Medienpädagogik

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Die Medienpädagogik stellt die Frage nach dem sinnvollen Umgang mit Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsmedien. Dabei ist zu unterscheiden zwischen:

Inhaltsverzeichnis

Aktuell

Kurze Geschichte medienpädagogischer Ansätze

Immunisierungsansatz

Der Immunisierungsansatz:

Prototyp aller medienpädagogischen Bemühungen: Wann immer öffentliche Medien zum Gegenstand oder zur Herausforderung pädagogischen Interesses wurde, entstand damit zugleich eine moralisch und ästhetisch begründete Abwehrhaltung gegenüber ihren verderblichen Einflüssen.

Lange u.a.: Taschenbuch des Deutschunterrichtes, Schneider-Verl. 1998 Bd.1 S. 380

Dieses Ziel steht immer am Anfang eines neuen Mediums: Film, Comics und Heftchenliteratur, Fernsehen, Video und zuletzt Computer und Internet. Der Heranwachsende soll durch Werteerziehung und Geschmacksbildung immunisiert werden („Big Brother ist doch unter deiner Würde!“).

Manipulationsansatz

Der Manipulationsansatz (70er Jahre): Der Rezipient soll vor direkter Beeinflussung geschützt werden, indem er die rhetorischen Mittel, die Überredungstechniken und -strategien des Kommunikators erkennen lernt. Dies ist nicht nur eine Abwehr- und Bewahrpädagogik, sondern fordert eine kritische Auseinandersetzung mit den Manipulatoren, die „Dekodierungsfähigkeit des Rezipienten“; die praktische Folge ist die Einführung neuer Unterrichtsfächer oder Lehrplanthemen.

Kritische Mediendidaktik

Kritische Mediendidaktik, Medienkritik als Ideologiekritik: Information als Ware, Unterhaltung als Industrie (Horkheimer, Adorno, H. M. Enzensberger). Daraus leiten sich folgende Hauptlernziele ab: Erkenntnis des Entstehungs-, Begründungs- und des Funktionszusammenhanges und der Organisation der Medien; Befähigung zur parteilichen Medienpraxis. In „emanzipatorischer Medienpraxis“ sollen mediale Gegenprojekte für eine Gegenöffentlichkeit entwickelt werden: Alternative Zeitungen, Filme, Features ...

Kreativitätsansatz

Der Kreativitätsansatz: Über den tätigen Umgang mit Medien aller Art, über ihren Gebrauch, über selbstständige Produktion soll anstelle von passivem Medienkonsum die Chance zu größerer individueller Selbstverwirklichung gegeben werden. Über die Produktion sollen Schüler Erfahrungen machen, die es ihnen ermöglichen, Fernsehprogramme und Filme als „Gemachtes“ zu erkennen und zu beurteilen.

Kommunikationsdidaktischer Ansatz

Kommunikationsdidaktischer Ansatz: Befähigung des Schülers/Rezipienten zum Kommunikator, d.h. zum selbstbestimmten Einsatz von Massenmedien als Kommunikationsmittel.

Das Ziel: Medienkompetenz

→ Medienkompetenz

Die Schüler und SchülerInnen sollen ihre bereits vorhandenen „Medienkompetenzen“ ausbauen und differenzieren.

Der Begriff „Medienkompetenz“ bedeutet - neben dem Verfügen über technisches Wissen -, sich der verschiedenen Medien bei der Bewältigung von alltäglichen Aufgaben bedienen zu können (Nutzungskompetenz). Er bezeichnet weiterhin die Fähigkeit, sich kritisch mit den Medien auseinanderzusetzen (Kritikkompetenz), und er zielt auf einen innovativ-kreativen Umgang (Gestaltungskompetenz). Hinzukommt in den neueren medienpädagogischen Ansätzen die Forderung nach der Entfaltung von „Genussfähigkeit“ ... (ästhetische Kompetenz) ... zielt darauf ab, die assoziativ-spielerischen Wahrnehmungsweisen, die Heranwachsende den Bild-, Ton- und Schriftarrangements in den elektronischen und digitalen Medien entgegenbringen, in einen Prozess des „Gewahrwerdens“ ... zu überführen.

Susanne Barth, Medien im Deutschunterricht, Praxis Deutsch Januar 1999 S. 15/16

Denkanstöße

Die Bertelsmann AG ist der größte Oligopolist der veröffentlichten Meinung in Deutschland. Die Zeitungen, Zeitschriften, Fernseh- und Radiosender und nicht zuletzt die Verlage des Konzerns beeinflussen nicht nur die Meinungsbildung sondern auch die gesamte Stimmungslage und die Befindlichkeiten in Deutschland. Schon diese Medienmacht alleine stellt eine Bedrohung für die Meinungsvielfalt in Deutschland dar.
→ Soziale Frage#Primat der Politik ist eine Überlebensfrage der Demokratie.

