Reisen eines Deutschen in Italien

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Der Reisebericht "Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788 (1792 – 1793)" von Karl Philipp Moritz ist weit unbekannter als sein psychologischer Roman "Anton Reiser" und seine ästhetischen Schriften. Dabei zeichnen ihn manche Qualitäten aus, in denen er seine weit berühmteren Gegenstücke, Goethes "Italienische Reise" und Seumes "Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802" auf ihrem eigenen Felde übertrifft.

Inhaltsverzeichnis

Moritz, Seume und Goethe

Durch die Beschränkung auf relativ wenige Kunstwerke, die dafür aber ausführlicher dargestellt werden, erleichtert er dem Leser die Vorstellung der behandelten Gegenstände oft besser als Goethe. Entsprechend sind seine präzisen Darstellungen der Republik von San Marino und seine Erläuterungen zum Mangel an Polizeiaufsicht auf dem sozialen Feld weit konkreter als der Bericht Seumes, obwohl dieser gerade durch sein soziales Engagement berühmt geworden ist.

Andererseits ist der Bericht deutlich weniger subjektiv geschrieben als die beiden anderen und insofern konventioneller.

Moritz und Goethe

Wie Goethe hielt es Moritz nicht mehr in seiner Stellung in Deutschland aus. Im Unterschied zu diesem erhielt er aber keinen Urlaub, sondern musste seine Lehrerstelle kündigen und einen Vorschuss auf sein - noch zu schreibendes - Reisebuch nehmen, um die Reise finanzieren zu können. Er reiste fast zeitgleich mit Goethe nach Italien. Trotz späteren Aufbruchs und obwohl er im Unterschied zu Goethe große Streckenn zu Fuß ging, traf er zwei Tage vor diesem in Rom ein (27.10.1786), traf aber erst Ende November mit ihm zusammen (vgl. Moritz' Bemerkungen in seinem Bericht unter "Zusammentreffen mit Goethe" und auch Goethes Hinweise in seiner Italienischen Reise). Während Goethe Teile seines Reiseberichts schon recht früh veröffentlichte (so den Bericht über den römischen Karneval), schob Moritz die Veröffentlichung seines Berichtes etwas hinaus, um ihn systematischer gestalten zu können, als es bei einem Reisebericht üblich ist. Dafür erschien sein Bericht vollständig, während Goethes Italienische Reise erst 1815 herausgegeben wurde.

Textauschnitte

(Anmerkung: Schräggedruckte Kapitelüberschriften sind nicht original, sondern zur besseren Übersicht hinzugefügt.)

ERSTER TEIL

[...]

Virgils Grotte

[...]

Wir gingen aus der Porta Virgiliana, über einen Damm, welcher durch den Sumpf führt, der die Stadt umgibt und den der schöne, von dem Dichter des Altertums besungene Mincius hier verursacht.

Unterweges sprach mein Wegweiser von nichts als von der Grotte Virgils (la Grotta di Virgilio), die er mir zeigen würde - wir langten denn zuerst in dem Dörfchen Pietola an, wo wir uns Brot, Kastanien und Weintrauben geben ließen.

Hier setzten wir uns vor dem Hause nieder, wo mehrere Leute aus dem Dorfe versammlet waren, welche sogleich schlossen, daß der Fremde aus keiner andern Ursache hiehergekommen sei, als um die Grotte Virgils zu sehen, die nicht weit von diesem Dorfe in der herzoglichen Menagerie, welche auch Virgiliana heißt, befindlich ist.

Die Besuche der Fremden haben das Andenken des Dich­ters selbst unter den Bewohnern dieses Dorfes wieder auf­gefrischt, welche in Ansehung ihres berühmten Landsmannes nicht so unwissend waren, daß sie nicht von seinem großen poetischen Genie hätten reden sollen; auch wußten sie von seinen Lebensumständen zu erzählen.

Wir gingen nun von hier nach der herzoglichen Menagerie, wo alles ein trauriges und wüstes Ansehen hatte. Hier gingen wir einen langen Hof oder verfallenen Garten hinunter und kamen endlich an die Grotte Virgils, welche diesmal das Ziel unserer Reise war.

Hier sahen wir nun den Platz, wo ehemals eine Grotte gewesen sein soll, welche Virgil bei seinen früheren Ver­suchen in der Dichtkunst zu seinem einsamen Aufenthalte wählte. jetzt standen alte Waschfässer und hohes Unkraut hier umher; alles war zerstört und öde, und von dem Heilig­tum des Dichters war keine Spur mehr da.

Die Republik St. Marino

Rimini, 12. Oktober

Die Aussicht von Ritnini nach St. Marino hat schon an sich etwas Romantisches, und je beschwerlicher der ganze Weg dahin ist, desto reizendere Aussichten gewährt er.

Die Ebenen um Rimini sind noch schön und fruchtbar, die nächsten Hügel sind mit Obst‑ und Weingärten um­kränzt oder mit Olivenbäumen bepflanzt, so daß die ganze Natur hier noch ein lachendes und fröhliches Ansehen hat; je mehr man sich aber den republikanischen Bergen nähert, desto rauher, steinichter und unfruchtbarer wird die ganze Gegend.

Die kleine Republik wird sehr selten von Fremden be­sucht; es gehet daher auch keine ordentliche gebahnte Straße dahin, und wegen der Rauhigkeit des Weges kann man nicht wohl anders als zu Pferde oder zu Fuß hinkommen.

Ich wählte das letztere und nahm mir zu dem Ende aus Rimini einen Wegweiser mit.

Es war noch früh am Tage, da wir unsere Reise antraten, und so wie wir von Rimini bergan stiegen, erweiterte sich die Aussicht über das Adriatische Meer, und nur der blen­dende Glanz der Sonne verhinderte, daß wir die jenseitigen Küsten nicht entdecken konnten, die sich sonst wie dunkle Nebelstreifen zeigen.

Mein Wegweiser war sehr aufgeräumt, und wenn ich nicht mit ihm sprach, so sang er, und zwar recht zärtlich und schmachtend: "Una bella contadina inamorar mi fa" (Eine schöne Bäuerin hat mein Herz gefesselt usw.). Er sang dies viel langsamer als wir unsere Choräle und in lauter dicht aneinandergrenzenden, unreinen Tönen, so wie von dem ge­meinen Volk in Italien alles, was ihnen einfällt, gesungen wird.

Eine gute Strecke von Rimini hatten wir noch wie in einem immerwährenden Lustgarten gewandelt, nun aber fing der Weg schon an, rauh und steinicht zu werden, und bald be­fanden wir uns auch auf der Grenzscheidung zwischen der Republik und dem päpstlichen Gebiet.

Diese Grenzscheidung ist auf einer kleinen Brücke, die über ein fließendes Wasser geht; und die Grenzlinie ist so äußerst genau bestimmt, daß sogar die Jahrzahl 1799 davon durchschnitten wird.

Wir kehrten nun in dem republikanischen Dorfe Ceravallo ein, wo wir mit Wein und Brot und sehr wohlschmeckenden Feigen bewirtet wurden,

Mein Wegweiser erzählte der Frau vom Hause, daß ich von Rimini hergereist sei, bloß um die Republik zu sehen, und daß ich in Rimini meinen Fuhrmann zurückgelassen hätte; "per vedere la nostra republica!" (unsre Republikzu sehen!), rief die Frau voller Freuden aus und ließ sich von meinem Wegweiser erzählen, wie weit ich schon hergekom­men sei, um alle diese Gegenden zu sehen. Dann beklagte sie uns wegen des schlimmen Weges, wobei mir ihre Aussprache des Italienischen merkwürdig war, weil man hier das a völlig wie im Englischen und z. B. strada wie strädä ausspricht.

Nach einem sehr ermüdenden Wege langten wir endlich kurz nach Mittag erst am Fuß des steilen Berges an, auf welchem die Stadt gebauet ist.

Hier unten am Berge ist eine Art von Vorstadt oder Flecken, den man im Italienischen Borgo nennt. Dieser Borgo ist lebhafter und bewohnter als die Stadt selber, und weil nun in der ganzen Republik St. Marino kein Gasthof ist, so führte mich mein Wegweiser in das Haus eines Schusters von seiner Bekanntschaft, wo ich die Nacht mit ihm herbergen sollte und der uns erst nach einigen Bitten von seiten meines Wegweisers aufnahm, weil diese Leute nicht darauf ein­gerichtet waren, Fremde zu bewirten.

Auf dem Herde war Feuer gemacht, woran wir uns wärm­ten, weil wir auf einmal aus dem Sommer von Rimini in den kältesten Herbst gekommen waren, so sehr abstechend ist das Klima auf diesen Bergen von dem auf der Ebene. Wäh­rend der Zeit kleidete unser Wirt sich an, um mit mir in die Stadt hinaufzugehen und mir die Merkwürdigkeiten zu zeigen.

Der Weg zu der Stadt ist nur ein einziger, welcher sich an dem steilen Berge hinaufwindet. Unterwegens begegneten uns einige Leute, von welchen mein Begleiter mir mit einer Pantomime zu verstehen gab, daß sie schon manchem den Dolch in die Brust gestoßen hätten. Nachher erzählte er mir, daß dies Mörder wären, die sich hierher geflüchtet hätten, aber auch das Gebiet der Republik nicht überschreiten dürf­ten, wenn sie nicht wollten gefangen werden; in der Repu­blik aber dürfte ihnen niemand etwas tun.

Wir stiegen so hoch, daß der Borgo oder Flecken, aus dem wir gekommen waren, wie eine Pygmäenstadt zu unsern Füßen lag und daß Rimini mit seinem Hafen, welches doch drei deutsche Meilen entfernt ist, ganz nahe am Fuße des Berges zu liegen schien. Das Adriatische Meer lag vor uns in seiner ganzen Breite, und hie und da entdeckte man die weißen Segel von kleinen Fischerböten. ‑ Der Berg von St. Marino selbst wirft seinen Schatten weit ins Meer.

Auf dieser Höhe lag nun die Stadt, in welche wir hinein­gingen und wo die meisten Häuser mehr in den Felsen ein­gehauen als darauf gebauet zu sein schienen; denn oft macht die Felsenwand zugleich die Wand des Hauses, und die menschlichen Wohnungen sind wie Nester in Ritzen und Spaltungen hingebaut, denn die Stadt liegt gerade auf dem schmalen Rücken des Berges, der vorn ganz schroff in die Höhe steigt und hinter sich auf einmal wieder abhängig wird, so daß er sich selbst beschützt.

Hinter der scharfen Ecke des Berges zieht sich die Stadt hin und verbirgt sich dahinter. Auf der scharfen Ecke aber sind in einiger Entfernung voneinander drei Kastelle mit Türmen gebaut, welche sehr weit hin können gesehen werden. Diese drei Türme sind auch in dem Wappen der Republik, welche drei Kastelle, drei Klöster und fünf Kirchen in ihrem Gebiete zählt.

Den sonderbarsten Anblick machen die kleinen Gärten, welche auf dem ganz nackten Felsen zwischen den Häusern stehen und zu denen man die Erde notwendig von unten muß heraufgebracht haben.

Die Stadt überhaupt hat etwas Totes und Stilles, wodurch man ganz natürlich auf ihren Ursprung aus einer Eremitage zurückgeführt wird, welcher Ursprung schon an sich etwas Auszeichnendes hat und daher mit ein paar Worten hier berührt werden muß.

Der heilige Marino, welcher diese Republik stiftete, war nämlich seines Handwerks ein Maurer und half vor mehr als dreizehnhundert Jahren die Stadt Rimini wieder aufbauen, welche damals ganz zerstört lag.

