Netzsensibilität: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 18. November 2007, 22:08 Uhr

Netzsensibilität bezeichnet im Zusammenhang der Globalisierung und der Wissensgesellschaft ein kognitiv, aber auch emotional wahrgenommenes Gespür für die Interdependenz und Verwobenheit der Welt und aller ihrer Konstituenten (Menschen, Regionen, Länder, Kontinente). Sie bezeichnet die Fähigkeit, Vernetzungswünsche anderer Menschen zu erkennen und fruchtbar umzusetzen. Sie bezieht sich sowohl

  • auf "reale" soziale Netzwerke (wie zum Beispiel eine Schulklasse, eine Organisation, eine Abteilung einer Firma)als auch
  • auf virtuelle Netzwerke wie Onlinecommunities, Projektgruppen und letztlich das gesamte Internet

Diese Kontextsensibilität ist Voraussetzung für kollektive Wissenskonstruktion

Inhaltsverzeichnis

Ausganspunkt Internet

War vor der Verbreitung des Internets die Entwicklung einer Netzsensibilität nur bedingt möglich (die Quantität der Kontakte, die eine Person mit seinen Mitmenschen pflegen konnte, war auf eine kleinere Gruppe beschränkt) sind die Vernetzungsmöglichkeiten mit dem Einzug des neuen Kommunikationsinstrumentes auf ein vielfaches gewachsen. Um das neue Vernetzungspotenzial produktiv auszuschöpfen werden neue Kompetenzen gefragt, wie die Vernetzungskompetenz, die selbst auf der Netzsensibilität aufbaut.

Komponenten von Netzsensibilität

  • Erkennen, dass man als Einzelner Träger von Ressourcen ist.
  • Erkennen, dass man das eigene Ressourcenpotenzial aktiv vermehren soll, damit man die eigene Attraktivität in der Gruppe erhöht.
  • Erkennen, dass man das eigene Ressourcenpotenzial durch Kommunikation erhöhen kann.
  • Erkennen, dass Kommunikation dann entsteht, wenn der eine weiß, was der andere nicht weiß.
  • Erkennen, dass durch Kommunikation und Weitergabe von Wissen das eigene Wissen vermehrt wird.
  • Fähigkeit, Potenziale von anderen Gruppenmitgliedern zu erkennen, zu erschließen und für die Gruppe fruchtbar zu machen.
  • Fähigkeit, Kommunikation innerhalb einer Gruppe einzuleiten und aufrecht zu erhalten.
  • Fähigkeit, die Transformation von Information zu Wissen in der Gruppe anzuleiten.
  • Fähigkeit, für die Gruppe relevante externe Ressourcen aktiv zu suchen.
  • Fähigkeit, Handlungsbereitschaft zu erkennen und zu mobilisieren.
  • Fähigkeit, Kommunikation nach außen einzuleiten und aufrecht zu erhalten.[1]

Aufbau von Netzsensibilität im Unterricht

Eine Möglichkeit, Netzsensibilität aufzubauen, bietet der Unterricht nach der Methode Lernen durch Lehren. Sie wird zunächst einmal innerhalb des Klassenzimmers aufgebaut, wenn die Lerner gemäß den Prinzipien der Aufmerksamkeitsökonomie und Ressourcenorientierung diskursiv Wissen konstruieren. Sie soll sodann nach außen getragen werden mit dem Ziel, möglichst viele intellektuelle Ressourcen für ein kollektives Lösen von Problemen zu mobilisieren. Empathie und Netzsensibilität zählen zu den zentralen Prinzipien von LdL. Da das Konzept der Netzsensibilität erst in jüngster Zeit in die Diskussion eingebracht wurde (vgl. Quelle), erfolgt eine genauer Analyse deren Konstituenten zögerlich. Grundsätzlich empfiehlt sich, die traditionnelle Einteilung der menschlichen Perzeption auf nur vier Dimensionen (visuelle, auditive, taktile und gustative) auszuweiten. So muss der Blick noch auf die vestibuläre und die kinästhetische Dimension gerichtet werden. Der Lehrer muss ein Gespür entwickeln für den Raum (wo sitzt wer und was macht er/sie?) und die Bewegung (wie kann ich den Raum für Schülerbewegungen benutzen?). Die Entwicklung eines solchen Gespürs wird durch intensive Vernetzungsaktivitäten im Internet begünstigt.

Quellen

  1. Jean-Pol Martin (2007): Wissen gemeinsam konstruieren: weltweit. In: Lernen und Lehren - Zeitschrift für Schule und Innovation in Baden-Württemberg. 33(1): S.29. Neckar-Verlag Villingen-Schwenningen.

Literatur

  • Michael Kratky (2007): Ein neues Paradigma: Wissenskonstruktion und -management im Leistungskurs. Grin Verlag, München, ISBN 978-3-638-80349-6

Siehe auch