Göttliche Komödie

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Die Göttliche Komödie (italienisch: Divina Commedia) (‚Göttliche Komödie‘) genannt, ist das Hauptwerk des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265–1321). Sie wurde von ihm wahrscheinlich um 1307 begonnen und erst kurze Zeit vor seinem Tod vollendet. Sie gilt als bedeutendste Dichtung der italienischen Literatur und als eines der größten Werke der Weltliteratur.

Das Werk schildert Dantes Reise durch die Hölle zum Purgatorium und dann ins Paradies.

Inhaltsverzeichnis

Kommentare

"Das Wichtigste an seiner Hölle ist das Mitleid und der Schrecken, den sein wanderndes Ich dort empfindet und mit Ausnahme der allerletzten Schurken, der Verräter, auch bewegend ausdrückt. [...] Die schlimmste unter den Höllenphantasien ist für mich der 28. Gesang, der von den Zwietrachtstiftern handelt und Mohammed, den Begründer des Islam, als einen „Spalter“ mit gespaltenem Leib vorführt. Ich habe das Zustandekommen dieser Sichtweise zurückverfolgt, um Dante ein Stück weit zu entlasten. Aber mit Blick auf das Verhältnis von Christentum und Islam ist die Szene tief betrüblich. Die ergreifendste Episode ist für mich die Erzählung von Pier della Vigna im 13. Gesang. Der Kanzler Friedrichs II. und bedeutende Lyriker wurde durch Verleumdung in den Selbstmord getrieben. Dafür muss er büßen, aber er hat das Mitgefühl des Erzählers. – Das Inferno hat übrigens auch einige wenige eher komische Szenen, etwa die Soldatenparodie im 21. oder Gianni Schicchi im 30. Gesang, den Puccini veropert hat. [...] Der Schriftsteller Jorge Luis Borges sagte, ohne Dante sind wir alle, die Schriftsteller, gar nichts. Das Werk sorgt für eine ungeahnte Erweiterung unserer kleinen Person, im Denkhorizont, im Gefühlsleben, im Geschichtsverständnis." H.Köhler in "Christ und Welt" (Ausgabe 09/2012)

Textausschnitte

In Dantes Hölle trifft Vergil seine Kollegen und seine Figuren

Titelseite des Codex Altonensis der Comedya

Mein Meister sprach: Du unterläßt zu fragen,
Was es für Geister sind, die du hier siehest;
Doch sollst Du, eh wir weiter gehn, vernehmen,
Daß sie nicht sündigten. Und wenn Verdienste
Sie hatten, g'nügt es nicht, weil ohne Taufe
Sie starben, welche deines Glaubens Teil ist.
Und lebten sie noch vor dem Christentume,
So beteten zu Gott sie falscher Weise;
Und diesen bin ich selber beizuzählen.
Ob solchen Mangels, nicht ob andren Fehles,
[24] Sind wir verloren, und nur dadurch leidend,
Daß, ohne Hoffnung, wir in Sehnsucht leben. –
Als ich's vernommen, faßte tiefer Schmerz mich
Denn ich begriff, wie Seelen höchsten Wertes
In dieses Vorhofs Mittelzustand schwebten.
Sag' an, mein Meister, sage mein Gebieter,
Begann ich, um Bestätigung zu finden
Des Glaubens, welcher jeden Wahn vernichtet:
Ward einer je von hier befreit und selig
Durch fremdes, oder eigenes Verdienst? –
Und er, verstehend die verhüllte Rede,
Entgegnete: Noch neu in diesem Zustand
War ich, als ein Gewaltiger daher kam,
Um dessen Haupt sich Siegeszeichen wanden.
Er raubte uns des ersten Vaters Schatten
Und Abel seinen Sohn, Noah und Moses,
Der die Gesetze schrieb, und doch gehorchte,
Abra'm den Patriarchen, König David,
Israel mit dem Vater und den Kindern
Und Rahel auch, um die er lang geworben,
Viel andre noch, und alle macht' er selig.
Doch wissen sollst du, daß niemals vor ihnen
Die Seele eines Menschen ward errettet. –
[...]
Da hört' ich einer Stimme Ruf erschallen:
Erweiset dem erhabnen Dichter Ehre!
Sein Schatten kehrt zurück, der uns verlassen. –
Als nun die Stimme schwieg und nicht mehr tönte,
Sah ich vier hohe Schatten sich uns nahn;
Ihr Antlitz zeigte Trauer nicht, noch Freude.
Mein Meister aber sagte rasch zu mir:
Sieh jenen mit dem Schwert in seiner Hand,
Der vor den andren hergeht als ihr Meister!
Das ist Homer, der königliche Dichter
Der zweit' ist der Satiriker Horaz,
Als dritter folgt Ovid, Lucan als letzter.
Weil jeder nun mit mir den Namen teilt,
Den du die Einzelstimme nennen hörtest,
Tun sie mir Ehr' an, und so ist's geziemend. –
So sah versammelt ich die schöne Schule
Der Meister des erhabensten Gesanges,
Der ob den andren, gleich dem Adler, fliegt.
Als miteinander etwas sie gesprochen,
Da wandten sie zu mir sich, freundlich grüßend;
Mein Meister aber lächelte darob.
Und mehr der Ehr' erzeigten sie mir noch;
Denn ihrer Schar gesellten sie mich zu,
So daß ich Sechster ward im Kreis der Weisen.
[...]
Durch sieben Tore traten dann wir ein
Und fanden uns auf frisch begrünter Matte.
Die Geister dort, sie blickten ernst und ruhig,
Es lag in ihrem Ausdruck hohe Würde,
Sie sprachen selten und mit sanfter Stimme.
Wir wählten einen Platz, der licht und offen
Zur Seite sich erhob, so daß von dort aus
Wir all die Scharen deutlich überschauten.
Uns gegenüber auf dem grünen Teppich
Wies mir mein Führer dann die großen Geister;
Weshalb ich noch mich rühm, und glücklich preise.
Elektra sah ich unter viel Gefährten,
Wovon Aeneas ich erkannt' und Hektor,
Cäsar im Waffenschmuck mit Falkenaugen.

