Romantik

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Farbkreis.jpg
Epochen der
deutschen Literatur

Die Romantik ist eine der Epochen der deutschen Literatur und der Kunstgeschichte. Sie reicht vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und wird oft in Früh-, Hoch- und Spätromantik eingeteilt. Eine andere Einteilung orientiert sich an zentralen Orten, an denen wichtige Vertrter der Romantik gelebt und geschrieben haben: Hier spricht man von Heidelberger, Jenaer und Berliner Romantik.

Inhaltsverzeichnis

Unterrichtsideen

Nuvola apps edu miscellaneous.png   Unterrichtsidee
Kreidefelsen auf Rügen - Caspar David Friedrich, 1818

ROMANTIK für Einsteiger:

Sieben Einstiege in die Epoche - für Arbeitsgruppen:

Erforsche Dich selbst:

  1. Malen / verfertigen Sie ein romantisches Bild und stellen es vor. Was romantisch ist, bestimmen Sie selbst. (=> Plakat, Folie, PPP)
  2. Verfassen Sie ein romantisches Gedicht und stellen es vor. (=> Plakat mit Vortrag)
  3. Werbung: Untersuchen Sie, in welchen Kontexten der Begriff „romantisch“ verwendet wird und welches Versprechen er enthält? (=> Plakat und Kurzvortrag)

Recherchiere und Formuliere:

  1. Begriffsklärungen: Recherchieren Sie die Begriffe „Roman“ und „Romanze“ (=> Kurzvortrag und Vorschlag für Hefteintrag)
  2. Begriffsklärung: Erarbeiten Sie eine Kurzcharakteristik des Epochenbegriffs „(Deutsche) Romantik“ (=> Kurzvortrag und Vorschlag für Hefteintrag)
  3. Romantik in der (deutschen) Musik-Geschichte: Namen, Themen, Gattungen, Beispiele
  4. Stellen Sie ein Gemälde von Caspar David Friedrich vor (=> Kurzvortrag mit Bildbeschreibung)


Bekannte Bilder

Caspar David Friedrich

→ Caspar David Friedrich

Literatur der Romantik

Romantik, im Rahmen der dt. Literaturgeschichte Epochenbegriff für den Zeitraum von etwa 1795 bis 1830/40. Das Wort ›romantisch‹ war im 18. Jh. vorwiegend im Sinn des Phantastischen, Romanhaften, Märchenhaften gebraucht worden. In der R. erhielten diese Bedeutungen nicht nur einen positiven Sinn; sie wurden auch um neue Nuancen erweitert. ›Romantisch‹ erscheint als eine Sehweise, die das Gewöhnliche, Alltägliche überhöht: »Die Welt muss romantisiert werden« (Novalis).

Zugleich wurde ›romantisch‹ als Epochenbezeichnung und Gegenbegriff zum Klassischen, d. h. Antiken eingesetzt: ›Romantisch‹ in diesem Sinn heißt ›nicht-klassisch‹, ›modern‹ und bezieht sich auf die Dichtung des christlichen MA, die Literaturen Italiens und Spaniens (Dante, Petrarca, Calderón, Cervantes) und nicht zuletzt auf Shakespeare und Goethe.


Volker Meid: Sachwörterbuch zur Deutschen Literatur, Reclam-CD, Jahr 1999, S. 945

Behandlung auf einem Blog
  • Romantische Schule - ein Blog, der Kommentare von Lesern aus dem Netz einlädt. Nicht nur der Titel enthält romantische Ironie.

Namen und Orte

Pdf20.gif Wer-Wann-Wo: Eine Übersicht zum Vervollständigen

Uebersicht-Romantik.gif

Romantik als Krise der Aufklärung

Vor- und Zwischenstufen:

  • Jean-Jacques ROUSSEAUS´ Zivilisationskritik,
  • die Empfindsamkeit des Sturm & Drang (Vernunftkritik, Geniekult)
  • und die erniedrigenden Folgen der Französischen Revolution für Deutschland (Besetzung und militärische Niederlage)

führen bei vielen Intellektuellen zu Zweifeln und zur Absage an die Ideale der Aufklärung:

  1. Kritik an der völligen Reglementierung 'bürgerlichen Lebens' durch (ökonomischen) Zweckrationalismus und Erfolgsdenken (Kritik des Krämergeistes und des “Philistertums”)
  2. Kritik an der aufklärerischen Naturbetrachtung: Natur = Objekt, d.h. Gegenstand des Mach- und Berechenbaren, dem der Mensch sich nicht zugehörig oder verpflichtet fühlen muss.
  3. Kritik an einem Vernunftbegriff, der alle Phantasie und Intuition als Schwärmerei verwirft.

