Komödie

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Die Komödie (auch: das Lustspiel) ist eine Form des Dramas.

Inhaltsverzeichnis

Definitionen

Aristoteles: POETIK

"Die Komödie ist [...] Nachahmung von schlechteren Menschen, aber nicht im Hinblick auf jede Art von Schlechtigkeit, sondern nur insoweit, als das Lächerliche am Häßlichen teilhat. Das Lächerliche ist nämlich ein mit Häßlichkeit verbundener Fehler, der indes keinen Schmerz und kein Verderben verursacht." (Kap. 5, Reclam Nr. 2337)

Ivo Braak: Poetik in Stichworten

"Komödie (gr. komodia von komos lustiger, ritueller Umzug als Bestandteil des Dionysos-Kults, und ode Gesang; lat. comoedia, ital. commedia, Ez. comedie) ist Gegenstück zur Tragödie. Erwächst aus der Haltung der Komik (im Ggs. zu dem aus dem Humor entstandenen Lustspiel). An die Stelle tragischer Erschütterung tritt komische Befreiung; an die Stelle des pathetischen Heroismus realistische Entlarvung menschlicher Schwächen. Die Komödie hat desillusionistischen Grundcharakter: in Verfall begriffene oder überholte geschichtliche bzw. soziale Erscheinungen bilden den Hintergrund; sie sieht aus der Nähe, ist mit der alltäglich erfahrbaren Realität verbunden. Das Komische beruht dabei auf dem Kontrast zum allgemein Gewohnten: diese Aufdeckung des „Risses durch die Welt" führt die Komödie auf ihrem Höhepunkt in die Nähe des Tragischen (Möglichkeit des „Kippens"), doch folgt in Erkenntnis der Unlösbarkeit des Widerspruchs die befreiende Lösung im reinigenden „Dennoch" des Lachens.
Im Ggs. zur Tragödie lebt die Komödie aus dem Bezug auf die gesellschaftliche Situation der jeweiligen Zeit. Mit dem Verfall einer Gesellschaft schwindet auch die darauf zugeschnittene Komödie. Voraussetzung für ihre Entstehung und Wirkung ist daher eine in (Vor-)Urteilen und Wertungen gleichgesinnte Gesellschaft. Ein zu großer Anteil zeitgebundener Anspielungen kann Verständnis und Wirkung in späterer Zeit beeinträchtigen." (Hirts Stichwortbücher Verlag Ferdinand Hirt 1972, S. 239-4)

Stimmen von Autoren

J.M.R. LENZ (1751 - 1792):

"Ich nenne durchaus Komödie nicht eine Vorstellung die bloß Lachen erregt, sondern eine Vorstellung die für jedermann ist. Tragödie ist nur für den ernsthaftern Teil des Publikums, der Helden der Vorzeit in ihrem Licht anzusehn und ihren Wert auszumessen im Stande ist. So waren die griechischen Tragödien Verewigung merkwürdiger Personen ihres Vaterlandes in auszeichnenden Handlungen oder Schicksalen; So waren die Tragödien Schakespears wahre Darstellungen aus den Geschichten älterer und neuerer Nationen. Die Komödien jener aber waren für das Volk, und der Unterschied von Lachen und Weinen war nur eine Erfindung späterer Kunstrichter, die nicht einsahen, warum der größere Teil des Volkes geneigter zum Lachen als zum Weinen sei, und je näher es dem Stande der Wildheit oder dem Hervorgehen aus demselbigen, destomehr sich seine Komödien dem Komischen nähern mußten. Daher der Unterschied unter der alten und neuen Komödie, daher die Notwendigkeit der französischen weinerlichen Dramen, die alle Spöttereien nicht hinwegräsonieren können, und die nur mit totalem Verderbnis der Sitten der Nation ganz fallen werden. Komödie ist Gemälde der menschlichen Gesellschaft, und wenn die ernsthaft wird, kann das Gemälde nicht lachend werden. (...) Daher müssen unsere deutschen Komödienschreiber komisch und tragisch zugleich schreiben, weil das Volk, für das sie schreiben, oder doch wenigstens schreiben sollten, ein solcher Mischmasch von Kultur und Rohigkeit, Sittigkeit und Wildheit ist. So erschafft der komische Dichter dem tragischen sein Publikum. Ich habe genug geredt für die, die mich verstehen wollen, und verstehen können. Ich (...) will bloß die Grundsätze meiner Kunst, die ich mir von den berühmtesten alten Künstlern abgezogen, und lange mit ganz warmer teilnehmender Seele durchdacht habe, dem Publikum vorlegen. Wer bedenkt, was das Theater für Einflüsse auf die Nation haben kann, wird sich mit mir für eine Sache interessieren, die in Theaterzeitungen und Almanachen gewiß nicht ausgemacht werden wird."

(J.M.R.Lenz: Werke und Schriften Bd. 1, Goverts Verlag Stuttgart 1966 S.418f)


Spielarten der Komödie

Typenkomödie, z.B. die Commedia dell 'Arte (commediadellarte.zapalot.de)
Charakterkomödie, z.B. "Der Geizige" von Molière
Intrigen- oder Verwechslungskomödie (Shakespeares Komödien)
Situationskomödie (Volksstück)

Siehe auch