noch so schön in den Dörp 'rüm driwen ded un minen Lust doran hadd, un ick sull nah Hus kamen, meinst, dat s' mi rep? ne, sei fläut't mi blot (flötet mir bloß). Denn stunn s' in de Husdör un fläut't up ehren ollen, hollenKuffertslætel (hohlen Kofferschlüssel) un gnad' mi Gott, wenn 'ck nich kamm. – Nu kumm!«« un Paul folgte. – [...]

»Ithaka, von den Türken Teaki genannt, eine kleine Felseninsel zwischen Kephalonia und der Küste, mit dem Vorgebirge Neïon und dem Hafen Rheitron, einst das Reich des Ulysses . . .« – »»Nein,«« rep Paul dormang, »»er heißt Odysseus.«« – Jochen lachte un plinkte em tau: so wir 't Recht. – Herr Groterjahn kek irst Paulen un nahsten Herr Nemlichen an: »Woher weißt Du das, Paulus?« – »»Der Herr Subrekter hat 's uns so gesagt.«« – »Im Cannabich steht ›Ulysses,‹ säd Herr Nemlich. – »»Na,«« säd Herr Groterjahn, »»das hat nu woll weiter nicht viel zu bedeuten, dieser kann möglicher Weise ein Sohn von dem andern König sein; in Preußen heißen sie ja auch bald ›Friedrich‹ und denn ›Friedrich Wilhelm‹ un denn man slechtweg ›Wilhelm‹. – Na man weiter!«« – Herr Nemlich gung nu von de Geographie tau de Geschicht æwer un fung an: »Wenn wir uns nun diesen Ulysses betrachten, so stellt sich uns zuerst der Trojanische Krieg vor, von dem der Herr Professor Petiscus uns in seinen Werken berichtet. – Ulysses war ein Sohn des Laërtes und der Anticilia und war König von Ithaka und den umliegenden Gegenden. Die Geschichte dieses Heroen ist mit manchem Fabelhaften durchwebt.« – »»Ja,«« säd Herr Groterjahn, »»Lügen sind woll viele damang.«« »Ja, Herr,« föll Jochen ganz drist in, »un wat anner Lüd' nich lagen hewwen, dat lüggt Franz Nemlich dortau.«


12. Kapitel

Wieder in Rostock

In de Wagen seten nu Jahn un Groterjahn tausamen un hadden ehr Taschenbäuker 'rute treckt, un de anner Gesellschaft hürte mal denn un wenn enzelne Würd' as: Obligatschonen un Hypotheken un von dat Kaptal, wat bi den stünn, un von dat Kaptal, wat dor indragen was, un as sei in München ankamen wiren, säd Groterjahn tau sine Fru: »»Jahn ist doch ein hellschen nobler Kerl, sieh, da hat er sich nun erboten . . . .«« – »Das will ich gar nicht wissen, Anton, aber das sage ich Dir, komm mir nie vor die Augen, wenn Du nicht noch nobler bist, als er; das verlangt unsere Ehre.« – Un nu gung denn tuschen de beiden ollen Knaben en ordentlich Weddbahnjagen in de Großmuth un Nobligkeit los, so dat de beiden jungen Lüd' mit ehre Insettung woll taufreden sin kunnen; un as sei in Rostock ankemen, dunn was Allens klipp un klor: Korl un Helene süllen Groten-Barkow hewwen un süllen dor wahnen, un Korl süll Lütten-Barkow mit bewirtschaften, bet Gustav so wid wir, dat hei 't æwernemen künn. – »Aewer nu noch Paul?« frog de oll Jahn. – »»Oh, den laß man!«« säd Groterjahn, »»Du sollst sehn, Paulus studirt Avkat.«« – »Na, dat glöw 'ck noch nich,« säd de Oll, »hei ward ok woll Landmann warden; æwer bet dorhen ward ok woll Rath!« –

»Je, Tanten Line,« säd de oll Jahn, as sei tau Rostock ut den Wagen stegen, »hüt un morgen möten Sei denn nu woll bi mi vörleiw nemen, denn in 'n Wirthshus warden Sei hir doch woll nich wahnen willen, dat dauhn Sei mi doch woll nich tau Leden. – Jochen, besorg' de Dam' ehre Saken nah unsen Hus'; wi gahn vörup.« – Nu würd de Groterjahns en schönen Adjüs seggt, un as sei in den Ollen sin Hus kamen wiren, ret de Oll Finstern un Dören up un säd: »Hir is 't gor tau beklummen, will'n nah den Goren gahn; æwer de ward ok schön utseihn!« – Dorin hadd hei nu æwer nich recht raden, denn Gustav hadd en Gärtner 'ranner kregen, un dat schöne Frühjohr lachte ehr ut den Goren sauber un rendlich entgegen. – »»Seihn S', Herr Jahn,«« säd de olle Dam', »»hir bläuhn de Kirschböm ok all; sörre dat wi in Venedig west sünd, hett uns de Kirschenbläuth nich verlaten.«« – »Täuwen S',« säd de Oll, »setten S' sick hir en beten in de Lauw', ick kam glik wedder.« – Un as hei wedder kamm, kamm hei nich allein, hei kamm mit 'ne annere olle Dam' unner 'n Arm, olt un stöwig, un hadd 'ne verschatene, rode Mütz up un 'ne düstergräune Kreolin' an, un bürtig was sei ut Ungerland un stammte ut dat edle un widlüftige Geschlecht derer von Buddeln. Un hei namm ehr de rode Mütz af un nödigte sei en Diener vör Tanten Line tau maken un Hals tau gewen von dat, wat sei up den Harten hadd. Un hei namm en Glas un stödd an dat anner an un säd: »Tanten Line, ick bring' Sei den Willkamen! – Sei säden eben, de Kirschenbläuth hadd uns up de letzte Reis' nich verlaten, de Bläuten von unsen Lewen æwer hewwen uns all lang' verlaten, wo wir 't, wenn wi in de ollen Dagen uns nu nich mir verleten? – Sei hewwen keine negeren Angehürigen, Platz hewwen wi naug hir in den Hus', un bequem sall Sei dat inricht't warden. – Kamen S' her, slagen S' in!« – Tanten Line kek em irst so 'n beten frag'wis an; sei was æwer kein' von de ollen, zimperlichen Jumfern, de irst vel Sperenzen maken, ihre sei ›Ja‹ seggen, sei slog frisch un fröhlich in un säd: »»Ick bliw bi Sei.«« – Un de Sak was afmakt, un en nigen Bund was slaten, un de schöne Frühjohrsdag un de olle, ungersche Dam' redten en Würtken dormit in, un twei olle Harten wiren jung worden.


Kapitel 17

Textgrundlage

Siehe auch