Der Krieg, Otto Dix

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Inhaltsverzeichnis

Künstlerbiografie

Otto Dix lebte von 1891 bis 1969, er war ein deutscher Maler und Grafiker. 1914 bis 1918 war Dix als MG-Schütze im 1.Weltkrieg. Ab 1927 arbeitete er als Professor an der Kunstakademie in Dresden. Dort prägte Otto Dix eine jüngere, politisch stark engagierte Malergeneration. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde er jedoch entlassen. 1934 erhielt er ein gänzliches Ausstellungsverbot seiner Werke. Ab 1936 lebte er zurückgezogen, aber dennoch weiterhin in Deutschland.

Stilrichtung - Verismus

Otto Dix war ein Vertreter des Verismus (lat.verus=wahr), eine Stilrichtung, die aus der Gruppe des Realismus bzw. Naturalismus, die sich wiederum zur Neuen Sachlichkeit entwickelte, hervorging.Sie entwickelte sich in Deutschland in den 1920er Jahren. Im Verismus wurde die Auffassung politisch, gesellschaftlicher Interessen wirklichkeitstreu wiedergegeben. Die Betrachtung der Gegebenheiten stand im Vordergrund und somit auch die Haltung des Künstlers zum Thema oder Geschehen. Aus diesem Grund exestieren keine wirklichen Stilmerkmale, da jeder Künstler eine andere Meinung vertritt und eine andere Auffassung hat. Somit sind alle Werke aus einer unterschiedlichen Betrachtung entstanden. Otto Dix wollte vor allem das Elend, der an den Rand der Gesellschaft gedrängten, dem vergnügungssüchtigen Bürgertum vorhalten.

sozialkritischer Realismus

Das Bild "Der Krieg" gehört einer Untergruppe der Neuen Sachlichkeit an, dem sozialkritischen Realismus. Dieser stellt vor allem das Elend und die Ursachen der gesellschaftlichen Fehlentwicklung dar. Verismus und sozialkritischer Realismus ähneln sich sehr und sind deswegen meist gleich gestellt.

geschichtlicher Kontext

Otto Dix meldete sich freiwillig als Unteroffizier im 1. Weltkrieg(1914-1918). Er setzte sich während und unmittelbar danach intensiv mit dem Krieg auseinander . Es entstanden Werke wie "Kriegskrüppel"(1920), "Schützengraben"(1920-1923) und 50 Radierungen der Folge "Krieg"(1924). Erst 1929-1932 malte Otto Dix das Triptychon "Der Krieg". Ab 1919 übernahm die Weimarer Republik die Herrschaft Deutschlands als eine parlamentarische Demokratie. Doch Deutschland litt weiterhin unter der Niederlage des 1. Weltkrieges. Der "Versailler Vertrag", der in Paris als Friedensvertrag abgeschlossen wurde, verlangte hohe Reparationszahlungen von Deutschland. Außerdem wurde Deutschland die Alleinschuld am Krieg zugeschrieben. 1924 begannen "Die goldenen Zwanziger" und fanden 1929 ihr Ende. Es war der weltweite wirtschaftliche Aufschwung, der durch die Weltwirtschaftskrise 1929 beendet wurde. Danach herrschte Massenarbeitslosigkeit und das Volk wünschte sich wieder eine Einheit. 1933 endete die Weimarer Republik mit der Machtübernahme Hitlers und der Nationalsozialisten.

