20 Jahre ZUM

Georg Büchner

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Georg Büchner (1813 - 1837) war ein deutscher Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Revolutionär.

Kurzinfo
Unterrichtsideen
Diese Seite enthält Unterrichtsideen, die du ausprobieren oder hier diskutieren kannst.
Georg Büchner
Georg Büchners Geburtshaus in Goddelau

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Steckbrief, mit dem Georg Büchner gesucht wurde
Georg Büchner wird am 17. Oktober 1813 in Goddelau (Hessen) als ältester Sohn des Distriktarztes und späteren Medizinalrates Ernst Karl Büchner geboren.
1831 Nach Beendigung der Schulzeit am humanistischen Gymnasium in Darmstadt nimmt Büchner das Studium der Medizin in Straßburg auf. Hier in Frankreich wird er mit Programmen und organisierten Gruppen der radikalen und der frühkommunistischen Opposition gegen das "Bürgerkönigtum" Louis Philipps bekannt. Er lernt seine spätere Verlobte Minna Jaegle kennen.
Oktober 1833 Büchner begibt sich zur Fortsetzung des Studiums nach Gießen und besucht Lehrveranstaltungen über vergleichende Anatomie.
März 1834 Büchner gründet in Gießen die >Gesellschaft der Menschenrechte<, einen Geheimbund von Studenten und Handwerkern, der Kontakte mit den Oppositionsgruppen um Pfarrer Weidig aus dem hessischen Butzbacher aufnimmt. Zusammen mit ihm veröffentlicht Büchner den >Hessischen Landboten<, eine sozialrevolutionäre Flugschrift, die sich vor allem an die Bauern wendet. Das Unternehmen wird verraten, es kommt daraufhin zu Verhaftungen. Auch Pfarrer Weidig wird eingekerkert und stirbt in der Haft.
September 1834 Büchner zieht sich ins Elternhaus nach Darmstadt zurück, wo er die Geschichte der Französischen Revolution studiert (siehe Briefe). Beeindruckt von dieser Lektüre und dem Scheitern seines eigenen Revolutions-Projektes verfasst er das Drama >Dantons Tod<: "Ich studiere die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem Gräßlichen Fatalismus der Geschichte." (10. März 1834)
März 1835 Um der Verhaftung zu entgehen, flieht Büchner ins Exil nach Straßburg. >Dantons Tod<, das einzige zu Lebzeiten des Dichters erschienene Werk, wird von dem Dichter und Verleger Karl Gutzkow veröffentlicht.
Herbst 1835 Büchner erhält durch seinen Freund August Stoeber Einblick in nachgelassene Notizen und Papiere von J. M. R. Lenz sowie in den Bericht des Pfarrers J. Fr. Oberlin über den Aufenthalt Lenz' im Steintal (1778). Büchner verspricht Gutzkow für dessen Zeitschrift einen »Aufsatz« oder eine »Novelle« über Lenz.
Frühjahr 1836 Büchner schreibt das Lustspiel >Leonce und Lena< für einen Komödien-Wettbewerb. Der Beitrag erreicht die Organisatoren jedoch einen Tag zu spät und wird nicht berücksichtigt. Gleichzeitig verfasst er eine naturwissenschaftliche Abhandlung über das Nervensystem der Fische, mit der er den Doktortitel der Universität Zürich erwirbt.
Oktober 1836 Büchner trifft in Zürich ein. Er hält eine Probevorlesung >Uber Schädelnerven<, wird als Privatdozent zugelassen und beginnt seine Vorlesungen im Fach vergleichende Anatomie. Gleichzeitig arbeitet er am >Woyzeck<. .
19. Februar 1837 Georg Büchner stirbt an Typhus.
1839 August Stöber veröffentlicht Oberlins Krankheitsbericht des Dichters Lenz. Nach einer Reinschrift des unvollendeten Textes wird Büchners >Lenz< durch Karl Gutzkow im >Telegraph für Deutschland< veröffentlicht.
  • Die BüchnerBühne Riedstadt - "Eine Bühne für Riedstadt und Region. Dem Werk Georg Büchners verpflichtet." - hat viel Informatives über Büchners Werk und Leben zu bieten.