Diese Aufklärung führt in den Augen der Romantiker zur

=> ENTZAUBERUNG DER WELT,

demgegenüber will die Romantik den im Menschen und in der Natur verborgenen Zauber wieder aufspüren:

"Eben auf dem Dunkel, worin sich die Wurzel unseres Daseins verliert, ... beruht der Zauber des Lebens, dies ist die Seele aller Poesie." (August Wilhelm Schlegel)

Für die Romantiker gilt:

  • Der MENSCH ist Teil der Natur: einer unergründlichen, unbegreifbaren Natur (irrational, weil nicht ausrechenbar) Folglich ist auch
  • die SEELE des Menschen ist voller Abgründe und Tiefe, welche sich im Traum, im Wahnsinn, im Somnambulismus manifestieren
  • auch ein VOLK hat eine (kollektive) Seele: Zeugnisse dieser Volksseele sind Volkspoesie, Volksmärchen und Volkslieder (-> Nationalismus, Deutschtümelei, Mittelaltersehnsucht )

Programmatisches

Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle getrennten Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen, und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in Berührung zu setzen. Sie will, und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesie lebendig und gesellig, und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen, den Witz poetisieren, und die Formen der Kunst mit gediegnem Bildungsstoff jeder Art anfüllen und sättigen und durch die Schwingungen des Humors beseelen. Sie umfasst alles, was nur poetisch ist, vom größten ... System der Kunst, bis zu dem Seufzer, dem Kuss, den das dichtende Kind aushaucht in kunstlosen Gesang. ... Die Kunst ist der höchsten und allseitigsten Bildung fähig; nicht bloß von innen heraus, sondern auch von außen hinein. ... Andre Dichtarten sind fertig und können nun vollständig zergliedert werden. Die romantische Dichtart ist noch im Werden, ja das ist ihr eigentlichstes Wesen, dass sie ewig nur werden, nie vollendet sein kann. ... Sie allein ist unendlich, weil sie allein frei ist, und das als ihr erstes Gesetz anerkennt, dass die Willkür des Dichters kein Gesetz über sich leide. Die romantische Dichtart ist die einzige, die mehr als Art, und gleichsam die Dichtkunst selbst ist: denn in gewissem Sinn ist oder soll alle Poesie romantisch sein.

Friedrich Schlegel: Athenäums-Fragment 116 (1798), zitiert nach: Einladung zur Literaturwissenschaft

Die Welt muß romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts, als eine qualitative Potenzierung. Das niedre Selbst wird mit einem bessern Selbst in dieser Operation identifiziert. So wie wir selbst eine solche qualitative Potenzreihe sind. ... Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe so romantisiere ich es - Umgekehrt ist die Operation für das Höhere, Unbekannte, Mystische, Unendliche - dies wird durch diese Verknüpfung logarithmisiert - Es bekommt einen geläufigen Ausdruck.

Novalis (Friedrich v. Hardenberg): Logologische Fragmente, Vorarbeiten 1798, Fragment 105, zitiert nach www.goethezeitportal.de

Klassik und Romantik

Klassik Romantik
Alleiniges Zentrum: WEIMAR mehrere städtische Zentren: Berlin, Jena, Heidelberg
Hauptsächliche Protagonisten: Goethe und Schiller Vielfalt von unabhängigen Autoren, Zirkeln und „Schulen“: Heidelberger und Jenaer Romantik, Berliner Romantik, Schwäbische Schule
Affinität zum Adel (geadelte Bürger: v. Goethe)
Veredelung des Bürgerlichen durch die Lebensart des Adels siehe Goethes „Wilhelm Meister“
Bürgerlicher Hintergrund bzw. verbürgerlichter Adel
Antibürgerliche Haltung: Philister-Kritik und Beschäftigung mit >Volkshaftem<:

Märchen, Liedern, Sagen, Volksglauben (Grimms Märchen, Des Knaben Wunderhorn, Hauffs Märchen)