Detail aus Raffael: Die Schule von Athen: Heraklit und Diogenes (vorn), Platon und Aristoteles (hinten), 1510/11 gemalt

Ich sah Cammilla und Penthesilea,
Latinus auch den König, und die Tochter
Lavinia, welche fern den andren saßen.
Den Brutus sah ich, der Tarquin vertrieben,
Lucretia, Julia, Martia und Cornelia,
Und einsam und abseits den Saladin. –
Als etwas höher ich die Wimper hob,
Sah ich den Meister aller die da wissen,
Umgeben rings von Philosophen-Schülern;
Auf ihn nur schauen ehrerbietig alle.
Hier sah ich Sokrates sowohl als Plato,
Die vor den andren ihm am nächsten stehn.
Auch Demokrit, dem alles gilt für Zufall,
Und Thales, Anaxagoras, wie Zeno,
Empedokles und Heraklit, den dunklen,
Diogenes und Dioskorides,
Heilsamer Pflanzen Sammler, Orpheus, Linus,
Cicero, Seneca, den Sittenlehrer,
Euklid, den Geometer, Ptolemäus,
Hippokrates, Galen und Avicenna,
Averroës, den großen Kommentator.
Unmöglich kann ich einzeln alle nennen.
Zur Kürze treibt so sehr des Stoffes Länge,
Daß dem Geseh'nen oft mein Wort nicht nachkommt. –