Als er auf die Weise der Welt nützlich gewesen war, be­gab er sich, um nun ganz dem Himmel zu leben, auf diesen einsamen Berg, der recht dazu gemacht zu sein schien, um das Gemüt von dem Erdboden abzulenken, welcher hier in öder Unfruchtbarkeit durch keinen Reiz die Sinne fesselt. Ganz dem Irdischen abgestorben und schon sich selbst ent­nommen, tat dieser heilige Mann ein Wunder oder glaubte doch, es zu tun, und der Ruf von seiner Heiligkeit erscholl nun in der ganzen Gegend, so daß selbst die Landesfürstin, davon gerührt, ihm ein Geschenk mit dem Berge machte, den er bewohnte.

Von allen Seiten strömte nun das Volk dem Berge und dem Manne zu; und der heilige Marino wurde bei seiner unausgesetzten strengen Lebensart noch einmal wieder der Welt nützlich, indem er auf diesem Berge eine Stadt zu bauen anfing und die Republik stiftete, welche sich noch itzt nach seinem Namen nennt und ihn als ihren ersten Schutz­heiligen verehrt. Er wird abgebildet, wie er einen Berg mit drei Türmen auf seinen Händen trägt.

Wir gingen nun in die Hauptkirche der Republik, welche dem Schutzheiligen gewidmet ist und die gegen die sonst übliche Pracht in den katholischen Kirchen sehr auffallend absticht; so arm und ungeschmückt sieht dieser kleine Tempel aus. Hinter dem Altare sieht man die bloße Felsenwand, an welche die Kirche gebaut ist; und in diesem Felsen sind gegen einander über zwei Öffnungen gehauen, in deren jeder ein Mensch ausgestreckt liegen kann. Dies war die Schlaf­stätte des heiligen Marino und seines Gehülfen, der auch ein Maurer war und mit ihm zugleich diesen Aufenthalt bezogen hatte. Sie hatten sich mit ihren eigenen Händen diese arten Betten in dem Felsen ausgehauen, der von ihrer Aufopferung und Selbstverleugnung ein immerwährendes Denkmal ist.

Die übrigen Kirchen und Paläste zeichnen sich ebenfalls durch Simplizität aus, die an Armut grenzt, und machen daher kein Mißverhältnis mit dem Ganzen der Republik, welche auf Resignation gebauet ist.

Wir besahen den Palast eines gewissen Cavallieri Magi d'Urbino, wo uns denn doch eine Gemäldegalerie von sehr mittelmäßigen Kupferstichen, ein Porzellanservice von Fay­ence und ein Prunksaal, mit ganz gemeinen Stühlen und Ti­schen möbliert, gezeigt wurde. Der Bediente, welcher den Cicerone machte, nahm, wie es in Italien Gebrauch ist, ein Trinkgeld dafür, daß er uns die schönen Sachen gezeigt hatte. Er war auch gar nicht geheimnisvoll damit, daß sein Herois­mus, den er durch einen Dolchstoß bewiesen, ihn auch zu diesem Zufluchtsorte gebracht habe.

Wir stiegen darauf zu dem ersten von den dreien Türmen hinauf, wo die Staatsgefängnisse sind und wo uns die Gefangenwärterin jedes Zimmer bezeichnete, in welchem eine merkwürdige Person in Verhaft saß. Sie redete dabei ganz leise, mit einem geheimnisvollen Wesen. Die vielen Staatsgefangenen sind ein Beweis, wie strenge die kleine Republik in der Verwaltung ihrer eigenen Justiz verfährt.

Der Senat der Republik besteht aus vierzig Personen, wo­von die eine Hälfte aus dem Adel und die andere aus dem Volke genommen ist. Es dürfen in diesem Senat nicht zwei von einer Familie, sein; kein Sohn kann bei Lebzeiten seines Vaters und niemand ohne vorhergegangene Wahl eintreten. Die höchsten Staatsbedienten sind zwei Kapitäne, welche alle sechs Monate gewählt werden und einen Justitiarius zur Seite haben, der ein Fremder sein muß und nur auf drei Jahre zu dieser Stelle gewählt wird, damit man unter einer schlech­ten Wahl nicht zu lange leiden möge. In Staatsgeschäften von außerordentlicher Wichtigkeit wird der Große Rat zusammen­berufen, in welchem jedes Haus seinen Repräsentanten hat.

Da wir gegen Abend wieder nach unserm Borgo herunter­stiegen, begegnete uns ein Mann, in einen Roquelaur gehüllet, den mein Begleiter ehrerbietigst grüßte; und als er vorbei war, sagte er, das sei der Capitano regente (der regierende Befehlshaber), aber incognito gewesen; denn sonst gehe er immer mit Begleitung und trage eine Allongenperücke. Mein republikanischer Schuster schien doch eine Art von Stolz darin zu finden, mir seinen Capitano so glänzend wie möglich zu schildern; ihm wäre sonst eine Wache von sechzehn Mann bestimmt, wovon sein Sohn einer sei, den ich den Abend wurde kennenlernen.

Als wir zu Hause kamen, war es strenge kalt; wir setzten uns ums Feuer; der Sohn meines Wirts, ein junger, wohl­gewachsener Bursche, kam auch zu Hause und setzte sich zu uns, und nun wurde über Staatseinrichtungen gesprochen, und mein Wirt erzählte mir, daß außer ihm noch fünf Schuster in der Republik wären, daß die Zahl von sechsen nicht dürfe überschritten werden und daß ein jeder sein Leben daran wagen würde, die Republik bei einem feindlichen Angriffe zu verteidigen.

Einmal hatte sich ein päpstlicher Legat mit Gewalt und List der Republik schon so weit bemächtiget, daß er im Namen des Papstes feierlich Besitz davon genommen hatte und in der Hauptkirche das Tedeum anstimmen ließ, als ihm während dem Lobgesang auf einmal eine Flintenkugel dicht vor dem Ohre vorbeisummte, die den siegreichen Kardinal so in Schrecken setzte, daß er plötzlich und still mit seinen Truppen wieder abzog und seit der Zeit die Republik be­ständig in Ruhe ließ.

Freilich ist es dem päpstlichen Despotismus höchst zuwider, mitten im Schoße des Kirchenstaats ein freies Völk­chen zu dulden, da überdem verschiedene Große aus dem Kirchenstaate sich das Bürgerrecht von St. Marino für eine Ehre schätzen.

Man sucht daher im Kirchenstaat, und besonders in dem benachbarten Rimini, die Republik auf alle Weise lächerlich zu machen, um sich gleichsam dafür zu rächen, daß dieses Volk seit Jahrhunderten edler und größer als seine Nach­baren denkt.

Über diese und ähnliche Gegenstände brachten wir den Abend mit Gesprächen hin und verzehrten dabei unser Abendessen dicht neben dem Herde, auf dem es zubereitet war.

Den andern Morgen früh machte ich allein wieder eine Wanderung auf den Berg, um eine vollständige Idee von dem ganzen Umfange der Republik zu haben, die ich dann auch bekam, weil sich ein paar junge Leute zu mir gesell­ten, die mir nach allen Seiten die Grenzen des Gebiets von St. Marino bezeichneten, so daß man dasselbe von der einen Spitze des Berges ganz übersehen konnte.

Diese beiden jungen Leute waren wohlgekleidet und schie­nen sehr wohlerzogen zu sein. Sie befriedigten noch über Verschiedenes meine Wißbegierde, zeigten mir die großen Zisternen, worin das Regenwasser aufgefangen wird, weil es gänzlich an anderm Wasser fehlt, und führten mich in die Kapuzinerkirche, wo über dem Altar ein schönes Gemälde hängt, das eine Abnehmung Christi vom Kreuze darstellt. Die Kapuziner haben aus ihrem Kloster die schönste Aus­sicht und auf dem Felsen hinter dem Kloster einen Garten, der für St. Marino so schön ist, als er nur sein kann.

Meine beiden höflichen Begleiter sagten mir, es sei sehr ungewöhnlich, daß Fremde hierherkämen, darum sei auch kein Gasthof in ihrem Gebiet. Vor mehreren Jahren wären einmal Engländer dagewesen. Sie fragten mich, ob man in unserm Lande den Namen ihrer Republik wisse und was man mir in Rimini für eine Beschreibung davon gemacht habe usw. Nach dem, was sie sagten, zu schließen, war ihr republikanischer Stolz sehr bescheiden.

Sie begleiteten mich bis zu dem Borgo hinunter; und die Frau des Schusters, die uns hatte kommen sehen, sagte mir mit einer sehr bedeutenden Miene, ob ich wohl wisse, wer der eine von meinen Begleitern gewesen sei. Es sei der Sohn des Capitano regente gewesen.

In dem Borgo war es lebhaft, weil gerade Markt war; und in einem Kaffeehause war eine Anzahl Priester versammlet, denen man es an der armseligen Kleidung und hagern Ge­stalt wohl ansahe, daß sie keine päpstliche, sondern republi­kanische Geistliche waren.

Wir nahmen nun Abschied von unserm Wirt, dessen Sohn uns noch eine Strecke begleitete; dann eilte ich mit meinem Wegweiser schnell den Berg hinunter. In Ceravallo hielten wir uns nicht auf, und kurz nach Mittag erreichten wir schon die Grenzscheidung. Der Berg von St. Marino hatte sich in Wolken gehüllt, und wir befanden uns wieder auf päpst­lichem Gebiet.


Die Klöster

Rimini, 14. Oktober

Gestern nachmittag ging ich noch aus dem Tore von Ri­mini nach Westen zu spazieren, wo hinter der Stadt, dem Meere gegenüber, einige reizende Hügel emporstiegen, auf denen drei Klöster, eines über dem andern, gebauet sind, die mit ihren fruchtbaren Gärten und Weinbergen den an­genehmsten Prospekt machen. Ich übersahe von hier aus die umliegende Gegend, die Stadt und das Meer und sahe die Sonne über der Küste von Dalmatien untergehen, die sich wie ein dünner Nebelstreif schon von hier aus zeigt.

Man kann sich keine angenehmere Lage denken, als die die drei Klöster auf diesen Bergen haben, zu welchen sich der Weg beständig zwischen grünen Hecken, Obstbäumen und Weingärten hinaufwindet und wo sich, so wie man in die Höhe steigt, der Horizont mit jedem Schritte erweitert.

Die klösterliche Stille und Einsamkeit, die hier oben herrscht, macht die Szene noch feierlicher, und diese Hügel bilden gewiß die angenehmste Eremitage, die man sich den­ken kann.

Hier, über die niedrigen Sorgen des Lebens hinweggesetzt und über allen Tand der Erde erhaben, in Einsamkeit und Stille und in Betrachtung göttlicher Dinge seine Tage zuzu­bringen, des Morgens den ersten Strahl der Sonne, wenn sie emporsteigt, zu begrüßen und mit seinen Empfindungen in das große Loblied der ganzen Natur harmonisch einzugreifen oder im Sturm und Ungewitter von fern das tobende Meer zu betrachten und hier unter seinem ruhigen Obdach gesichert und in Frieden zu sein ‑ das sind Gedanken und Empfin­dungen, die dem Menschen so natürlich sind, daß es einen gar nicht befremden kann, an einem solchen Orte einsame Wohnungen der Stille und Andacht zu finden.

Wie schade also, daß gerade hier die Imagination mit einer so grotesken Zusammenstellung von unzähligen Bildern und Bilderchen aus einer selbstgemachten Ideenwelt angefüllt und vollgepfropft ist, daß für ein einziges großes, erhabenes Bild aus der Natur kein Platz mehr übrigbleibt und die leb­hafteste Einbildungskraft am Ende unter sich selbst erliegen muß!

Ancona, 18. Oktober

In der Nähe von Ancona kamen wir über einige Anhöhen, die eine vortreffliche Aussicht auf das Adriatische Meer und die jenseitigen Küsten darboten, die sich hier nun schon weit deutlicher als in Rimini zeigten und den griechischen Himmel der Einbildungskraft und dem Auge darstellten.

