Rainer Maria Rilke

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Rainer Maria Rilke (* 4. 12. 1875 in Prag; † 29. 12. 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz ist vor allem hervorgetreten als Lyriker, doch verfasste er mit Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge auch einen Roman, der auf die Entwicklung dieser Gattung im 20. Jahrhundert einen prägenden Einfluss hatte. Daneben bilden Erzählungen, Übersetzungen und sein umfangreicher Briefwechsel einen wichtigen Teil seines Werkes.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ausgewählte Werke

Lyrik

  • Das Stunden-Buch (1905)
    • Das Buch vom mönchischen Leben (geschrieben 1899)
    • Das Buch von der Pilgerschaft (geschrieben 1901)
    • Das Buch von der Armut und vom Tode (geschrieben 1903)
  • Das Buch der Bilder (1902; stark überarbeitete Zweitfassung 1906)
  • Neue Gedichte (1907)
  • Der neuen Gedichte anderer Teil (1908)
  • Duineser Elegien (1923, geschrieben 1912–1922) UB Bielefeld
  • Die Sonette an Orpheus (1923) UB Bielefeld

Prosa

  • Vom lieben Gott und Anderes (1900), ab 2. Auflage (1904): Geschichten vom lieben Gott
  • Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke (1906; Neuauflage als Band 1 der Insel-Bücherei, Leipzig 1912 ff.)
  • Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, Roman (1910)

Ästhetische Schriften

Textbeispiele zur Lyrik

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(1902, aus: Das Buch der Bilder)


Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

(1902/03, aus: Neue Gedichte)

Die Liebenden

Sieh, wie sie zu einander erwachsen:
in ihren Adern wird alles Geist.
Ihre Gestalten beben wie Achsen,
um die es heiß und hinreißend kreist
Dürstende, und sie bekommen zu trinken,
Wache, und sieh: sie bekommen zu sehn.
Laß sie ineinander sinken,
um einander zu überstehn.

(1908, Paris)



Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Aus: Das Buch der Bilder')

Linkliste

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