Leserbriefe zum Thema Zivilcourage verfassen und mithilfe der Textlupe überarbeiten

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Inhaltsverzeichnis

Projekttitel

Das Projekt „Leserbriefe zum Thema Zivilcourage verfassen und mithilfe der Textlupe überarbeiten“ ist im Rahmen des Seminars „Schreibarrangements im Deutschunterricht“ an der Universität Siegen entstanden. Dabei wurde untersucht, ob Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse einer Realschule fähig sind, eigene Leserbriefe zu dem Thema Zivilcourage zu verfassen und diese durch ein Schülerfeedback eigenständig zu verbessern.

Rahmenbedingungen

Schulform

Realschule

Klassenstufe

9.Klasse

Zeitlicher Rahmen

Drei 45-minütige Schulstunden (eine Doppel- und eine Einzelstunde)

Informationen zum Projekt

Das Projekt wurde in einer Klasse durchgeführt, die bereits Kenntnisse zur Textsorte Leserbrief vorweisen konnte und schon mit der Überarbeitungsmethode Textlupe gearbeitet hatte.

Ausformulierte Schreibaufgabe

Verlangt der Staat zu viel, wenn er Zivilcourage der Bürger einfordert? Sollte Zivilcourage eine Selbstverständlichkeit in unserer Gesellschaft sein? Verfasse einen Leserbrief zu Wolffsohns Kommentar. Der „beste“ Leserbrief wird auf der Homepage Welt.de als Kommentar veröffentlicht.

Grad der Profilierung

Die Schreibaufgabe ist vielseitig profiliert. Zum Einen durch ihre Funktion, denn die Schülerinnen und Schüler können ihre eigenen Meinungen vertreten und durch die Veröffentlichung sogar deren Wirkungen überprüfen. Zum Anderen können die Schülerinnen und Schüler sowohl Weltwissen zum Thema Zivilcourage als auch Sprachwissen durch das Verfassen eines Leserbriefs anwenden. Des Weiteren bietet die Schreibaufgabe Raum für Interaktion, da die SuS sich in der Überarbeitungsphase mit der Textlupe mit anderen Leserbriefen befassen und sich über beispielsweise Änderungsvorschläge austauschen können.

Funktion

Die Schülerinnen und Schüler sollen in der Lage sein eine eigene Meinung zum Thema Zivilcourage vertreten zu können. Dabei kann die Wirkung der eigenen Meinung nicht nur in der Veröffentlichung des „besten“ Leserbriefs, sondern auch im Austausch mit den Mitschülern während der Überarbeitungsmethode beobachtet werden.

Wissen (Weltwissen & Sprachwissen)

inkl. Informationen zur Textsorte

Das Verfassen eines Leserbriefs steht in engem Zusammenhang zu der Erziehung der Schülerinnen und Schüler zu einem mündigen demokratischen Bürger. Die Schülerinnen und Schüler sind dadurch befähigt, ihre eigenen Meinungen angemessen publik zu machen und sich sinnvoll in die Gesellschaft einzubringen. Eigenes bereits vorhandenes Wissen zum Thema Zivilcourage kann durch neue Denkanstöße erweitert werden. Das Sprachwissen wird gefestigt, in dem die Schülerinnen und Schüler genauer auf die Merkmale eines Leserbriefs in ihrer Überarbeitungsphase achten und darauf achten diese anzuwenden.

Leserbriefe im Unterricht

Interaktion

inkl. Informationen zum Überarbeitungsverfahren

Soziale Interaktion findet zwischen den Schülerinnen und Schülern in der Überarbeitungsphase mithilfe der Textlupe intensiv statt. Die Erstfassung des Leserbriefs wird von den Mitschülern gelesen und kommentiert. Dies findet zunächst schriftlich in Stichpunkten auf einem Arbeitsblatt zur Textlupe statt und wird mündlich ergänzt. Dabei entstehen auch Diskussionen über Verbesserungsvorschläge, da die Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Meinung sein können.

Textlupe

Wirkung

Die Wirkung der Schreibaufgabe wird in der Überarbeitungsphase durch die Rückmeldung der Mitschüler überprüft. Des Weiteren kann die Wirkung eines ausgewählten Leserbriefs durch die anonyme Veröffentlichung im Internet beobachtet werden. Dies bietet auch einen besonderen Ansporn für die Schülerinnen und Schüler.

Geplante Unterrichtsstunden

1.Stunde: Bearbeitung der Schreibaufgabe In der ersten Stunde werden die Materialien an die Schülerinnen und Schüler verteilt. Die Stunde wird für das Lesen der Texte und das Klären der Verständnisfragen genutzt. Dann können die Schülerinnen und Schüler bereits mit der Erstfassung eines Leserbriefs beginnen. Als Hausaufgabe sollen die Leserbriefe geschrieben werden.

