Karl Philipp Moritz

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

15. September 1756 in Hameln - 26. Juni 1793 in Berlin

Schriftsteller, Philosoph und Journalist
Verfasser des „Anton Reiser. Ein Psychologischer Roman"
Wegbereiter der modernen Psychologie und Mittler zwischen Aufklärung und Romantik
KP Moritz.gif

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Werke

Anton Reiser

Erfahrungsseelenkunde

Pädagogisches Werk

  • "Versuch einer kleinen praktischen Kinderlogik welche auch zum Theil für Lehrer und Denker geschrieben ist" / Herausgegeben von Carl Philipp Moritz Professor am Berlinischen Gymnasium. Mit 7 Kupfertaf. von Dan. Chodowiecky. (Quelle: Pictura Paedagogica Online, das Digitale Bildarchiv zur Bildungsgeschichte)
  • "Neues A.B.C. Buch : welches zugleich eine Anleitung zum Denken für Kinder enthält" / von Karl Philip Moritz. Professor bei der Academie der bildenden Künste in Berlin. Mit Kupfern [von Peter Haas]. - 2. Aufl.. Berlin : Schöne, 1794 (Quelle: Pictura Paedagogica Online, das Digitale Bildarchiv zur Bildungsgeschichte)

Reiseberichte

Abhandlungen

Die Vossische Zeitung

  • Fakten, kein moralisches Geschwätz Süddeutsche-Zeitung-Serie (XXXV): "Karl Philipp Moritz – Idealist einer vollkommenen Zeitung" - Ein Artikel von Willi Winkler über Moritz' misslungenen Versuch der Schaffung einer vollkommenen Zeitung 1784

Moritz und Goethe

Der mittellose, aber kunstbegeisterte Fuß-Reiser K.P. Moritz lernt den gut bemittelten Herrn v. Goethe in Rom kennen (1786):

"Rom. 20. November
Der Hr.v.G. ist hier angekommen, und mein hiesiger Aufenthalt hat dadurch ein neues und doppeltes Interesse für mich gewonnen.
Dieser Geist ist ein Spiegel, in welchem sich mir alle Gegenstände in ihrem lebhaftesten Glanze und in ihren frischesten Farben darstellen.
Der Umgang mit ihm bringt die schönsten Träume meiner Jugend in Erfüllung, und seine Erscheinung, gleich einem wohltätigen Genius, in dieser Sphäre der Kunst ist mir, so wie mehreren, ein unverhofftes Glück." (K.P.Moritz: Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788, zit. nach: Moritz, Bibliothek deutscher Klassiker, Berlin und Weimar 1976 Bd. 1 S. 45)

Goethe über Moritz an die Frau v. Stein

"Moritz der an seinem Armbruch noch im Bette liegt, erzählte mir wenn ich bey ihm war Stücke aus Seinem Leben und ich erstaunte über die Ähnlichkeit mit dem Meinigen. Er ist wie ein jüngerer Bruder von mir, von derselben Art, nur da vom Schicksal verwahrlost und beschädigt, wo ich begünstigt und vorgezogen bin. Das machte mir einen sonderbaren Rückblick in mich selbst. Besonders da er mir zuletzt gestand, daß er durch seine Entfernung von Berlin eine Herzensfreundinn betrübt."(Brief an Charlotte v. Stein, 13.-16.12.1786)
Quelle: Werkausgabe IV, Bd. 8, S. 94.

Weitere Briefstellen aus Goethes 'Italienischer Reise':

"Moritz ist hier, der uns durch 'Anton Reiser' und die 'Wanderungen nach England' merkwürdig geworden. Es ist ein reiner, trefflicher Mann, an dem wir viel Freude haben." (1.12.1786)
Quelle: Goethe: Italienische Reise, Hamburger Ausgabe Bd. 11, S. 144.
"Es ist ein sonderbar guter Mensch, er wäre viel weiter, wenn er von Zeit zu Zeit Personen gefunden hätte, fähig und liebevoll genug, ihn über seinen Zustand aufzuklären. Gegenwärtig kann er kein gesegneteres Verhältnis anknüpfen, als wenn ihm Herder erlaubt, manchmal zu schreiben. Er beschäftigt sich mit einem lobenswürdigen antiquarischen Unternehmen, das wohl verdient, gefördert zu werden. Freund Herder wird nicht leicht eine Mühe besser angewendet und gute Lehre kaum in einen fruchtbarern Boden gelegt haben." (17.2.1787)
Quelle: Goethe: Italienische Reise, Hamburger Ausgabe Bd. 11, S. 174

Moritz, Goethe und Werthers Leiden: Der mittellose Held des gleichnamigen Romans Anton Reiser erlebt eine Theateraufführung von Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werthers":

"Als nun sein Brot verzehrt war, stand er gegen Abend auf, ordnete seinen Anzug so gut wie möglich, und sein erster Gang war ins Theater, wo er sich in einen Winkel setzte und erstlich ein Stück, namens Inkle und Yariko, alsdann aber die Leiden des jungen Werthers aufführen sahe. Der Verfasser des letztern hatte fast nichts getan, als die Wertherschen Briefe in Dialogen und Monologen verwandelt, die denn freilich sehr lang wurden, aber doch das Publikum sowohl als die Schauspieler wegen des rührenden Gegenstandes außerordentlich interessierten.
Nun ereignete sich aber gerade bei der tragischen Katastrophe des letztern Stücks ein sehr komischer Zufall. Man hatte sich nämlich irgendwo ein paar alte verrostete Pistolen geliehen und war zu nachlässig gewesen, sie vorher zu probieren.
Der Akteur, welcher den Werther spielte, nahm sie vom Tische auf und sagte denn alles, wie es im Werther steht, buchstäblich dabei: »Deine Hände haben sie berührt; du hast selber den Staub davon abgeputzet usw.« Dann hatte er sich auch, um alles genau und vollständig darzustellen, einen Schoppen Wein und Brot bringen lassen, wozu denn der Aufwärter nicht ermangelte, auch ein Brotmesser mit auf den Tisch zu legen.
Am Ende aber war das Stück so eingerichtet, daß Werthers Freund Wilhelm, indem er den Schuß fallen hörte, hereinstürzen und ausrufen mußte: »Gott! ich hörte einen Schuß fallen!«
Dies war alles recht schön; als aber Werther das unglückliche Pistol ergriff, es an die rechte Stirne hielt und auf sich losdrückte, so versagte es ihm in seiner Hand.
Durch diesen widrigen Zufall noch nicht aus der Fassung gebracht, schleuderte der entschlossene Schauspieler das Pistol weit von sich weg und rief pathetisch aus: »Auch diesen traurigen Dienst willst du mir versagen?« Dann ergriff er plötzlich die andere, drückte sie wie die erste los, und, o Unglück! auch diese versagte ihm.
Nun erstarb ihm das Wort im Munde; mit zitternden Händen ergriff er das Brotmesser, das zufälligerweise auf dem Tische lag, und durchstach sich damit zum Schrecken aller Zuschauer Rock und Weste. - Indem er nun fiel, stürzte sein Freund Wilhelm herein und rief - »Gott! ich hörte einen Schuß fallen!«
Schwerlich kann wohl eine Tragödie sich komischer wie diese schließen."
(Aus K.P.Moritz: Anton Reiser, Vierter Teil)

In der Presse

"10 Gründe, Karl Philipp Moritz zu lesen"

"Warum es sich lohnt, Deutschlands jüngsten Klassiker kennen zu lernen, und warum er den Leser immer wieder überrascht." Von Benedikt Erenz © DIE ZEIT, 07.09.2006 Nr. 37

Linkliste