Werke

Werke im ZUM-Wiki:

Briefe

Georg Büchner hat sich in seinen Briefen auch zu verschiedenen Fragen geäußert, die bei der Auseinandersetzung mit seinem literarischen Werk im Deutschunterricht von Belang sind. Deshalb sollen einige dieser Briefe hier zitiert werden, auch wenn sie gleichfalls an anderer Stelle online zu finden sind.

Einzelne Briefe nach Themen

Gewalt

An die Familie

Straßburg, den 5. April 1833.

Heute erhielt ich Euren Brief mit den Erzählungen aus Frankfurt. Meine Meinung ist die: Wenn in unserer Zeit etwas helfen soll, so ist es Gewalt. Wir wissen, was wir von unseren Fürsten zu erwarten haben. Alles, was sie bewilligten, wurde ihnen durch die Notwendigkeit abgezwungen. Und selbst das Bewilligte wurde uns hingeworfen, wie eine erbettelte Gnade und ein elendes Kinderspielzeug, um dem ewigen Maulaffen Volk seine zu eng geschnürte Wickelschnur vergessen zu machen.. Es ist eine blecherne Flinte und ein hölzerner Säbel, womit nur ein Deutscher die Abgeschmacktheit begehen konnte, Soldatchens zu spielen. Unsere Landstände sind eine Satire auf die gesunde Vernunft, wir können noch ein Säkulum damit herumziehen, und wenn wir die Resultate dann zusammennehmen, so hat das Volk die schönen Reden seiner Vertreter noch immer teurer bezahlt, als der römische Kaiser, der seinen Hofpoeten für zwei gebrochene Verse 20,000 Gulden geben ließ. Man wirft den jungen Leuten den Gebrauch der Gewalt vor. Sind wir denn aber nicht in einem ewigen Gewaltzustand? Weil wir im Kerker geboren und großgezogen sind, merken wir nicht mehr, daß wir im Loch stecken mit angeschmiedeten Händen und Füßen und einem Knebel im Munde. Was nennt ihr denn gesetzlichen Zustand? Ein Gesetz, das die große Masse der Staatsbürger zum fronenden Vieh macht, um die unnatürlichen Bedürfnisse einer unbedeutenden und verdorbenen Minderzahl zu befriedigen? Und dies Gesetz, unterstützt durch die rohe Militärgewalt und durch die dumme Pfiffigkeit seiner Agenten, dies Gesetz ist eine ewige, rohe Gewalt, angetan dem Recht und der gesunden Vernunft, und ich werde mit Mund und Hand dagegen kämpfen, wo ich kann.Wenn ich an dem, was geschehen, keinen Teil genommen und an dem, was vielleicht geschieht, keinen Teil nehmen werde, so geschieht es weder aus Mißbilligung, noch aus Furcht, sondern nur weil ich im gegenwärtigen Zeitpunkt jede revolutionäre Bewegung als eine vergebliche Unternehmung betrachte und nicht die Verblendung Derer teile, welche in den Deutschen ein zum Kampf für sein Recht bereites Volk sehen. Diese tolle Meinung führte die Frankfurter Vorfälle herbei, und der Irrtum büßte sich schwer. Irren ist übrigens keine Sünde, und die deutsche Indifferenz ist wirklich von der Art, daß sie alle Berechnung zu Schanden macht. Ich bedaure die Unglücklichen von Herzen. Sollte keiner von meinen Freunden in die Sache verwickelt sein? […]


Projekt Gutenberg-DE; 10.12.2007

Anmerkung
"Erzählungen aus Frankfurt" und "Frankfurter Vorfälle" bezieht sich auf den so genannten Frankfurter Wachensturm vom 3. April 1833. Es war der gescheiterte Versuch vor allem von Studenten, durch die Erstürmung der beiden Polizeiwachen in Frankfurt am Main, ein Signal zu eine nationalen und demokratischen Erhebung zu setzen. (Siehe: Frankfurter WachensturmWikipedia-logo.png und Freie Stadt Frankfurt#Scharz-Rot-GoldWikipedia-logo.png)

Bildung: Ich verachte niemanden

AN DIE FAMILIE
Gießen, im Februar 1834.