Dante: Die Göttliche Komödie, 4. Gesang S.23-26

Paolo und Francesca

Vergil und Dante treffen in der Hölle auf Paolo und Francesca

Drauf sagt' ich zu dem Führer: Gern spräch ich
Mit jenen Zwei'n, die sich zusammenhalten,
Und die so leicht bewegt vom Wind' erscheinen. –
Und er darauf: Beschwörst du, wenn erst näher
Sie uns gekommen sind, sie bei der Liebe,
Die sie vereint, so zweifle nicht, sie kommen. –
Sobald der Wind sie zu uns hergewendet,
Erhob die Stimm' ich: Schmerzbeladene Seelen,
Ist's nicht verwehrt, so kommt, mit uns zu reden. –
Wie Tauben, die, gerufen vom Verlangen
Zum süßen Nest, mit ausgespannten Schwingen
Die Luft durchschneiden, so sah ich die beiden,
Kraft ihres Willens, durch die schlimme Luft
Sich aus der Schar, wo Dido weilt, uns nahen;
So wirksam war mein anteilvolles Rufen.
O wohlgesinntes, liebereiches Wesen,
Das du, die Nacht der Unterwelt durchwandelnd,
Uns heimsuchst, die mit Blut die Erde färbten,
Wär' unser Freund des Weltgebäudes König,
So wollten wir ihn flehn um deinen Frieden,
Weil du mit uns'rem Elend Mitleid fühlest.
Anhören und euch sagen woll'n wir alles,
Was du zu reden und zu hören wünschest,
So lang der Wind noch, wie er itzt tut, schweiget.
Gelegen ist der Ort, wo ich geboren,
Am Meeresstrand, zu dem der Po hinabsteigt,
Um mit den Nebenflüssen Ruh' zu finden.
Die Liebe, leicht entflammend edle Herzen,
Entflammte diesen für den schönen Körper,
Der mir geraubt ward, und das wie quält noch mich.

Paolo und Francesca vor dem Mord

Die Liebe, die zur Gegenliebe nötigt,
Ließ mich an ihm solch Wohlgefallen finden,
Daß, wie du siehst, sie noch nicht von mir abläßt.
Die Liebe führt' uns zu vereintem Tode;
Caïna wartet des, der uns gemordet. –
So lautete, was sie zu uns gesprochen.
Als die unsel'gen Geister ich vernommen,
Senkt' ich das Haupt, und hielt es so geneiget
Bis mir der Meister sagte: Nun, was sinnst du? –
Darauf erwidernd, hub ich an: O Himmel,
Wie mancher stille Liebeswunsch, wie manches
Verlangen führte sie zum Schritt voll Schmerzes! –
Dann wendet' ich mich ihnen zu und sagte:
Francesca, deiner Qualen Anblick macht
Vor Trauer mich und vor Mitleiden weinen.
Doch sage mir, zur Zeit der süßen Seufzer,
An was und wie gestattete dir Amor,
Das schüchterne Verlangen zu erkennen? –
Drauf sagte sie zu mir: Kein Schmerz ist größer,
Als sich der Zeit des Glückes zu erinnern,
Wenn man in Elend ist; das weiß dein Lehrer.
Heg'st du jedoch, die Wurzel uns'rer Liebe
Zu erkennen, solch entschiedenes Verlangen,
So werd' ich tun, wie wer im Reden weinet:
Wir lasen eines Tages zum Vergnügen
Von LanzelotWikipedia-logo.png, wie Liebe ihn umstrickte,
Allein und unbeargwohnt waren wir.
Oft hieß des Buches Inhalt uns einander
Scheu ansehn und verfärbte unsre Wangen;
Doch nur ein Punkt war's, welcher uns bewältigt.
Denn als wir, wie das langersehnte Lächeln
Von solchem Liebenden geküßt ward, lasen,
Da küßte, dem vereint ich ewig bleibe,
Am ganzen Leibe zitternd, mir den Mund.
Zum Kuppler ward das Buch und der's geschrieben.
An jenem Tage lasen wir nicht weiter. –

Dante: Die Göttliche Komödie, 5. Gesang S.29-30[1]

In einem um 1322 entstandenen Dante-Kommentar heißt es, Francesca habe sich auf ein ehebrecherisches Verhältnis mit Giovannis jüngerem Bruder Paolo eingelassen. Als Giovanni, der verkrüppelt oder lahm gewesen sei, dies entdeckt habe, habe er beide getötet. (sieh: Francesca da RiminiWikipedia-logo.png, dort wird auch BoccacciosWikipedia-logo.png Ausgestaltung der Legende dargestellt.)

Anmerkungen

  1. Zur letzten Zeile sieh: Leerstelle (Literatur)

Text

  • La Commedia / Die Göttliche Komödie: Drei Bände in Kassette. Italienisch/Deutsch von Dante Alighieri und Hartmut Köhler von Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag 2012 (gegenwärtig neuste Übersetzung mit Kommentar)
  • Die Göttliche Komödie übersetzt von Karl Witte (bei Zeno)

Linkliste

"In der »Commedia«, die eine Zusammenfassung theologischen, kosmologischen und ästhetisch-poetologischen Wissens zu sein beansprucht, entwickelten Dante und die sich mit ihm auseinandersetzenden Künstler Ansätze zu einer »Kultur der Person«"