Kurzfilme

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Kurzfilme' sind Filme, die sich in der Regel durch ihre Kürze und eine gemeinsame Tendenz der Machart auszeichnen. Circa 36% der Filme haben eine Laufzeit von unter 5 Minuten und insgesamt mehr als 75% der Filme sind kürzer als 15 Minuten. Ansonsten gibt es vielfältige Unterschiede in dieser Gattung.

Inhaltsverzeichnis

Kurzfilme im Fachunterricht

Deutsch als Fremdsprache

Filme und Videos im DaF-Unterricht

Ethik/Philosophie

Kurzfilme im Ethikunterricht

Kurzfilm im Unterricht

Zusammenfassung

  • Was sind Kurzfilme?
    • Kurzfilme sind kurze Filme
    • Maximale Länge: 60 Minuten, meist 5-15 Minuten
    • Gattungen: Kurzspielfilm, Experimentalfilm, Animationsfilm, Tatsachenfilm (Dokumentation, Bildungsfilm), Industriefilm (Musikclips, Werbung)
  • Warum im Unterricht Kurzfilme einsetzen?
    • kurz
    • prägnant
    • nur ein Erzählstrang
    • Sehgewohnheiten der Schüler
    • Aufmerksamkeitsspanne der Schüler
    • mehrere Wiederholungen möglich
  • In welchen Unterrichtsphasen einsetzen?
    • Motivation: Problem aufzeigen, Einblick in Vielfalt des Themas, Betroffenheit, Impuls für Diskussion/Erarbeitung
    • Erarbeitungsphase: andere Sichtweise, Standpunkt ändern, Horizonterweiterung
    • Systematisierungsphase: Transfer, Zusammenfassung

Vorteile von Kurzfilmen gegenüber dem Langfilm

Der größte Vorteil beim Einsatz des Kurzfilmes gegenüber dem Langfilm ist natürlich seine Kürze. Wie bereits erläutert sind 75% der Kurzfilme kürzer als fünf Minuten. Damit haben sie einen entscheidenden Vorteil gegenüber Langfilmen, für die meist 90 Minuten eingeplant werden müssen. Bei der momentan praktizierten Einstündigkeit des Faches spielt somit der Zeitfaktor eine nicht unerhebliche Rolle. Dadurch ist es auch möglich, den Kurzfilm in einer Stunde vorzuführen und mit eine Weiterarbeit, je nach Intention, zu beginnen. Dies ist beim Einsatz von Langfilmen nur möglich, wenn man den Film in kurze Abschnitte teilt oder generell nur einzelne Ausschnitte zeigt. Doch dann fehlt den Schülern meist der Zusammenhang um sich tatsächlich auf den Film einstellen zu können und mit ihm zu arbeiten.

In diesen wenigen Minuten wird meist eine abgeschlossene Handlung dargestellt; es gibt keine Nebenhandlungen die nicht notwendigerweise zum Verständnis der erzählten Geschichte dazugehören. Die Schüler begegnen dem aufgezeigten Problem von Anfang bis Ende – ohne das vom Lehrer notwendige Kürzungen vorgenommen werden müssen, die in jedem Fall eine Einschränkung in das Verständnis darstellen würden. Mit der Kürze des Films kann ein entscheidender Nachteil beim Betrachten von Langfilmen umgangen werden: Bild und Ton in ihrem komplexen Zusammenspiel treffen nur einmal auf den Betrachter, der die vielfältigen Informationen so schnell wie möglich verarbeiten muss. Kurzfilme jedoch können einige Male gezeigt werden. Meist zeigt sich außerdem nach einer ersten Auseinandersetzung mit dem Film, dass die Schüler Details und Zusatzinformationen verstärkt wahrnehmen bzw. dass sie zu anderen Erkenntnissen, möglicherweise weniger oberflächlichen als beim ersten Mal, gelangen.