[…] Ich verachte Niemanden, am wenigsten wegen seines Verstandes oder seiner Bildung, weil es in Niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher zu werden, – weil wir durch gleiche Umstände wohl Alle gleich würden, und weil die Umstände außer uns liegen. Der Verstand nun gar ist nur eine sehr geringe Seite unseres geistigen Wesens und die Bildung nur eine sehr zufällige Form desselben. Wer mir eine solche Verachtung vorwirft, behauptet, daß ich einen Menschen mit Füßen träte, weil er einen schlechten Rock anhätte. Es heißt dies, eine Roheit, die man Einem im Körperlichen nimmer zutrauen würde, ins Geistige übertragen, wo sie noch gemeiner ist. Ich kann Jemanden einen Dummkopf nennen, ohne ihn deshalb zu verachten; die Dummheit gehört zu den allgemeinen Eigenschaften der menschlichen Dinge; für ihre Existenz kann ich nichts, es kann mir aber niemand wehren, Alles, was existiert, bei seinem Namen zu nennen und dem, was mir unangenehm ist, aus dem Wege zu gehn. Jemanden kränken, ist eine Grausamkeit, ihn aber zu suchen oder zu meiden, bleibt meinem Gutdünken überlassen. Daher erklärt sich mein Betragen gegen alte Bekannte; ich kränkte Keinen und sparte mir viel Langeweile; halten sie mich für hochmütig, wenn ich an ihren Vergnügungen oder Beschäftigungen keinen Geschmack finde, so ist es eine Ungerechtigkeit; mir würde es nie einfallen, einem Anderen aus dem nämlichen Grunde einen ähnlichen Vorwurf zu machen. Man nennt mich einen Spötter. Es ist wahr, ich lache oft, aber ich lache nicht darüber, wie Jemand ein Mensch, sondern nur darüber, daß er ein Mensch ist, wofür er ohnehin nichts kann, und lache dabei über mich selbst, der ich sein Schicksal teile. Die Leute nennen das Spott, sie ertragen es nicht, daß man sich als Narr produziert und sie duzt; sie sind Verächter, Spötter und Hochmütige, weil sie die Narrheit nur außer sich suchen. Ich habe freilich noch eine Art von Spott, es ist aber nicht der der Verachtung, sondern der des Hasses. Der Haß ist so gut erlaubt als die Liebe, und ich hege ihn im vollsten Maße gegen die, welche verachten. Es ist deren eine große Zahl, die im Besitze einer lächerlichen Äußerlichkeit, die man Bildung, oder eines toten Krams, den man Gelehrsamkeit heißt, die große Masse ihrer Brüder ihrem verachtenden Egoismus opfern. Der Aristokratismus ist die schändlichste Verachtung des heiligen Geistes im Menschen; gegen ihn kehre ich seine eigenen Waffen; Hochmut gegen Hochmut, Spott gegen Spott. – Ihr würdet euch besser bei meinem Stiefelputzer nach mir umsehn; mein Hochmut und Verachtung Geistesarmer und Ungelehrter fände dort wohl ihr bestes Objekt. Ich bitte, fragt ihn einmal … Die Lächerlichkeit des Herablassens werdet Ihr mir doch wohl nicht zutrauen. Ich hoffe noch immer, daß ich leidenden, gedrückten Gestalten mehr mitleidige Blicke zugeworfen, als kalten, vornehmen Herzen bittere Worte gesagt habe. – […]


Projekt Gutenberg-DE, 18.12.2011

Fatalismus der Geschichte (Fatalismusbrief)

An die Braut
[Gießen, nach dem 10. März 1834.]