"Der Krieg" von Otto Dix

Siehe Bild -> [der Krieg, 1929/32]

Bildanalyse

Das Triptychon "Der Krieg" von Otto Dix entstand von 1929 bis 1932 und beruht auf den Erlebnissen Otto Dix im 1. Weltkrieg. Es wurde eine Mischtechnik auf Sperrholz angewandt, bzw. die Lasurmalerei eine "altmeisterliche Technik". Die Mitteltafel ist 204 x 204 cm, die Flügel 204 x 102 cm und die Predella 60 x 204 cm groß. Triptychen waren dreiteilige Altarbilder, es war eine bewusste, formale Wahl von Otto Dix. "Der Krieg" ist eine Katastrophendarstellung, die naturalistisch bzw. realistisch von ihm wiedergegeben wurde. Er benutzte raumschaffende Mittel und die Zentralperspektive, die vor allem im Predella zu erkennen ist, um eine intensive Tiefenwirkung darzustellen. Seine Formen sind großflächig gemalt, dennoch detailliert. Das realistische Erscheinen des Bildes führt auch von der Verwendung der Lokal- und Gegenstandsfarben her. Durch die lasierende Technik wirkt das Bild sehr lebensecht. Da alle Farben dunkel und getrübt gehalten wurden, sind nur Farbe-an-sich-Kontraste vorhanden. Ein geringer Hell-Dunkel-Kontrast existiert im Vorder- und Hintergrund. Die Komposition ist offen, aber in Dreiecke gegliedert, die gleichzeitig die Verbindungen zwischen den Teilen des Triptychons darstellen. Durch die Dreieckskomposition entsteht auch eine Gruppierung und Ballung der Bildgegenstände. Es sind mehrere Lichtquellen im Bild vorhanden, jedoch ist die größte und auffallendste die der Sonne, aber auch diese Ausleuchtung ist hart und düster.

Beschreibung und Deutung

Das Bild "Der Krieg" enthält viele Christus-Anspielungen. Zum einen das Triptychon (wie oben schon erläutert) und weiterführend der angedeutete christliche Passionszyklus. Im linken Bildflügel ziehen die Soldaten in das Verderben. Auf der Mitteltafel ist das Ergebnis der Schlacht zu sehen. Keine kriegerische Handlung findet dort mehr statt, es existiert fast kein Leben mehr.Im rechten Bildflügel ziehen die Verwundeten vom Schlachtfeld über die Leichen. Der Träger des Verletzten stellt Otto Dix selbst dar. Auf der Predella sind tote oder schlafende Soldaten im Schützengraben zu sehen. Wachen sie wieder auf, beginnt der Kreislauf von vorn. Der christliche Passionszyklus verläuft ähnlich: linker Bildflügel-Kreuztragung; Mitteltafel-Kreuzigung; rechter Bildflügel-Kreuzabnahme und Predella-Grablegung. Nur ein Teil des Zyklus fehlt: die Auferstehung. Doch das es keine Auferstehung mehr geben wird, macht Otto Dix auch noch auf andere Art und Weise deutlich: die nach oben gereckte Hand mit peinvoll gespreizten Fingern in der Nähe des Schnittpunktes der Diagonalen, die zu dem Toten mit gen Himmel ragenden Beinen gehört, ist ein Motiv, das mit den Händen des Gekreuzigten in Verbindung gebracht wird. Er betont diesen Toten besonders, indem er ein Skelett, hängend an Eisenstangen, auf ihn zeigen lässt. Der Tote und das Skelett bilden einen Bogen, der die Vorderbühne vom dahinter liegenden Niemandsland abgrenzt. Es scheint als würden sie ihr Gespräch im Jenseits weiter führen.Eine weitere Christus-Anspielung befindet sich in der der linken, unteren Ecke der Mitteltafel. Stacheldraht wickelt sich wie eine Dornenkrone um den Kopf eines Toten. Auf sinnbildlicher Ebene ist das Bild ein Gleichnis seiner Zeit. Es verkörpert Unruhen, Ängste, Qualen und religiöse Gefühle der damaligen Generation.

Quellen

Praxis Kunst: Malerei (Schroedel)
Bildende Kunst 1 (Schroedel)
Bildende Kunst 2 (Schroedel)
Bildende Kunst 3 (Schroedel)
Duden: Kunst, Gymansium Oberstufe
Kammerlohr: Malerei
Der Brock Haus: Moderen Kunst