Merkblatt 2

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Dieses Merkblatt stellt Ihnen den typischen Aufbau vor. Sie können natürlich in der Arbeit einer eigenen Struktur folgen, wenn Sie sich sicher genug fühlen.

1. Grobgliederung

a) Einleitung

  • Thema der Textvorlage (kurz!)
  • aktueller, historischer oder persönlicher Bezug
  • Strukturierte Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen, des Hauptgedankens der Textvorlage (ruhig linear, also „vom Anfang bis zum Ende“) (etwa 1 Seite)

Unbedingt eigene Formulierungen finden, die zeigen, dass Sie die Gedanken im Text verstanden haben und nicht bloß „nachplappern“.
Fassen Sie zusammen, reduzieren und abstrahieren Sie, wo es möglich ist.

b) Hauptteil

  • interne Textanalyse
  • falls verlangt: externe Textanalyse
  • dialektische Erörterung

c) Schluss

  • evtl. kurze Zusammenfassung
  • eigene Stellungnahme/Wertung

2. Zur Textanalyse

Man kann einen Text „intern“ oder „extern“ analysieren.

Bei der internen Analyse beschreibt man, wie der Text „funktioniert“, d.h. durch welche sprachlichen oder strukturellen Kennzeichen er seine Wirkung auf den Leser hervorruft. Achten Sie hier z.B. auf rhetorische Mittel (z.B. Metapher, Hyperbel (Übertreibung) etc.), auf die Syntax (Parataxe, Hypotaxe), Wortwahl (z.B. Neologismen, Wortfelder), die logische Gliederung des Textes (Wo stehen die wichtigen Argumente, die These, die Argumente der Gegenseite?), selbst die Rechtschreibung kann von Bedeutung sein (s. S. George). Bleiben Sie auf keinen Fall bei der Beschreibung stehen, sondern erläutern Sie, was aus den beobachteten Besonderheiten resultiert!

Bei der externen Analyse stellen Sie einen Bezug zu einem bereits bekannten Text her, der sich mit dem gleichen Thema beschäftigt. Dies kann ein Text sein, der im Unterricht besprochen wurde, oder ein Text, der ebenfalls auf dem Arbeitsblatt abgedruckt ist. Sie müssen auf den zweiten Text nur kurz eingehen. Wichtig ist der Vergleich der beiden Positionen: Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede? Was schließen Sie aus dem Vergleich?

3. Zur Erörterung

Eine Erörterung bedarf erst einmal eines Problems. Dies sollte aus Ihrer Textwiedergabe und –analyse bereits hervorgehen (also i.d.R. die Meinung eines Autors als eine Position zu einem Thema). Sie haben also bereits eine These und einige Argumente, die vom Autor der Textvorlage stammen. Ist der Autor in seinem Text dialektisch (einerseits – andererseits) vorgegangen, dann hat er auch eine Gegenthese und Gegenargumente angeführt. Ist er linear (nur eine Seite darstellend) vorgegangen, haben Sie nur eine der beiden Seiten vorbereitet.

Ihre Aufgabe ist es nun, die Diskussion, die der Autor angeregt hat, fortzuführen. Sie brauchen also evtl. eine Gegenthese und sicherlich noch weitere Argumente für beide Seiten. Gehen Sie bei der Erörterung zunächst von der Position des Autors aus und fragen Sie sich, ob Ihnen sein Gedankengang plausibel erscheint. Hat er Aspekte übersehen? Was könnte ihm jemand erwidern, der anderer Meinung ist? Gehen Sie bei der Niederschrift dialektisch vor.

Die Erörterung sollte eng an den Thesen und Argumenten des Textes bleiben. Ist es aber sinnvoll, können Sie sich im weiteren Verlauf auch davon entfernen, wenn Ihnen z.B. Aspekte, die der Text übersieht, besonders wichtig sind.

Der Abschluss der Erörterung sollte fließend in den Schluss der Klausur übergehen.

4. Tempelschema einer Argumentation

Das Tempelschema

Je mehr Argumente vorgebracht werden, desto sicherer steht die These. Argumente sind unterschiedlich stark (im Bild trägt Argument 2 evtl. die These alleine. Beispiele, Belege und Erläuterungen stützen die Argumente. Je mehr Stützen es gibt, desto sicherer steht das Argument.

Sachliche Argumente sind entweder: Faktenargumente (Tatsache), normative Argumente (Wertmaßstab), Autoritätsargumente (Berufung auf Fachmeinung), analogisierende Argumente (Parallele, Vergleich) oder indirekte Argumente (Entkräftung der Gegenargumente).

Unsachliche Argumente sind solche, die auf die Meinung der Masse (Argumentum ad populum), auf das Mitleid (Argumentum ad misicordiam) oder auf Furcht (Argumentum ad baculum) zielen. Die müssen Sie zwar erkennen, aber sie kommen für Sie natürlich nicht in Frage ...



Siehe auch