Vorbildwirkung der Antike Mittelaltersehnsucht (Deutsches Kaiserreich)
religiöse Skepsis Hinwendung zur Religion (Katholizismus)
Rationalisierung des Mythos Wiedergewinnung eines >neuen Mythos<: Volksseele, Nationalidee, Fernöstliches (Sanskrit)
Programm: Verstand und Gefühl harmonisieren Die Kräfte der Phantasie und Intuition freisetzen:
Entdeckung der >dunklen Seele<, der Nachtseiten des Daseins (das „Unbewusste“ z.B. bei E.T.A. Hoffmann)
geschlossene literarische Formen:
Klassisches Drama, antike Versmaße und Formen (Elegie, Distichon, Blankvers)
offene Formen, Experimente, Fragmente, Satire, frei-rhythmische Gesänge (Novalis: Hymnen an die Nacht)
aber auch volkstümliche-einfache Liedformen (Eichendorff, Wilhelm Müller, Brentano, Uhland)

(Nach „Deutsche Literaturgeschichte“, Verlag J.B. Metzler 1992, S.174ff)

Romantische Motive

Philister-Kritik

Ein interessantes und für die romantische Welthaltung typisches Phänomen ist das (Zerr-)Bild des Philisters, also des Spießers und bürgerlichen Kleingeistes. Portraits dieses Typus' finden sich bei Brentano ("Der Spießer" 1811), in Eichendorffs "Taugenichts" oder in den Reisebeschreibungen ("Harzreise") und Gedichten von Heinrich Heine ("Buch der Lieder"). Hierzu:

Wären wir nicht gerne ganz normal und ein wenig spießig? Das ist die Frage.
Darum werden zunächst einige Begriffe geklärt: Spießer, Spießbürger und Philister
In einem weiteren Schritt tauchen wir in das Selbstverständnis der deutschen Romantik (und Vor-Romantik) ein: Der Bürger ist der Spießer, der Künstler das Genie.

Wanderlust

Mittelaltersehnsucht

  • Kaierreich, Rittertum und Gespenster

Heinrich von Kleist schildert in einem Brief an die Verlobte einen Besuch in der Würzburger Lesebibliothek:

„Wir wünschen ein paar gute Bücher zu haben.“ – Hier steht die Sammlung zu Befehl.
„Etwa von Wieland.“ – Ich zweifle fast.
„Oder von Schiller, Goethe.“ – Die möchten hier schwerlich zu finden sein.
„Wie? Sind alle diese Bücher vergriffen? Wird hier so stark gelesen?“ – Das eben nicht.
„Wer liest denn hier eigentlich am meisten?“ – Juristen, Kaufleute und verheiratete Damen.
„Und die unverheirateten?“ – Sie dürfen keine fordern.
„Und die Studenten?“ – Wir haben Befehl ihnen keine zu geben.
„Aber sagen Sie uns, wenn so wenig gelesen wird, wo in aller Welt sind denn die Schriften Wielands, Goethes, Schillers?“ – Halten zu Gnaden, diese Schriften werden hier gar nicht gelesen.
„Also Sie haben sie gar nicht in der Bibliothek?“ – Wir dürfen nicht.
„Was stehn denn eigentlich für Bücher hier an diesen Wänden?“ – Rittergeschichten, lauter Rittergeschichten, rechts die Rittergeschichten mit Gespenstern, links ohne Gespenster, nach Belieben.
„So, so.“

An Wilhelmine von Zenge, Würzburg, den 13. (-18.) September 1800, zitiert nach Bibliothek Gutenberg

Fantasie- und Gegenwelten

  • Märchen, Lokalsagen und Lieder
  • Bergwerke und unterirdische Reiche

Wahn und Wahnsinn

  • Doppelgänger, Revenants und Automaten
  • Traum- und Geisterwelten

Materialien

Die Reihe "Epochen" auf dem Landesbildungsserver Ba-Wü gibt Anregungen für das selbstständige Erarbeiten einer literarischen Epoche. Die Epochen Barock, Aufklärung, Sturm und Drang, Romantik können in mehreren Arbeitsschritten und dank systematisch geordneter Materialien (vorrangig Primärtexte) erarbeitet und präsentiert werden (M. Breddin)

Epochendarstellungen im Internet:

  • Romantik Professor Dr. Albert Meier, Universität Kiel, Mitschnitte der Vorlesungen (Format: mp3) und Protokolle (pdf)
www.Pohlw.de - Homepage für Deutsche Literaturgeschichte, Methodentraining, Arbeitstechniken und um das Lernen zu lernen. Verantwortlich: Kevin Görner.

Lyrik der Romantik

→ Lyrik der Romantik

Siehe auch