Die Hügel selbst, über die wir fuhren, waren schön und fruchtbar, und die Stadt Ancona stellte sich mit ihrer amphi­theatralischen Lage, je näher wir kamen, immer prächtiger dar. Aus der Masse der übrigen Häuser trat auf der Höhe ein majestätischer Dom mit einem Portikus hervor, der die Idee von einem alten griechischen Göttertempel erweckte, der auch ehemals, der Venus geweiht und von den alten Griechen oder Doriern erbaut, auf ebendiesem Fleck soll ge­standen haben, worauf sich ein Vers aus dem Juvenal be­zieht:

Vor dem Tempel der Venus, vom dorischen Ancon emporgetragen.

Dicht vor der Stadt begegneten uns sehr viele wohlgeklei­dete Leute, welche spazierengingen. ‑ Wir kamen durch eine enge Straße nach dem Posthause, und es war hier beinahe so gedrängt voller Menschen wie in einer Londner Straße. Auch ist unter allen italienischen Städten, die ich bis jetzt gesehen habe, Ancona bei weitem die lebhafteste.

Wir kamen noch zu Mittage hier im Posthause an, wo an der Wirtstafel gespeist wurde und die Bewirtung vorzüglich gut ist. Für Frühstück, Mittag, Abendessen und Logis wurde zchn Paul (ohngefähr 11/2 Taler) bezahlt, welches um zwei Paul mehr ist, als man sonst gewöhnlich für die tägliche Zeh­rung entrichtet, wenn man alla mercantile (wie Kaufmann) reist; denn darnach wird man ordentlich gefragt, wie man bedient sein will, und dann gibt es die beiden Arten, daß man entweder wie Kavalier oder wie Kaufmann reist. Diese Einteilung scheint darin ihren Grund zu haben, daß man sich unter der Benennung Kaufmann einen jeden denkt, der sich auf der Reise so ökonomisch wie möglich einzurichten sucht, wornach denn auch sogleich die Bedienung abgemessen wird.

Bei Tische sprach ich einen Deutschen, der ein katholischer Geistlicher war und gerade von Rom nach Wien zurück­kehrte. Dieser rühmte mir denn am angelegentlichsten ein deutsches Gasthaus in Rom, wo ich ja nicht aus der Acht lassen sollte, meinen Tisch zu nehmen, wegen der vielen Vor­züge, die es vor den italienischen Speisehäusern hätte. In Mantua sprach ich auch einen Kanonikus, der eben aus Rom zurückgekehrt war und mir ebenfalls das deutsche Speisehaus ganz vorzüglich rühmte. Übrigens sprachen diese beiden Her­ren von ihrem Aufenthalte in Rom eben nicht mit viel Interesse.

Ich machte nun gestern noch einen Spaziergang in der Stadt. Am lebhaftesten ist die Straße, welche sich am Fuße des Berges, worauf die Stadt erbaut ist, längs dem Meere hin erstreckt und wo die Warenlager und gleich hinter den Häusern die Anstalten zu der Ausladung der Schiffe sind. Diese Straße ist gewissermaßen im kleinen, was der Strand in London im großen ist.

In dieser Straße ist auch die Börse, von der man auf einem Balkon eine herrliche Aussicht aufs Meer hat. Das Gebäude selbst ist prachtvoll verziert; in dem gewölbten Saale steht eine Religion von Marmor, und Glaube, Liebe und Hoff­nung sind ebenfalls in Marmor abgebildet. Man kann hier auch Erfrischungen bekommen, und wegen der vielen Frem­den von allen Nationen, die man hier zusammen siehet, ist es sehr angenehm, hier eine Weile zuzubringen. Ich wurde hier auch von einem jungen Menschen angeredet, der mich dem ersten Anblick nach gleich für einen Deutschen hielt und mir sagte, daß er im Begriff sei, von hier aus zu Schiffe nach Venedig zu gehen.

An dem südlichen Ende der langen Straße längs dem Meere kömmt man durch einen engen Gang auf einmal an den Hafen, der mit seinem Molo und dem Triumphbogen des Trajanus auf demselben einen prächtigen Anblick macht. ‑ In dem Hafen lagen eine beträchtliche Anzahl großer Schiffe, worunter sich mehrere englische befanden. Und dies ist also nun der Hafen, von dem es heißt:

Unus Petrus in Roma, unus portus in Ancona.

Ein Petrus ist nur in Rom, ein Hafen in Ancona ‑

weil dieser Hafen wirklich an der adriatischen Küste der vorzuglichste und allen Religionen hier ein ungehinderter Aufenthalt verstattet ist, worauf die schöne Inschrift über dem einen Stadttor anspielt:

Wechselseitige Treu und Glaube,

Auf welche der Flor eurer Stadt, ihr edlen Bewohner, sich gründet,

Freuen sich, hier in geselligem Frieden

An einem Orte zu wohnen.

Das Gewimmel so verschiedener Nationen und Kleider­trachten hier im Hafen und auf der Börse macht wirklich einen schönen Anblick, wozu sich noch die angenehme Vor­stellung gesellt, daß man sich im Kirchenstaate befindet und dennoch eine solche Freiheit und wechselseitiges Verkehr der verschiedensten Glaubensverwandten an diesem Orte statt­findet.

Der Hafen heißt noch itzt in öffentlichen Inschriften der Hafen des Trajanus, welcher ihn auf eigene Kosten aus­bessern ließ und dem dafür, auf dem Molo dieses Hafens, ein Triumphbogen von schönem weißem Marmor von dem Senat errichtet wurde. ‑ Dieser Triumphbogen ist noch ganz unversehrt und gewiß eines der prächtigsten Denkmäler des Altertums, obgleich die Statuen und Trophäen von Bronze, womit er ehemals verziert war, itzt nicht mehr daran vor­handen sind.

Die Quaderstücke, woraus er bestehet, sind von parischem Marmor und so genau mit eisernen Klammern aneinander­gefügt, daß man kaum die Fugen sehen kann. Er hat vier korinthische Säulen und einen Durchgang mit einer Attika darüber, auf welcher nach der Stadtseite zu noch die alte Inschrift steht‑

Der Senat und das römische Volk haben dem Trajan diesen Triumphbogen errichtet, wei er diesen Hafen auf eigene Kosten zu der Sicherheit der Schiffenden in bes­sern Stand gesetzt und wieder hergestellt hat.

Auch die Namen der Frau und Schwester des Trajans, welche er vorzüglich liebte, sind an den Seiten zwischen den Säulen eingehauen und dem Namen des guten Kaisers zu­gesellt worden.

Mit dem einen Fuß steht dieser Triumphbogen im Meere und mit dem andern auf dem Molo; auf einer kleinen Mauer kann man bis dicht heran gehen und dieses Denkmal auch nach oben zu ganz in der Nähe betrachten, wo man die erstaunliche Größe der Marmorblöcke, woraus es zusam­mengesetzt ist, deutlich bemerken kann; ein solches Werk mußte freilich wohl anderthalb Jahrtausenden trotzen und das Gepräge der Vorzeit unversehrt auf die Nachwelt bringen.

Aber eine der wunderbarsten Empfindungen ist es, sich diesen Zeitraum und die Generationen zu denken, die in diesem Zeitraum verschwunden sind, und nun ein Werk, von Menschenhänden gemacht, vor sich zu sehen, das alle diese Generationen ausgedauert hat und nun in seiner ursprüng­lichen Pracht und Schönheit sich noch itzt, wie damals, dem Auge der Lebendigen darstellt.

Einen furchtbaren Anblick machten die Galeerensklavcn, welche gegen Abend paarweise, mit ihren Ketten klirrend, unter der Anführung ihres Befehlshabers oder Zuchtmeisters auf dem Molo aufzogen und ein fröhliches Lied sangen.

Als der Zug zu Ende war und alle gezählt waren, lager­ten sie sich auf den Boden, wo einige das Geld zählten, das sie sich den Tag über in der Stadt erbettelt oder mit Arbeit erworben hatten, und einige sogleich wieder miteinander darum würfelten.

Die Verschiedenheit unter diesem Haufen war erstaun­lich: einige waren zerlumpt und halb nackt und machten mit ihrem straubichten Haar einen abscheulichen Anblick ‑andere waren so wohlgekleidet, daß nur die Kette am Fuße verriet, daß sie zu der Anzahl der übrigen gehörten.

Ihr Anführer, dessen Anzug selbst ziemlich schlecht war, las zur bestimmten Stunde ihre Namen ab, und sie mußten Paar bei Paar in ihren Kerker gehen, worin sie die Nacht über eingesperrt werden.

Es war erstaunlich, welche Ruhe und Zufriedenheit sich auf den Gesichtern der meisten auszeichnete und wie sie geradeso vergnügt waren und untereinander scherzten und lachten wie Leute, die nach vollbrachter Tagesarbeit sich nun in ihren Häusern unter den Ihrigen wiederfinden und in ihren Betten sich niederlegen.

Da, wo man durch einen engen Gang aus der Stadt auf den Molo geht, wurde von allerlei zusammengerafftem Holz­werk und andern brennbaren Sachen zur Vertreibung der schädlichen Dünste ein großes Feuer unterhalten, und gegen Abend wurde es schon so kühle, daß man sich an diesem Feuer zugleich wärmte.

Es war übrigens ein sehr schöner Abend, und ich machte nun noch einen Spaziergang in der Stadt von unten bis oben hinauf, wo denn natürlicherweise die Straßen immer enger, das Auftürmen der Häuser übereinander immer gedrängter wurde. ‑ Auf den Straßen war es sehr lebhaft, und eine große Anzahl Leute gingen immer mit mir nach einer Rich­tung die Stadt hinauf, bis wir auf einmal auf einen großen und schönen Platz vor der Hauptkirche gelangten, die, wenn man sich der Stadt nähert, mit ihrem hervorspringenden Portikus schon einen so prächtigen Anblick macht.

Auf dem Platze vor dieser Kirche gingen nun die Ein­wohner von Ancona spazieren, um der schönen Aussicht und der frischen Abendluft zu genießen.

Heute früh wiederholte ich meinen Spaziergang von ge­stern abend und stieg noch eine kleine Anhöhe hinauf bis zu der Kirche St. Cyriac, wo ich nun vor mir das Adriatische Meer und die jenseitige Küste und zu meinen Füßen den Hafen mit seinen beiden Triumphbogen sah; denn nicht weit von dem Triumphbogen des Trajans ist noch ein an­derer, moderner unter dem Namen des Clementinischen Bogens, aber nicht von Marmor, errichtet.

Ich konnte gerade auf den mit einer hohen Mauer umgebenen schmutzigen Hof auf dem Molo hinunterblicken, der die Galeerensklaven einschloß. Hier sah ich nun deut­lich ihre ganze häusliche Einrichtung, das ganze Gewühl und Gewimmel der in diesen engen Raum eingesperrten beträcht­lichen Anzahl von Menschen: wie sie mit ihren Töpfen und Kesseln durcheinanderliefen, einige auf der schmutzigen Treppe lagen und würfelten, andere sich ihr Frühstück koch­ten ‑ und wie diese hier vereinte Familie den schönen Mor­gen genoß, dessen erquickender Glanz ihnen freilich nur zum Teil vergönnt wurde, denn noch ließen die hohen Mauern keinen Strahl der Sonne in diese gemeinschaftliche Schlaf­stätte fallen.

Sowie man nun von dieser steilen Anhöhe der Stadt immer tiefer hinuntersteigt, vermehrt sich das Leben und Gewühl; die Straßen, in denen oben die Häuser wie Nester an dem Felsen hängen, erweitern sich allmählich, bis man ganz unten schöne Gebäude, geräumige Plätze und alle Merkmale einer wohlhabenden Stadt siehet.

Einen prächtigen Anblick macht das Lazarett, welches mitten im Meere angelegt ist und wo alle aus der Levante kommenden Schiffe Quarantäne halten müssen. Der Zweck dieses Gebäudes ist durch die simple Inschrift bestimmt:

Ad suspicionem pestilentiae amovendam. Den Argwohn wegen der Pest zu verbannen.

