Gustav Freytag

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Gustav Freytag

Gustav Freytag (* 13. Juli 1816 in Kreuzburg, Oberschlesien; † 30. April 1895 in Wiesbaden) war Literaturwissenschaftler, politischer Journalist, Liberaler und insofern Bismarckkritiker, Dramatiker, Dramentheoretiker (Freytagsche Modell), Romancier mit seinem Kaufmannsroman "Soll und Haben", Kulturhistoriker ("Bilder aus der deutschen Vergangenheit") und hat es unternommen, in seinem historischen Roman "Die Ahnen" die germanisch-deutsche Geschichte am Beispiel der Mitglieder einer Familie von der Zeit der Völkerwanderung bis nahe an seine Gegenwart darzustellen.

Inhaltsverzeichnis

Werke

Die folgende Liste der Werke von Gustav Freytag ist höchstwahrscheinlich unvollständig und nennt vor allem Titel, zu denen es Seiten hier im ZUM-Wiki gibt. - Auf diesen Seiten zu einzelnen Werken geht es mehr um Ideen für den Unterricht als um bibliographisches Wissen zu diesem Werk.

Romane

Für »Soll und Haben« ist diese Idee [die Idee, die "den ganzen Verlauf der Ereignisse bestimmt"] in dem leitenden Kapitel auf Seite 13 in Worte gefaßt, der Mensch soll sich hüten, daß Gedanken und Wünsche, welche durch die Phantasie in ihm aufgeregt werden, nicht allzu große Herrschaft über sein Lehen erhalten. Anton und Itzig, der Freiherr und Ehrenthal, und in geringerem Maße auch die andern Gestalten haben mit solcher Befangenheit zu kämpfen, sie unterliegen oder werden Sieger. Auch die Teile der Handlung sind in der Hauptsache dieselben wie im Drama: Einleitung, Aussteigen, Höhepunkt, Umkehr und Katastrophe.

G. Freytag: Erinnerungen aus meinem Leben, Arbeiten der Mannesjahre, S.600

In dieser Erzählung schilderte ich Lebenskreise, welche mir seit meiner eigenen akademischen Zeit vertraut waren: die Wirtschaft auf dem Lande und die Universität. Möchte man den Schilderungen ansehen, daß ich hier recht mühelos und froh aus dem Vollen geschöpft habe. Bei den Gestalten der akademischen Welt würde man vergebens nach bestimmten Vorbildern suchen, denn Herr und Frau Struvelius, Raschke und andere sind Typen, denen wohl auf jeder deutschen Universität einzelne Persönlichkeiten entsprechen. [...]

Denn als wir einmal zu Leipzig, noch vor seiner Berufung nach Berlin, allein beieinander saßen, offenbarte er Moritz Haupt mir im höchsten Vertrauen, daß in irgend einer westfälischen kleinen Stadt auf dem Boden eines alten Hauses die Reste einer Klosterbibliothek lägen. Es sei wohl möglich, daß darunter noch eine Handschrift verlorener Dekaden des Livius stecke. Der Herr dieser Schätze aber sei, wie er in Erfahrung gebracht, ein knurriger, ganz unzugänglicher Mann. Darauf machte ich ihm den Vorschlag, daß wir zusammen nach dem geheimnisvollen Hause reisen und den alten Herrn rühren, verführen, im Notfall unter den Tisch trinken wollten, um den Schatz zu heben. Weil er nun zu meiner Verführungskunst bei gutem Getränk einiges Zutrauen hatte, so erklärte er sich damit einverstanden, und wir kosteten das Vergnügen, den Livius für die Nachwelt noch dicker zu machen, als er ohnedies schon ist, recht gewissenhaft und ausführlich durch. Aus der Reise wurde nichts, aber die Erinnerung an jene beabsichtigte Fahrt hat der Handlung des Romans geholfen. In Leipzig hatte ich kurze Zeit auf der letzten Straße am Rosental bei einem Hutmacher gewohnt, der in seiner Fabrik [623] Strohhüte verfertigte, neben ihm war zufällig ein anderes wohlbekanntes Geschäft, welches den Bedürfnissen des männlichen Geschlechts durch Filzhüte entgegenkam. Dieser Zufall veranlaßte die Erfindung der Familien Hummel und Hahn, doch auch hier sind weder die Charaktere noch die Familienfeindschaft der Wirklichkeit nachgeschrieben. Nur die Tatsache ist benützt, daß mein Hauswirt besondere Freude daran fand, seinen Hausgarten durch immer neue Erfindungen auszuschmücken: die weiße Muse, die Hängelampen und das Sommerhaus am Wege habe ich dem Gärtchen entnommen. Außerdem sind zwei Charaktere seines Haushalts, gerade die, welche wegen ihres mtythischen Charakters Anstoß erregt haben, genaue Kopien der Wirklichkeit, die Hunde Bräuhahn und Speihahn. Diese hatte mein Hauswirt irgend woher als Wächter seines Besitzes erstanden, sie erregten durch ihr köterhaftes Verhalten den Unwillen der ganzen Straße, bis sie einmal von einem erzürnten Nachbar vergiftet wurden, Bräuhahn starb, Speihahn blieb am Leben und wurde seit der Zeit ganz so struppig und menschenfeindlich, wie er im Roman abgeschildert ist, so daß ihn nach zahllosen Missetaten, die er verübt, sein Besitzer wieder auf das Land geben mußte.


G. Freytag: Erinnerungen aus meinem Leben, Arbeiten der Mannesjahre, S.621-623

Die Erzählungen, in denen ich [...] das Leben desselben Geschlechtes von der Heidenzeit bis in unser Jahrhundert zu behandeln unternahm, sind: 1. Ingo, 2. Ingraban (zusammen gedruckt 1872), 3. Das Nest der Zaunkönige (gedr. 1873), 4. Die Brüder vom deutschen Hause (gedr. 1874), 5. Marcus König (gedr. 1876), 6. Der Rittmeister von Alt-Rosen, 7. Der Freikorporal bei Markgraf-Albrecht (beide zusammen unter dem Titel »Die Geschwister« gedr. 1878), 8. Aus einer kleinen Stadt und Schluß (gedr. 1880). [...]

Der Zusatz »Roman« hinter dem Gesamttitel »Die Ahnen« bedarf vorab einer kleinen Entschuldigung. Er wurde nur gewählt, um den Buchhändlern und Lesern die Gattung zu bezeichnen, welcher das Werk angehört, er steht in der Einzahl, weil die Mehrzahl »Romane« dem Verfasser vor dem ersten Band nicht gefiel. Die einzelnen Geschichten aber sind, auch wenn ihr Umfang mäßig ist, nach Inhalt und Farbe keine Novellen.


G. Freytag: Erinnerungen aus meinem Leben, Die Ahnen, S.658-659

Theaterstücke

Kulturhistorische Schriften

Herausgeber

  • Die GrenzbotenWikipedia-logo.png, 1848–1870
  • Otto Ludwig: Gesammelte Werke, 4 Bände, 1870

Autobiographisches

Erinnerungen aus meinem Leben

Siehe auch

Linkliste