Hier ist kein Berg, wo die Aussicht frei ist. Hügel hinter Hügel und breite Täler, eine hohe Mittelmäßigkeit in Allem; ich kann mich nicht an diese Natur gewöhnen, und die Stadt ist abscheulich. Bei uns ist Frühling, ich kann deinen Veilchenstrauß immer ersetzen, er ist unsterblich wie der Lama. Lieb Kind, was macht denn die gute Stadt Straßburg? es geht dort allerlei vor, und du sagst kein Wort davon. Je baise les petites mains, en goûtant les souvenirs doux de Strasbourg. -
"Prouve-moi que tu m'aimes encore beaucoup en me donnant bientôt des nouvelles." Und ich ließ dich warten! Schon seit einigen Tagen nehme ich jeden Augenblick die Feder in die Hand, aber es war mir unmöglich, nur ein Wort zu schreiben. Ich studiere die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem Gräßlichen Fatalismus der Geschichte. Ich finde in der Menschennatur eine entsetzliche Gleichheit, in den menschlichen Verhältnissen eine unabwendbare Gewalt, Allen und Keinem verliehen. Der Einzelne nur Schaum auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen unmöglich. Es fällt mir nicht mehr ein, vor den Paradegäulen und Eckstehern der Geschichte mich zu bücken. Ich gewöhnte mein Auge ans Blut. Aber ich bin kein Guillotinenmesser. Das muß ist eins von den Verdammungsworten, womit der Mensch getauft worden. Der Ausspruch: es muß ja Ärgernis kommen, aber wehe dem, durch den es kommt, – ist schauderhaft. Was ist das, was in uns lügt, mordet, stiehlt? Ich mag dem Gedanken nicht weiter nachgehen. Könnte ich aber dies kalte und gemarterte Herz an deine Brust legen! B. wird dich über mein Befinden beruhigt haben, ich schrieb ihm. Ich verwünsche meine Gesundheit. Ich glühte, das Fieber bedeckte mich mit Küssen und umschlang mich wie der Arm der Geliebten. Die Finsternis wogte über mir, mein Herz schwoll in unendlicher Sehnsucht, es drangen Sterne durch das Dunkel, und Hände und Lippen bückten sich nieder. Und jetzt? Und sonst? Ich habe nicht einmal die Wollust des Schmerzes und des Sehnens. Seit ich über die Rheinbrücke ging, bin ich wie in mir vernichtet, ein einzelnes Gefühl taucht nicht in mir auf. Ich bin ein Automat; die Seele ist mir genommen. Ostern ist noch mein einziger Trost; ich habe Verwandte bei Landau, ihre Einladung und die Erlaubnis, sie zu besuchen. Ich habe die Reise schon tausendmal gemacht und werde nicht müde. – Du frägst mich: sehnst du dich nach mir? Nennst du's Sehnen, wenn man nur in einem Punkt leben kann und wenn man davon gerissen ist, und dann nur noch das Gefühl seines Elends hat? Gib mir doch Antwort. Sind meine Lippen so kalt? […] – Dieser Brief ist ein Charivari: ich tröste dich mit einem anderen.


Projekt Gutenberg-DE; 10.12.2007

Es genügt, im Unterricht als "Fatalismus-Brief" nur den Ausschnitt von "Ich studierte die Geschichte der Revolution." bis "Ich mag dem Gedanken nicht weiter nachgehen." zu zitieren.

Der dramatische Dichter: ein Geschichtsschreiber

An die Familie
Straßburg, 28. Juli 1835.