Kurzfilmgattungen

Folgende Übersichten basieren auf dem Buch "Der Kurzfilm" von Katrin Heinrich, ISBN 3-930258-42-0

Einteilung von Kurzfilmen

Kurzfilme werden unterteilt in:

  • Kurzspielfilm
    • Verbindung eines real wirkenden Schauspiels und einer Handlung, die vollständige Geschichte wird in eine Spielhandlung umgesetzt
    • bisher haben sich noch keine Subgattungen (analog zu Langfilmen) herausgebildet, z.B. Kurzkrimi
  • Experimentalfilm
Filme, die außerhalb der kommerziellen Filmwirtschaft hergestellt werden. Sie gelten als künstlerische und/oder ökonomische Experimente
  • Animationsfilm
    • bekannteste Form: Zeichentrickfilm, aber auch Puppentrickfilm
    • gemeinsames Produktionsverfahren: einzelbildweise Aufnahme von aufeinander bezogenen Bewegungsphasen, die in der filmischen Projektion einen kontinuierlichen Bewegungsablauf ergeben.
  • Tatsachenfilm
    • Ziel: Vermittlung von Tatsachen an den Zuschauer
wird unterteilt in:
  1. Dokumentarfilm: meist Umsetzung gesellschaftlicher Themen, deren Darstellung subjektiven Charakter trägt.
  2. Bildungsfilm: Zur Veranschaulichung und Vermittlung wissenschaftlicher Zusammenhänge, Vorgänge oder Textmaterials, welche mit Hilfe audiovisueller Unterstützung anschaulicher präsentiert werden können. Ziel ist die Steigerung der Aufnahmefähigkeit und -bereitschaft.
  3. Industriefilm: sind meist Auftragsarbeiten wirtschaftlicher Unternehmen, die informativen oder instruktiven Charakter haben.
  • Werbefilm und Musikclip/Videoclip
    • Das Medium Kurzfilm wird unter einen übergeordneten Zweck gestellt: Verkaufsförderung eines Produktes
  1. Musikclips/Videoclips entstanden in den 1970er Jahren und haben fast autonome Bedeutung, da sie wichtige wirtschaftliche Faktoren sind. Sie experimentieren oft im künstlerischen und technischen Bereich. Gründe für diese Experimentierfreude sind im Gegensatz zum Experimentalfilm der Versuch Trends widerzuspiegeln oder welche zu erschaffen sowie die Abgrenzung von anderen Clips. Somit sind vorhandene Experimente ein wirtschaftliches Bedürfnis nach individuellen Verkaufskriterien und gesteigertem Absatz.
  2. Werbefilme entstanden in den 1950er Jahren. Zu Beginn dieser Entwicklung spielte das Medium eine große Rolle, die künstlerische Zielsetzung wurde jedoch dem Zweck der Werbung untergeordnet. Inzwischen entwickelten sich auch Werbefilme zu ästhetischen und experimentellen Kurzfilmen, bei denen das Produkt häufig in den Hintergrund tritt.
  • Found Footage:
    • Zusammenschnitt von Schnipseln aus fremdem (gefundenem) Filmmaterial. Dieser erfolgt planvoll und bewusst verändernd, um eine Verschiebung der Intention, eine Manipulation oder eine Transformation herzustellen.

Geeignete Kurzfilmgattungen für den Unterricht

Von den verschiedenen Gattungen des Kurzfilmes: Kurzspielfilm, Animationsfilm, Do­kumentation, Experimentalfilm und Industriefilm eignen sich letztere beiden nur be­dingt für den Einsatz im Fachunterricht. Insbesondere durch Formen des Industriefilms (Werbung und Musikvideo) sind Schüler bereits mit Kurzfilmen in Berührung gekom­men – und haben deshalb bereits eine gewisse Sehgewohnheit dafür entwickelt. Deshalb sollten diese Filme nicht außer Acht gelassen werden, wenngleich sie sich vermutlich für die wenigsten Themen im Unterricht eignen. Auch Experimentalfilme eignen sich nur bedingt auf Grund ihrer vielschichtigen Bedeutungs- und Interpretationsebenen. Diese machen es dem ungeübten Betrachter schwer, stringent das Problem zu erfassen und es in die unterrichtspraktische Arbeit umzusetzen. Dokumentarfilme können nur zum Einsatz kommen, wenn in ihnen explizite thematisch passende Probleme bzw. Persönlichkeiten vorgestellt werden. Dazu gibt es verschiedene Reihen im Schul­fernsehen und in den Medienstellen, die aber wahrscheinlich den gängigen Zeitrahmen eines Kurzfilmes überschreiten. Diese Filmgattung kommt wahrscheinlich am häufigs­ten zum Einsatz, da sie kompakt und anschaulich den Schülern Wissen vermitteln kann.

