Jean-Paul Sartre

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Jean-Paul Sartre (* 1905, † 1980) war ein französischer Philosoph und Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Unterrichtsmaterial

Die Theorie von Sartre in Bezug auf diese Frage kurz erläutert, auf das Heinz-Dilemma angewendet.
"Transformation philosophischer Methoden im Unterricht am Beispiel Jean-Paul Sartres"
  • Teil 1 - Informationen zur Existenzphilosophie und speziell zum Existentialismus
  • Teil 2 - Transformation philosophischer Methoden (unterrichtspraktisch am Beispiel Sartres erklärt)
  • Teil 3 - Sartre-Kurs, Ablauf eines Wochenendseminars

Theorie

  • „Die Existenz geht der Essenz vorraus“ (Sartre)
  • essentia - Wesen
  • existentia - Dasein
  • Da es für Sartre keinen Gott gibt, der dem Menschen sein Wesen vorgibt, bestimmt er sich in seiner Existenz selbst:
„Was bedeutet hier, dass die Existenz der Essenz vorausgeht? Es bedeutet, dass der Mensch zuerst existiert, sich begegnet, in der Welt auftaucht und sich danach definiert.“

--> Der Mensch allgemein ist undefinierbar, weil sein Existieren immer wieder neu entschieden werden muß - durch Handlungen

Ding-Sein Mensch-Sein
An-sich-sein Für-sich-sein
  • Unfähigkeit, sich zu sich verhalten zu können
  • vom Bewußtsein unabhängige Sein der Dinge
  • bezieht sich weder auf sich noch auf anderes
  • es ist, was es ist
  • reine Positivität
  • Identität mit sich
  • veränderungsloses,unterschiedsloses, reines Sein
  • --> An-sich-sein hat bereits bei der Erschaffung ein Wesen (Bleistift)/Funktion
  • durch Bewußtsein bestimmtes Sein des Menschen
  • kann sich selbst von anderen unterscheiden
  • Distance zu sich selbst einnehmen können
  • Negativität
  • Nicht-Identität
  • es entsteht die Fähigkeit zur Unterscheidung, zur Veränderung, zur Verneinung: das NEIN/das NICHTS

-->menschl. Existenz trägt in sich ihre Negation, d.h. sie ist widersprüchlich: Für-sich-sein hat dies nicht

  • Der Mensch ist weder Teil der Natur noch ein Glied im Ganzen der Menschheit, noch ein Geschöpf Gottes, der Mensch ist eigentlich NICHTS

-->das Nichts ist Keimpunkt jeglicher Existenz. Aus dem NICHTS heraus existieren heißt: sie ENTWERFEN

  • der Mensch ist zuerst da und wählt dann sein Wesen, seine Essenz
  • Mensch muß sich daher selbst wählen und sich einen Entwurf machen, nach dem er seine einzelnen Entscheidungen ausrichtet (Entwurf kann aber jederzeit verändert werden)
  • Geschlossene Gesellschaft, S. 56: "Man ist, was man will."
  • Ein Sein, „das ist, was es nicht ist und das nicht ist, was es ist“
  • ENTWURF: Mensch entwirft sich über sich selbst hinaus in die Zukunft, durch diesen Entwurf ist er immer schon über sich hinaus, er ist, was er noch nicht ist
  • Mensch kann sich auch nicht auf das faktisch gegebene reduzieren: er ist nicht nur, was er ist, sondern er ist, wozu er sich macht
  • Seinsverfassung des Menschen:

-->FREIHEIT, denn er kann nicht anders, als sich selbst verwirklichen zu müssen - er ist zur Freiheit verurteilt

  • Freiheit des Menschen ist immer Freiheit in einer Situation, verschiedene Situationen entstehen nur durch die Freiheit... weil ich immer die Wahl des diesen oder jenen habe.
  • Freiheit ist die Nichtung des An-sich durch den Entwurf
  • Die Freiheit wird durch das faktisch Gegebene (z.B. Widerstand der Dinge, Mitmenschen, Leiblichkeit) nicht aufgehoben, denn erst die Freiheit enthüllt dieses als Grenze; es ist Begrenzung nur innerhalb eines konkreten Lebensentwurfs.
  • Der Mensch ist in die volle VERANTWORTUNG für sich geworfen. Er hat aber auch die Möglichkeit der UNWAHRHAFTIGKEIT sich selbst gegenüber. Das Zusammenspiel von Faktizität und freiem Entwurf wird dabei so umgedeutet und gehandhabt, dass man der Verantwortung für sein eigenes Sein ausweichen kann.
  • Geschlossene Gesellschaft, S. 57:
Garcin: Ich bin zu früh gestorben. Man hat mir nicht die Zeit gelassen, meine Taten auszuführen.
Inés: Man stirbt immer zu früh- oder zu spät. Und nun liegt das Leben da, abgeschlossen; der Strich ist gezogen, fehlt nur noch die Summe. Du bist nicht anderes als dein Leben.


