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Fehleranalyse im Mathematikunterricht

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Tipps zum Umgang mit Fehlern

Klassenarbeiten werden ja nicht nur geschrieben, um schlechte Noten zu vergeben. Sie sollen feststellen, ob ein Schüler den bearbeiteten Stoff beherrscht und wo seine Lücken sind. Statt einer Korrektur in Form von Abschreiben einer Lösung, was meist gar nichts bringt, ist es sinnvoller, dass die Schüler ihre Fehler analysieren. Zu jedem Fehler sollte sich der Schüler notieren ...

  • welchen Fehler er gemacht hat.
  • wie es zu dem Fehler kam (Aufgabe nicht gelesen, etwas vergessen oder falsch gelernt, verrechnet, ...)
  • was er machen will, um das nächste Mal einen solchen Fehler zu vermeiden.

Zusätzlich könnte ein Fehlerplakat für das Kinderzimmer bzw. den Arbeitsplatz erstellt werden, an die Fehler erinnert werden und zu jeder falschen Aufgabe sollte eine andere herausgesucht werden, die ähnlich ist.

Es kann aber auch sein, dass - egal ob bei hoher oder niedriger Fehlerquote - sich aufgrund der Fehler der Verdacht einstellt, ein Kind habe grundlegende Verständnisprobleme. Mittel für die Analyse und Dokumentierung einer solchen Problematik ist idealiter eine individuelle mathematische Lernstandsanalyse (Methode: diagnostisches Interview) - nicht das Mitschreiben von Klassenarbeiten. Auch Vergleichsarbeiten (VERA & Co.) bringen keine sicheren Detailkenntnisse über mathematische Kenntnisse und die individuelle Fehlerlogik einzelner Kinder hervor.

Nur durch eine sorgfältige Lernstandsanalyse erhält die LehrerIn einen echten Einblick ins mathematische Denken der Kinder, der es erlaubt zu beurteilen, ob Schüler ein tragfähiges Wissen erworben haben oder ob und welche Fördermaßnahmen eingeleitet werden müssen. Dann würde sich auch abklären lassen, inwiefern eine Sonderstellung der SchülerIn (Notenaussetzung, Befreiung von Klassenarbeiten, niveaureduzierte Hausaufgaben, Zurückhaltung beim mündlichen Abfragen usw.) sachlich begründet ist.

Literatur

  • Baruk, Stella: Wie alt ist der Kapitän? Über den Irrtum in der Mathematik. Basel/Boston/Berlin 1989, Birkhäuser, ISBN 3-7643-1881-3
  • Gerster, Hans-Dieter / Schultz, Rita: Schwierigkeiten beim Erwerb mathematischer Konzepte im Anfangsunterricht. Bericht zum Forschungsprojekt: Rechenschwäche - Erkennen, Beheben, Vorbeugen. PH-Freiburg, Freiburg im Breisgau Mai 1998, überarbeitet im September 1999
  • Ginsburg, Herbert P. / Jacobs, Susan F. / Lopez, Luz Stella: The Teacher's Guide to Flexible Interviewing in the Classroom. Learning what Children know about Math. Needham Heights 1998, Allyn&Bacon, ISBN 0-205-26567-7
  • Lorenz, Jens Holger: Lernschwache Rechner fördern. Ursachen der Rechenschwäche. Frühhinweise auf Rechenschwäche. Diagnostisches Vorgehen. Lehrer-Bücherei: Grundschule, Cornelsen-Scriptor Berlin 2003, ISBN 3-589-05072-1 Online-Rezension in ZDM 3/2003

Siehe auch