Uwe Johnson

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Uwe Johnson (* 20. Juli 1934 in Cammin, heute Kamień Pomorski, Polen; † vermutlich in der Nacht vom 23. Februar auf den 24. Februar 1984 in Sheerness on Sea, England) war ein deutscher Schriftsteller. Er gehörte der Gruppe 47 an.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs floh Johnson mit seiner Familie von Anklam ins westliche Mecklenburg, nach Recknitz. Sein Vater wurde verhaftet, im sowjetischen Speziallager Fünfeichen gefangen gehalten und schließlich in die Sowjetunion deportiert, wo er 1946 starb. Die Mutter zog mit Uwe und dessen jüngerer Schwester Elke später nach Güstrow.


W-Logo.gif Uwe Johnson, Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, 27.5.2007 - Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Siehe die Nutzungsbedingungen für Einzelheiten. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Inhaltsverzeichnis

Werke in Auswahl

Jahrestage

Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl ist ein von 1970 bis 1984 in vier Bänden erschienener ca. 1.890 Seiten umfassender Roman des deutschen Autors Uwe Johnson.

Der zeitliche Bogen spannt sich vom Ende der Weimarer Republik, der Machtergreifung Hitlers über die Anfänge der DDR bis zur Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968.

In 366 Tageseinträgen vom 21. August 1967 bis zum 20. August 1968 beschäftigt es sich mit der Familiengeschichte der Figur Gesine Cresspahl sowie ihrer aktuellen Lebenswirklichkeit als aus der DDR geflüchtete nun in New York lebende alleinerziehende Mutter. Sie ist geprägt von der Idee eines Sozialismus mit menschlichem Antlitz wie ihn der Prager Frühling des Alexander Dubček verkörperte, muss jedoch am Ende des Romans dessen Scheitern miterleben.


W-Logo.gif Jahrestage (Roman), Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, 27.5.2007 - Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Siehe die Nutzungsbedingungen für Einzelheiten. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Das Werk enthält ein hochinteressantes Beispiel dafür, wie Johnson sich wünscht, wie in der Schule mit Literatur umgegangen werden sollte, verknüpft mit einer Hommage an Theodor Fontane. Andererseits knüpft es an Johnsons Darstellungen aus dem DDR-Schulalltag aus seinem erst 1985 veröffentlichten Erstlingswerk Ingrid Babendererde an:

Wir lesen “Schach von Wuthenow”: kündigte er an; hatte uns klipp und klar seine Absichten dargelegt. Wie beängstigt wären wir gewesen, hätten wir sie begriffen.

Deutsch hatten wir vier Stunden in der Woche; Weserich erzählte uns vom 5. Mai 1789 an das Lebensjahrhundert Theodor Fontanes. Er begann mit dem Grafen MirabeauWikipedia-logo.png, dem Abgeordneten / des Dritten Standes, er stellte seine Fallen öffentlich aus; wir übersahen sie. Er erzählte uns aus Fontanes KinderjahrenWikipedia-logo.png, seinen Zeiten in England und Frankreich, las vor aus Briefen an die Familie [...] Am 11. September leistete er sich die Stirn, uns zu ersuchen um unsere ersten Eindrücke von der Lektüre des erwähnten Werkes von Th. Fontane. Aus dem Blauen heraus, von einer Woche auf die andere, vorfreudigen Blicks!

Anita meldete sich, die wollte sich opfern; er übersah sie, lächelte ihr aber zu, ihr allein. Wir anderen, an die dreißig Mann hoch, durften ihm vorhalten, einen Abdruck davon gebe es nur einmal in der Bibliothek des Kulturbunds, in den häuslichen Bücherschränken seien bloß Sachen wie “Effi Briest” zu finden; versuchten ihm sein Vorhaben auszureden. Das Ende von diesem Lied war, er machte uns Komplimente, pries unsere Findigkeit; versprach uns einen wiederholten Auftritt seiner Erkundigung für den 18. September. - Wir werden uns ja des öfteren sehen: versprach er. [...] Die Elf A Zwei benötigte für die ersten sechs Seiten der Erzählung an die drei Wochen; sah man Herrn Weserich an wegen der Verschwendung von Zeit, so ließ er sich keine grauen Haare wachsen. [...] “Schach” wurde abgesetzt. Den Rest des Mai, den Juni raste er mit dieser Klasse durch den Roman “Frau Jenny Treibel”Wikipedia-logo.png, wir hatten zwei Wochen übrig am Schluß des Schuljahrs. [...]

Und wir hatten bei ihm das Deutsche lesen gelernt.


Jahrestage. Aus dem Leben der Gesine Cresspahl, Frankfurt/M 1970-83, S.1694-1706

Kommentar zur vorliegenden Passage aus: Johnsons "Jahrestage" Der Kommentar (www-Ausgabe)]

Noia 64 apps kontour.png   Meinung

Es lohnt sich, die Seiten 1697-1706 in den Jahrestagen nachzulesen. Denn darin wird deutlich, dass Johnson in Weserich einen Gesinnungsgenossen sieht, der als Unangepasster in der DDR gute Arbeit zu leisten sucht, aber durch die Verhältnisse daran gehindert wird. - Hinweise auf die Bezüge zwischen Johnsons Text in den Jahrestagen (der hier weitestgehend herausgekürzt ist) und Fontanes "Schach von Wuthenow" finden sich in dem oben angegebenen Ausschnitt aus dem Kommentar zu den Jahrestagen.--Fontane44 (Diskussion) 23:11, 5. Jul. 2016 (CEST)


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Kleine Literaturauswahl

  • Johann Siemon: Linientreue und Subversion. Lehrer als Erziehungsinstanzen in Uwe Johnsons Ingrid Babendererde und Jahrestage. In: Carsten Gansel, Nicolai Riedel (Hrsg.): Uwe Johnson zwischen Vormoderne und Postmoderne. Internationales Uwe-Johnson-Symposium, Berlin - New York: Walter de Gruyter 1995, S. 267-284, ISBN 3-11-014671-1
  • Bernd Neumann Uwe Johnson mit 12 Porträts von Diether Ritzert, Hamburg 1994. ISBN 3-434-50051-0
  • Wohin ich in Wahrheit gehöre. Ein Johnson Lesebuch mit einem Nachwort versehen von Siegfried Unseld, Suhrkamp 1994 ISBN 3-518-40639-6

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