Terrorismus

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Mit Terrorismus bezeichnet man Gewalt und Gewaltaktionen (wie z. B. Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge etc.), die sich gegen eine politische Ordnung richten und einen politischen Wandel anstreben. Der Terror dient als Druckmittel und soll einerseits Unsicherheit und Schrecken verbreiten und andererseits bei Gegnern der vorhandenen Ordnung Sympathie und Unterstützungsbereitschaft hervorrufen. Terrorismus ist eine Strategie in einem asymmetrischen Konflikt, in dem kein militärischer Sieg, wohl aber Verunsicherung und Ermattung des Gegners und Angst in der Bevölkerung angestrebt werden.

Die Grenze zwischen „Widerstandskämpfer“Wikipedia-logo.png und „Terrorist“ ist weltanschaulich geprägt und daher oft strittig. Der Soziologe Henner Hess findet in der Begrifflichkeit ein Problem, da es im Auge des Betrachters läge. Wen manche als Terroristen nennen, können andere als „Gotteskrieger“, Revolutionär oder Freiheitskämpfer definieren. Richard Reeve Baxter, ehemaliger Richter am Internationalen Gerichtshof, äußerte sich wie folgt:

Wir haben Grund zu bedauern, dass uns ein juristischer Begriff des Terrorismus jemals auferlegt wurde. Der Begriff ist unpräzise; er ist mehrdeutig; und vor allem dient er keinem entscheidenden juristischen Zweck.[1]

So existiert für nahezu jeden Staat eine andere Definition von Terror.


W-Logo.gif Terrorismus, Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, 18.11.2015 - Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Siehe die Nutzungsbedingungen für Einzelheiten. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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Aktuell

Meinung

"IS-Propaganda, Terrorwarnungen von Behörden – Journalisten stehen zwischen den Fronten. Sie müssen unabhängig berichten und dürfen sich nicht zu Helfern machen lassen."
  • 15min - Litauen
Leonidas Donskis über die historischen Ursprünge des Terrorismus Litauischer Blogbeitrag
Eine mögliche Erklärung dafür, wie der moderne Terrorismus entstanden ist und sich weltweit ausgebreitet hat, gibt auf dem Onlineportal 15min der Philosoph und ehemalige Europaabgeordnete Leonidas DonskisWikipedia-logo.png: "Es war nötig, dass die Monarchie Afghanistan scheitert, damit der einst normale Staat zu einem von Verbrechern und Stammesführern regierten Territorium wird, auf dem al-Qaida entsteht. Es war nötig, dass das zivilisierte und prowestliche Schah-Regime in Iran scheitert, damit dieses Land eine ganze Region destabilisiert und Terrorgruppen unterstützt. Es war nötig, dass ein Staat scheitert, der selbst den arabischen Terrorismus geschaffen hat, um den Einfluss der USA im Nahen Osten zu zerstören: die Sowjetunion, die unter Jurij Andropow alle Terrorgruppen und ihre Führer in der Region ins Leben gerufen und ausgerüstet hat. ... Das Paradox der neuen globalen Unsicherheit ist, dass die mächtigen Staaten einen indirekten Krieg gegeneinander führen und dabei kriminelle Gruppen ausnutzen. Und diese Gruppen wiederum entwickeln mit der Zeit einen Machthunger und nehmen sich vor, selbst zu Staaten zu werden." (Deutscher Text von euro|topics, 19.11.2015; Weitere Texte von Leonidas Donskis bei euro|topics)

Stichpunkte zur Geschichte des Terrorismus in Europa

Staatsterror

Vom Terrorismus ist StaatsterrorWikipedia-logo.png sorgfältig zu unterscheiden. Zwar ist hier der Konflikt auch asymmetrisch und es wird ebenfalls auf Unsicherheit und Schrecken und nicht auf militärischen Erfolg abgezielt, aber hier ist der Terror Ausübende schon im Besitz der Macht und seine Absicht ist, jedwede Gegenbewegung im Keim zu ersticken.

Terrorismus und Terrorismusverdacht in den Medien

Wie der Tod ins Leben schleicht von Daniela Vates, Frankfurter Rundschau 26.7.16

Zur Gewalttat in München[2]: "Das Fernsehen ging auf Dauersendung, obwohl es über Stunden keine Neuigkeiten gab. Die sozialen Netzwerke sorgten für schnelle Verbreitung von Gerüchten. 2300 Polizisten waren zeitweise allein damit beschäftigt, größtenteils falschen Gerüchten nachzugehen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die die Bundeswehr in Alarmbereitschaft versetzen ließ, kann nicht für sich in Anspruch nehmen, für Entspannung gesorgt zu haben. [...] Zwar ist jede Gewalttat ein Drama, aber nur die wenigsten rechtfertigen einen Ausnahmezustand. Er kann Nachahmungstäter sogar ermutigen [...] Wird der Ausnahmezustand die Regel, haben die Terroristen schon ohne Anschlag ihr Ziel erreicht: Freiheit einzuschränken und die Gesellschaft nachhaltig zu verunsichern."

Anmerkungen

  1. Originalwortlaut: „We have cause to regret that a legal concept of terrorism was ever inflicted upon us. The term is imprecise; it is ambiguous; and, above all, it serves no operative legal purpose.“ Zit. n. University of New South Wales: What is 'terrorism’? Problems of legal definition, 2004.
  2. Gewalttat: Zehn Tote in München - Tatverdächtiger ist 18-jähriger Deutsch-Iraner Spiegel online 23.7.2016

Literatur

  • Jens Dolfen: Die Vereinten Nationen und das Problem der Terrorismusdefinition. GRIN Verlag, München 2007, ISBN 978-3-638-81072-2.
  • Eric Hobsbawm: Globalisierung, Demokratie und Terrorismus. Englisches Original 2007. dtv, München 2009, ISBN 978-3-423-2476-9-6 (Aufsatzsammlung).
  • Johannes Hürter, Gian Enrico Rusconi (Hrsg.): Die bleiernen Jahre. Staat und Terrorismus in der Bundesrepublik Deutschland und Italien 1969–1982. R. Oldenbourg, München 2010, ISBN 978-3-486-59643-4.
  • Walter Laqueur: Krieg dem Westen. Terrorismus im 21. Jahrhundert. Propyläen, Berlin 2003, ISBN 3-549-07173-6.
  • Loretta Napoleoni: Die Rückkehr des Kalifats. Der Islamische Staat und die Neuordnung des Nahen Ostens, Rotpunkt, 2015
  • Ulrich Schneckener: Transnationaler Terrorismus. Charakter und Hintergründe des „neuen“ Terrorismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-518-12374-4.
  • Charles Townshend: Terrorismus. Reclam, Stuttgart 2005, Reclams Universalbibliothek Nr. 18301, ISBN 3-15-018301-4.

Linkliste