Rollenspiele in der Lehrerausbildung

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Rollenspiele in der Lehrerausbildung dienen dazu, sich bereits im Studium erfahrungsgebundenes, handlungsorientiertes und situationsspezifisches Wissen anzueignen.

Inhaltsverzeichnis

Intentionen

Ausgangspunkt
Dilemma der Lehrer(aus)bildung

Berufliches Wissen von Lehrern ist erfahrungsgebunden, handlungsorientiert und situationsspezifisch (Havers, 1998). Das an der Universität gelehrte Wissen dagegen unterscheidet sich stark von dieser Struktur. Wissenschaftliche Theorien sind als Handlungsanweisungen gänzlich ungeeignet. Hinzu kommt, dass in der Praxis oft zu wenig Zeit bleibt, um alle erlernten Handlungsalternativen zu durchdenken. Die Folge davon ist, dass das theoretische Wissen selten in konkreten Alltagssituationen angewendet wird.

Lösungsversuch
Rollenspiel/Simulationsspiel/Trainingsseminar

Norbert Havers und Ulf Mühlhausen haben (relativ unabhängig von einander) Trainingsseminare bzw. Simulationsspiele geplant und durchgeführt, die o.g. Widersprüche in der Lehrerausbildung minimieren helfen sollen. Die Trainingsseminare von Havers finden als fünftägiges Kompaktseminar statt. Mühlhausen grenzt seine Seminare streng als Simulationsspiel von anderen Formen des Spiels ab, da die Rollen relativ fest vorgegeben sind.

Vorteile des Rollenspiels gegenüber Konfrontation mit der Praxis
  • wichtige Aspekte des Lehrer- und Schülerverhaltens treten durch gezielte Planung deutlich hervor
  • durch Kürze und ev. Aufzeichnung auf Video kann eine gründliche Analyse durchgeführt werden
  • Fehler machen ist erlaubt ohne Nachteile zu befürchten
Ziele
  • Einübung sozialer Kompetenzen für den Umgang mit spezifischen Situationen (z.B. Disziplinschwierigkeiten) im Unterricht
  • Auseinandersetzung mit eigenen Vorstellungen vom Lehrerberuf durch die Studenten
  • bessere Vorbereitung auf komplexe Anforderungen in realen Unterrichtssituationen
  • Vergleich der eigenen Situationsinterpretation mit der der anderen Teilnehmer
  • Reflexion alternativer Handlungsmuster
  • Erweiterung des individuellen Handlungsrepertoires

Anwendungsbeispiel

Spielablauf, Rollenkarten für 2 Lehrer, 20 Schüler, 6 Beobachter, 2 Protokollanten
Thema der Unterrichtsstunde: Soll die Türkei der EU beitreten?
Auswertung nach 4 Prinzipien guter Klassenführung von Kounin

Literatur

  • Norbert Havers: Disziplinschwierigkeiten im Unterricht. Ein Trainingsseminar im Lehrerstudium, in Die Deutsche Schule Heft 2/1998
  • Ulf Mühlhausen: Überraschungen im Unterricht, Kapitel 7.2: Unterrichtsprobleme spielerisch erfahren - ein Simulationsspiel, Beltz-Verlag 1994, ISBN 3-407-62192-3

Siehe auch