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Leipzig

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Blick Richtung Osten (Thoraschrein, Ewiges Licht), Synagoge Keilstraße in Leipzig

Die Leipziger jüdische Gemeinde blickt auf eine lange Geschichte zurück, die an vielen Punkten in der Stadt sichtbar wird.

Inhaltsverzeichnis

Unterrichtsmaterialien

Nuvola apps edu miscellaneous.png   Unterrichtsidee
  • Allein in Leipzig gab es während der Zeit des Nationalsozialismus ca. 12 000 Opfer (andere Quellen sprechen von 14 000) - Schülern ist diese Zahl meist zu abstrakt. Bereits das nacheinander Auflegen der vier Seiten auf Folie zeigt bei den Schülern eine höhere Wirkung als das bloße Nennen der Zahlen und Fakten.
Stift.gif   Aufgabe

Informiere dich über Juden, die in Leipzig lebten. Wähle einen aus und fertige einen Steckbrief oder einen Zeitungsartikel über diesen Menschen an. Gehe dabei auch auf die geschichtlichen Ereignisse und Umstände in Leipzig zu seiner Lebenszeit ein.

Hilfe: Carlebach-Stiftung, Löhrstraße 10

Geschichte

bis 1933
  • 15. Jh: Entwicklung Leipzigs zur Messestadt - jüdische Kaufleute (viele aus Brody) waren zur Messe zugelassen. Juden hatten zur damaligen Zeit in Leipzig kein Siedlungsrecht. Einrichtung einer Betstube in Herberge Am Brühl. (Brodyer Synagoge)
  • 1813 Kauf des Grundstückes Sternwartenstraße - der 1. jüdische Friedhof entstand (Reste des Eingangs sind noch erhalten)
  • Ende 17. Jh Juden bekamen in Leipzig das Siedlungsrecht, viele Einwanderungen aus anderen dt. Städten und Osteuropa
  • 1837 Regierung gestattet die Bildung je einer Religionsgemeinde in Dresden und Leipzig (und den Erwerb von Grundstücken zur Erbauung von Bet- und Schulhäusern)
  • 1847 Gründung der israelitischen Religionsgemeinde von liberalen Juden - 50 Mitglieder
  • 1854 Kauf des Grundstückes für Synagogenbau Gottschedstr./Zentralstr., Bau dieser Synagoge von Spendengeldern durch Otto Siemensohn (Schüler von G. Semper) für 1600 Gottesdienstbesucher
  • 1864 Eröffnung des 2. jüdischen Friedhofs (Berliner Str.)
*1871 ca. 80 Mitglieder der jüdischen Gemeinde
*1911 ca. 10 000 Mitglieder (davon ca. 80% orthodox)
*1925 ca. 13 000 Mitglieder (6. größte jüdische Gemeinde in Deutschland)
  • um 1900 Gründung des Talmud-Thora-Vereins, der u.a. auch die Brodyer Synagoge unterhielt. Der Verein erwarb 1904 das Grundstück Keilstraße 4 und errichtete eine stattliche orthodoxe Synagoge
  • 1911 Eröffnung der Henriette Goldschmidt-Schule für Frauen (Goldschmidt-Straße), Stiftung des Gebäudes durch Henri Hinrichsen (heute: Berufsschule)
  • 1912 Eröffnung der ersten höheren israelitischen Schule durch Ephraim Carlebach (Gustav-Adolf-Str. 7) (heute ist dieses Haus die Zentralbücherei für Blinde, Fassade ist im Originalzustand erhalten, außerdem Davidstern im Fußboden und Gedenktafel)
  • bis 1917 keine offizielle Anerkennung der orthodoxen Riten durch die (liberale) Gemeinde (Ausweich auf verschiedene Betlokale)
  • 1920/30 über 100 verschiedene jüdische Institutionen (Vereine, Stiftungen)
  • 1925 gibt es in der Stadt 16 weitere kleine Synagogen und Betstuben
ab 1933
  • 1933 erster Boykott jüdischer Geschäfte, Aberkennung der Zulassungen für best. Berufe (Ärzte, Rechtsanwälte)
  • 1933-1938 Versuche der Emigration (sofern Geld und Beziehungen vorhanden waren)
  • 1935 nach Nürnberger Gesetzen: im Park am Leipziger Rosental wurden Bänke gekennzeichnet, auf denen Juden nicht Platz nehmen durften, 1936 gab es dann bereits ein Schild am Eingang, dass Juden den Park nicht betreten dürfen
  • 1938 1. "Polenaktion" - polnische Juden sollten (mit den wichtigsten Sachen im Handkoffer) an der Grenze zu Polen ausgesetzt werden. In Leipzig wären 3000 Juden betroffen gewesen, knapp 2000 konnten vom polnischen Generalkonsul vorgewarnt werden und für zwei Tage in der Villa Uri (heute: Gästehaus der Stadt Leipzig), die damals als polnisches Konsulat als exterritorial galt untergebracht und verpflegt werden. Danach konnten die Bürger unbehelligt nach Hause gehen.
Einige der an der Grenze ausgesetzten kamen jedoch zurück, erhielten Einreisegenehmigung und somit die Chance ihre Wohnungen und Geschäfte ordnungsgemäß aufzulösen. Im Rahmen der Frühjahrsmesse im Mai 1939 durfte für einige Wochen die Talmud-Thora-Synagoge wiedereröffnet werden (durch diese wiedereingewanderten "ausländischen" Juden)
  • 1939 2. "Polenaktion" - keine Rettung mehr für polnische Juden.
  • seit 1939 Verwendung der Talmud-Thora-Synagoge als Lagerstätte u.a. für Chemikalien
  • 1942-45 7 Transporte zur Deportation der verbleibenden jüdischen Bevölkerung, ein 8. war geplant fand aber 1945 nicht mehr statt. Der 7. traf zur Zeit der Befreiung von Theresienstadt dort ein.
seit 1945
  • 8. Mai 1948 - Wiedereröffnung der israelitischen Gemeinde mit Sitz in der Löhrstraße 10 (war bereits seit 1911 Sitz des Büros)
  • Oktober 1945 ca. 250 Gemeindemitglieder, Synagoge wurde wieder geweiht (Talmud-Thora-Synagoge, Keilstraße)
  • 1950er Jahre Verfolgung durch stalinistische Politik --> Fluchtbewegung nach Westdeutschland/Berlin
  • 1955 ca. 170 Gemeindemitglieder
  • 1988 Wandel der DDR-Politik: 50. Jahrestag der Reichsprogromnacht sollte mit einer Ausstellung über jüdisches Leben gedacht werden - Beginn der 1. Spurensuche. Die Ausstellung war international beachtet, es gab viele ehemalige Leipziger Juden in aller Welt, die daraufhin Erlebnisse schilderten.
  • 1989 Anfänge der Carlebach-Stiftung zur weiteren Erforschung der jüdischen Geschichte in Leipzig
  • seit 1992 Zuwanderungen von Juden aus Osteuropa
  • seit 1994 gibt es eine israelische Religionslehrerin (zuständig für Dresden, Chemnitz und Leipzig)
  • seit 1998 gibt es einen Landesrabbiner
  • seit 2005 gibt es eine jüdische Kindergartengruppe
  • 2006 ca. 1200 Gemeindemitglieder
  • Ende 2007 (geplant): Eröffnung eines Begegnungszentrum in der Hinrichsenstraße 14

Links

Literatur

  • Jüdisches Leben in Leipzig, gestern-heute-morgen, Literatur- und Bestandsverzeichnis, ISBN 3-938543-29-9

Siehe auch