[…] Über mein Drama muß ich einige Worte sagen: erst muß ich bemerken, daß die Erlaubnis, einige Änderungen machen zu dürfen, allzusehr benutzt worden ist. Fast auf jeder Seite weggelassen, zugesetzt, und fast immer auf die dem Ganzen nachteiligste Weise. Manchmal ist der Sinn ganz entstellt oder ganz und gar weg, und fast platter Unsinn steht an der Stelle. Außerdem wimmelt das Buch von den abscheulichsten Druckfehlern. Man hatte mir keinen Korrekturbogen zugeschickt. Der Titel ist abgeschmackt, und mein Name steht darauf, was ich ausdrücklich verboten hatte; er steht außerdem nicht auf dem Titel meines Manuskripts. Außerdem hat mir der Korrektor einige Gemeinheiten in den Mund gelegt, die ich in meinem Leben nicht gesagt haben würde. Gutzkows glänzende Kritiken habe ich gelesen und zu meiner Freude dabei bemerkt, daß ich keine Anlagen zur Eitelkeit habe. Was übrigens die sogenannte Unsittlichkeit meines Buchs angeht, so habe ich Folgendes zu antworten: der Dramatische Dichter ist in meinen Augen nichts, als ein Geschichtsschreiber, steht aber über Letzterem dadurch, daß er uns die Geschichte zum zweiten Mal erschafft und uns gleich unmittelbar, statt eine trockene Erzählung zu geben, in das Leben einer Zeit hinein versetzt, uns statt Charakteristiken Charaktere, und statt Beschreibungen Gestalten gibt. Seine höchste Aufgabe ist, der Geschichte, wie sie sich wirklich begeben, so nahe als möglich zu kommen. Sein Buch darf weder sittlicher noch unsittlicher sein, als die Geschichte selbst; aber die Geschichte ist vom lieben Herrgott nicht zu einer Lektüre für junge Frauenzimmer geschaffen worden, und da ist es mir auch nicht übel zu nehmen, wenn mein Drama ebensowenig dazu geeignet ist. Ich kann doch aus meinem Danton und den Banditen der Revolution nicht Tugendhelden machen! Wenn ich ihre Liederlichkeit schildern wollte, so mußte ich sie eben liederlich sein, wenn ich ihre Gottlosigkeit zeigen wollte, so mußte ich sie eben wie Atheisten sprechen lassen. Wenn einige unanständige Ausdrücke vorkommen, so denke man an die weltbekannte, obszöne Sprache der damaligen Zeit, wozu das, was ich meine Leute sagen lasse, nur ein schwacher Abriß ist. Man könnte mir nur noch vorwerfen, daß ich einen solchen Stoff gewählt hätte. Aber der Entwurf ist längst widerlegt. Wollte man ihn gelten lassen, so müßten die größten Meisterwerke der Poesie verworfen werden. Der Dichter ist kein Lehrer der Moral, er erfindert und schafft Gestalten, er macht vergangene Zeiten wieder aufleben, und die Leute mögen dann darus lernen, so gut, wie aus dem Studium der Geschichte und der Beobachtung dessen, was im menschlichen Leben um sie herum vorgeht. Wenn man so wollte, dürfte man keine Geschichte studieren, weil sehr viele unmoralische Dinge darin erzählt werden, müßte mit verbundenen Augen über die Gasse gehen, weil man sonst Unanständigkeiten sehen könnte, und müßte über einen Gott Zeter schreien, der eine Welt erschaffen, worauf so viele Liederlichkeiten vorfallen. Wenn man mir übrigens noch sagen wollte, der Dichter müsse die Welt nicht zeigen wie sie ist, sondern wie sie sein solle, so antworte ich, daß ich es nicht besser machen will, als der liebe Gott, der die Welt gewiß gemacht hat, wie sie sein soll. Was noch die sogenannten Idealdichter anbetrifft, so finde ich, daß sie fast nichts als Marionetten mit himmelblauen Nasen und affektiertem Pathos, aber nicht Menschen von Fleisch und Blut gegeben haben, deren Leid und Freude mich mitempfinden macht, und deren Tun und Handeln mir Abscheu oder Bewunderung einflößt. Mit einem Wort, ich halte viel auf Goethe oder Shakespeare, aber sehr wenig auf Schiller. Daß übrigens noch die ungünstigsten Kritiken erscheinen werden, versteht sich von selbst; denn die Regierungen müssen doch durch ihre bezahlten Schreiber beweisen lassen, daß ihre Gegner Dummköpfe oder unsittliche Menschen sind. Ich halte übrigens mein Werk keineswegs für vollkommen, und werde jede wahrhaft ästhetische Kritik mit Dank annehmen. -
Habt ihr von dem gewaltigen Blitzstrahl gehört, der vor einigen Tagen das Münster getroffen hat? Nie habe ich einen solchen Feuerglanz gesehen und einen solchen Schlag gehört, ich war einige Augenblicke wie betäubt. Der Schade ist der größte seit Wächtersgedenken. Die Steine wurden mit ungeheurer Gewalt zerschmettert und weit weg geschleudert; auf hundert Schritt im Umkreis wurden die Dächer der benachbarten Häuser von den herabfallenden Steinen durchgeschlagen. -
Es sind wieder drei Flüchtlinge hier eingetroffen. Nievergelder ist darunter; es sind in Gießen neuerdings zwei Studenten verhaftet worden. Ich bin äußerst vorsichtig. Wir wissen hier von Niemand, der auf der Grenze verhaftet worden sei. Die Geschichte muß ein Märchen sein. […]


