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Gewalt im Film

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Formen der Gewalt in Filmen

Gewalt kann im Film unterschiedliche Gestalten annehmen. Entscheidend für die Wirkung auf den Zuschauer sind folgende Kriterien:

  • Intensität und Visualisierung der dargestellten Gewalt
  • Standpunkt der Charaktere
  • Gesamtaussage des Films ("Message")
  • Realitätsbezogenheit und Nachvollziehbarkeit der Handlung

An verschiedenen Beispielen lassen sich die Formen und deren Auswirkungen anschaulich erläutern:

PULP FICTION: In diesem Gangsterfilm wird in mehreren, chronologisch nicht geordneten Episoden aus dem Leben von Auftragskillern und weiteren Charakteren in deren Umfeld erzählt. Dabei schwanken die Szenen von langen, semi-philosophischen Dialogen zu unvermitteltem, teilweise auf unangenehmen Zufällen beruhenden Gemetzel. Gewalt ist ständig präsent, wird offen dargestellt und von den Handelnden meist befürwortet. Gerade das ist es jedoch, was auf den Zuschauer den gewissen Reiz ausübt. Man kann Pulp Fiction nicht unbedingt als gewaltverherrlichend bezeichnen, sie erscheint allerdings als notwendiges, alltägliches Mittel zur Konfliktlösung. So empfindet der Zuschauer die Genugtuung, Vergeltung oder Rache des Gewalttäters. Weitere Filme, die einen ähnlichen Effekt erzeugen, sind u.a. 'Inglorious Basterds' und 'Death Proof'.

BÖSE BILDER: Dieser Film erzählt die Geschichte von Intrigen, Mobbing und Gewalt zwischen Schülern. Die Handlung ist aus dem Leben gegriffen, die Gewalt in ihrer Form zwar eine Besonderheit, aber keine Seltenheit, und somit nachvollziehbar. Auf den Zuschauer hat "Böse Bilder" eine abschreckende Wirkung, man ist fasziniert von der Situation, hofft jedoch, nicht selbst in eine solche zu geraten. Einen ähnlichen Effekt erzielen auch Kriegsfilme wie 'Der Soldat James Ryan', nur dass sich hier zu den Empfindungen des Zuschauers verstärkt noch Mitleid oder Hass auf das Unrecht mischt. Man kann sagen, dass man sich solche Filme ansieht, um danach froh zu sein, ein normales, geordnetes Leben zu führen (~> Message).

SAW: Die Geschichte des Films ist schnell erzählt: Ein krebskranker Psychopath unterzieht ahnungslose Opfer irrsinnige Mutproben, um ihren Überlebenswillen zu testen. Man muss nicht viel denken, während ein Feuerwerk von spritzendem Blut, Horrorschreien und zermahlenden Knochen vor einem explodiert. Man ekelt sich und doch fehlt von Abschreckung oder einer 'Message' jede Spur. Besonders unter Jugendlichen sind Splatterfilme wie Saw sehr beliebt, da sie wie eine Art Mutprobe zu verstehen sind. Wer sich dem Gedärmespektakel nicht angewiedert abwendet, gilt als besonders hart und gelassen. Beunruhigend ist vor allem dass für die Opfer der Gewalt meist keinerlei Mitleid empfunden wird, da man geradezu auf die nächste Folter wartet. Weiter ähnliche Beispiele sind u.a. 'Texas Chainsaw Massacre' und 'The Hills Have Eyes'.

Zusammengefasst lässt sich als Faszinationsmoment bei allen drei Filmbeispielen ein gewissen Interesse am Leid des Anderen festhalten, ob nun mit Mitleid, Genugtuung, Abschreckung oder dem "gemeinsamen Gruseln" verbunden.

Gesetzliche Regelungen

Der Zugang zu Gewalt darstellenden Medien ist formal durch das JuSchG eingeschränkt und mit Art. 2 des Grundgesetzes begründet. Seit 2003 entscheidet die FSK (freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) in Deutschland über Kinder- und Jugendeignung von Filmen in Form eines Alterssystems.

  • freigegeben ohne Altersbeschränkung: schnelle und positive Auflösung von Konflikten im Film
  • freigegeben ab 6 Jahren: Film darf einige Spannungs- und Bedrohungsmomente enthalten
  • freigegeben ab 12 Jahren: wenig Gewalt, da Kinder während der Selbstfindungsphase angreifbar sind, seriöse Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen möglich
  • freigegeben ab 16 Jahren: durch entwickelte Medienkompetenz ist einige Gewalt, aber nicht Gewaltverherrlichung vertretbar
  • keine Jugendfreigabe: sehr schwere Jugendgefährdung durch exzessive Gewaltsausübung (z.B. auf sexueller oder rassendiskriminierender Ebene)

Außerdem existiert ein Verbot für die Verbreitung jeglicher pornografischer Gewalttätigkeiten, bei Missachtung droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Problematisch ist, dass Jugendliche durch die Möglichkeiten des Internets trotz gesetzlicher Regelungen an für sie nicht freigegebene Titel gelangen. Eine genaue Kontrolle gestaltet sich deshalb sehr schwierig.

Auswirkungen von Gewaltdarstellungen

Gewaltdarstellende Filme haben sich im Gegensatz zu Computerspielen weitgehend in unserer Gesellschaft etabliert und werden eher außen vor gelassen, wenn es um den Zusammenhang zu realer Gewaltausübung geht. Trotzdem gibt es verschiedene Theorien über die Auswirkungen von Gewalt in Filmen:

  • Im Film handelt man nicht selbst, es wird eine Heldenrolle vorgegeben, mit der man sich identifiziert. Der Filmcharakter übt also eine Vorbildfunktion aus, die das Handeln des Konsumenten beeinflussen kann. Dies kann sich vor allem bei Kindern und Jugendlichen negativ auswirken, da sie noch kein entwickeltes und gefestigtes Moralverständnis besitzen.
  • Gewalt wird kopiert und nachgeahmt als vertretbares Mittel der "Guten" um "Gutes" zu erreichen.
  • Gewaltdarstellungen in Filmen können Angst erzeugen und so die Aggressionsbereitschaft entweder hemmen oder weiter fördern.
  • Gewalt in Filmen wirkt auf Dauer abstumpfend, gewöhnend und alltäglich.
  • Gewaltdarstellung im Film baut Spannungen ab und mindert damit die Gewaltbereitschaft

Alle genannten Auswirkungen treten individuell auf, und lassen sich nicht auf die Allgemeinheit beziehen. Sie hängen stark von der körperlichen und psychischen Verfassung sowie der sozialen Situation des Konsumenten ab.