Zitate von Sartre

  • "Die Existenz geht dem Wesen voraus." / "L'existence précède l'essence." (L'existentialisme est un humanisme)
  • "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt." / "L'homme est condamné à être libre" (L'existentialisme est un humanisme)
  • "Nie waren wir so frei wie unter der deutschen Besatzung." (Situations, III)
  • "Die Hölle, das sind die anderen." / "L'enfer, c'est les autres"(Huis-clos)
  • "Du bist nichts als das, was du lebst." (Huis-clos)
  • "Oreste: Fremd mir selbst, ich weiß. Jenseits der Natur, gegen die Natur, ohne Rechtfertigung, ohne anderen Gewähr als in mir selbst. Aber ich kehre nicht unter dein Gesetz zurück: es sind tausend Wege gezeichnet, die zu dir führen, ich will jedoch einzig meinem Weg folgen. Denn ich bin ein Mensch, Jupiter, und jeder Mensch muss seinen Weg erfinden. Die Natur empfindet Schrecken vor dem Menschen, und du, du, Höchster der Götter, auch du betrachtest die Menschen mit Schrecken." (Les Mouches)
  • "Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen." (Au fil de mes lectures)
  • (Über Ernesto "Che" Guevara) "Ich halte dafür, dass dieser Mann nicht nur ein Intellektueller, sondern der vollkommenste Mensch unserer Zeit war."
  • "Heute würde ich den Begriff Freiheit folgendermaßen definieren: Freiheit ist jene kleine Bewegung, die aus einem völlig gesellschaftlich bedingten Wesen einen Menschen macht, der nicht in allem das darstellt, was von seinem Bedingtsein herrührt." (Sartre über Sartre, Interview mit Perry Anderson, Ronald Fraser und Quintin Hoare, 1969)
Zusammengestellt in Jean-Paul SartreWikipedia-logo.png

Hintergrundinformationen

"(...) Unter den Bedingungen der philosophischen Bewegungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts versuchte S. in seinem Denken den Weg von Hegel zu Marx nachzuvollziehen. Dem An-sich-Sein der Dinge stellte der frühe S. das Für-sich Sein des Menschen entgegen. Die Seinsfülle bestimmt ersteres positiv und als mit sich identisch, letzteres hingegen wird durch den Seinsmangel negativ als in seinem Wesen unbestimmt bestimmt. Es gibt keine Natur des Menschen, seine Existenz geht seiner Essenz voraus. Der Mensch ist nicht, sondern verhält sich zum Sein und zu sich selbst. Als solcher ist er nicht mit sich identisch wie dies die Dinge sind, und er leidet unter diesem inneren Zwiespalt. Weil der Mensch nicht ist, sondern zu sein hat, ist seine Existenz ein stets zu realisierender Entwurf, der aber nie bleibend ist. Die konkrete Existenz entscheidet sich in freier Wahl durch Engagement. Geschichte und Moral sind Ergebnisse des schöpferischen Prozesses menschlichen Entscheidens: der Mensch ist sich selbst Maßstab. Existenz ist Freiheit, Freiheit damit Aufgabe und und Würde des Menschen; diese ist aber begrenzt durch die Freiheit des Anderen. Geschichte hat beim frühen S. nur den Sinn, den ihr der Mensch gibt; der spätere marxistische S. tritt hingegen für eine dieser Weltanschauung entsprechende Geschichtsauffassung ein. Sinngebung im Sinnlosen, so ließe sich die Absurdität der menschlichen Existenz formulieren, gegen die sie sich auflehnt. Diese Ambivalenz der Welt gilt es für den Menschen auszuhalten.(...)"

Sartre lehnte den Nobelpreis für Literatur ab, weil Preise die Unabhängigkeit verdürben. Damit war er mit Boris Pasternak, der den Preis auf Druck seiner Regierung nicht annahm, der einzigeder den Nobelpreis für Literatur ablehnte.

Literatur

  • Jean-Paul Sartre: Das Sein und das Nichts, Versuch einer phänomenologischen Ontologie, Rowohlt-Verlag
  • Jean-Paul Sartre: Die Geschlossene Gesellschaft, Rowohlt-Verlag
  • Jean-Paul Sartre: Ist der Existentialismus ein Humanismus?, Rowohlt-Verlag
  • Christa Hackenesch: Jean-Paul Sartre, Rowohlt-Verlag (Biographie, ziemlich gut geschrieben/ die enge Verknüpfung von Leben und Philosophie wird gut deutlich)
  • Martin Suhr: Jean-Paul Sartre zur Einführung, (ausschließlich Philosophie, sehr komplexe Einführung)

Siehe auch