2.Stunde: Schülerfeedback (alternativ Lehrerfeedback) Die Überarbeitungsmethode Textlupe wird den Schülerinnen und Schülern kurz erläutert. Die SuS werden in Gruppen von vier Schülerinnen und Schülern eingeteilt. Die Einteilung, ob durch die Lehrperson oder die Schüler selbst, sollte in Abhängigkeit zum Klassenklima getroffen werden. Die Schülerinnen und Schüler bekommen ein Arbeitsblatt zur Textlupe sowie einen Kriterienkatalog ausgeteilt. Der Kriterienkatalog soll als Hilfestellung für das Ausfüllen der Textlupe dienen. Aus Zeitgründen kann das Schülerfeedback auch durch einen Lehrerkommentar ersetzt werden. Wenn möglich sollte das Schülerfeedback durch einen Lehrerkommentar noch ergänzt werden. Dies würde der Lehrperson einen Überblick über die eigenständige Überarbeitungsphase der Schülerinnen und Schüler geben und die Lehrperson könnte bei Bedarf eingreifen, falls die Methode der Textlupe bei einer Schülergruppe nicht richtig funktioniert.

3.Stunde: Textüberarbeitung Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten eine Zweitfassung des Leserbriefs anhand der von Mitschülern ausgefüllten Textlupe. Die Lehrperson kann dabei den Schreibprozess beobachten und bei Bedarf Fragen seitens der Schülerinnen und Schüler klären.

Materialien

Arbeitsblätter für die SchülerInnen

1.Basisartikel zur Zivilcourage Basisartikel

2.Zeitungsartikel/Kommentar Kommentar

3.Kriterienkatalog Kriterienkatalog Leserbrief (1).pdf

Sonstige Materialien

Keine

Reflexion der Durchführung

Die Unterrichtsstunden wurden wie geplant durchgeführt. Während der Durchführung des Projektes ließen sich jedoch einige Verbesserungsmöglichkeiten feststellen. Die Klasse war mir als Studentin natürlich unbekannt. Die Schülerinnen und Schüler hätten eine kurze Wiederholung zur Textsorte Leserbrief benötigt. Auch die Überarbeitungsmethode Textlupe wäre besser noch einmal erörtert worden. Des Weiteren wäre es teilweise sinnvoll gewesen, die Textlupen der Schülerinnen und Schüler durch einen Lehrerkommentar zu erweitern. Gerade leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler haben Probleme mit der Textlupe und könnten durch einen ergänzenden Lehrerkommentar Unterstützung in ihrer Überarbeitung erfahren.

Ergebnisse

Entstandene Schülertexte

Beispiel: Erstfassung:

Leserbrief

Betreff: Wenn der Staat seine Bürger in den Tod schickt Sehr geehrter Herr Wolffsohn, ich habe ihren Kommentar über Zivilcourage gelesen. Ich bin der Meinung, dass der Staat nicht zu viel verlangt. Aber auch nicht zu wenig! Einerseits sollte man Konflikten aus dem Weg gehen, um nicht selbst in Gefahr zu geraten, aber der Person helfen dort heraus zu kommen. Anderseits ist es mutig und ich finde (es) auch „heldenhaft“. Um ehrlich zu sein, ist es richtig sobald man weiß, was man macht und die Person nicht in Schwierigkeiten oder nicht noch mehr Ärger bringt sonst sollte man es lassen. Das ist meine Meinung und ich finde sie auch, wenn sie kurz ist sehr wichtig.

Mit freundlichen Grüßen X

Überarbeitete Fassung

Leserbrief

Betreff: Wenn der Staat seine Bürger in den Tod schickt. Sehr geehrter Herr Wolffsohn, ich habe gestern früh Ihren Bericht über Zivilcourage gelesen und finde, dass der Staat nicht zu viel und nicht zu wenig von den Bürgern verlangt. Natürlich sollen die Bürger Zivilcourage zeigen und helfen. Schließlich will jedem geholfen werden, wenn er/sie in einen Konflikt gerät, indem er oder sie schwere Verletzungen erleiden kann. Helfen oder nicht ist eine schwere Entscheidung und sollte jedem selbst überlassen werden, denn der Staat kann keinen dazu zwingen. Denn sobald man einschreitet kann man selber in Gefahr geraten oder der anderen Person noch mehr Ärger machen. Aus diesem Grund sollte man wissen, was man macht, wenn man dem „Opfer“ helfen möchte. Am besten ist es, wenn man die Polizei ruft! Hier kommt aber dann, was der Staat machen sollte. Die Polizisten und Polizistinnen sind zu viel mit Schreibarbeit beschäftigt und können daher nicht so schnell zum Tatort kommen, weil sie erstens zu wenige sind und zweitens kaum noch „Streife“ fahren und daher anstat zwei, drei oder fünf Minuten zehn, fünfzehn oder im schlimmsten Fall zwanzig Minuten brauchen. Da kann es schon zu spät sein. Darum sollte der Staat die Polizisten mehr auf „Streife“ schicken oder einen „Schreiber“ oder eine „Schreiberin“ pro Polizist oder Schicht einstellen. Dadurch haben die Polizisten mehr Zeit und können mehr Kontrollen bzw. Kontrollfahrten machen. So wird bestimmt der eine oder andere Mord, Konflikt oder Auseinandersetzung einer oder mehreren Gruppen verhindert. So zu sagen fehlt oder „Dorf-sheriff“. Zusammenfassend finde ich, dass Zivilcourage von den Bürgern, nie Unterstützung des Staates die Konflikte und Morde verhindern könne.

