Mobbing

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Begriffsklärung Diese Seite befasst sich mit allgemein mit dem Thema Mobbing (Bullying). Für Mobbing im Internet siehe Cyberbullying.
Kurzinfo
Unterrichtsideen
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Der Begriff Mobbing (engl. to mob = anpöbeln, sich stürzen auf) steht für Schikanen, Intrigen und Ausgrenzung in der Schule oder am Arbeitsplatz, die systematisch, regelmäßig und über einen längeren Zeitraum vorkommen.

Bei Mobbing (Bullying) im Internet spricht man von Online-Mobbing, Cybermobbing oder Cyberbullying.

Inhaltsverzeichnis

Juristische Aspekte

1. Der Staat, der Mobbing in seinen Dienststellen und in der Privatwirtschaft zuläßt oder nicht ausreichend sanktioniert, kann sein humanitäres Wertesystem nicht glaubwürdig an seine Bürger vermitteln und gibt damit dieses Wertesystem langfristig dem Verfall preis. Entsprechend dem Verfassungsauftrag des Art. 1 Abs. 1 GG muß die Rechtsprechung in Ermangelung einer speziellen gesetzlichen Regelung, in Verantwortung gegenüber dem Bestandsschutz der verfassungsmäßigen Wertordnung und zur Gewährleistung der physischen und psychischen Unversehrtheit der im Arbeitsleben stehenden Bürger gegenüber Mobbing ein klares Stop-Signal setzen.

2. Auch die Arbeitnehmer sind in der Konsequenz des von der Verfassung vorgegebenen humanitären Wertesystems verpflichtet, das durch Art. 1 und 2 GG geschützte Recht auf Achtung der Würde und der freien Entfaltung der Persönlichkeit der anderen bei ihrem Arbeitgeber beschäftigten Arbeitnehmer nicht durch Eingriffe in deren Persönlichkeits- und Freiheitssphäre zu verletzen. [...]


Landesarbeitsgericht Thüringen, Aktenzeichen: 5 Sa 102/2000, Urteil vom 15.02.2001 - Leitsätze 1 u. 2 von 10

  • Mobbing kann strafrechtlich relevantes Verhalten im Sinne des § 223 StGB (KörperverletzungWikipedia-logo.png) darstellen:
[...] Zusammenfassend ist danach folgendes festzustellen: Die Beklagte verfügte zu keiner Zeit über einen Grund, sich unter Beachtung der Bestimmungen des Kündigungsschutzes des Klägers zu entledigen. Das von ihr seit dem 20.3.2000 gegenüber dem Kläger an den Tag gelegte Verhalten diente lediglich dazu, diesen zur Selbstaufgabe seines Arbeitsplatzes zu bewegen und falls dieses Ziel nicht erreicht werden würde, der Beschaffung von Gründen für aus Sicht der Beklagten als rechtlich abgesichert anzusehenden, ihren Interessen weiter Vorschub leistenden arbeitsrechtlichen Maßnahmen bis hin zur Kündigung des Klägers. Die nervliche und damit gesundheitliche Zermürbung des Klägers war das von der Beklagten zur Zweckerreichung gewählte Mittel. Der von den Vorständen B, R und W zum Teil eigenhändig durchgeführte, zum Teil durch deren Anweisungen gelenkte, durch Schikanen und Demütigungen auf Zersetzung der Persönlichkeit des Klägers gerichtete systematische PsychoterrorWikipedia-logo.png verletzte nach der Überzeugung der Kammer nicht nur dessen MenschenwürdeWikipedia-logo.png, sondern in einer die Grenze zur strafbaren Körperverletzung berührenden Weise auch seine seelische und körperliche Gesundheit. [...]

