Bericht über seine Arbeit

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Gespräch mit Friedrich Christian Delius über Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus

(am 24. März 2006 in der "Galerie am Ritterplatz" in Bensheim)

Die Äußerungen der Zuhörer stehen in Anführungszeichen. Die Antworten von Delius sind nur dem Sinne nach wiedergegeben und teilweise leicht umgestellt.


"Das Kapitel über das Segeln fand ich am schwersten zu lesen."

Delius: Das war auch am schwersten zu schreiben. Aber das war eine solche sportliche Leistung, ein solches Boot in der Nacht, ohne gesehen werden zu dürfen, allein zu segeln. Das musste rein. Da habe ich auch ein ganzes Kapitel daraus gemacht. Da habe ich mir ein Fachbuch genommen und es erarbeitet und dann geschrieben. - Wenn Sie mich heute nach einzelnen Wörtern fragen würden, könnte ich nicht mehr sagen, was sie bedeuten. Das habe ich ja vor zwölf Jahren geschrieben.

"War es ärgerlich für Sie, dass Klaus Müller gesagt hat, es wäre so nicht seine Geschichte?"

Delius: Das ist so nicht ganz korrekt. Natürlich habe ich nicht alles so niedergeschrieben, wie er es mir erzählt hat. Wenn er seine innersten Gedanken äußert, habe ich natürlich erfunden. Und die Schwierigkeiten mit seiner Frau habe ich reduziert. Überhaupt habe ich natürlich auf die DramaturgieWikipedia-logo.png der Geschichte zu achten und schreibe manches ausführlicher, als er es mir erzählt hat, und manches kürzer. Ich muss die Leute ja am Lesen halten. Aber ich war in diesen Tagen mit ihm in Heidelberg zusammen und habe ihn darauf angesprochen, und er hat mir gesagt: Natürlich ist das schon richtig erzählt. Nur kann ich doch nicht rumlaufen und sagen "Ja, ich bin eins zu eins Paul Gompitz." - Und dafür habe ich auch Verständnis, das kann er so auch nicht sagen. Aber z.B. das Erlebnis in MantuaWikipedia-logo.png, das war wirklich für ihn der Höhepunkt der Reise.

"Ist es nicht erstaunlich, dass ein Kellner Seumes "Spaziergang nach Syrakus" so wichtig nimmt, dass er sich das zu einem so großen Ziel macht, nach Syrakus zu fahren?"

Delius: Das war in der DDR ja Schullektüre, das kannten viele. Und er hatte den Drang, rauszukommen, ja von Jugend auf. Und wenn er so lange darüber schweigen muss, dann liegt es schon nahe, dass er sich mit Seume einen Gesprächspartner gesucht hat.

"Wenn er sich so auf diese Reise gesehnt hat, ist es dann nicht merkwürdig, dass er Rom so negativ erlebt."

Delius: Die Flucht aus Rom hat Müller so erlebt. Und das ist ja auch nicht erstaunlich. Italien ist ja nicht nur das ideale Italien, da gibt es ja auch das hässliche Italien. Außerdem hat er es ja auch idealisiert. Gerade die Stellen, wo er idealisiert, sind von Müller. Außerdem ist die Anspannung auf dem Weg zum Ziel ja besonders groß. Auf dem Rückweg ist er dann schon entspannter.

"SeumesWikipedia-logo.png Erfahrungen waren ja ganz ähnlich. Der hat auch die Dinge mehr von unten gesehen. Er wollte die Menschen wahrnehmen."

Delius: Ja, das ist bei Gompitz/Müller ähnlich.

"Welche Erfahrungen machen Sie, wenn sie das Buch im Osten lesen?"

Delius: Ganz ähnliche. Nur eins ist unterschiedlich. Nur im Westen werde ich gefragt: Wie kommen Sie als Westler dazu, so etwas zu schreiben?

Müller schreibt selbst Bücher. Seefahrergeschichten und jetzt ein Buch über seine Kindheit in Dresden. Diese Geschichte hatte er auch aufzuschreiben versucht; aber das ging nicht. Da muss man ja auch schon einige Erfahrung mit Schreiben haben. Er war durchaus froh, als da jemand kam und seine Geschichte schreiben wollte. Und als erstes haben wir über das Geld geredet. Und er ist auch immer noch an den Cent beteiligt, die ich für so ein Taschenbuch bekomme.


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