Mit freundlichen Grüßen X

Textlupe:

Das hat mir gut gefallen!

-Ich fand gut das du deine meinung zur Zivilcourage gesagt hast und das du die Grußformeln und Anrede nicht vergessen hast.

-Ich finde gut das du von den Betreff und an das Ende gedacht hast. Aber im großen und ganzen war der Text ganz okay J

-war ganz gut

Hier stört mich etwas:

•Es hätte ein wenig mehr text sein können, und du hättes etwas ordentlicher schreiben können.

•Ich finde du hättest etwas mehr Argumente und beispiele schreiben können. Außerdem wie Hannah schon geschrieben hat finde ich auch das dein Leserbrief zu kurz war.

•Keine („“) gesetz Keine Argumente bzw. nicht viele, kurz geraten. Ich finde nicht gut dass du geschrieben hast „sonst sollte man es lassen“ da im text viele Ideen genant wurden sind und man nie aufhören sollte gütig zu sein weil im Leben kommt alles zurück und man man selbs in solch einer Situation ist will man auch die Hilfe und wenn jemand dir nich helfen würde weil es zu „gefährlich“ ist dann wärst du sicherlich traurig und so.

Vorschläge:

•Überlege vor dem Schreiben erst mal welche Agumente du bringen willst. Vielleicht schreibst du den text erst einmal vor.

•Nimm dir vielleicht mehr Zeit dafür. Und überlege dir dir mehr Argumente und Beispiel. Sonst lese nochmal den Text

•Besser geht immer J also noch mer Argumente und beispiele einbauen

Anmerkung: Leserbrief sowie Textlupe wurden mit den Orthographiefehlern der Schülerinnen und Schülern übernommen.

Bewertungsverfahren für die Schülertexte

Textlupe und (zur Unterstützung) Kriterienkatalog

Bewertung von Schülertexten anhand von ausgewählten Beispielen

Das oben aufgeführte Beispiel wird hier exemplarisch verwendet. Bei der Betrachtung der Endfassung des Leserbriefes wird deutlich, dass der Schüler oder die Schülerin bemüht war die Kritik umzusetzen. Die Vorschläge der Mitschüler wurden wahrgenommen, in dem der Leserbrief durch weitere Beispiele ergänzt wurde. Auch Schreibstrategien wurden dem Schreiber empfohlen. Insgesamt ist dem Schüler bewusst geworden, dass seine Erstfassung zu kurz für einen Leserbrief war. Die Hinweise der Mitschüler führten hauptsächlich zu Additionen des Leserbriefes. Formulierungen wie „ […] zwei, drei oder fünf Minuten zehn, fünfzehn oder im schlimmsten Fall zwanzig Minuten brauchen“ zeigen, dass der Schüler versucht seine Fassung auszudehnen. Diese Additionen sind nicht immer glücklich gewählt, da sie oft deutlich verkürzt wiedergegeben werden könnten. Es würde beispielsweise reichen zu schreiben, „die Polizei benötigt eventuell bis zu zwanzig Minuten, um an dem Einsatzort zu sein“. Stilistisch gesehen sind die Additionen nicht geglückt. Dennoch hat der Schüler Grundlegendes verinnerlicht. Ihm ist bewusst geworden, dass ein Leserbrief vor allem durch seine Argumente und Beispiele gut beziehungsweise überzeugend wird. Unabhängig von den stilistischen Aspekten ist die Endfassung des Leserbriefes im Vergleich zur Erstfassung dennoch besser. Hätte der Schüler sich für die Erstfassung, die eine Hausaufgabe war, mehr Mühe gegeben, wäre vermutlich bei der Erstfassung ein Leserbrief wie in der Endfassung entstanden und hätte durch die erneute Überarbeitung noch einmal verbessert werden können.

Gesamtes Fazit des durchgeführten Schreibarrangements

Das Schreibprojekt fand bei den Schülerinnen und Schülern großen Anklang, da das Thema Zivilcourage durch seine Aktualität (der Fall Tugce) enormes Interesse bei den Schülerinnen und Schülern weckte. Der Bezug zur aktuellen Lebenswelt der Schülerinnen und Schülern wurde besonders positiv aufgenommen. Probleme innerhalb des Schreibprojekts entstanden durch fehlende Kenntnisse. Die Schülerinnen und Schüler sollten gute Kenntnisse in Bezug auf Leserbriefe haben. Leider waren die Schüler sich allerdings oftmals unsicher und eine Wiederholung des Stoffes wäre daher ratsam gewesen. Die Überarbeitungsphase mithilfe der Textlupe ist gut verlaufen. Jedoch konnte man beobachten, dass gerade die eher leistungsschwächeren SuS Probleme mit dieser Methode haben. Daher würde ich empfehlen, das Projekt durch einen Lehrerkommentar zu ergänzen. Dabei kann bereits begutachtet werden wie das Schreibprojekt verläuft und zur Not kann durch die Lehrperson gezielter eingegriffen werden.

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Benutzer:Jacqueline K