An der Landseite ist ein schöner Spaziergang, wo man dies Gebäude genau betrachten kann; es ist wie eine Festung mit Mauern und Türmen umgeben, und inwendig sind erst die Wohnungen, deren Fenster nicht nach außen, sondern alle auf den Hof zu gehen; in der Mitte auf dem Hofe ragt eine Kapelle von besonderer Bauart hervor. Von dem berühmten Baumeister Vantirelli schreibt sich der Plan zu diesem Ge­bäude her.

Als ich von diesem Spaziergange wieder in die Stadt zu­rückkehrte, begegneten mir eine Anzahl Galeerensklaven, welche Tonnen trugen; ich hörte ihre Ketten schon von ferne klirren und dachte mir alles Schreckliche ihres Zustandes, welches bald verschwand, da ich näher kam und sah, wie sie mit den Leuten in der Stadt vertraulich sprachen, von Vorbeigehenden angeredet wurden und sich mit ihnen grüß­ten, gleichsam als ob sie gar nicht von der Gesellschaft der übrigen ausgeschlossen wären und in ihrer Funktion mit zu dem Staate gehörten.

Als ich nun zum ersten Male auf den Markt kam, über­raschte mich das erstaunliche Gewühl von Menschen von allerlei Stand und Nationen, worunter sich besonders viele Griechen befanden. Die Tracht der Bäuerinnen zeichnete sich durch eine besondere Art Deckel oder Mützen auf dem Kopfe mit herunterhängenden Fransen aus. Da, wo das Ge­müse verkauft wurde, klang das einzige Wort "Bajocchi" (eine päpstliche Scheidemünze von Kupfer) mir von allen Seiten her in die Ohren; denn mit Bajocchi werden hier im kleinen alle Rechnungen abgetan, und die Rechnung mit dem papstlichen Gelde ist sehr leicht; denn zehn Bajocchi machen einen Paul (ohngefähr 4 Groschen) und zehn Paul einen Scudo. In der hiesigen groben Aussprache der Bauern und des gemeinen Volks aber heißt un paulo "un pawolo".


Die Bildsäule des Papstes Clemens des Zwölften in Ancona

Auf dem Marktplatze vor der Kirche des heiligen Dominkikus steht die Statüe des Papsts Clemens des Zwölften von Marmor, und die Inschrift sagt, daß ihm "der Senat und das Volk von Ancona" diese Statüc deswegen errichtet habe:

weil er mitten im Meere, um die Pest abzuwenden, ein geräumiges Gebäude für die ankommenden Frem­den errichtet, den Hafen des Trajanus verlängert und erweitert, von Abgaben befreit, ihn alle Nationen er­öffnet und dadurch den Handel befördert und den Wohlstand dieser Stadt vermehrt habe.

Diese Art Inschriften, wodurch genau bestimmt wird, warum jemandem irgendein Ehrendenkmal errichtet sei, hat sich doch noch aus den alten römischen Zeiten erhalten und gewiß etwas vorzüglich Ehrwürdiges, weil sie dem Volke selbst sowohl als demjenigen, welchem es seine Dankbarkeit be­zeigt, gleichsam einen höhern Wert gibt. Das Volk huldiget nicht bloß, sondern es belohnet.

Die segnende Stellung nimmt sich bei dieser Bildsäule vorzüglich schön aus, weil sie gerade auf dem Platze errich­tet ist, wo das größte Leben und Gewühl herrscht und das Gewimmel von Menschen aus verschiedenen Nationen sich zusammendrängt, die nun grade dieser Segnungen von Tole­ranz und Glaubensfreiheit genießen, welche von jenem in dem Marmor verewigten Regenten erteilet wurden, und ge­wiß konnte einem Papste nie eine ehrenvollere Statüe als diese errichtet werden.

Die herrlichsten Feigen und andre edle Früchte waren hier im Überfluß, und die reiche und ergiebige Mark Ancona prahlte hier mit allen ihren Schätzen.

Die schöne Kirche, die prächtigen und hohen Paläste, die Kurie mit ihren Türmen und unten die Wache, alles trägt dazu bei, die Lebhaftigkeit und das stattliche Ansehen die­ses schönen Platzes zu vermehren. Die päpstlichen Soldaten, welche vor der Wache spazierengingen, waren alle sehr wohl­genährt und ‑gekleidet und schienen es sich ziemlich bequem zu machen. Hier war nichts Strenges und Rigoröses, und auch sie schienen unter der segnenden Hand ihres obersten Chefs ein vergnügtes und ruhiges Leben zu führen. ‑ An einem Hause auf diesem Platze las ich die Inschrift:

Officium sanitatis commoditati nobilium.

[…]

Zusammentreffen mit Goethe

Rom, 20. November

Der Hr. v. G. ist hier angekommen, und mein hiesiger Aufenthalt hat dadurch ein neues und doppeltes Interesse für mich gewonnen.

Dieser Geist ist ein Spiegel, in welchem sich mir alle Gegenstände in ihrem lebhaftesten Glanze und in ihren frischesten Farben darstellen.

Der Umgang mit ihm bringt die schönsten Träume meiner Jugend in Erfüllung, und seine Erscheinung, gleich einem wohltätigen Genius, in dieser Sphäre der Kunst ist mir, so wie mehreren, ein unverhofftes Glück.

Denn bei allen Schönheiten der Natur und Kunst gibt es doch nichts Höheres als den harmonischen Gedankenwechsel, [...]

Rom, 2. März 1787

Nach einer langen Pause erhalten Sie erst wieder einen Brief von mir ‑ denn meine Wanderungen in Rom, die ich Ihnen zu beschreiben anfing sind durch einen widrigen Zufall eine Zeitlang unterbrochen worden.

Meine letzte Exkursion war ein Spazierritt in Gesellschaft einiger Freunde nach der Mündung der Tiber bei Fiumi­cino.

Wir kehrten den Abend ziemlich spät zurück und langten glücklich in Rom wieder an, wo die Überbleibsel des anti­ken Pflasters in der Gegend des Pantheons mir diesmal ein schlimmes Zeichen waren.

Denn auf eben diesem Pflaster, das durch die Zeit ganz ausgeglättet und von einem feinen Staubregen noch schlüpf­riger geworden war, hatte ich das Schicksal, durch einen Sturz mit dem Pferde den linken Arm zu brechen.

Darüber habe ich ein paar Monate Bette und Zimmer hüten müssen. Nun kann ich, obgleich noch mit dem Arm im Bande, wieder ausgehen und habe seit einigen Tagen meine Wanderungen, da wo ich stehengeblieben bin, bei dem Obelisk auf dem Platze del Popolo wieder angefan­gen.

Römischer Karneval

Aber wie hatte sich der Schauplatz hier verändert! Ich kam auf einmal aus meiner stillen Einsamkeit in das Ge­wühl und Gedränge von Menschen, welche im Karneval den Korso und diesen Platz anfüllen.

Der Korso war wieder zum Circus maximus geworden; vor dem großen Obelisk war das Seil gespannt, nach dessen Niederlassung, so wie in dem alten römischen Circus, die vor Ungeduld stampfenden und wiehernden Pferde auf ein gegebenes Zeichen den Wettlauf beginnen.

Ein bretternes Amphitheater bei dem Obelisk trug ein buntes Gemisch von Zuschauern. Auf dem erhöhten Pfla­ster an beiden Seiten des Korso vor den Häusern waren Stühle gesetzt; Fenster und Balkons waren mit Teppichen geschmückt; auf dem reinlichen Boden des Korso ging man wie in der Stube; die ganze lange Straße erschien wie ein ausgeschmückter Saal, dem der Himmel zur Wölbung diente.

Und in dem Gedränge von Menschen, die auf und nieder gehen, zwischen den Zuschauern, die an beiden Seiten auf Stühlen sitzen, und den Kutschen, die langsam auf und ab fahren, dünkt man sich in einer großen Volksassemblee, wo keiner fremd und schüchtern ist, sondern sich alle zutrau­lich einander nähern.

Wenn nun irgendwo dem Gott des Lachens ein wohlge­fälliges Fest gefeiert wird, so ist es hier, wo in den groteske­sten Gestalten und mannigfaltigsten Erscheinungen die Tor­heit mit sich selber wetteifert und jeder den andern an Lächerlichkeit und liebenswürdigen Possen zu übertreffen sucht.

Hier, kann man sagen, ist der Ort, wo das "dulce desipere in loco" ordentlich mit einer Art von Gewissenhaftigkeit beobachtet wird und ein jeder es für Pflicht hält, zu dem großen Fastnachtsspiele das Seinige beizutragen.

Würklich macht das hiesige Karneval ein so sonderbares Schauspiel, daß ich wohl wünschte, aber mir nicht getraue, Ihnen einen anschaulichen Begriff davon zu geben. (Anmerkung: Das Publikum besitzt nun die meisterhafte Beschreibung des römischen Karnevals von Goethe, welche das Ganze so täuschend und so wahr wie die Bilder in einem optischen Kasten dem Leser vors Auge bringt.)

Eine ganz besondre Szene bezeichnet den letzten Abend, wo von den vielen tausend Menschen, die sich dem Korso auf und nieder drängen, ein jeder einen brennenden Wachs­stock in der Hand trägt, den jeder dem andern auszublasen aus allen Kräften sich bemühet, um dann gleichsam trium­phierend ausrufen zu können: "Ammazzato sia, chi non porta moccolo!" (Es sterbe, wer kein Lichtlein trägt!)

Dieser unschuldige Scherz verbindet die ungeheure Men­schenmasse zu einer einzigen vertraulichen Gesellschaft, wo Schalkhaftigkeit und Ausgelassenheit unbeleidigend sind und ein jeder für den Mutwillen; der an ihm ausgeübt ist, sich dadurch zu rächen sucht, daß er ihn an seinem Nachbar wiederholt.

Nichts ist drollichter, als wenn man jemanden, der einen darum bittet, recht ehrbar seinen ausgelöschten Wachsstock anzünden läßt und dieser nun, indem er höflich dankt, einem, ehe man sich's versieht, im Weggehen behende das Licht ausbläst oder wenn zwei recht ernsthaft beieinander stehen und einer dem andern sorgfältig das Licht anzündet und auf einmal ein dritter dazwischentritt und beide Lichter auf einmal ausbläst, so daß die Anzündenden plötzlich einerlei Schicksal haben und über den losen Mutwillen lächeln.

Junge Mädchen, Kinder, Männer, Greise, Einheimische und Fremde machen an diesem Abend nur eine Familie aus, wo jeder sich an der Zutraulichkeit des andern ergötzt und die Gemüter alle zur Heiterkeit und zu geselligem Genuß des Lebens in diesen kurzen vorübergehenden Momenten einer so allgemeinen Mitteilung gestimmt sind.

Einer von unserer Gesellschaft hatte den Einfall, eine Anzahl kleiner Lichter auf einer hohen Stange emporzu­tragen, damit sie ihm niemand ausblasen könnte; nun be­mühte man sich, oben aus den Fenstern die Lichter auszu­wehen und auch diese Vorsicht gegen das unvermeidliche Ausblasen zu vereiteln.

Die Vornehmen, welche in den Kutschen fahren, tragen jeder ein brennendes Wachsstöckchen vor sich in der Hand; ehe sie sich's versehen, hat irgendein kleiner Bube am Kutschenschlage sich angeklammert und bläst mit vollen Backen schnell ein Licht nach dem andern aus, und wenn es nun plötzlich in der Kutsche dunkel ist, so ruft er trium­phierend sein "Ammazzato sia!" aus.

Nicht weit von mir an der Seite des Korso stand ein Knabe, der immer seinem Vater das Licht ausblies und wobei es sich sehr komisch ausnahm, daß er jedesmal rief: "Ammazzato sia il signor padre, chi non porta moccolo", welches ohngefähr so herauskam, als ob ein hiesiger Stu­dent sagte: "Pereat mein Herr Vater, der kein Lichtchen trägt!" Der Vater wurde endlich böse darüber und drohete ihm ernsthaft, worauf der Sohn denn immer noch ärger schrie: "Ammazzato sia il signor padre!" ‑ Denn auch die väterliche Gewalt hatte während dieser Saturnalien aufge­hört.

