Entdeckungsreisen nach Tahiti und in die Südsee

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Landschaft Fiji, Südsee

Georg Forsters Bericht seiner Reise mit James CookWikipedia-logo.png, die er 1772 als 17-Jähriger antrat, machte ihn auf einen Schlag berühmt. Sie überzeugt noch heute als lebendiger Reisebericht.

Inhaltsverzeichnis

Textauszüge

Zwei tüchtige, starke Schiffe, die »Resolution« und die »Adventure«, wurden ausgerüstet und die Kapitäne James Cook und Tobias Furneaux zu Befehlshabern ernannt. Am 11. Juni erhielten mein Vater und ich Befehl, die Reise gleichfalls zu unternehmen, um Gegenstände der Naturgeschichte zu sammeln, zu beschreiben und zu zeichnen. [...] Kapitän Cook bekam in Plymouth Verhaltungsbefehle, denen zufolge er nach Madeira segeln, sich dort mit Wein versehen und am Kap der Guten Hoffnung anlegen sollte, um beide Schiffe mit Lebensmitteln zu versorgen. Von dort aus sollte er südlich laufen, um womöglich das Kap der Beschneidung zu entdecken, das der französische Entdecker Bouvet unter dem 54. Grad s. Br. und ungefähr 11 Grad ö.L. angibt. Endeckte er dieses, so sollte er untersuchen, ob es festes Land oder nur Teil einer Insel sei. Dann sollte er die Entdeckungen fortsetzen und so weit als nur möglich gegen den Südpol vorzudringen versuchen. [...]

Sonnabend, den 11. Juli, begaben wir uns an Bord. Am folgenden Tage, als der Wind ziemlich heftig blies, bemerkte mein Vater, der zufällig an Deck umherging, eine Änderung der Lage unseres Schiffes, und ihn dünkte auch, als wenn es auf die Klippen zutriebe. Er teilte diese Vermutung dem Lotsen Gilben mit, der sogleich bemerkte, daß die Kette, woran das Schiff lag, gebrochen war. Gleich auf den ersten Lärm waren alle Matrosen in Bewegung, die Segel wurden aufgespannt und die Kabel in Bereitschaft gesetzt, und nun liefen wir an der »Adventure« und an einem anderen Schiff vorbei und entgingen der großen Gefahr, an den Felsen zu scheitern. (1. Kapitel)

Seit wir San Jago verlassen, hatten wir oft Regen. Der Kapitän ließ über das ganze Schiff Zelttücher und Decken ausspannen, um das Regenwasser aufzufangen, und wir bekamen eine solche Menge davon, daß sieben Fässer damit gefüllt werden konnten. Unser Kapitän wußte aus Erfahrung, daß auf langen Reisen eine reichliche Verteilung von frischem Wasser ungemein viel zur Erhaltung der Gesundheit beiträgt. Die Ursache hiervon läßt sich auch leicht erklären: Wenn es reichlich getrunken und auch zum Waschen des Körpers und des leinenen Zeuges gebraucht wird, so verdünnt es nicht nur das Blut, sondern durch die Reinlichkeit bleiben auch die Schweißporen der Haut stets offen. Auf diese Weise wird die zur Gesundheit nötige Ausdünstung nicht unterbrochen. [...]Kaum war es Nacht geworden, als die See rundum einen bewunderungswürdigen Anblick bot. Der ganze Ozean schien Feuer zu sein. Jede brechende Welle war an der Spitze von einem hellen Glanz erleuchtet, der dem Lichte des Phosphors glich, und an den Seiten des Schiffes bildeten die anschlagenden Wellen eine feuerhelle Linie. Hier konnten wir auch große leuchtende Körper im Wasser erkennen. Um dies wunderbare Phänomen zu untersuchen, ließen wir einen Eimer Seewasser aufs Verdeck holen, und es fand sich, daß unzählbare leuchtende Körperchen von rundlicher Gestalt, die mit großer Geschwindigkeit umherschwammen, den glänzenden Schein hervorbrachten. Als ich das Wasser mit der Hand umrührte, blieb eins von den hellen Körperchen daran hängen, und ich machte mir diesen Umstand zunutze, um es mit dem Mikroskop zu untersuchen. Hier zeigte es eine kugelförmige Gestalt, etwas bräunlich und durchsichtig wie Gallert, mit dem stärksten Glase aber entdeckten wir an diesem Atom eine kleine Öffnung und darin vier bis fünf Darmsäcke, die unter sich zusammenhingen. (2. Kapitel)

Mittags befanden wir uns auf 38 Grad 36 Minuten südlicher Breite. Da dies ungefähr die Polhöhe ist, auf der die französischen Entdeckungen liegen sollen, richteten wir am Nachmittag unseren Lauf gegen Südsüdwest, bekamen aber am folgenden Tage so heftigen Wind, daß wir die Bramsegel einnehmen mußten. Da nun nirgends Land zu finden war, gaben wir alle ferneren Nachforschungen auf und gingen von neuem auf Südostkurs. Obgleich wir nun das Land nicht fanden, so haben wir dennoch der Geographie einen Dienst erwiesen, indem daraus unleugbar erhellt, daß die französische Entdeckung nichts weiter als eine kleine Insel, keineswegs aber das nördliche Ende eines großen, festen Landes ist. (4. Kapitel)