Spickmich-Urteil: Meinungsfreiheit vor Persönlichkeitsrecht

"Jetzt haben wir es schriftlich", freuen sich die Betreiber der Webseite Spickmich.de. Das Landgericht Köln hat zur Lehrerbewertung im Internet ein klares Urteil gesprochen: Dass sie benotet werden, müssen Pädagogen sich gefallen lassen - Beschimpfungen aber nicht. [...] In der schriftlichen Begründung befand das Landgericht nun: Bei den Benotungen handelte es sich "nicht um Tatsachenbehauptungen, sondern um Werturteile". Und die seien im Fall der Lehrerin aus Moers zulässig, weil die Grenze zur Schmähkritik nicht überschritten werde. Ob andere die Kritik für "falsch" oder "ungerecht" hielten, sei nicht von Bedeutung.
Die Richter hielten das Persönlichkeitsrecht der Klägerin auch nicht durch die Veröffentlichung ihres Namens und denjenigen der Schule für verletzt. Schließlich seien diese Daten ohnehin auf der Homepage der Schule nachzulesen [...]"
"Schüler dürfen ihre Lehrer auch weiter im Internet benoten. Die Bewertung im Internetportal "spickmich" sei vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt, entschied das Kölner Oberlandesgericht (OLG) am Dienstag und wies damit die Berufung einer Gymnasiallehrerin zurück, die schon in erster Instanz unterlegen war."
"Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat entschieden, dass das Persönlichkeitsrecht von Lehrern durch eine Benotung im Internet nicht verletzt wird. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe wies die Revision der Lehrerin zurück. Das höchste deutsche Zivilgericht hat damit erstmals über die Zulässigkeit der von Schülern im Internet abgegebenen Lehrerzensuren entschieden. Es betonte aber, dass es sich durchaus um einen Einzelfall handele."

Mobbing/Bullying

Verlaufsformen des Mobbings

Begriffsklärung

Statt von Mobbing wird oft auch von Bullying (engl. to bully = tyrannisieren) gesprochen. Dieser Begriff ist in mancher Hinsicht treffender als Mobbing, da Mobbing die Zusammenrottung einer größeren Zahl von Individuen gegen einzelne Individuen nahelegt und damit die Grundsituation dieses Phänomens nicht genau genug trifft.

Nach den Studien des norwegischen Pädagogen und Psychologen Dan Olweus findet Bullying immer zwischen wenigen Personen statt. Durch diese Begriffsschärfung könnte sich auch der Blick auf Bullying-Phänomene schärfen: Nicht ganze Klassen fallen über einen Außenseiter her, sondern Bullying findet in Klein- und Kleinstgruppen statt und ist von daher schwerer zu erkennen.

In der Folge muss man des Weiteren davon ausgehen, dass es fast in jeder Klasse zumindest ein oder zwei betroffene Kinder und Jugendliche gibt, die

  • wiederholt und
  • über eine längere Zeit
  • aggressiven Handlungen
  • eines oder mehrerer Mitschüler

ausgesetzt sind.

Demgegenüber ist gelegentliches Hänseln und Ärgern von Mitschülern, oder auch Raufereien, nicht als Bullying zu verstehen, wenn es nicht wiederholt vorkommt und in den Machtverhältnissen als vorwiegend symmetrisch verstanden werden kann.


Mehr zu Mobbing oder Bullying? auf der Web-Site www.sign-project.de

" ein einzigartiges Präventionsprojekt im Nordwesten Niedersachsens. Etwa 50.000 Schülerinnen und Schüler arbeiten im Schuljahr 2007/2008 an 116 Schulen schulformübergreifend mit den Inhalten des ganzheitlichen Präventionskonzeptes gegen Sucht und Gewalt."

Opfer und Täter

Als für das Mobbing/Bullying-Opfer typische Eigenschaften gelten:

  • passive, nachgiebige Verhaltensweisen, geringes Selbstwertgefühl, oft kontaktarm, körperlich schwach (Jungs), mehr den Erwachsenen als der Peergroup zugewandt, wenig Freunde.

Bei den Mobbern/Bullys sind solche Eigenschaften vorherrschend:

  • Gewaltbereitschaft, körperliche Stärke, Dominanzstreben, Impulisivität, niedrige Frustrationsschwelle, geringe Akzeptanz von Regeln, aggressiv auch gegenüber Erwachsenen

Dan Olweus entdeckt aber noch weitere Eigenschaften:

  • Gute Fähigkeiten, sich herauszureden; überdurchschnittliche soziale Kompetenz; überdurchschnittliches Selbstwertgefühl, überdurchschnittliche Beliebtheit bei Gleichaltrigen; durchschnittliche Schulleistungen.

Daraus ließe sich auch die Faszination des Täters auf Mitschüler erklären, die zum Mitlaufen oder sogar Mitmachen führt.

