Rieke un Dürth

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Rieke un Dürth (Dienstmädchen des Bräutigams, der, in einer Stadt wohnend, eine Dame vom Lande heiratet.) - Auszug aus einem plattdeutschen Hochzeitsspiel von Fritz Reuter.

Rieke (mit einem toten Hahn in der Hand):
Oh, Jemine! Dei Hahn is dod!
Dürth (mit einem verdeckten Korbe):
Du leiwer Gott! Du leiwer Gott!
Rieke: Dat Unglück, ach dat Unglück, Dürth!
Wat seggt dei Herr, wenn hei dat hürt?
Uns' einzigst Veih, uns' einzigst Diert!
Wat wad hei seggen, wat wad dat geben,
Wenn unse Hahn nich mihr an'n Leben!
Dürth: Ih, laat em seggen, wat hei will;
Wi schwiegen ok am En'n nich still,
Un gnurrt un gnatzt hei ok en bäten,
Hei wad tauletzt uns doch nich fräten,
Taumal doa wi unschüllig sünd.
Doa starwt so männig Minschenkind,
Dat dei Doktors mit latinsche Brocken geliehrt
'rin in dei annere Welt spediert,
Un wenn't dei Dokters deiht passieren,
Kann uns uns' Hahn ok woll krepieren.
[...]
Rieke: Dei Hahn is dod!
Dürth: Du leiwe Gott!
Rieke: Na, hür mal, Dürthen, weitst du wat?
Wi hebbn jo äwest noch dei Katt!
Süh, wenn sei sich mit em hett schnurrt
Un wenn sei brummig is un knurrt,
Denn bringen wie ehr unsre Katt!
Dürth: Denn bringen wi ehr unsre Katt!
Rieke: Un wenn sei truurig is un weint
Un sich so recht velaaten meint,
Denn bringen wi ehr unsre Katt!
Dürth: Denn bringen wi ehr unsre Katt!
Rieke un Dürth (die eine Katze aus dem Korbe nimmt):
Hier is dei Katt! Hier is dei Katt!
Dei schöne Katt! Dei leiwe Katt!
Frau N. N., seggen S', is dat nich wat?

Fritz Reuter: Rieke un Dürth

Übersetzungshilfen

hürt - hört
Diert - Tier
gnurrt - knurrt
gnatzt - schimpft
en bäten - ein bisschen
starwt - stirbt
Katt - Katze

Textvorlage