Die Oper

Das Operntheater Aliberti in meiner Nachbarschaft habe ich denn auch ein paarmal besucht, und das Betragen des Publikums war mir hier noch ein merkwürdiger Schauspiel als das Schauspiel selber.

Bei den Rezitativen dürften die Opernsänger nur bloß die Lippen bewegen, ohne einen Laut hervorzubringen; denn es herrscht ein solches allgemeines Getöse im Parterre und Logen, daß einer kaum sein eignes Wort vernimmt; ein jeder spricht laut mit seinem Nachbar, und auf das Schau­spiel achtet keiner.

Sobald denn aber auch eine Lieblingsarie kömmt, herrscht auf einmal eine bewundernswürdige Stille; "zitti! zitti!" ertönt von allen Seiten; alles lauscht und scheint ganz Ohr zu sein; man getraut sich kaum zu atmen.

Und wenn denn der Sänger, gleich einem Sieger am Ziel der Laufbahn, die letzte gefährliche Kadanze glücklich ge­endigt hat, so geht die allgemeine Stille auf einmal in ein betäubendes donnerndes Beifallsgetöse über.

Dabei ertönt der Name des Sängers mit lautem Zuruf von allen Lippen, und was mir am drolligsten schien, so suchte man dem einen Sänger namens Maffolo, der einen sehr schönen Tenor singt, vorzüglich seinen Beifall zu bezeigen, indem man seinen Namen selbst im Superlativ ertönen ließ und mit dem höchsten Ausdruck von Enthusiasmus und Bewunderung einmal über das andre "Maffolo! Maffolis­simo!" rief. [...]


ZWEITER TEIL

[...]

Volksfrömmigkeit

Die Volksgesinnung scheint hier ansteckend zu sein; man gewöhnt sich nach und nach, die Sachen bloß anzusehn und sie zum Zeitvertreibe vor sich übergehn zu lassen, ohne Reflexionen darüber anzustellen, die nichts nützen. Man beschränkt sich immer mehr auf den Moment und hört auf, das Leben im Ganzen zu betrachten und sich vergebliche Mühe zu geben, seine labyrinthischen Verwickelungen zu enträtseln.

Die Verehrung der Madonna bringt wirklich einen ge­wissen Reiz in alle die übrigen gottesdienstlichen Gebräuche, so wie die Bilder der Heiligen Jungfrau über den Haus­türen auf den Straßen des Nachts statt einer Erleuchtung dienen, weil bei jedem eine brennende Laterne angebracht ist.

Der Gruß der Jungfrau Maria bezeichnet hier die letzte Stunde des Tages, das Ausruhen von der Arbeit ‑ mit Ave Maria ertönt die Glocke zum Feierabend, und in der schwülen Mittagshitze ist der Gedanke an den Abendgesang der Heiligen Jungfrau der Trost des müden Arbeiters.

Dieser Abendgesang versammlet dann die Leute aus einer Nachbarschaft, Männer, Weiber und Kinder, vor der Schwelle irgendeines Hauses, über dessen Türe ein Bild der Madonna hängt.

In der kleinen Straße, wo ich wohne, versäume ich nie, des Abends aus meinem Fenster diesem Gesange zuzuhören, dessen Melodie und Ausdruck in mehr als einer Stelle rührend und herzerhebend ist.

Das Marienbild hängt über unserer nächsten benach­barten Türe. Ein junges Weib mit einem Säugling an der Brust, die gerade uns gegenüber wohnt, kömmt gemeinig­lich zuerst und kniet auf die Schwelle vor dem geweihten Bilde; bei dem alsdann die Lampe in der Laterne schon angezündet ist; dann kommen mehrere Weiber, die jungen Mädchen aus der Nachbarschaft und kleine Kinder; die Männer bleiben mit entblößten Häuptern vor ihren Haus­türen stehen und intonieren leise in den Gesang, der sich nun mit den Worten anhebt:

Gelobt sei ewig Der Name Jesu und Maria!

Und nun ertönt das Lob der Jungfrau Maria, die mit den Sternen gekrönt ist und den Mond zu ihren Füßen hat.

Die, ohne Makel und ohne Flecken, mit der Klarheit der Sonne umkleidet ist und angefleht wird, daß sie für die Beterinnen ein Spiegel des Lebens sei!

Die große Ausspenderin von den Schätzen des Himmels solle doch den Betenden nicht fremd sein:

Di Dio gran Tesoriera

0 non siate con noi straniera!

Golden ist das Haar der Himmelskönigin, und Licht ist ihr Gewand!

Maria, du schön gebildete, ich wünsche im Paradiese zu deinem Anschaun zu kommen!

Besonders schön nimmt sich das "Madre d'amore!" in dieser Zusammensetzung aus. ‑ Man glaubt sich durch diese Bilder und Vorstellungen wiederum auf Augenblicke in das schöne Altertum versetzt zu sehen.

Eine Strophe von diesem Gesange wird immer erst von einer Stimme allein vorgesungen und alsdann von dem Chore wiederholt, wo denn freilich manchmal die Kinder dazwischenschreien und den Gesang verderben. Zuweilen, wenn der Haufen zu groß ist, wird alles wild durchein­andergeschrieen, und dann fällt allerdings die angenehme Täuschung wieder weg.

Meine Hausleute erzählen mir, daß ein Kanonikus, der einmal in ihrem Hause wohnte, bei diesen Gelegenheiten immer zu sagen pflegte: "Dort unten zanken sie schon wieder mit der Maria"; und so klingt es auch wirklich, wenn der Gesang nicht ordentlich gesungen wird.

Der höchste Ausdruck der Mutterliebe und die Verehrung der Gottheit in der Kindheit sind Gegenstände, welche die Kunst begierig ergriffen und zu unzähligen Malen verviel­fältigt dargestellt hat: weil unter den grausamen und widri­gen Märtyrer‑ und abenteuerlichen Wundergeschichten diese schöne Idee, wie ein klarer Stern, allein hervortritt und die irrende Hand zum Ausdruck des Schönen und Wahren leitet.

Die Idee von der Heiligen Familie bringt das Religiöse noch näher an das stille häusliche Leben, wie in den reizen­den Darstellungen des Garofolo, wo so viel Wahrheit und Natur mit so viel Würde verknüpft ist und wo der Maler sich so sehr an diesen Gegenstand gehalten hat, daß man wohl sieht, wie er ihn aus dem religiösen Stoff gleichsam herausgehoben und ihn sich zu eigen gemacht habe.

Wie reizend ist die Flucht der Heiligen Familie nach ~~gypten in mehrern Gemälden von dem liebenswürdigen Albano dargestellt! Engel scherzen wie Liebesgötter auf den Bäumen, unter denen Joseph und Maria im Schatten ruhen, während das göttliche Kind mit den Genien auf dem Rasen spielet.

Liebenswürdiger kann man sich nichts denken, als wie Jesus und Johannes auf einem Bilde im Palast Colonna zum erstenmal als Knaben sich umarmen, beide wie schlanke Liebesgötter gestaltet, deren Züge von Sanftheit, Zartheit und Würde miteinander wetteifern, welche von ihnen am meisten hervorschimmern sollen.

Die Gottheit in der Menschheit zu verehren, strebte der Meißel des Phidias und Raffaels Pinsel und strebt im Grunde jeder, der etwas Großes und Schönes zu vollenden sich zum Augenmerk nimmt, weil jedes Werk des echten Genius, wo es sich auch findet, die unverkennbare Spur des Göttlichen an sich trägt.

Rom, 9. September

Ich habe mich von meinem guten Pasquale wegen der Unbequemlichkeit seiner Wohnung trennen müssen und wohne nun zwischen dem Korso und dem Spanischen Platze in der Strada Bergognona in dem Hause der Magazinicra, die diesen Namen hat, weil ihr verstorbener Mann einmal ein Magazin von Weinen führte, womit er Handel trieb.

Dies Haus ist eine wahre Hütte des Friedens, die eine kleine frohe und glückliche Familie in sich schließt: eine Mutter mit zwei Töchtern, die ganz wider die hiesige Gewohnheit die Woche hindurch mit Waschen und Nähen beschäftigt sind und nur des Sonntags zur Messe gehen; ein Sohn, der mit seinem Fleiß und gewissen Einkommen eine bleibende Stütze dieser Familie ist; er ist bei der Annona oder dem Getreidewesen als Sekretär angestellt und trägt, wie gewöhnlich, die Abbatenkleidung; auf das Heiraten scheint er, bis seine Familie versorgt ist, groß­mütig Verzicht getan zu haben.

Dies Haus gehört, wie hier fast alle Häuser, die nicht Paläste der Großen sind, einem Kloster zu; die Mutter aber hat schon seit funfzig Jahren dies Haus bewohnt; die Kinder sind alle darin geboren; diese gemietete Hütte ist nun ihrer al~er väterliches Haus geworden, das sie gewiß mit Wehmut verlassen würden, wenn es den Klosterbrüdern je einfallen sollte, eine so harmlose Familie aus diesem stillen Sitze zu vertreiben.

Das Haus ist schmal und nur zwei Fenster breit; eine kleine Treppe führt unmittelbar von der Straße in den ersten Stock, den ich bewohne und welcher eine Stube und eine Kammer nach dem Hofe zu enthält.

Eine Treppe höher bewohnt die ganze Familie ebenfalls eine einzige Stube und Kammer. Auf dem Hofe steht ein weitumschattender Feigenbaum, und unter ihm springt das klarste Wasser, das von der Fontana di Trevi abgeleitet ist, aus einem Röhrbrunnen.

Die kleinen Höfe der Nachbarn sind so dicht und traulich umher, daß man sich aus dem Fenster beinahe die Hände reichen kann. Die Söhne und Töchter in diesen benachbar­ten Höfen sind miteinander aufgewachsen und sprechen aus ihren Kammerfenstern über die Mauer miteinander.

Hinter der Kammer ist ein bedeckter Gang, den der Feigenbaum beschattet und an welchem sich ein Trauben­geländer hinaufwindet. Hier sitze ich unter der wirtbaren Laube und höre zuweilen den nachbarlichen Gesprächen zu.

Eine dritte Tochter aus dem Hause ist an einen jungen Maler verheiratet und hat ein bildschönes Kind geboren, das die Freude der Eltern und der alten Mutter ist, Ursula heißt die Kleine; und wenn der Signor Abbate oder Segre­tario des Mittags und des Abends von der Annona zu Hause kömmt, so ruft er allemal schon vor der Türe auf der Straße: "Ursula!", bis ihm die Kleine aus dem Fenster ent­gegenwinkt oder entgegenlächelt.

Ein paar kleinen Familienfesten habe ich hier beige­wohnt, die wirklich patriarchalisch waren; es war ein Prie­ster aus Subiaco dabei, der auch aus diesem Hause stammt, denn er ist in der Kammer, wo ich itzt wohne, geboren und fühlt sich von seinem jetzigen Wohnorte noch immer nach der Hütte zurückgezogen, wo er zuerst das Licht er­blickte und die Tage seiner Kindheit verlebte.

Sonst darf kein Pfaffe und kein Mönch dies sittsame Haus betreten. Die Gabe wird dem geweihten Bettler in Papier gewickelt aus dem Fenster zugeworfen, sein Fuß aber darf die heilige Schwelle der Unschuld und Eintracht nicht beschreiten.


Volksaberglaube

Rom, 20. September

Es ist merkwürdig, daß unter diesem heitern Himmel die Ideen von Hexen, Gespenstern, Geistererscheinungen usw. selbst bei dem gemeinsten Volke, dessen Einbildungskraft doch so sehr mit religiösen Schreckbildern angefüllt ist, nicht haben emporkommen können.