Fazit: Der (oder die) Mobber/Bully handelt nicht vornehmlich aufgrund von sozialer bzw. emotionaler Vernachlässigung in der Familie, sondern

  • weil sich die Gelegenheiten bieten,
  • Macht auszuüben.

Dan Olweus und Bullying-Präventions-Programme

Als Ansatz für Anti-Mobbing/Bullying-Programme werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  1. erhöhte Bereitschaft von Erwachsenen einzuschreiten
  2. Intensivierung des Klassen(zimmer)-Managements und Verstärkung persönlicher Beziehung zwischen Lehrern und Klasse
  3. Klare Grenzziehungen gegenüber nicht-akzeptablem Verhalten
  4. Ausbildung ganzer Lehrer-Kollegien, nicht nur einzelner "Streitschlichter"-Experten

Eine gute Zusammenfassung von Olweus' Forschungen und Konsequenzen findet sich

Eine Darstellung des Bullying-Präventions-Programm (nach Dan Olweus) findet man bei

Norwegische Quellen (in englischer Sprache) sind:

Hier eine US-amerikanische Seite zum Olweus Bullying Prevention Programme (Clemson University)

Das von der Europäischen Kommission unterstützte Projekt www.bullying-in-school.info ist eine Fundgrube mit z.B. "17 Länderberichten" zum Thema School Bullying and Violence (deutsche Zusammenfassungen), Best Practice-Informationen usw.

Cyberbullying / Online-Mobbing

→ Cyberbullying

Schullektüren zum Thema

"Der 14-jährige Ismael, der wegen seines Namens in der Schule gehänselt wird, tritt einem Debattierclub bei und entdeckt die Sprache als mächtige Waffe gegen Mobbing."
Hierzu hält der Deutsche Taschenbuch Verlag ein kostenloses Unterrichtsmodell für Klasse 7 / 8 zum [1] bereit.

Empirische, pädagogische Studien zum Thema

  • Dan Olweus: Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten - und tun können (Verlag Huber, Bern), 4. Auflage 2008 128 Seiten ISBN 978-3456843902
Der Norweger Pädagoge gilt als Pionier in der empirischen Erforschung von 'Mobbing/Bullying' an der Schule, sein Olweus-Programm wird inzwischen an vielen Schulen in Skandinavien, Großbritannien, Deutschland u.a. mit Erfolg eingesetzt.

Unterricht

Nuvola apps edu miscellaneous.png   Unterrichtsidee
Wann beginnt Mobbing?

Schau dir das folgende Video an:

Werbevideo 2008 - Werbespruch: "WWK Versicherungen - eine starke Gemeinschaft"

  1. Wie empfindest du das Verhalten der Schülerinnen und Schüler?
    1. Beschreibe das Verhalten.
    2. Begründe deine Meinung.
  2. Ist dieses Verhalten Mobbing?
    1. Begründe deine Meinung.
  3. Haltet gemeinsam Kriterien fest, wann ein Verhalten als Mobbing angesehen werden muss und wann nicht.

Fächerübergreifend / interdisziplinär

  1. "Lass die Leute reden" (Die Ärzte: Video / Text)
  2. "Ein ehrenwertes Haus" (Udo Jürgens: Video / Text)

Materialien

Schüler-Mobbing

Materialien, Handreichungen und Informationen der Kriminalpolizei, eine Kooperation von www.zum.de und www.polizei-beratung.de
2003, 27 Min, freigegeben ab 12 Jahren, als DVD oder Video erhältlich. Kaufpreis jeweils 30.- €, Ausleihe 10.- €

Lehrer-Mobbing

Weiterführende Weblinks

"ein europäisches Kooperationsprojekt zum Thema "Gewalt, Mobbing und Bullying in der Schule", das sich vor allem an Lehrer, Eltern, Experten und Schüler richtet. Mit unserem Portal wollen wir alle unterstützen, die Informationen zu diesem Thema suchen oder sich mit Anderen, die ähnliche Probleme oder Interessen haben, austauschen möchten - sowohl im deutschsprachigen Raum wie auch international. Unsere Seiten sind verfügbar auf Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Dänisch, Finnisch und Rumänisch." (www.gewalt-in-der-schule.info)

Rechtsprechung

Siehe auch