Daten und Fakten für den Unterricht

- Informationstechnologie in Unternehmen und Haushalten 2005 (Qualitätsberichte)
- Ausstattung privater Haushalte mit Informationstechnik
- Ausstattung privater Haushalte mit Unterhaltungselektronik
  • Medien Basisdaten Daten, Fakten, Aufsätze zum Thema "Medien" auf den Seiten der ARD (Arbeitsgemeinschaft Rundfunkanstalten Deutschland):
""Medien Basisdaten" stellen Informationen zum Programmangebot und zur Mediennutzung in den Bereichen Hörfunk, Fernsehen und Internet in Deutschland für Online-Recherchen zur Verfügung. Dabei werden vor allem auch zeitliche Entwicklungen analysiert.
Neben Mediendaten in tabellarischer Form mit Stand Dezember 2005 können im Angebot auch aktuelle Aufsätze von Wissenschaftlern und Fachautoren zu verschiedensten Medienthemen abgerufen werden. Das Themenspektrum umfasst außer Analysen des Programmangebots und der Mediennutzung auch Informationen zur technischen Empfangssituation und zur Medienwirtschaft in Deutschland." (www.ard.de/intern/basisdaten/)

Kommentar: Die Seiten "Medien Basisdaten" der ARD sind für den Unterricht sehr ergiebig und lassen sich gut für den Einstieg in das Thema "Medien und Mediennutzung" einsetzen. Die Daten können nach verschiedenen Aspekten ausgewertet werden, sowohl in mündlichen Referaten als auch in schriftlichen Zusammenfassungen oder mit dem Computer erstellten Tabellen. Z.B.

- Wie ist die Ausstattung der Haushalte mit elektronischen Geräten?
- Welcher Art sind die Nutzergewohnheiten in verschiedenen Altersgruppen?
- Wer schaut wieviel fern und wo?
- Wie hat sich die Mediennutzung über die letzten Jahre entwickelt?
- Welche Sender haben welche Marktanteile?
- Fernsehnutzung nach Programmen (Mo-So)?
- usw.

Die vierte Gewalt / Freiheit der Presse

Die Freiheit der Presse – vierte Gewalt, Garant der Demokratie, Forum für den Meinungsaustausch
ARD und ZDF löschen massenhaft Inhalte von ihren Internetseiten - weil sie es müssen.
Im Prinzip ist ja alles ganz einfach. Erst stellen ARD und ZDF haufenweise Inhalte ins Netz, um dann Mitarbeiter damit zu beschäftigen, sie alsbald wieder daraus zu entfernen. So verschwinden etwa 80 Prozent aller Einträge auf der Internetseite der “Tagesschau”. Der Online-Präsenz des Politmagazins “Report Mainz” geht immerhin jede zweite Seite verloren. Und die Sportredaktion des ZDF erlebt gerade, wie von ihren Webseiten kaum noch etwas übrig bleibt: Von sport.zdf.de verschwinden 19748 Einträge. Das sind 92 Prozent. Den privaten Medienunternehmen reicht das Ergebnis allerdings noch nicht. [...]

Nutzen und Gefahren des Internet

Gefahren

  • jugendgefährdende Seiten, zu denen Jugendliche Zugang haben
  • Chat-Bekanntschaften
  • Cybermobbing in "Sozialen" Netzwerken
  • Mehrwertdialer
  • missbräuchliche Verwendung von E-Mail-Adressen
  • missbräuchliche Verwendung von Gästebüchern
  • unkritischer Umgang mit fehlerhaften Informationen (nicht internet-spezifisch, aber durch die Nähe von hochwertigen und fehlerhaften Informationen in neuer Weise bedeutsam)
  • Viren, Würmer, Trojaner etc.
  • Suchtpotenzial

Nutzen

  • Möglichkeiten der Mitsprache, die in Print- und TV-Medien nicht gegeben sind
  • Möglichkeiten, Themen zu kommunizieren, die sonst wenig erwähnt werden oder vereinsamen (Beispiel: Schüler gegen Mobbing)
  • niedrigschwellige Hilfeangebote (Beispiel: ess-storungen.net)
  • kostengünstiger und schneller Zugang zu Wissen (Beispiel: Wikipedia)
  • Förderung selbstständigen Denkens durch widersprüchliche Informationen und Motivierung zu aktiver Informationssuche (Es bestehen zwei Problematiken: einerseits sachlich fehlerhafte Informationen und andererseits ein Umgang mit Informationen, der auf dem Glauben basiert, eine widerspruchsvolle Welt könne auf widerspruchslose Weise dargestellt werden.)
  • Chat-Bekanntschaften
  • Möglichkeiten kollektiver Arbeit bei Vermeidbarkeit von Zeitdruck (z.B. gemeinsam programmieren, Texte verfassen)

Materialien

Bestellbare Arbeitsmaterialien der "Bundeszentrale für politische Bildung" (www.bpb.de). Folgende Titel werden u.a. angeboten (Stand Mai 2005):
Edutainment - Software zwischen Spielen und Lernen
Computerspiele zwischen Faszination und Gewalt
Computer - Film - Spiele
Netzwerkspiele
Identitätsangebote von Computerspielen
Schemata und Computerspiel
Die "Bundeszentrale für politische Bildung" (www.bpb.de) stellt auf dieser Website weitere Publikationen zu den Themen Medienkompetenz, Computerspiele, Offene Kanäle und Medienforschung vor - und bietet einen Medienpädagogik-Newsletter an. Diese sind für 4 Euro bestellbar, können aber auch online gelesen oder als pdf heruntergeladen werden. Die Publikationen im Einzelnen (Stand Feb. 2005):
herausgegeben von Dieter Baacke, Susanne Kornblum, Jürgen Lauffer, Lothar Mikos und Günter A. Thiele
herausgegeben von Horst Dichanz
Herausgeber Jürgen Fritz Wolfgang Fehr 72 Seiten 2003 Bonn Bereitstellungspauschale 4,00 EUR. Mit vorliegendem Band wird ein neues Format verwirklicht, in dem eine Broschüre mit CD-Rom und Internet-Angebot verknüpft ist.

Linkliste

Siehe auch