Die italienischen Volkslieder haben nicht das mindeste Ähnliche mit den Balladen der nordischen Völker, wo die Erscheinungen von Geistern der Verstorbenen und andere schreckenvolle Gegenstände immer ein Lieblingsthema sind, um welches die Phantasie sich drehet.

Hier hingegen atmet alles Lebenslust und Ruhe und frohen Genuß der fliehenden Tage; selbst die Legenden der Heiligen und die biblischen Geschichten, welche das Volk auf den Straßen singt, legen ihren feierlichen Ernst ab und sind häufig mit naiven und launichten Einfällen durchwebt.

Ein Hexenlied, das wir einmal von einem Buben in Rom auf der Straße singen hörten, fiel uns deswegen sehr auf, weil man dergleichen Lieder hier gar nicht zu hören gewohnt ist. ‑ Das Lied schien auch nordischen Ursprungs zu sein und sich hieher verirrt zu haben ‑ es machte hier einen Mißlaut mit allem übrigen und paßte nicht dazu.

Hier wird freilich auch die Phantasie nicht so wie bei den nordischen Völkern durch die Ungemächlichkeiten des Klima und der Witterung aus den Regionen des Lebens hinweg­gedrängt, sondern sie kann ruhig auf den Gegenständen der wirklichen Welt verweilen und findet reichen Stoff, sich zu beschäftigen.

So wie nun aber die schwarze Suppe, welche die Spar­taner essen mußten, nach dem Ausdruck eines Sybariten ihnen den Tod wünschenswert machte, so scheint es auch, als habe das rauhe und unfreundliche nordische Klima seine Bewohner schon im Leben mit ihrer Phantasie zum Grabe hingedrängt und sie mit den furchtbaren Gegenständen, die man sonst kaum zu denken wagte, vertraut gemacht.

Auch ist es bei dem italienischen Volke gar nicht Sitte, etwa in einem Kreise dicht beisammenzusitzen und sich grau­senerweckende Geschichten zu erzählen, welches bei uns noch immer einen Hauptzweig der Vergnügungen des gemei­nen Volks ausmacht. ‑ Dazu gehören aber auch die Dünste einer eingeheizten Stube, der Anblick einer düstern halb erstickten Flamme auf dem Herde, der Dampf von schwar­zen triefenden Lamnen ‑ der heulende Nordwind draußen und die verschneite Pforte.

Diejenigen Völker, welche unter einem glücklichern Klima wohnten, suchten von jeher die Ideen des Aufhörens, der Verwesung, des Chaos und der ewigen Nacht so leise wie möglich zu berühren, und wenn sie dieselben berührten, sie doch immer mit einem mildernden Schleier zu verdecken. ‑Der Schwur bei dem Styx war selbst den Göttern furchtbar; Jupiter wagte es nicht, die schnelle Nacht zu betrüben ‑ und als dem Ulysses die Scharen der Toten aus der Unterwelt erschienen, so wendete er sein Gesicht weg, weil er fürchtete, Proserpine möchte das Haupt der Gorgo emporsteigen lassen, welches durch seinen Anblick die Menschen versteinerte

Blick vom Petersdom

Rom, 25. September

Ich habe versprochen, Sie an einem heitern Tage auf das Dach der Peterskirche zu führen und Ihnen von da die Herrlichkeit Roms zu zeigen.

Diese prachtvolle Aussicht kann man haben, sooft man will, und die Zinnen dieses Tempels kann man mit großer Bequemlichkeit besteigen, denn es windet sich durch die Kirche ein Gang ohne Stufen bis auf das Dach; dieser Aufgang ist so wenig steil, daß Maultiere ihn bequem be­schreiten können, welche zu der immerwährenden Arbeit der Bauleute an diesem Tempel die Lasten hinauftragen

Für den Ärmsten steht diese glänzende Aussicht offen, denn der Aufseher darf für die Eröffnung der Tür zum Aufsteigen auf die Peterskuppel schlechterdings nichts an­nehmen, wenn es ihm auch angeboten wird; und damit jedermann dies wisse, so ist es in vers iedenen Ins riften an den Wänden der Treppe ausdrücklich gesagt.

Wenn man oben auf das platte Dach der Peterskirche hinaustritt, so kömmt es einem nicht anders vor. als ob man sich auf ebenem Boden in irgendeiner sonderbar gebauten orientalischen Stadt befinde, die mit großen und kleinen Tempeln geziert ist und in deren Straßen man arbeitende Menschen siehet.

Das flache Dach, was in der Mitte über das Gewölbe gebaut ist, sieht aus wie eine ungeheure Ziegelhütte.

Die große Kuppel ragt wie ein Pantheon hervor; und weil sie von außen ihren besondern Eingang und Türen hat, so sieht sie völlig aus wie ein Gebäude, das an und für sich ein Ganzes ausmacht und auf ebenem Boden ruht.

Die beiden kleinen Kuppeln an den Seiten haben auch auf diesem Dache ihre besondern Eingänge und Türen und sind schon von der Größe beträchtlicher Kirchen irf Rom.

Nun ragt noch von jeder kleinen Kapelle eine besondere Kuppel aus einer umgebenden Vertiefung her‑vor, so daß diese luftige Stadt halb unterirdisch scheint.

Die Arbeiter hier oben haben sich kleine bretterne Häu­ser zusammengeschlagen, worin sie essen und schlafen, so daß diese sonderbare Stadt auch nicht unbevölkert ist.

Jetzt wird grade an den Verzierungen zu den neuen Zifferblättern gearbeitet, die der Papst von den Mosaik­arbeitern verfertigen läßt, um diesem sinkenden Kunstzweig dadurch aufzuhelfen.

Der eine von den päpstlichen Schlüsseln, aus Sandstein gehauen, ist von Manneshöhe und ‑dicke.

Die zwölf Apostel auf dem Geländer über der Stirnwand sind in verhältnismäßiger Riesengröße von plumper und häßlicher Arbeit.

Wenn man an das Geländer dieses platten Daches tritt, so erinnert man sich erst wieder, daß man sich nicht auf ebenem Boden in einer Stadt, sondern hoch in der Luft auf dem Gipfel eines Gebäudes befindet.

Nun steigt man die eine kleine Treppe zu der Außen­seite der Kuppel hinauf und geht auf und unter den archi­tektonischen Zieraten rund umher, wie eine Fliege an der Wand, spazieren, denn die zierlichen Säulchen an der Kuppel bilden hier oben weite Gänge, wie Ehrenbogen, unter denen sich Menschen von ferne einander begegnen.

Man geht nun durch ein Türchen in das Innere der Kup­pel und steigt wie zwischen Kern und Schale eine breite Treppe hinauf, die sich von unten über die Wölbung hin­überbiegt, so daß sie in der Mitte überhängt und man. im Steigen sich anklammern muß.

Nun steigt man auf das Geländer, das die Laterne umgibt, und steht auf dem Gipfel der Riesenkuppel, die mit ihren ungeheuren Reifen sich hier zusammenkrümmt und ihre er­habene Krone bildet.

Von diesem Geländer sieht man wieder über den Bauch der Kuppel auf das Dach der Kirche wie auf eine luftige Ebne hinab, und die Riesenapostel scheinen von hier wieder ebenso klein, als wenn man von unten hinaufblickt.

Von diesem Geländer sieht Rom seinem Grundriß am ähnlichsten. Man blickt von diesem Gipfel wie in eine Pygmäenstadt hinunter. Roms sieben Hügel senken sich und verschwinden in Nichts gegen dies gewölbte Gebirge, auf dem man steht.

Durch das bebaute Marsfeld schlängelt sich die Tiber ‑Am Fuße des Janiculus strömt sie her ‑ Der Monte Mario mit seinem dunkeln Zypressenwalde türmt sich an ihrem Ufer ‑ Eine Allee bezeichnet auf der Ebne eine Linie bis an den Poris milvius.

Hier dicht zu meinen Füßen blicke ich in das dunkle Boskett von dem Vatikanischen Garten, und mit den Far­ben des Regenbogens steigt die dumpfrauschende Fontäne aus dem schwarzen Schatten.

Dort über die Villa Pamfili blicke ich über Gärten und Hügel tief ins Meer hinein und sehe in der Ferne ein weißes Segel schimmern.

Der Petersplatz rundet sich zu meinen Füßen ‑ Die Säulen stellen sich wie Pünktchen ‑ Die schnellsten Räder, die über dem Platz hinrollen, scheinen sich nur langsam und leise zu bewegen. [...]

Kinderspiel zum Kirchenasyl

Rom, 3. Oktober

Einem sonderbaren Spiele der Knaben sahe ich neulich zu, welches in Anschung der hiesigen Sitten und Gewohn­heiten wirklich charakteristisch ist.

Die Knaben, wie man sie hier gekleidet sieht, völlig schon wie Priester, mit runder Frisur und Mäntelchen und Kragen, wählen einen unter sich durch das Los, der den Verbrecher vorstellen muß, welcher vor einer Kirchtüre auf der geweihten Schwelle vor der verfolgenden Gerechtig­keit Schutz sucht.

Die übrigen stellen die Sbirren vor, welche jede Gelegenheit abzupassen suchen, um den Missetäter mit List an einem Orte zu fangen, wo sie Hand an ihn legen dürfen.

Nun bezeichnen sie auf einem Platze mit hingelegten Stei­nen, wo chiesa (Kirche) und non chiesa (nicht Kirche) ist.

Dies ist denn eine wahre Nachahmung der Stadt Rom, die man füglich ganz in chiesa und non chiesa einteilen kann, denn es gibt würklich Gegenden, wo mehr Kirchen als Häu­ser nebeneinander sind; und die Freudenmädchen in Rom haben fast keine bleibende Stätte, weil sie immer über hundert Schritte weit von einer Kirche ab wohnen müssen.

Nun müssen sich diejenigen von den Knaben, welche die Sbirren vorstellen, sehr in acht nehmen, daß sie den Delin­quenten nicht auf einem Fleck angreifen, wo chiesa ist, weil sonst derjenige, der den Angriff tut, den Missetäter ablösen und nun selber dessen Rolle spielen muß.

Der Missetäter aber sucht die Sbirren auf alle Weise zu verspotten und ihnen durch die geschicktesten Wendungen auszuweichen, indem er von chiesa zu chiesa flicht und da­durch selbst Veranlassung gibt, daß ihn einer angreift, ehe er darf, und dadurch nach den unverbrüchlichen Gesetzen strafbar wird.

Worüber nun aber natürlicherweise Streit entsteht, ist der Fleck, auf welchem der Flüchtling ergriffen wird, der nun eben mit den Füßen schon den Stein erreicht hat, welcher die chiesa bezeichnet, und also schreit, daß ihm Unrecht geschehen und der Sbirre, der ihn angegriffen, straffällig sei.

Nun werden die übrigen herbeigerufen, um zu entschei­den; und nun entsteht ein wildes Geschrei durcheinander: "E chiesa!" ‑ "Non e chiesa!" ‑ dies bricht denn oft in einen offenbaren Krieg der beiden Parteien gegeneinander aus, und das Spiel hat ein Ende.

Ähnliche Auftritte wie hier im Spiele sieht man auch häufig in der Würklichkeit, und ich hatte noch vor kurzem den Anblick eines solchen Schauspiels, als ich in die Porta del Popolo kam.

Vor der einen von den beiden Kirchen am Eingange des Korso lag ein Missetäter auf der Schwelle. Er mochte wohl ein wenig aufgestanden und vor der Kirche spazierenge­gangen sein, und auf einmal bemächtigten sich seiner zwei Sbirren, die man nicht kennt, weit sie sich in allerlei Ver­kleidungen verstecken.

Der Gefangene ließ sich mit den Sbirren in einen Kampf ein, und sie standen mit Messern gegeneinander. Ein Hau­fen Volks hatte sich umher versammlet und stritt, ob der Fleck, wo die Sbirren den Gefangenen angegriffen, schon chiesa oder noch nicht chiesa gewesen sei; denn wenn er nur mit einem Fuß auf der Schwelle der Kirchtüre stand, so durften sie ihm schon nichts tun.