Der didaktische Ort des Kurzfilms

Der Einsatz von Kurzfilmen kann in verschiedenen Phasen des Un­terrichts erfolgen: als Einstieg, in der Erarbeitung, ebenso auch im Bereich der Festi­gung und Systematisierung. So vielfältig die Kurzfilme sind, so verschieden sind ihre Einsatzmöglichkeiten. Am weitesten verbreitet ist sicher noch der Einsatz eines Kurzfilmes zur Motivation in der Einstiegsphase. Dort besteht seine Funktion hauptsächlich in der Impulsgabe, die er sich mit verschiedenen anderen Medien teilen kann. Die Schüler sollen für ein bestimm­tes Thema geöffnet werden, sie erhalten einen ersten Einblick in seine Vielfalt. Außer­dem werden die Schüler mit Hilfe des Filmes mit einer bestimmten Position oder einem Standpunkt vertraut gemacht, der Ausgangspunkt für die eigene Erarbeitung des The­mas ist. Da dieser auf der subjektiven Sicht des Regisseurs beruht, der in der Auswahl seiner künstlerischen Mittel zumeist die Überhöhung nutzt, besteht immer ein Anlass zum Gespräch. Andererseits kann ein Kurzfilm auch eine andere Sicht auf einen bereits erarbeiteten Sachverhalt bieten und somit den Diskurs in eine neue Richtung lenken. Diese Funktion kann der Kurzfilm ebenso in der Erarbeitungsphase ausfüllen. Er kann außerdem als Grundlage und Rahmen für die Erarbeitung eines Themas eingesetzt werden. Dazu ist eine gezielte Auswahl des Kurzfilms nötig. Er kann die Schüler mit überraschenden, schockierenden, unbefangenen Sichtweisen auf Probleme konfrontieren. Insbesondere bei der Verdeutlichung von Dilemmasituationen geht die Anschaulichkeit eines Kurzfil­mes weit über textlastige Medien hinaus. In der Systematisierungs- und Festigungsphase kann der Kurzfilm wesentliche Inhalte zusammenfassen und den Schülern den Transfer auf andere Gegenstände erleichtern.

Quellen

Woher Kurzfilme
  • 3sat: Programm zum Internationalen Kurzfilmfest Oberhausen, Thementag Tod, wöchentliche Ausstrahlung einzelner Kurzfilme
  • ARTE: KurzSchluss, das Magazin (Mi zu Do, ca 0 Uhr)
  • Youtube (Programm zum Runterladen der Filme: http://anjo.to)
  • Kurzfilm-DVDs: (einige Beispiele)
  • Kurzfilm-Programm: Schulkino Dresden
  • Im ITunes-Shop sind die berühmten Pixar-Filmchen erhältlich, kosten neuerdings aber ein paar Euros.
Allgemeines zum Kurzfilm
Literaturhinweise
  • AG Kurzfilm: Kurzfilm Studie. Kurzfilm in Deutschland – Studie zur Situation des kurzen Films. Dresden 2006.
  • Heinrich, Katrin: Der Kurzfilm: Geschichte, Gattungen, Narativik. (Reihe Aufsätze zu Film und Fernsehen, Band 43) Alfeld/Leine, Coppi-Verlag 1998.

Siehe auch