Erzähler

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Der Erzähler ist in der Literaturwissenschaft eine abstrakte, fiktive Instanz, die nicht mit dem Autor identisch ist.

Man kennt die Erzählperspektiven, die Unterscheidungen in Ich- und Er-Erzähler, in allwissend und unwissend, in sehr objektiv, hinter dem Stoff verschwindend (nouveau roman), und in extrem subjektiv, den Erzählstoff überwuchernd, (Laurence Sterne).

Inhaltsverzeichnis

Geist der Erzählung

Anregend zur Reflexion über die Erzählerrolle ist das Spiel mit der Erzählerrolle in Thomas Manns Roman Der ErwählteWikipedia-logo.png:

Glockenschall, Glockenschwall supra urbem, [...]

Wer also läutet die Glocken Roms? - Der Geist der Erzählung [...] Ich bin der Geist der Erzählung. [...] Ich tue nur so, als wüßte ich recht zu erzählen, [...] und wende Worte vor. Nie habe ich einen Gabylot in der Hand geschwungen [...] und habe das Wort 'blatten', das ich mit solcher Scheingeläufigkeit gebrauche, eben nur aufgeschnappt. Aber so ist es die Art des Geistes der Erzählung, den ich verkörpere, daß er sich anstellt, als sei er in allem, wovon er kündet, gar wohl erfahren und zu Hause.


Thomas Mann: Der Erwählte, 1951

Anregungen zur Bearbeitung

Als Leser, der mit dem mittelhochdeutschen gabylot[1], mit Mittelfranzösisch und dem Fachausdruck Blatten aus der Jägersprache konfrontiert wird, fühlt man sich gefordert/überfordert und weiß doch, dass der Autor diese Kenntnisse auch nicht alle selbstverständlich mitgebracht hat, als er sein Manuskript begann, genauso wie sein fiktiver Erzähler, der irische Benediktinermönch, der im Kloster Sankt Gallen sitzt.

Das kann man ansatzweise aus der vorliegenden Passage herausarbeiten, besser freilich noch an längeren Auszügen aus "Der Erwählte".

Die Rolle der Erzählironie lässt sich durch den Vergleich entsprechender Passagen aus Hartmann von Aues Gregorius und dem Erwählten herausarbeiten.

Anmerkungen

  1. Dieser Wurfspieß ist die Waffe, mit der der Parzival Wolframs von Eschenbach ganz unhöfisch den Roten Ritter Ither tötet.

Literatur

  • Herbert Kraft: Exkurs: Über auktoriales und personales Erzählen, In: ders.: Um Schiller betrogen. Pfullingen (= Neske) 1978.
  • H.R. Picard: Der Geist der Erzählung, Frankfurt 1987.
  • Franz K. Stanzel: Theorie des Erzählens, UTB, Göttingen 1995, ISBN 3-8252-0904-0.
  • Fabienne Liptay/Yvonne Wolf (Hrsg.): Was stimmt denn jetzt ? Unzuverlässiges Erzählen in Literatur und Film, Edition Text + Kritik, München 2005, ISBN 3-88377-795-1.

Linkliste

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Siehe auch