Das Volk nimmt aber die Partei des Geflüchteten und ist auf die Sbirren im höchsten Grade erbittert. Das Mitleid gegen die Verbrecher geht so weit, daß man ihnen Betten und Speisen auf die Schwellen der Kirchtüren bringt, wo sie liegen; und der Ausruf "Cari peccatori!" (Lieben Sün­der!), den man so oft in Predigten hört, wird hier auch eigentlich werktätig.

Denn gegen die verstocktesten Bösewichter und vielfachen Mörder bezeigt man gerade das zärtlichste Mitleid; und es ist nicht der Ermordete, sondern der Mörder, welcher von den Umstehenden bedauert wird und Teilnehmung an sei­nem Schicksale erweckt.

Oper

Rom, 3. Oktober

Das Operntheater bei Andrea della Valle ist das reizend­ste, was man sich denken kann. Alles vereinigt sich hier zur angenehmsten Unterhaltung, und es geht niemand leicht aus diesem artigen Schauspiel unbefriedigt weg.

Es ist auch fast die einzige fortdauernde Lustbarkeit der Römer den ganzen Sommer über, deren sie erst seit einigen Jahren genießen: denn sonst durfte, außer der Karnevals­zeit, von den vielen Schauspielhäusern in Rom kein einziges eröffnet sein.

Nun kam man auf den Einfall, sich vom Papste die Er­laubnis zu einer Kinderkomödie auszubitten, welches denn gewährt wurde. Und weil es immer gebräuchlich ist, daß zwischen den Akten Intermezzos mit Gesang aufgeführt werden, so mußte nun die Kinderkomödie, welche erlaubt war, dem Singespiel, welches nicht erlaubt war und nur als Intermezzo geduldet wurde, zum Freibrief dienen; mit dieser List hat man es durchgesetzt, in dem heiligen Rom außer der Karnevalszeit Operetten aufzuführen.

Die Kinderkomödie, welche zum Vorwande dient, ist gemeiniglich das Abgeschmackteste, was man sich denken kann; und während der Zeit, daß sie zwischen den Akten der Operette gespielt wird, jähnt und schwatzt man oder verläßt solange das Schauspielhaus.

Dagegen sind die kleinen Operetten selber äußerst an­ziehend, sowohl wegen der Erfindung als Ausführung; denn es sind freilich Possen, aber oft die liebenswürdigsten Possen, die man sich denken kann.

Eine solche Lieblingsoperette wird denn auch so oft wiederholt, bis sie das Parterre beinahe auswendig weiß, und man gewöhnt sich nach und nach so sehr an das rei­zende Detail eines solchen Stückes und an die einzelnen immer wiederkehrenden Naivitäten der spielenden Perso­nen, daß man die Zeit kaum abwarten kann, bis man das­selbe Stück, das man schon zehnmal gesehen hat, wieder sieht.

Um acht Uhr fängt hier das Schauspiel an und dauert bis um Mitternacht. Einem wird die Zeit nie lange, weil man immer noch auf irgendein Chor oder Lieblingsarie hofft und während der Zeit ungehindert schwatzt und plaudert. i

Der alte Guochino ist als Greis noch immer der Liebling des Publikums; er hat so etwas Angenehmes in seiner Stimme und Manieren und etwas so natürlich Komisches in seinem Wesen, wie man selten findet; wenn er nur auf­tritt, reizt er oft schön durch seine bloße Stellung und trocknes Mienenspiel zum Lachen; und man ist einmal so an ihn gewöhnt, daß er bei diesem Schauspiel gewiß eine der unentbehrlichsten Personen ist.

Es läßt sich nicht beschreiben, mit welcher Geschicklich­keit und Täuschung die weiblichen Rollen von jungen Kastraten gespielt werden, welche mit ihrer abgelegten Mannheit die ganze Weiblichkeit angezogen zu haben schei­nen.

Ein Knabe von ohngefähr sechzehn Jahren ist jetzt der Liebling des römischen Publikums; er ist nichts weniger als hübsch, und seine Stimme ist keine der vorzüglichsten; aber die außerordentliche Naivität in seinem Charakter und das Unnachahmliche in seinem Spiel fesselt alle Gemüter, und man muß diesen Knaben liebgewinnen.

Die musikalische Deklamation wird in den kleinen Operetten, welche man hier aufführt, wirklich aufs höchste getrieben, und man kann sagen, daß selbst in dem Gesange die Musik eigentlich gesprochen wird, so wahr und treffend paßt der Ausdruck größtenteils zu den Worten.

In dieser natürlichen und wahren musikalischen Dekla­mation ist nun der erwähnte Liebling besonders stark und weiß manchmal in die unbedeutendsten Sachen und in die abgeschmacktesten Possen ein Interesse zu legen, wodurch sie unwiderstehlich anziehend werden und bei der öfter­sten Wiederholung nicht ermüden.

Ein andrer junger Kastrat namens Mario und dieser Lieb­ling zanken sich in einer der Operetten als ein Paar junge Mädchen um einen Alten, den sie beide gern in ihr Garn locken wollen; und der Liebling antwortet dem Mario, wel­cher seiner Nebenbuhlerin Lehren geben will, mit den Wor­te n: Non faccia tanto la dottorina! Nur doch nicht so sehr die Hofmeisterin gespielt!

[...]

Vom falschen Zwang zur Bewunderung

Rom 7 Oktober

Die Familie eines Kaufmanns aus einer deutschen Reichs­stadt ist jetzt hier, um die Kunstwerke und Altertümer zu sehen. ‑ Gestern waren sie im Vatikan gewesen; sie erzählten mir, wie ermüdet sie wären, und freuten sich, daß nun wieder die Arbeit eines Tages überstanden wäre.

Wenn sie mit einer Galerie oder einer Antikensammlung fertig geworden sind, so trösten sie sich mit dem Ausruf: "Nun gottlob, das haben wir auch gesehen!"

Und man kann diese Äußerung den Leuten wahrlich nicht verdenken, wenn man erwägt, wie oft ihnen der Angst­schweiß ausbrechen muß, indem sie tausend Dinge schön finden und bewundern sollen, wozu sie schlechterdings erst den Sinn für das Schöne mitbringen mußten, der doch in ihrer Reichsstadt unmöglich aus seinem Schlummer erwachen konnte und auch hier in den wenigen Wochen sich nicht aufschließen kann.

Hiezu kommen nun noch die immerwährenden Exklama­tionen des Ciccrone, der seine Bewunderungsformeln aus­wendig gelernt hat, die so klingen, als ob derjenige not­wendig ein Klotz oder Stein sein müßte, der dabei unempfindlich bliebe.

Der Cicerone, welcher gewöhnlich mehr in seine schöne Phrasen als in das Kunstwerk, das er preiset, verliebt ist, fordert denn noch dazu die tiefste Ehrfurcht für seine Orakelsprüche und wendet verächtlich seinen Blick von jedem, der nicht beim Anblick seines gepriesenen Kunstwerks in Entzückung gerät.

Nun erfordert aber gewiß in der Welt nichts mehr Anstrengung, als wenn man sich ehrenhalber zwingen muß, in Entzückung zu geraten; weswegen man denn auch wohl sagen kann, daß die Betrachtung der Kunstwerke mehr Leiden in der Welt verursacht, als man denken sollte.

Die Menschen quälen sich zum Genuß mit ebender Pein, womit sie Schmerzen dulden müssen; und kein Zustand ist im Grunde unerträglicher als die zwecklose Anspannung, worin die Affektation einer hohen Empfindung für das Schöne die Seelenkräfte versetzt, welche dadurch in eine ganz falsche Stimmung gebracht werden, so daß sie die gröbern Vergnügungen verschmähen, ohne imstande zu sein, sich durch die feinern schadlos zu halten.

Am besten tut man gewiß, wenn man ohne alles Ab­arbeiten sich den Eindrücken ruhig überläßt und abwartet, bis man von einem Gegenstande unwillkürlich angezogen und von mehrern Seiten dafür interessiert wird.

So viel Achtung muß man freilich immer für die durch Jahrhunderte bewährten Meinungen, gesetzt daß sie auch Vorurteile wären, haben, daß man dasjenige, was allgemein geschätzt wird, wenigstens seiner Aufmerksamkeit würdig hält und nicht eher als nach einer etwas anhaltenden und öfter wiederholten Betrachtung dem Kunstwerke seinen Wert, oder sich das Gefühl dafür, ganz abspricht.

Denn der Auspruch, den Nathan der Weise von vor­züglichen Menschen tut, gilt auch von vorzüglichen Kunst­werken:

Nur das Gemeine verkennt man selten.

Dann aber erfolgt auch gewiß, was die Antwort auf diesen Ausspruch sagt:

Und das Seltne vergißt man schwerlich!

DRITTER TEIL

[...]

Improvisatoren

Ich soll Ihnen eine Schilderung von den Improvisatoren machen‑‑ ich will sie Ihnen zu beschreiben suchen, so wie ich sie hier habe kennenlernen.

Es ist unglaublich, was ein solcher Improvisatore für einen Umfang von ' Kenntnissen in der Geschichte und Mythologie besitzen muß, wenn er nicht mit Schande bestehen will; denn er muß sich jede Aufgabe gefallen lassen, wenn sie auch den speziellsten Umstand aus der Geschichte oder Mythologie betrifft, und muß sogleich gefaßt sein, diesen gegebenen Umstand aus dem Stegreife zu besingen.

Es ist zu verwundern, daß einer, der diese Kenntnisse besitzt, sie nicht besser zu seinem Vorteil und zu seiner Ehre anwendet; allein es scheint, daß eine wirkliche ~enthu­siastische Neigung die Improvisatoren zu diesem Geschäfte treibt, wo sie den Beifall des Volks sich aus der ersten Hand erwerben können und in dem Moment der Bestre­bung auch unmittelbar die Belohnung ihres Talents ein­ernten.

Auch sind die Improvisatoren nicht so ganz verachtet; unter dem Zirkel von Menschen, der sich auf der Straße um sie her versammelt, finden sich Personen aus allen Ständen, und es ist nicht bloß der Pöbel, vor welchem ihr Genie sich entwickelt.

Ein Venezianer, der vorzüglichen Beifall findet, läßt sich jetzt alle Nachmittage auf dem Spanischen Platze hören. Der Kreis, der sich um ihn her versammelt, wird immer zahlreicher, sowie das Feuer seiner Begeisterung zunimmt, und wer einmal stillsteht, um ihm zuzuhören, entfernt sich nicht so bald Wieder; ich pflege ihn nicht leicht einen Nachmittag zu versäumen.

Sooft er ausgesungen hat, geht er im Kreise umher und bittet sich von einem der Anwesenden eine neue Aufgabe zu einem Ges~ange aus. Sobald er die Aufgabe erhalten hat, sinnt er nur einige Minuten nach und hebt alsdann sein Gedicht nach einem gewissen Takt und Melodie ordentlich singend an, so daß man in die Zeiten der älte­sten Dichtkunst sich zurückversetzt glaubt.

Wenn ihm nun etwa ein Stück aus der alten römischen Geschichte zu besingen aufgegeben wird, so weiß er, be­sonders durch die Benutzung des Lokalen, das Interesse des Volkes, das ihm zuhört und das sich noch immer das römische dünkt, oft in einem solchen Grade zu erregen, daß ein wiederholter Beifallszuruf seinen Gesang unter­bricht, der sich alsdann mit neuem Feuer unter diesem Zuruf wieder emporarbeitet; und um manche Verse, die in dieser wachsenden Begeisterung sich bilden, ist es wirk­lich schade, daß keine Hand sie aufschreibt und daß der Wind sie verweht.