Ein Morgen war's, schöner als ihn schwerlich je ein Dichter beschrieben, an dem wir die Insel Tahiti zwei Meilen vor uns sahen. Der Ostwind, unser bisheriger Begleiter, hatte sich gelegt, ein vom Lande wehendes Lüftchen führte uns die erfrischendsten und herrlichsten Wohlgerüche entgegen und kräuselte die Oberfläche der See. Waldgekrönte Berge erhoben ihre stolzen Gipfel in mancherlei majestätischen Gestalten und glühten im ersten Strahl der Sonne. Unterhalb derselben erblickte das Auge Reihen von niedrigeren, sanft abhängenden Hügeln, die den Bergen gleich mit Waldung bedeckt und mit verschiedenem anmutigen Grün und herbstlichen Braun schattiert waren. Davor lag die Ebene, von Brotfruchtbäumen und unzähligen Palmen beschattet, deren königliche Wipfel weit über jenen emporragten. Noch erschien alles im tiefsten Schlaf; kaum tagte der Morgen, und stille Schatten schwebten noch auf der Landschaft. Allmählich aber konnte man unter den Bäumen eine Menge von Häusern und von Kanus unterscheiden, die auf den sandigen Strand gezogen waren. Eine halbe Meile vom Ufer lief eine Reihe von Klippen parallel mit dem Lande dahin, und über diese brach sich die See in schäumender Brandung. Hinter ihnen aber war das Wasser spiegelglatt und versprach den sichersten Ankerplatz. Nun fing die Sonne an, die Ebene zu beleuchten. Die Einwohner erwachten, und die Aussicht begann zu leben. Kaum bemerkte man die großen Schiffe an der Küste, so eilten einige unverzüglich nach dem Strand, stießen ihre Kanus ins Wasser und ruderten auf uns zu. [...] Es währte nicht lange, so sah man das Ufer mit einer Menge Menschen bedeckt, die nach uns hinguckten, während andere ihre Kanus ins Wasser stießen und sie mit Landesprodukten beluden. In weniger als einer Stunde umgaben uns Hunderte von diesen Fahrzeugen, in denen sich ein, zwei, drei, zuweilen auch vier Mann befanden. Ihr Vertrauen zu uns ging so weit, daß sie sämtlich unbewaffnet kamen. Von allen Seiten erscholl das willkommene »Tayo!«, und wir erwiderten es mit herzlichem Vergnügen. Sie brachten uns Kokosnüsse und Pisangs im Überfluß, nebst Brotfrucht und anderen Gewächsen, die sie eifrig gegen Glaskorallen und kleine Nägel eintauschten. (8. Kapitel)

Der Hauptzweck unserer Reise war erfüllt, wir hatten nämlich entschieden, daß in der südlichen Halbkugel innerhalb des gemäßigten Erdgürtels kein festes Land liege. Wir hatten sogar das Eismeer jenseits des antarktischen Zirkels durchsucht, ohne so beträchtliche Länder anzutreffen, wie man dort vermutet hatte. Zu gleicher Zeit hatten wir die für die Wissenschaft wichtige Entdeckung gemacht, daß die Natur mitten im großen Weltmeer Eisschollen bildet, die kein Salz enthalten, sondern alle Eigenschaften des reinen und gesunden Wassers haben. In anderen Jahreszeiten hatten wir das Stille Meer innerhalb der Wendezirkel befahren und dort den Erdbeschreibern neue Inseln, den Naturkundigen neue Pflanzen und Vögel und den Menschenfreunden insbesonders verschiedene unbekannte Abänderungen der menschlichen Natur aufgesucht. In einem Winkel der Erde hatten wir nicht ohne Mitleid die armseligen Wilden von Tierra del Fuego gesehen, halbverhungert, stumpf und gedankenlos, unfähig sich gegen die Rauheit der Witterung zu schützen und zur niedrigsten Stufe der menschlichen Natur bis an die Grenzen der unvernünftigen Tiere herabgewürdigt. In einer anderen Gegend hatten wir die glücklichen Völker der Sozietätsinseln gefunden, schön von Gestalt und in einem vortrefflichen Klima lebend, das alle ihre Wünsche und Bedürfnisse befriedigt. Ihnen waren schon die Vorteile des geselligen Lebens bekannt, bei ihnen fanden wir Menschenliebe und Freundschaft, ihnen war es aber auch zur Gewohnheit geworden, der Sinnlichkeit bis zur Ausschweifung Raum zu geben.

Durch die Betrachtung dieser verschiedenen Völker müssen jedem Unparteiischen die Vorteile und Wohltaten, die Sittlichkeit und Religion über unseren Weltteil verbreitet haben, immer deutlicher und einleuchtender werden. Übrigens ist wohl nichts augenscheinlicher und gewisser, als daß die Zusätze, die auf dieser Reise zum Ganzen der menschlichen Kenntnisse gemacht wurden, obschon nicht ganz unbeträchtlich, dennoch von geringem Wert sind, sobald wir sie mit dem vergleichen, was uns noch verborgen bleibt. (26. Kapitel)


Georg Forster: Entdeckungsreisen nach Tahiti und in die Südsee, 1772-75

(zitiert nach der der Online-Ausgabe von Gutenberg.de)

Literatur

  • Andreas Kollender: Teori. dtv, München 2000. ISBN 3-423-24194-2 (romanhafte Beschreibung der Reise mit James Cook)
  • Christian Graf von Krockow: Der große Traum von Bildung. Auf den Spuren der großen Entdeckungsreisenden James Cook und Georg Forster. List, Berlin 2005. ISBN 3-548-60518-4

Vollständiger Text

  • Entdeckungsreisen nach Tahiti und in die Südsee, hg. von Hermann Homann, entnommen aus Georg Forster's sämtliche Schriften. Herausgegeben von dessen Tochter. In neun Bänden. Erster und zweiter Band. Leipzig 1843. Edition Erdmann, 1988. ISBN 3-522-60160-2

Linkliste

Siehe auch