Projekt Gutenberg-DE; 10.12.2007

Büchners Briefe online

Unterrichtsmaterialien

Büchner und Snowden

Es gibt deutliche Parallelen im Lebensschicksal von Georg Büchner und Edward Snowden, die in dem Blogbeitrag "Büchner zu ehren" herausgestellt werden. Und natürlich auch große Unterschiede.

Nuvola apps edu miscellaneous.png   Unterrichtsidee

Büchner ist mit dem "Hessischen Landboten" ein hohes Risiko eingegangen, Snowden mit seiner Herausforderung der westlichen Geheimdienste ebenso.

Wie ist bei Büchner zu erklären, dass er so radikal wurde?

Ist bei beiden entscheidend, dass sie bei ihrem Entschluss noch so jung waren?

Schreib einen Dialog zwischen Büchner und Snowden, in dem sie sich über ihre Motive austauschen und die Handlungen des anderen bewerten.

Georg-Büchner-Schulen

Nuvola apps edu miscellaneous.png   Unterrichtsidee

Es gibt eine Menge Schulen, die nach Georg Büchner benannt sind. Unten sind einige aufgelistet.

Sucht weitere Schulen und findet heraus,

  1. wo sie liegen (Landkarte),
  2. um welchen Schultyp es sich handelt,
  3. und wie sie ihren Namenspatron präsentieren.
Einige Georg-Büchner-Schulen

Georg-Büchner-Preis

Seit 1951 ist der Georg-Büchner-Preis ein Literaturpreis, der von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zur Verfügung gestellt wird.  »Zur Verleihung können Schriftsteller und Dichter vorgeschlagen werden, die in deutscher Sprache schreiben, durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben.«
Der erste Preisträger war 1951 Gottfried Benn: "Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung [...] ehrt damit den Vertreter, der, streng und wahrhaftig gegen sich selbst, in kühnem Aufbruch seine Form gegen die wandelbare Zeit setzte und in unablässigem Bemühen, durch Irren und Leiden reifend, dem dichterischen Wort in Vers und Prosa eine neue Welt des Ausdrucks erschloß."

Texte online

Linkliste

Eine ausführliche kommentierte Linksammlung zum Autor und zu einzelnen Werken
"Wir stellen die erste kommentierte Georg-Büchner-Gesamtausgabe vor, dokumentieren die Diskussion im Zusammenhang mit ihrem Erscheinen, informieren über Hintergründe und laden Sie zur Beteiligung an unserem Forum ein." (Verantwortlich für den Inhalt: Henri Poschmann, 2001)
  • Der Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Kunst in Darmstadt gilt als der wichtigste deutsche Preis für Künstler, Schriftsteller und andere Kunstschaffende. Hier eine Liste der Preisträger seit 1923.
1992 George Tabori, 1993 Peter Rühmkorf, 1994 Adolf Muschg, 1995 Durs Grünbein, 1996 Sarah Kirsch, 1997 H.C. Artmann, 1998 Elfriede Jelinek, 1999 Arnold Stadler, 2000 Volker Braun, 2001 Friederike Mayröcker, Wolfgang Hilbig, Alexander Kluge, Wilhelm Genazino, Brigitte Kronauer ...

Siehe auch