Dieser Venezianer ist wirklich aus bloßer Neigung ein Poet aus dem Stegreife. Er ist von guter Herkunft und wurde in seiner Vaterstadt als Advokat wegen seiner Geschicklichkeit vorzüglich geschätzt ‑und gesucht; seine Freunde und Anverwandte suchten ihn auf alle Weise bei einer ordentlichen Lebensart zu erhalten; er entwischte ihnen aber mehrmalen, um seinem unwiderstehlichen Hange zu folgen und als Improvisatore die Städte Italiens zu durchziehen.

Der Beifall des Volks, das seine Lieder hört, geht ihm über alles; das Geld verachtet er; ein kleiner Knabe, den er bei sich hat, geht nach Endigung eines Gesanges mit dem Hute in der Hand im Kreise herum, und ein jeder, wer will, wirft etwas hinein, wo denn manchmal, wenn der Beifall recht groß ist, die Ernte so reichlich ausfällt, daß der Knabe den Hut mit Münze halb angefüllt zurück­bringt.

Der verschwenderische Dichter aber achtet zuweilen im Taumel seiner Begeisterung, wo alle Schätze und Reich­tum der Erde in der Gewalt seiner Phantasie sind, der verächtlichen Münze nicht, sondern schleudert sie umher, indem er den angefüllten Hut auf den Kopf setzt und nur das für sich behält, was zufälligerweise zwischen seinem Hut und Scheitel noch liegenbleibt.

Zuweilen ist dieser Volkspoet sehr ordentlich gekleidet, gepudert, chapeau bas und mit dem Degen an der Seite; zuweilen geht er wieder äußerst zerlumpt einher ‑ denn da er in seiner idealischen Dichterwelt seine vorzüglichste Exi~stenz hat, so kümmert er sich nicht viel um die ge­meinen Bedürfnisse des Lebens.

Er wird oft in die Paläste der Großen gefordert, wo er im Zimmer vor einer glänzenden Versammlung seine Stanzen rezitiert. Es scheint ihm aber weit mehr Ver­gnügen zu machen, wenn er auf irgendeinem Platze unter freiem Himmel einen vermischten Volkshaufen um sich her versammeln und gleich einem Orpheus die rohesten Gemüter und den wildesten Pöbel bewegen kann, seinem Gesange zuzuhorchen.

Diesen Endzweck erreicht er wirklich, und es ist einem ein angenehm überraschender Anblick, wenn man in die­,sein Kreise den groben Faquino (Sackträger) neben dem feinen Abbate lauschend stehen und ebenso wie jenen bei den schönsten Stellen seinen Beifall bezeigen sieht.

Belvedere

Rom, 15. Oktober

Sooft ich unter diesen herrlichen GÖttergestalten wandle, kann ich mich nicht einer geheimen Verehrung für den hohen Schwung des menschlichen Geistes, der diese Ge­stalten schuf, enthalten.

Diese Götterideate der Griechen waren bei ihnen das höchste Ziel der bildenden Kunst ‑ sie waren gleichsam der Maßstab für alles übrige; und so wie sich ein chine­sisches Pagodenbild zu dem Jupiter des Phidias verhält, so, deucht mir, kann man wohl sagen, daß sich die chine­sische zu der griechischen Kunst verhalte.

Aus diesen Götterideaten der Griechen, wenn man sie als Symbole der Macht, der Stärke, der Weisheit und der Schönheit betrachtet, leuchtet noch itzt der helle Geist hervor, welcher die erhabensten Ideen des Verstandes in Gestalt und Umrisse übertrug und die meisten Begriffe, welche eine aufgeklärte Philosophie lehren konnte, durch die Kunst anschaulich wieder darstellte.

Nicht das Unmenschliche und Ungeheure, sondern gerade das Menschliche in seiner höchsten Erhabenheit und Würde war bei den Alten das höchste Ziel der Kunst; dadurch erhielt alles auf den Geist der Menschen eine unmittelbar zurückwirkende Kraft, und die Griechen arbeiteten sich dadurch zu einem Grade von Kultur empor, welchen nach ihnen noch kein Volk erreicht hat.

Vatikan

Rom, 20. Oktober


Die höchste Pracht und die höchste Armut wohnen hier nebeneinander; das unermeßliche Vatikan und die unge­heure Peterskirche sind mit engen, schmutzigen Straßen und niedrigen Hütten umgeben, deren Bewohner durch Not und Elend in diese verpestete Gegend gebannt sind, wo sie mit jedem Sommer bösartigen Fiebern und Seuchen entgegensehen, wodurch eine große Anzahl von ihnen hin­gerafft wird.

(Anmerkung: Tac. Hist. lib. e. c. 22: „Imfarnibus Vaticani locis magna pars retendit; unde crebrae in vulgus mortes.")

Durch die ungesunde Luft wird auch der Papst sogleich mit dem Anfange des Sommers vom Vatikan vertrieben und bezieht seinen angenehmen Sommerpalast auf dem Quirinalischen Hügel, wo man in Rom die gesundeste Luft einatmet.

Einige Straßen in der Gegend des Vatikans sind so ungesund, daß die armen Bewohner des Nachts nicht in ihren Hütten schlafen dürfen, wenn sie tödliche Krank­heiten vermeiden wollen.

Der junge Maler Kirsch aus Dresden fand hier auch seinen Tod, weil er seiner Jugend und Stärke zuviel zu­traute und es wagte, im Sommer eine Wohnung in dieser Gegend zu beziehen.


Belvedere

Rom, 4. November

Dieser Ort kann gewiß in doppeltem Sinne Belvedere heißen, weil nicht nur nach außen eine der prachtvollsten Aussichten über die erste Stadt der Welt und ihre um­liegenden Gegenden, sondern auch von innen das Voll­kommenste und Schönste, was die Menschheit von den Werken der Kunst besitzt, ~sich dem Auge darstellt.

Schon sobald man auf den Petersplatz tritt, erblickt man die größte Kolonnade, die Peterskirche als das größte Gebäude, das die alten und neuern Zeiten hervorgebracht haben, und dicht daneben den ungeheuren Vatikanischen Palast, der mehr einer Stadt als einem Gebäude ähnlich ist.

Alles ist in diesem Palaste kolossal; man tut eine Reise in dem langen Gange zu dem Gittertor des Clementini­schen Museums, wo zur Rechten eine Treppe zur Woh­nung des Kustode heraufgeht, der, wenn man ihm vier Paul entrichtet, zu jeder Zeit den Eingang in dies Heilig­tum eröffnet.

Erst tritt man in den offnen Hof, wo in den Seiten­nischen die vorzüglichsten Kunstwerke, Apollo, Laokoon usw., stehen ‑ von da in einen Saal und dann in'die präch­tige, einem Tempel ähnliche Kuppel, in welche das Licht von oben fällt und wo die herrlichen kolossalen Bildsäulen der tragischen Muse, des Apollo Musagetes usw. stehen. ‑

Dann folgt noch ein großer Saal, auswendig mit einem offnen Gange, und außer diesem noch einige besondere Zimmer.

Allenthalben, wo man hintritt, wird man durch herrliche Erscheinungen aus der Helden‑ und Götterwelt überrascht.

Eine Welt von schönen Formen schwimmt wie ein Meer vor der Seele, und man muß sich in diesem großen Schau­platze erst zu orientieren suchen, ehe der Blick auf einzel­n,en Gestalten haftet.

Am Peterstage ist das Museum für das römische Volk eröffnet. An diesem Tage ist das

Entfernet euch, ihr Ungeweihten

ausgelöscht, und dieser Tempel voll herrlicher Götter­ideale wird von dem unwissenden Pöbel wie eine Mario­nettenbude oder wie ein Heiligentabernakel angegafft.

Die Mönche haben hier zu jeder Zeit freien Zutritt, und ich habe zum öftern eine Herde Franziskaner mit ihrem Ob~erhirten hier gesehen, die sich bei den Tiergestalten am längsten verweilten und die kunstreiche Nachahmung in der Figur eines bronzenen Ochsen nicht genug erheben und bewundern konnten, worauf sie sich denn wieder weg­begaben.

Römische Polizei

Rom, 20. November

Wer aus einer Stadt hicher kömmt, wo eine strenge Polizei beobachtet wird, dem fällt es sehr sonderbar auf, daß man hier am hellen Tage mitten in der Stadt ein Pi~stol aus dem Fenster abfeuern darf.

Von Polizei findet hier nun wirklich gar keine Idee statt; ein jeder tut auf öffentlicher Straße, was ihm beliebt; und durch Zwang und Ordnung ist man wohl nicht leicht an einem Orte weniger eingeschränkt als hier.

Die unzähligen Bettler bedienen sich denn auch insbe­sondere dieser Freiheit, die öffentlichen Straßen auf alle Weise zu ihrer Bequemlichkeit zu brauchen; welches denn freilich für die feine Welt keinen angenehmen Anblick gibt und für feine Nasen kein Weihrauch ist.

Man duldet dies aber und gewöhnt sich daran, weil man es nicht wagt, dem Armen, dem man alles genommen hat, auch noch die öffentlichen Straßen zu verweigern, die er ,sich zu seiner Behausung und zu seiner Lagerstatt wählt und also auch dasjenige hier verrichten muß, was man sonst nur in seiner Wohnung tut.

Die Bäder des Diokletian

Rom, 24. November

Unter den Überbleibseln von Bädern in Rom haben sich die Diokletianischen am vollständigsten erhalten. Man sieht noch deutlich den ganzen Umfang derselben; und es steht noch eine Anzahl von den innern Gebäuden derselben ganz erhalten bis ans Dach.

Merkwürdig ist die Bauart, daß man sich an die äußere Symmetrie nicht kehrte, sondern hoch und niedrig neben­einanderbaute, so wie es das verschiedene Bedürfnis er­forderte.

Man sieht daher niedrige Zimmer dicht neben hohen Sälen, und das Dach ist ebenso abwechselnd hoch und niedrig wie die inneren Zimmer. Dies gibt dem Äußern des Gebäudes freilich ein ganz sonderbares Ansehen; es scheint aber, daß die Alten nicht so sehr darauf Rücksicht genommen haben, alles unter ein Dach zu bringen, son­dern daß sie vielmehr ein Haus wie eine Sammlung von Wohnungen betrachtet haben, wovon jede für sich ein Ganzes ausmacht und also auch ihr eignes Dach haben könnte.

Die Bäder des Diokletian sind von vierzigtausend Christen zu der Zeit der großen Christenverfolgung erbaut, welche den Diokletian endlich so sehr ermüdete, daß er lieber seine Regierung niederlegen als noch länger eine zwecklose Grausamkeit ausüben wollte.

In dem Umfange dieser Bäder des Diokletian wohnen nun die Kartäusermönche, welche durch tägliche Kasteiung und selbstgewählte Leiden den Triumph über das besiegte Heidentum feiern.

Die Mönche in diesem Kloster haben sich besonders durch eine außerordentliche Strenge gegen ihren Orden ausgezeichnet, so daß einige über unaufhörlichen Selb­kasteiungen zuletzt ihren Verstand verloren haben, wes­wegen denn endlich gegen diese übertriebene Heiligkeit vom Papste selbst ein Verbot erfolgte.

Vier einsame Zypressenbäume mitten im Hofe des Kar­täuserklosters geben diesem Orte der stillen Trauer und Abgeschiedenheit ein so melancholisches Ansehen, daß man nicht ohne Wehmut in diese Mauern tritt, welche so viele geweihte Opfer des Fanatismus umfassen.

Die Kartäuserkirche ist von Michelangelo gebaut, und sein Geist leuchtet aus der großen Anordnung dieses ma­jestätischen Gebäudes in allen seinen Teilen hervor.

Auf dem einsamen Platze der Diokletianischen Bäder liegt dieser Tempel, von außen wenig versprechend, aber beim Eintritt höchst überraschend, weil das Auge allenthalben unerwartete Erweiterungen und Vertiefungen bemerkt, sowie man vorwärts tritt.

[...]


Siehe auch