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Fluchtwege

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Begriffsklärung Diese Seite behandelt Fluchtwege für Flüchtlinge aus der Dritten Welt nach Europa. Zu Fluchtwegen aus Gebäuden und von Steilstraßen sieh Wikipedia.

Als Fluchtwege für Flüchtlinge aus der Dritten Welt nach Europa haben sich im 20. und 21. Jahrhundert eine Reihe von Routen herausgebildet.

Inhaltsverzeichnis

Aktuell

Balkanroute

Aktuell

Als Balkanroute bezeichnet man zusammenfassend Routen zwischen dem Nahen Osten und Europa über den Balkan, wo Teile der EU-Außengrenze verlaufen. Man verwendet den Begriff im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 und mit Drogenschmuggel. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2015 reisten fast 700.000 Menschen auf der Balkanroute von Griechenland über Mazedonien, Ungarn und Österreich nach Deutschland. Je nach Grenzschließungen wurden auf der Route auch andere Staaten aufgesucht.

Mittelmeerroute

Die Hauptmigrationsrouten in die EU.[1]

Frontex unterscheidet folgende Fluchtwege über das Mittelmeer:[2]

  • die westafrikanische Route von der westafrikanischen Küste zu den kanarischen Inseln,
  • die westliche Mittelmeer-Route über Agadez und über Marokko nach Südspanien oder zu den kanarischen Inseln,
  • die zentrale Mittelmeer-Route über Agadez und danach direkt oder indirekt über Libyen geht und nach Lampedusa oder Malta führt,
  • die Apulien-Kalabrien-Route, aus der Türkei und Ägypten (teils über Griechenland, nicht aber über Libyen) nach Apulien oder Kalabrien,[3]
  • die östliche Mittelmeer-Route, die über Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien und die Türkei nach Griechenland führt.

Einwanderung über das Mittelmeer in die EUWikipedia-logo.png

Sahararoute

Die westafrikanische Route, die westliche Mittelmeer-Route und die zentrale Mittelmeer-Route führen durch die SaharaWikipedia-logo.png.

"In der nordafrikanischen Wüste sind unbemerkt von der Weltöffentlichkeit weit mehr Flüchtlinge als im Mittelmeer umgekommen. [...] „Nach vorsichtigen Schätzungen sind über eine Million Menschen in der Sahara ums Leben gekommen“, sagt Entwicklungsstaatssekretär Thomas Silberhorn (CSU) [...]" (Das große Sterben in der Sahara, Handelsblatt 11.2.2016)

"Doch im Unterschied zu Meereswasser fließt der Sand nicht wieder dorthin zurück, woher er gekommen ist. Wenn man von einer solchen Sandwolke erfasst wird, kann das Auto binnen einer Stunde eingegraben sein. [...] Niemand weiß, wie viele Menschen schon auf diese Weise umgekommen sind. Auf jede Leiche, die in der Sahara entdeckt wird - im Jahre 2015 wurden mindestens 40 gezählt -, kommen weitere fünf bis fünfzig, die nie gefunden werden." (S.36)

"Nach den Aussagen einer Gruppe von Eritreern, die ich getroffen habe, ist diese Reise schlimmer als der Weg über das Meer." (S.44) (Kingsley: Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise)

Niger

"In einem der ärmsten Länder der Welt [...] ist der Menschenschmuggel eine lebenswichtige Einkommensquelle für viele Ortsansässige - und auch für viele Beamte." (Kingsley: Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise, S.41/42)

Agadez

"Einst war Agadez im westafrikanischen Niger ein Touristen-Magnet. [...] Jetzt ist Agadez die Drehscheibe für Migranten auf dem Weg nach Europa." [4]

Libyen

"Einige dieser Gruppen haben den Menschenschmuggel als Geldquelle entdeckt, was wiederum viele potenzielle Flüchtlinge anlockt, deren Ziel Europa ist. Sie sind den Milizen meist hilflos ausgeliefert. Baba Ali aus Mali erzählt, wie er von Kämpfern in der Stadt Bani Walid östlich von Tripolis festgehalten wurde. In einem fabrikähnlichen Gebäude sei er mit 1500 anderen Afrikanern eingepfercht worden. Der Platz habe nicht ausgereicht, sich zum Schlafen hinzulegen, berichtet er. Man habe sie zur Arbeit gezwungen und regelmäßig geschlagen. Während des Ramadans konnte er fliehen.

Mostafa Dumbia wiederum, der von Polizisten in Uniform festgenommen wurde, kam erst wieder frei, nachdem seine Familie 1000 Dollar Lösegeld bezahlt hatte. Danach brachten die Kidnapper den Ivorer auf das Boot, das ihn nach Italien bringen sollte. Die Berichte der Flüchtlinge, die über Libyen gekommen seien, ähnelten sich, sagt Erna Rijnierse von Ärzte ohne Grenzen. Die Narben, die sie vorzeigten, deuteten auf eine zum Teil lange Folter hin. „Ich habe viele Knochenbrüche gesehen an Stellen, an denen man sich selbst keinen Bruch zufügen kann“, betont sie." (Handelsblatt 24.7.2016)

Literatur

Anmerkungen

  1. Migratory routes map, 26. Januar 2016
  2. http://frontex.europa.eu/trends-and-routes/migratory-routes-map/
  3. http://frontex.europa.eu/trends-and-routes/apulia-and-calabria-route/
  4. http://www.deutschlandfunk.de/agadez-in-niger-das-geschaeft-mit-afrikanischen-migranten.799.de.html?dram:article_id=343409

Literatur